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Ein langer Weg – Die #LaTdH vom 7. Februar

Der Synodale Weg diskutiert zwei Tage lang digital – ohne Beschlüsse, doch auch ohne Ergebnis? Außerdem: Woelki entschuldigt sich ein bisschen & Ableismus in der Kirche.

Debatte

Zwei Tage haben sich 230 Bischöfe und Laien auf den Synodalen Weg gemacht. Coronabedingt fand die Konferenz digital statt, mit vielen Diskussionen, einiger Kritik, aber ohne Beschlüsse.

Leere Stellen und leere Tische – Annette Zoch (Süddeutsche Zeitung)

Es wurde viel gesprochen und diskutiert beim Synodalen Weg, Ergebnisse oder gar Beschlüsse gab es nicht. Die katholische Kirche will mit dem Synodalen Weg Glaubwürdigkeit zurückerlangen und Systemfehler beseitigen.

Ob ihr das gelingt, bleibt auch nach dieser ersten Konferenz fraglich. Nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie 2018 zu systematischen Ursachen des Missbrauchs innerhalb der Kirche waren nun zum ersten Mal Betroffene an der Aufarbeitung aktiv beteiligt. Für viele längst überfällig, für Kritiker hingegen überflüssig. Sie wollen sich lieber auf die Evangelisierung konzentrieren.

„Ich bin da völlig ihrer Meinung“, sagt Johanna Beck [Sprecherin des neuen Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz, @MmeSurvivante]. „Die Evangelisierung darf nicht zu kurz kommen. Ich meine das allerdings anders als der eine oder andere hier in dieser Runde: Sexualisierte Gewalt und geistlicher Missbrauch an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen stellt eine unfassbare Pervertierung des Evangeliums dar. Alles daran zu setzen, dass diese Pervertierung beendet wird, auch wenn man dafür vielleicht seine theologische Komfort-Zone verlassen muss, ist Evangelisierung.“

Die Statements der drei SprecherInnen des neuen Betroffenenbeirats der DBK stehen auf der Website des Synodalen Weges zur Verfügung (PDF). Das Präsidium des Synodalen Wegs forderte im Laufe der Online-Konferenz verbindliche Verfahren und eine Pflicht zur Aufarbeitung im Hinblick auf die Missbrauchsfälle. Diese konkreten Umsetzungen werden aber frühestens im Herbst bei der nächsten Vollversammlung beschlossen.

Synodaler Weg: Reden allein genügt nicht – Tilmann Kleinjung (BR24)

Auch Tilmann Kleinjung (@TilmannKk) fordert in seinem Kommentar ein konkreteres Vorgehen der katholischen Kirche. Bereits vor 50 Jahren auf der Würzburger Synode habe es Diskussionen über Reformen innerhalb der Kirche gegeben. Auch damals habe man über die Rolle der Frau, zeitgemäße Sexualmoral und die Verteilung der Macht diskutiert. Die Papiere dazu seien allerdings in irgendeiner Schublade verschwunden. Der Unterschied heute: Der Druck und der Frust seien zu hoch.

Die Frauen von Maria 2.0 begehren auf, wollen sich nicht mit Placebos abspeisen lassen, mit dem, „was heute schon möglich ist“: Pastoralreferentin, Religionslehrerin, Ordensfrau. Sie wollen echte Teilhabe an allen Ämtern der Kirche. Maria 2.0 ist tatsächlich nicht irgendeine randständige „Revoluzzertruppe“. Die Frauen kommen aus der Mitte der Kirche, und in vielen Gemeinden sind sie es, die den Laden am Laufen halten.

Der Vorsitzende des Jugendverbands BDKJ (@bdkj) Gregor Podschun und die katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (@KDFB_Bund @kfd_bv) fordern nach der Online-Konferenz ein schnelles Handeln: „… viele Katholiken warten auf konkrete Ergebnisse“.

Bätzing und Sternberg: Bei nächster Versammlung gibt es Entscheidungen – Joachim Heinz (katholisch.de)

Ein Interview zu den Eindrücken des Synodalen Wegs mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing (Limburg), und dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (@zdkonline), Thomas Sternberg, liefert Joachim Heinz auf katholisch.de.

