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Bild: pellethepoet (Flickr), CC BY 2.0

Männer mit einer Mission

Zu Beginn des neuen Jahres widmen sich zwei neue Initiativen der Mission. Dass es vor allem Männer sind die das Mission Manifest und biblipedia.de machen, ist wenig hilfreich.

Das noch junge Jahr 2018 hat uns gleich zwei neue Initiativen beschert, die sich vor allem mit der Mission befassen: Das Mission Manifest, das zur Erneuerung der römisch-katholischen Kirche aufruft, und die Plattform biblipedia.de.

Das Mission Manifest stammt vor allem aus der charismatischen Ecke des Katholizismus. Die Thesen der Initiatoren haben sowohl Zustimmung, als auch Widerspruch erregt. Biblipedia.de ist ein Projekt konservativer Evangelikaler, die sich mit ihren Beiträgen vor allem an jene wenden wollen, die „den guten Weg“ verlassen haben: Liberale, Postevangelikale und Skeptiker.

Augenscheinliche Ähnlichkeiten

Die beiden Initiativen haben trotz Unterschieden – z.B. bei der Professionalität des Angebots und der Aufmachung – einiges gemeinsam: Hier sind die Frommen unterwegs, die Besorgten, diejenigen, die (zu Recht?) meinen, es bedürfe grundlegender Korrekturen am Kurs der Kirche (Mission Manifest) bzw. eine Rückkehr zur „reinen Lehre“ (biblipedia.de).

Beide teilen das gleiche Missions-Verständnis. Nämlich, dass es vor allem darum geht, Menschen vom Glauben zu überzeugen. Ziel und Weg der Mission sind deshalb schon festgelegt. Ergebnis der erfolgreichen Mission ist die Bekehrung zu dem, was von vornherein als Wahrheit feststeht. Und dahin kommt man am besten durch Überzeugungsarbeit und Apologetik.

Was beide außerdem gemeinsam haben: Keine Frauen.

Unter den sechzehn (16!) Bloggern, die sich auf biblipedia.de zusammengetan haben, befindet sich keine einzige Frau. Auch die Initiatoren des Mission Manifest sind in trauter Männerunde. Wobei einschränkend darauf hingewiesen sei, dass sich unter den Erstunterzeichnern des Aufrufs wenigsten ein paar Frauen finden.

Vielleicht liegt ja der verfolgte Ansatz, durch erneute Predigt, durch verschärfte Argumentation, durch harte Überzeugungsarbeit die äußere und „innere“ Mission zu betreiben, auch an diesem Männerüberschuss? Und vielleicht darf man sich auch fragen, wie viel Segen auf Projekten liegt, die ohne Frauen klar kommen zu können meinen, wo doch die Auferstehungsbotschaft zuerst von Frauen verkündet wurde? Wie zielführend sind (Re-)Missionierungsunternehmungen, für die sich Frauen kaum begeistern können?

Vielleicht zeigt der Frauenmangel ja an, dass das Anliegen oder die Herangehensweise verbesserungswürdig ist? Man wünschte beiden Projekten jedenfalls eine Prise der im besten Sinne weiblichen Sicht auf Mission, wie sie z.B. Madeleine Delbrêl gelebt hat. Das theologische Feuilleton feinschwarz.net hat erst diese Woche einen Artikel über sie gebracht, geschrieben übrigens von einer römisch-katholischen Theologin.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Die hippe Aufmachung und professionelle Präsentation des Mission Manifest soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier alter Wein in neuen Schläuchen geboten wird. Katholisch.de titelte zu Recht „Nur mal schnell die Kirche retten“. Die angebotenen Thesen sind so allgemein wie floskelhaft. Die Autoren gehen über vieles Gute und Gelingende in der Kirche und den Gemeinden naserümpfend hinweg. Ist, was junge Menschen an die Kirche bindet, vielleicht gar nicht die nächste angehippte Aktion, sondern ansprechbare, zielgruppenorientierte Kirchenarbeit von hoher Qualität vor Ort?

Noch augenfälliger wird das Auseinanderfallen vom Anspruch absoluter Zeitgenossenschaft und Realität des gebotenen Materials bei biblipedia.de. Alter Wein in neuen Schläuchen bedeutet hier ganz praktisch, dass ein Großteil der Beiträge längst an anderer Stelle veröffentlicht wurde und unter der neuen Adresse nurmehr gebündelt wird. Teilweise sind die Beiträge Jahre alt. Hatten die Initiatoren nicht versprochen, sich ganz neu und passgenau an ihre Zielgruppen zu wenden? Mit recycelten Beiträgen?

Die Ansprache ist dann auch überhaupt nicht so, wie man es von einem Projekt vermuten dürfte, das sich ernstlich darum bemüht, von der Stange gegangene Glaubensgeschwister wieder einzusammeln. Es werden vor allem altbekannte Argumente in „bewährter“ Form und Binnensprache vorgebracht. Hier wird man old school bebibelt und vollgetextet.

Ästhetik ist nicht alles, aber ohne Ästhetik geht es auch nicht

Dass biblipedia.de wohl kaum großer Erfolg beschieden sein wird, liegt nicht zuletzt auch daran, dass die wirklichen Anfragen der Liberalen und Post-Evangelikalen überhaupt nicht stattfinden, sondern nur in ihrer bereits durch die konservativ-evanglikale Brille gesehenen Verzerrung zur Sprache kommen. Beim Stöbern verfestigt sich der Eindruck, es bei biblipedia.de nicht mit einem Dialogangebot zu tun zu haben, sondern mit einem Kollektenkorb voll Indoktrination.

Gerade die Gruppe der Post-Evangelikalen nimmt man so schwerlich ernst. Hinzu kommt, dass die altbackene Aufmachung diese auf zeitgemäße Ästhetik abfahrende Zielgruppe gänzlich verfehlt. Letzteres ist überraschend, weil sich unter den Initiatoren auch jüngere netzaffine Autoren befinden, die an anderer Stelle durchaus sowohl ästhetisch als auch argumentativ Schritt halten können, mit dem was junge Gläubige im Netz beschäftigt.

Reisende soll man nicht aufhalten

Das Jahr ist noch jung und beide Initiativen stehen am Anfang ihres Engagements, weshalb man mit einem endgültigen Urteil noch zurückhaltend sein sollte. Allerdings fordern die Macher zur Diskussion auf und sollten sich daher nicht über kontroverse Entgegnungen wundern. Dass Kritiker automatisch zu Verteidigern des Status quo abgestempelt werden, ist unnötig und entlarvend.

Dass beide Iniativen unter den gängigen „lauen“ Christen hierzulande dann auch vor allem Gegner statt Verbündete vermuten, ist vielleicht der bedauerlichste Aspekt beider Unternehmungen.

Philipp Greifenstein

Philipp stammt aus Dresden, wohnt in Lutherstadt Eisleben und ist bei uns für die Artikelplanung zuständig. Außerdem schreibt er die Kolumne Unter Heiden. Philipp führt seinen eigenen Blog und ist als @rockToamna auf Twitter.

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