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Millionenschwer – Die #LaTdH vom 11. Februar

Viele Millionen gehen in #Eichstätt „verloren“, bald ist Fastenzeit und ein paar junge Genossen haben theologischen Beef mit dem Ratsvorsitzenden der EKD.

Debatte

Im Bistum Eichstätt ist der größte Finanzskandal in der katholischen Kirche in Deutschland aufgeflogen: 48 000 000 € sind durch Zockerei auf dem US-Immobilienmarkt „verloren“ gegangen. Die unmittelbar Verantwortlichen sitzen in Untersuchungshaft, jetzt stellt sich die Frage nach der Verantwortung der Kontrolleure, des Bistums und des zuständigen Bischofs Gregor Maria Hanke.

Gutgläubig genügt nicht – Thomas Schüller (Süddeutsche Zeitung)

In der Süddeutschen Zeitung machte Thomas Schüller, Kirchenrechtler an der Uni Münster, seinem Ärger Luft. Schüller war schon im Skandal um Bischof Tebartz-van Elst in Limburg als scharfer Kritiker des Finanzgebarens der katholischen Kirche aufgetreten. Wie damals scheinen auch heute wieder mangelnde unabhängige Kontrolle und Sachkenntnis einen erheblichen Beitrag zum angerichteten Schaden beigetragen zu haben.

Mühsam aufgebautes Vertrauen ist erschüttert. In Eichstätt wurden offenbar einfachste Grundregeln des Controllings missachtet, es gab keine Compliance-Standards, keine verbindlichen Regeln für ethisch und rechtlich einwandfreies Investment; nicht einmal die Normen des kirchlichen Gesetzbuches wurden umgesetzt.

In seinem kurzen, gepfefferten Beitrag fordert er den Eichstätter Bischof Hanke auf, „um der Glaubwürdigkeit der Kirche willen“ die Verantwortung zu übernehmen.

„Vielleicht hätte ich noch härter durchgreifen müssen“ – Gregor Maria Hanke im Interview (KNA, katholisch.de)

Im Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur gibt sich Bischof Hanke mehr als einsichtig. Der Skandal sei nur deshalb möglich gewesen, weil die von ihm bereits seit Jahren verfolgten Reformen nicht weitreichend genug gewesen seien.

Weil ich da auch nicht vom Fach bin, musste ich mich erst kundig machen, welche Berater und Firmen infrage kommen, welche Rechtsbeistände. Es war wichtig, dafür die leitenden Mitarbeiter im Haus zu gewinnen, da gab es auch Widerstände. Vielleicht hat das alles zu lange gedauert. Aber ich habe auch nur zwei Hände und kann nicht mit einem Zauberstab das ganze System auf einmal ändern.

Vielleicht sollte es der Bischof einmal mit Finite Incantatem versuchen, aber sei’s drum: Wenngleich Bischof Hanke glaubhaft versichert, sein Möglichstes getan zu haben, so meint auch er:

Die Letztverantwortung nimmt der Bischof wahr, indem er die Strukturen so aufbaut und mit Kompetenzen ausstattet, dass nicht er der unmittelbar Agierende ist.

„Sachliche, nüchterne und transparente Aufklärung“ – Isidor Vollnhals im Interview (Die Tagespost)

Es sind ja gleich drei Skandale auf einmal: Die Höhe der zur Spekulation freigegebenen Mittel. Die mangelnde Aufsicht und wirtschaftliche Kenntnis der Handelnden. Und drittens: Wie leichtfertig mit dem Vertrauen der Kirchenmitglieder in die Institution Kirche umgegangen wird. Letzteres macht den Eichstätter Skandal zu einem ökumenischen Problem. Der Limburger Luxus hat damals zu Kirchenaustritten en masse geführt. Für so etwas will halt niemand zahlen.

Das ist auch dem Generalvikar des Bistums Eichstätt, Isidor Vollnhals, durch den Kopf gegangen:

„Es ist schade für die Wirkung der Transparenzoffensive nach Außen, dass solche Praktiken ans Licht kommen“, gesteht Vollnhals im Gespräch mit der „Tagespost“. Jedoch könne man froh sein, im Zuge der Offensive überhaupt auf die Vorgänge gestoßen zu sein. Er wolle sich gar nicht ausmalen, was sonst passiert wäre. Der Generalvikar rechnet in Zukunft auch mit einem geringeren Spendenaufkommen als Folge des Finanzskandals. „Natürlich ist diese Befürchtung da. Deshalb ja auch die tiefe Betroffenheit und Fassungslosigkeit.“

Randständiges

Fastenkampagne 2018 ruft dazu auf: „Zeig dich!“ – epd (evangelisch.de)

Die neue evangelische Fastenkampagne läuft an. Wie immer mit den besten Anliegen und Zielen, eine Tatort-Kommissarin ist auch mit dabei. Was das mit Fasten, Passion und dem Weg auf Ostern hin zu tun hat? Das muss die viel gerühmte evangelische Freiheit sein. Auch dem großmäuligen Auftreter, dem sich gerne zeigenden Petrus sagte Jesus einfach: Bleib hier, und wache mit mir.