Die Interviewten blicken in die Zukunft und versprechen Entscheidungen für die nächste Synodalversammlung im Herbst. Wie der Vatikan mit den Beschlüssen des Synodalen Wegs umgehe, darauf fand Thomas Sternberg folgende Antwort:

Wir fühlen uns mit dem Synodalen Weg in Deutschland keineswegs auf einem Sonderweg, der etwa gegen römische Interessen gerichtet wäre. Im Gegenteil: Wir sehen uns im Einklang mit der Weltkirche und im Einklang mit dem Papst.

Zum Nachlesen: Der Live-Blog zur Online-Konferenz des Synodalen Weges – Renardo Schlegelmilch (Domradio)

Wer jetzt noch nicht genug hat vom Synodalen Weg und die zwei Tage nicht live verfolgen konnte, dem legen wir den Live-Blog von domradio.de ans Herz. In kurzen Statements und Kommentaren hat Renardo Schlegelmilch (@RenardoJoachim) die Ereignisse der Online-Konferenz zusammengefasst. So bekommt man noch einmal einen tieferen Einblick in den Ablauf und die Diskussionen zwischen den Beteiligten.

Die gesamten Streams der beiden Sitzungstage kann man auf dem YouTube-Kanal der DBK nachschauen und Eule-Redakteur Philipp Greifenstein (@rockToamna) hat in zwei Threads auf Twitter sowohl das Statement des Missbrauchsbeauftragten der DBK, Bischof Stephan Ackermann (Trier), und die Statements der Betroffenenbeiräte eingeordnet.

nachgefasst

Reue-Simulation mit Tradition – Christiane Florin (Deutschlandfunk) 

Neben den großen Themenblöcken Missbrauch und der Zukunft der Frauen in der Kirche schwebte über dem Synodalen Weg das Verhalten des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki. Nach wie vor weigert sich der Kardinal das erste Missbrauchsgutachten der Münchener Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zu veröffentlichen. Stattdessen hatte Woelki ein neues Gutachten für den 18. März angekündigt.

Auf der Online-Konferenz des Synodalen Weges entschuldigte sich Woelki nun und sprach von Fehlern, die auch er gemacht habe. Für Christiane Florin (@ChristianeFlori) zu wenig:

Reue-Simulation hat Tradition. Es ist eine gute katholische Kulturtechnik, zuerst etwas von langer Hand zu planen und es dann in einer Blitzbeichte wie ein Malheurchen aussehen zu lassen.

Auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz Georg Bätzing kritisierte die stockende Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Köln. „Sie führe dazu, dass Betroffene sich fragten: „Ist das denn wirklich ernst gemeint mit der Kirche und der Aufklärung“. Das Präsidium des Synodalen Wegs sprach in einer Erklärung außerdem davon, dass auch ein Rücktritt eines Bischofs als mögliche Konsequenz von Fehlverhalten im Umgang mit sexuellem Missbrauch kein Tabu sein kann.

Erklärung der Gemeindegremien – Kirche der Jesuiten Sankt Peter Köln

Die lange Reihe der Proteste im Erzbistum Köln reißt derweil nicht ab. Die Gemeindegremien von Sankt Peter haben ihre Erklärung dem Erzbischof von Köln gewidmet und drücken ihre Bestürzung aus:

In Köln geht es in dem defensiv-ängstlichen Taktieren immer noch nur um die Kirche. Das Selbstverständnis großer Teile der Kölner Hierarchie verharrt vermeintlich rechtgläubig in einem autoritären Machtgestus und vormodernen Kirchenbild. Das wird auf Gemeindeebene nur noch als völlig abgehoben (disconnected) wahrgenommen.

Buntes

Tareq Alaows: „Ich will die Stimme derer sein, die in Deutschland als Geflüchtete leben“ – Daniela Vates (Redaktionsnetzwerk Deutschland)

Diese Woche wurden wir auf Tareq Alaows (@Tareq_Alaows) aufmerksam. Vor sechs Jahren kam der Syrer als Geflüchteter nach Deutschland. Jetzt will er für die Grünen in den Bundestag einziehen. Wenn das klappt, wäre der 31-Jährige der erste Geflüchtete im Bundestag.

