Die Die Eule Eule

Suchen
Blick über Lutherstadt Wittenberg, Foto: Martin Jehnichen (r2017)

Brandstiftung auf Flüchtlingsboot der Weltausstellung

In der Nacht auf Samstag wurde das Flüchtlingsboot, das Teil der Weltausstellung Reformation war, in Wittenberg in Brand gesteckt. Die Steuerkabine des Bootes wurde zerstört, der Rumpf beschädigt.

Das Flüchtlingsboot (Foto beim MDR) wurde im Rahmen der „Weltausstellung Reformation. Tore der Freiheit“ am Schwanenteich in der Lutherstadt aufgestellt und sollte gemeinsam mit der Installation im Schwanenteich (siehe Bild unten) an das Schicksal der Flüchtlinge erinnern, die über das Mittelmeer nach Europa fliehen. Die Installation im Teich wurde nicht beschädigt.

Mit dem Boot waren vor wenigen Jahren 244 Flüchtlinge aus Eritrea von Libyen übers Mittelmeer nach Europa geflüchtet. Alle Passagiere überlebten damals die Überfahrt nach Sizilien.

Kunstaktion zum Thema Flucht auf dem Schwanenteich in Wittenberg, Foto: Martin Jehnichen (r2017)

Eine „Schande“ für Wittenberg

Polizei und Feuerwehr waren in der Nacht zu Samstag gegen 4 Uhr alarmiert worden. Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) nannte am Sonnabend die Zerstörung des Bootes eine „Schande“, Wittenberg sei eine weltoffene Stadt, der Ruf der Lutherstadt stünde auf dem Spiel.

Polizei und Staatsschutz ermitteln, ein rechtsextremer Hintergrund der Tat kann nicht ausgeschlossen werden. Laut Polizei liegen allerdings kein Bekennerschreiben oder konkrete Hinweise auf Täter in den Sozialen Medien vor. Ermittelt wird darum in alle Richtungen. In Wittenberg und Umgebung war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Brandstiftungen gekommen.

Der MDR berichtet, am Vormittag sei am Bootsrumpf ein Runenzeichen festgestellt worden, das als Logo des Online-Netzwerks „Reconquista Germanica“ bekannt ist. Ob das Zeichen im Zusammenhang mit der Brandstiftung stehe oder bereits längere Zeit am Boot angebracht sei, konnte die Polizei bisher nicht aufklären.

Bischöfin reagiert bestürzt

Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), zeigte sich entsetzt über die Tat: „Ich bin bestürzt über diese gezielt eingesetzte Gewalt gegen ein Mahnmal für Mitmenschlichkeit, gegen ein Erinnerungsmal für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe“.

Junkermann wies darauf hin, dass gerade der 9. November an „gezielt gesetzte und organisierte Gewalt gegen Mitmenschen, gegen ihr Hab und Gut und ihre Gotteshäuser“ vor 80 Jahren erinnert: „Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich klar von solchen Gewaltakten zu distanzieren und sie nicht zu verharmlosen.“

AfD sprach sich gegen Verbleib aus

Viele Objekte der Weltausstellung sind nach dem 500. Reformationsjubiläum in der Stadt verblieben. Im September vergangenen Jahres nahm der Stadtrat der Lutherstadt die Geschenke an. Zuvor hatte es auch kritische Stimmen gegeben, die sich vor allem auf die Kosten des Unterhalts der zahlreichen Kunstwerke bezogen.

Allein am Verbleib des Flüchtlingsbootes gab es auch inhaltliche Kritik. Der AfD-Stadtrat Dirk Hoffmann kritisierte laut Mitteldeutscher Zeitung das Boot als Symbol dafür „illegale Einwanderung gut zu finden“. Das Boot gehöre „entsorgt“.

Oberbürgermeister Torsten Zugehör äußerte sich am Samstag auch zur Kritik an der Ausstellung, berichtet wiederum die Mitteldeutsche Zeitung. Die Zerstörung sei ein „zutiefst undemokratischer“ Akt, weil der Stadtrat sich deutlich für den Verbleib ausgesprochen hätte: „Da kann man nicht einfach hingehen und es anzünden“.

Dieser Beitrag wird bei Bedarf aktualisiert.


Update 14. November – 14:30 Uhr:

Die Evangelische Wittenbergstiftung spricht sich für einen Verbleib des ausgebrannten Schiffs an Ort und Stelle aus. Die Wittenbergstiftung vertritt in Wittenberg die Interessen der Evangelischen Kirchen. Das Schiff sei im Besitz der Stadt und diese könne nun frei entscheiden, wie es mit dem Schiff weiterginge, sagte Ulrich Seelemann, Juristischer Direktor der Wittenbergstiftung, der Eule. Er würde sich aber freuen, verbliebe das Boot in der Stadt, da auf diese Weise die Brandstifter nicht das letzte Wort behielten.

Mitdiskutieren