Ist die bischöfliche Parteinahme für die Große Koalition angemessen? – Niklas Schleicher, Tobias Graßmann et al. (nthk.de)

Man muss den Genossen Ratsvorsitzenden nicht allzu streng ins Gericht nehmen, aber seine Empfehlung an die SPD-Mitglieder, die Große Koalition durch eine Zustimmung zum Koalitionsvertrag nicht zu verhindern, ist eine Grenzverletzung. Darauf macht die Genossenschaft Netzwerk Theologie in der Kirche (@nthk_de) aufmerksam.

Dies wird alles vorgetragen über den offiziellen Account des Bischofs und in einem Sprachduktus, der in seiner emotionalen Rhetorik und moralischen Verbindlichkeit nicht zu unterscheiden ist von geistlichen Worten des Bischofs. So wird in einer vordergründigen Unparteilichkeit doch deutlich für eine Richtung argumentiert. Versucht der Bischof hier etwa, die Gewissen der evangelischen Christinnen und Christen in der SPD zu binden?

Seine Einlassungen zum Thema „Miteinander reden“ (siehe #LaTdH von letzter Woche) ergänzte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (@landesbischof) unter der Woche mit weiteren Gedanken zur Regierungsbildung. Der von den NThKlern aufgeschriebenen, feinen „Verhältnisbestimmung von Theologie und Politik“ dürfte – da gehe ich jede Wette ein – der Ratsvorsitzende vollumfänglich zustimmen. Ärgerlich ist allein, dass der Bischof in der Praxis all denen Nahrung gibt, die ohnehin gegen das linksgrünversiffte Kirchen-Establishment hetzen. Des Pudels Kern: Auch der Ratsvorsitzende benötigt ein Update in Medienkompetenz. Nicht alles zu allem muss über offizielle Kanäle (und der Facebook-Account gehört dazu!) ausgespielt werden.

Inoffiziell segnen katholische Pfarrer immer wieder homosexuelle Paare – Julia Lauer (evangelisch.de)

Hier etwas zur Kenntnisnahme für alle, die gerne bei kirchenpolitischen Handgemengen von Beginn an mit dabei sein wollen. Auf evangelisch.de bekennen sich mehrere katholische Priester dazu, homosexuelle Paare gesegnet zu haben. So weit war die jüngst bischöflich angeschobene Debatte noch lange nicht. Über die kirchenamtlichen Konsequenzen für die Herren werden wir sicher in den kommenden Wochen in den #LaTdH berichten.

Dass die Segnungen Konfliktpotential haben, ist dem Priester bewusst. Aber wenn die Paare ihm sagen, dass sie Treue und Verantwortung leben möchten, versteht Modenbach, dass ihnen der Segen etwas bedeutet. Er findet, ihr Anliegen könne man nicht ignorieren. Und falls es doch zu einem Konflikt kommen sollte, nimmt Modenbach ihn eben in Kauf.

Bibel

Das Exodus-Muster – Peter Aschoff (Peregrinatio)

Gängigen theologischen Verengungen im Blick auf Sünde und Ewigkeit kann man in einer gut biblischen Lektüre des Exodus-Buches entgegentreten, meint Peter Aschoff (@paschoff):

Das Problem mit der herkömmlichen Vorstellung von Sünde als moralischem Versagen und individueller Schuld und einer primär jenseitsbezogenen Erlösung ist ja die Frage, wie man das dann wieder mit sozialen und politischen Verhältnissen – also dem öffentlichen Leben statt nur dem privaten – zusammenbringt. Denn wenn es in der Bibel vor allem um „Gott und die Seele“ geht, bleiben die Lebensverhältnisse außen vor oder sie dienen nur als austauschbare Kulisse für die Bewährung des Glaubens bis zur endgültigen Heimkehr zu Gott. Genau das passiert, wenn man – etwas überspitzt formuliert – aus dem „alten“ Testament nur die ersten drei Kapitel der Genesis, die zehn Gebote und ein paar messianische Verheißungen in den Kernbestand christlichen Denkens integriert.

Predigt

This is not Sunday’s Sermon – Rosalind C. Hughes (over the water, englisch)

I am ready to give up glory for Lent, to lay down among the crumpled alleluia, make a nest, a dwelling place of sorts. This is not Sunday’s sermon, but for a Friday, it may make do.

Ich bin bereit, die Herrlichkeit für die Fastenzeit aufzugeben, mich zwischen die zerknitterten Hallelujas niederzulegen, ein Nest zu bauen, eine Art von Wohnung. Dies ist keine Sonntagspredigt, aber für einen Freitag mag sie genügen.

Ein guter Satz

„Was ist schon der Mensch, dass sie an ihn dächten?“

– die Frage non plus ultra, gestellt von Werner Kleine (@WernerKleine) in diesem lesenswerten Artikel über die Orientierung der Kirche


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