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Nordkirchenschiff auf dem DEKT 2013, Foto: Gerhard Kemme, Public Domain

Im siebten Himmel?

Die Nordkirche bekommt in Kristina Kühnbaum-Schmidt eine neue Landesbischöfin. Erst sieben Frauen wurden an die Spitze ihrer Kirchen gewählt.

Am vergangenen Donnerstag wählte die Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Norddeutschland (Nordkirche) Kristina Kühnbaum-Schmidt zur Landesbischöfin. Sie folgt in diesem Amt Gerhard Ulrich nach, der 2013 als erster Landesbischof der 2012 fusionierten neuen Landeskirche gewählt wurde.

Kristina Kühnbaum-Schmidt, Foto: EKM

Landesbischof Gerhard Ulrich gratulierte ihr im Namen der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD): „Mit Ihren vielfältigen Qualifikationen, mit Ihrer theologischen Kompetenz und Ihrem Engagement für die Kirche und die Menschen sind Sie hervorragend geeignet für das geistliche Leitungsamt in der Nordkirche“.

In seiner Gratulation weist Ulrich auf Eigenschaften hin, die seiner Meinung nach eine Bischöfin heute mitbringen muss: „In der heutigen Zeit braucht die Kirche Leitungspersonen, die über theologische Kompetenz, Klarheit in der Leitung, Verbindlichkeit im Umgang mit Menschen und ein Gespür für das richtige Wort zur rechten Zeit verfügen.“

Nur selten Frauen an der Spitze

Eigenschaften, die in eindrücklicher Weise gerade von Frauen in die höchsten Leitungsämtern der Kirchen eingebracht wurden. Warum also gibt es nach wie vor so wenige evangelische Bischöfinnen und Kirchenpräsidentinnen?

Kühnbaum-Schmidt ist erst die siebte Frau, die eine evangelische Landeskirche im höchsten geistlichen Leitungsamt repräsentiert. Vor ihr wurden Maria Jepsen (Nordelbien/Hamburg, 1992-2010), Margot Käßmann (Hannover, 1999-2010), Bärbel Wartenberg-Potter (Nordelbien/Holstein-Lübeck, 2001-2008), Ilse Junkermann (EKM, 2009-2019) und Kirsten Fehrs (Nordkirche/Hamburg, 2011-) zu Bischöfinnen und Annette Kurschus (Westfalen, 2012-) zur Präses gewählt.

Die evangelische Kirche im Norden Deutschlands hat bisher die meisten Bischöfinnen hervorgebracht. Auch, weil die ehemalige Nordelbische Kirche drei Bischöfssitze hatte und die fusionierte Nordkirche starke regionale Bischofsämter für die Sprengel vorsieht. Anders als die alte Nordelbische Kirche, in der lediglich einer von drei Bischöfen die Führung der Kirchenleitung übernahm, hat die Nordkirche aber das Amt des Landesbischofs eingeführt, das diesen Bischöfen übergeordnet ist.

Ohne die Sprengel-Bischöfin Fehrs sind also eigentlich nur sechs Frauen zu zählen. Regionalbischöfinnen, Generalsuperintendentinnen oder Pröpstinnen gibt es in vielen Landeskirchen. Diese Ämter werden inzwischen recht häufig von Frauen ausgefüllt. Kristina Kühnbaum-Schmidt ist bis zur Amtsübernahme in Schwerin z.B. noch Regionalbischöfin im Propstsprengel Meinigen-Suhl in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Die „Bischofsvermehrung“ durch Regionalisierungen und Kirchenfusionen, sowie Ämterumbenennungen von Pröpsten und Generalsuperintendenten hin zu „Regionalbischöfen“ kann nicht darüber hinweg täuschen, dass evangelische Spitzenämter nach wie vor überproportional häufig von Männern besetzt sind.

Schwierige Geschichten

Kühnbaum-Schmidt wurde bereits im ersten Wahlgang mit 90 von 150 Stimmen gewählt. Für ihren Gegenkandidaten, Propst Dr. Karl-Heinrich Melzer, stimmten 56 Synodale. Sie kann damit auf den starken Rückhalt ihrer Kirche trauen. Ein Privileg, das nicht alle ihre Vorgängerinnen im Bischofsamt einer evangelischen Landeskirche hatten.

Der Wahl der weltweit ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin, Maria Jepsen, in Hamburg 1992 gingen erfolglose Kandidaturen von Frauen in Schleswig 1990 und Lübeck 1991 voraus. Erst der dritte Bischofssitz der damaligen Nordelbischen Kirche konnte mit einer Frau besetzt werden.

Landesbischöfin Ilse Junkermann bei einer Taufe, Foto: Kaelbchen19 (Wikipedia), CC BY-SA 4.0

2010 traten sowohl Maria Jepsen als auch Margot Käßmann von ihren Ämtern zurück. Konsequenzen, die wohl nur wenige ihrer männlichen Amtsbrüder jemals erwogen hätten. In beiden Fällen geschah der Rücktritt, um Schaden von der Kirche und vom Bischofsamt abzuwenden.

Beide legten dafür einen besonders hohen Anspruch an sich selbst an, der nicht ohne Blick auf ihre herausgehobene Position als Frauen im Bischofsamt verständlich wird. Oder anders gefragt: Für wie selbstverständlich halten sich Männer im Bischofsamt nach wie vor – und wie beeinflusst dies ihre Amtsausübung?

Ilse Junkermann wurde 2009 als erste Bischöfin der damals frisch fusionierten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erst im dritten Wahlgang gewählt. Das gespaltene Verhältnis mancher zur mitteldeutschen Bischöfin dokumentiert sich in der Entscheidung des Landeskirchenrates, ihr die Möglichkeit der Verlängerung der Amtszeit bis zum Eintritt in den Ruhestand durch die Synode zu verweigern. 2019 wird Junkermann aus dem Amt scheiden.

Zwei oder Drei

Dann wird es mit der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen und stellvertretenden EKD-Ratsvorsitzenden Annette Kurschus und eben Kristina Kühnbaum-Schmidt auch weiterhin nur zwei Frauen in höchsten geistlichen Leitungsämtern geben. Bei 20 lutherischen, unierten und reformierten Kirchen in Deutschland ein echtes Armutszeugnis.

Die neue Bischöfin reist mit guten Wünschen ihrer mitteldeutschen Amtsschwester Junkermann, die sie gleichzeitig aus der eigenen Landeskirche verabschiedet, in den Norden: „Ich freue mich, dass Sie die Erfahrungen aus unserer fusionierten Landeskirche nun in der Nordkirche einbringen können und wünsche Ihnen Gottes reichen Segen, Inspiration und Kraft für alle Aufgaben und freundlich zugewandte Menschen an Ihrer Seite.“

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