Im Interview mit Daniela Vates (@DanielaVates) erzählt Tareq, dass er in Syrien Jura studiert, für den Roten Halbmond gearbeitet hat und nun für den Bundestag kandidiert, um die Stimme der Geflüchteten in Deutschland zu sein.

Es geht um Partizipation und um einen neuen Blick im Parlament. Die Leute, die bisher über die Migrations- und Flüchtlingspolitik entschieden haben, wissen nicht, wie man sich fühlt, wenn man fliehen muss. Ich will diese Perspektive in den Bundestag bringen. Es soll dort nicht mehr heißen „Dem Deutschen Volke“ – sondern „Für alle Menschen, die in Deutschland leben“.

Tareq Alaows kandidiert als Abgeordneter für Oberhausen und Dienslaken im Ruhrgebiet, will sich beim Parteitag der NRW-Grünen im April aber zusätzlich auf einen Platz auf der Bundestagsliste bewerben.

Gehörlos: Das ist unser Riesenproblem – Deutschland3000 (Instagram)

Welche Probleme haben Gehörlose in ihrem Alltag? Das zeigt Eva Schulz (@evaschulz) bei Deutschland3000, dem funk-Format von ARD und ZDF, diese Woche in einem Video auf Instagram.

Fünf Minuten lang erklären Betroffene warum es so schwierig ist, einen Gebärdendolmetscher zu bekommen (es gibt einfach zu wenige in Deutschland), wie sie sich in Notfällen mit Händen und Füße verständigen müssen und was sie sich für die Zukunft wünschen. Man bekommt so einen kurzen Einblick in eine vermeintliche Parallelwelt, die wir doch zu unserer machen sollten.

Theologie (und Sprache)

Populismus in WDR-Show – Arno Frank (Spiegel)

An dieser Fernsehsendung kam man diese Woche (fast) nicht vorbei: Die Stammtisch-Talkshow „Die letzte Instanz“ im WDR. Dort diskutierten Micky Beisenherz, Thomas Gottschalk, Janine Kunze und Jürgen Milski – also allesamt Menschen, die von Antiziganismus keine Ahnung haben – zusammen mit Moderator Steffen Hallaschka unter anderem über die Frage „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“.

Die Kritik: Vier weiße Menschen hätten sich rassistisch und diskriminierend über Sinti und Roma geäußert, ohne dass Betroffene zu Wort kommen konnten. Die Sendung zog einen gehörigen Shitstorm nach sich, woraufhin sich Gäste und auch der WDR rechtfertigten und entschuldigten. Arno Frank beklagt in seinem Beitrag für den SPIEGEL aber vor allem systemische Fehler:

Auch wäre mit einer »sensibleren Gästeauswahl« wenig gewonnen. Es nützt auch nichts, dass der WDR sich »so stark wie kaum ein anderer Sender« für »die Themen Integration und Diversity« starkmache, wie die Unterhaltungschefin behauptet – wenn die Produktion ausgelagert wird an externe Dienstleister, die »Diversity« für modischen Dönekes halten.

Christlicher Ableismus? – Julia Schönbeck (Blog)

Dass man auch in der Kirche und unter Christen von Diskriminierung betroffen sein kann, beschreibt Julia Schönbeck (@schaumbuergerin) in ihrem neusten Blogartikel. Der Tenor: Nur weil ein Mensch eine Behinderung hat, will er/sie nicht, dass man ihn/sie bevormundet oder ungefragt für ihn/sie betet.

Unter dem Stichwort „inspiration porn“ wird beschrieben, dass MmB [Menschen mit Behinderung] häufig für Taten bewundert werden, die alltäglich sind. Sie sind dann besonders mutig oder tapfer und stark, während sie einfach ihr Leben leben. Der Satz „Ich könnte das ja nicht!“ kommt dabei meist gleich hinterher. Dahinter steckt jedoch der Gedanke, dass MmB „normalerweise“ all diese Dinge nicht können und es diese eine Person nun eben trotz der Behinderung schafft. Eigentliche individuelle Begabungen und Erfolge geraten so wieder in den Hintergrund.

Ein guter Satz