Die Die Eule Eule

Foto: Bob Blob (Unsplash)

Nicht nur Glockenläuten

Zum globalen Klimastreik sollen die Glocken läuten, die Kirchen streiken gemeinsam mit #FridaysforFuture. Doch wie steht es um das Engagement der Kirchen in Sachen Klima?

Am Freitag läuten die Glocken der Kirchen, um den globalen Klimastreik von #FridaysforFuture zu unterstützen. Viele Kirchen und Gemeinden beteiligen sich mit eigenen Protestaktionen, Andachten und Gottesdiensten unter dem Hashtag #AllefürsKlima.

Und in der vergangenen Woche machte das internationale Divestment-Bündnis Schlagzeilen: Die Marke von 11 Billionen US-Dollar an Divestment-Zusagen sei erreicht worden. Ursprünglich hatte man sich vorgenommen, 2020 die Marke von 10 Billionen zu erreichen. Weltweit verzichten Organisationen auf Investitionen in fossile Treibstoffe. Mit dabei sind Kirchen und Religionsgemeinschaften, sie machen 27% der rund 1 100 beteiligten Organisationen aus, berichtet der National Catholic Reporter.

„Put your money, where your mouth is!“

Den Erfolg möglich machten vor allem Zusagen aus Weltregionen, die schon jetzt erheblich unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden haben. Zuletzt waren es vor allem katholische Kirchen aus Südamerika, Afrika und Südostasien, die zum Bündnis hinzustießen.

Grund genug, einmal bei den Kirchen im reichen Deutschland nachzufragen: Wie halten Sie es mit dem klimaverträglichen Investment?

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat bereits 2015 einen Beschluss zum Divestment gefasst, etwas später hat die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) nachgezogen. In anderen evangelischen Landeskirchen gibt es keine entsprechenden Beschlüsse der Synoden.

Das heißt aber nicht, dass auf dem Feld des ethisch-nachhaltigen Investments nicht gehandelt würde. Nur kommt das evangelische Engagement deutlich weniger sexy daher als die globale Divestment-Kampagne. Doch in der Stille handeln die Kirchen durchaus wirkungsvoll. Im März dieses Jahres erschien der EKD-Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage bereits in der vierten Auflage, in die erstmals eine Klimastrategie aufgenommen wurde. Am Leitfaden orientieren sich die evangelischen Landeskirchen bei ihren Investments.

Enstanden ist der Leitfaden, der im Arbeitskreis Kirchlicher Investoren (AKI) erarbeitet wird, zunächst aus der kollegialen Beratung von Finanzfachleuten in den Kirchen. Im Arbeitskreis arbeiten die evangelischen Landeskirchen, ihre Pensionskassen und die Kirchenbanken zusammen. Der Leitfaden hat keine gesetzlich bindende Kraft, aber die Kirchen wenden die auf 70 Seiten zusammengefassten Strategien und Kriterien beim Investment ihrer Vermögen an. Insgesamt investieren die evangelischen Akteure eine mittlere zweistellige Milliardensumme nach Maßgabe des Leitfadens.

Die Kirche als glaubwürdiger Akteur auf den Finanzmärkten

Dr. Karin Bassler leitet als Geschäftsführerin den AKI, ihre Stelle wird von der EKD gemeinsam mit den Kirchenbanken und Pensionskassen finanziert. Divestment (dt. Desinvestition) ist nur ein Ansatz, den der AKI für die kirchliche Geldanlage empfiehlt. Es geht vor allem darum, die Kirchengelder gezielt zu investieren. Geldanlagen sollen „sozialverträglich, ökologisch und generationengerecht erfolgen“.

„Die evangelischen Kirchen setzen sich aktiv und massiv für nachhaltige Investments ein“, berichtet Bassler. „Wir können sagen, dass wir darin Vorreiter sind.“ Seit zehn Jahren arbeitet man engagiert daran, die plurale evangelische Kirchenlandschaft bei diesem Thema voran zu bringen. „Wir haben uns beim Thema ethisch-nachhaltige Geldanlage eine hohe Glaubwürdigkeit erarbeitet und bringen unser Gewicht bewusst bei Unternehmen und Finanzdienstleistern ein, um solche Investments zu fördern. Damit legen wir auch Zeugnis christlicher Verantwortung in der Wirtschaft ab.“

Als zentral für den Erfolg der Bemühungen habe sich die vertrauensvolle Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen herausgestellt. Das musste erst langsam wachsen. Heute ziehen Pensionskassen, Kirchenbanken und Kirchen an einem Strang. Und die Kirchen begegnen auch anderen Unternehmen als kritische Investoren der ihnen anvertrauten Gelder. Auf dem Gebiet des ethisch-nachhaltigen Investments tritt „die Kirche“ gemäß ihrer Größe auf und macht Druck für nachhaltige Entwicklung.

Von der Erfolgsgeschichte des nachhaltigen Investments ließe sich auch für andere Arbeitsfelder der Kirchen lernen. Durch Kooperation der Landeskirchen wird hier der oftmals garstige Graben des Kirchenföderalismus überbrückt. So kann es gelingen, gegenüber der privaten Wirtschaft das ganze Gewicht der Kirche als gesellschaftliche und wirtschaftliche Großorganisation einzubringen. Das erscheint nicht nur im Blick auf die Digitalisierungsprozesse der Kirchen vorbildhaft.

Ökumene des Klimaschutzes?

Leider gäbe es, so Karin Bassler, kein katholisches Äquivalent zum AKI in Deutschland. Es bestünden zwar vielfältige Kontakte, ein gemeinsames Handeln der beiden großen Kirchen finde aber nicht statt. Im Anschluss an die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus sind auch die röm.-kath. (Erz-)Bistümer in Deutschland unterwegs:

Die Bank im Bistum Essen eG verzichtet auf Investments in Kohle, auch die Bank für Kirche und Caritas eG in Paderborn beteiligt sich an der Divest- & Reinvest-Kampagne des Global Catholic Climate Movement. Das Engagement von Bistümern und Kirchen aus ärmeren Weltregionen bleibt jedoch Mahnung an die reichen Kirchen, mit ihrem Engagement gleich zu ziehen.

Handlungsleitend für die Kirchen bleiben die im konziliaren Prozess „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ beschlossenen Ziele. Sie finden sich auch in den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen wieder, die z.B. dem Leitfaden des AKI beigestellt sind.

Vom Großen zum Kleinen

Auf die UN-Entwicklungsziele nimmt auch die Erklärung des 2. Nachhaltigkeitsforums der EKD (9.-10. September 2019 in Bad Boll) Bezug, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Teilnehmer*innen richten Forderungen an Politik, Landwirtschaft, Lebensmittelhandel und Kirchen. An die Kirchen z. B. den Appell, bei der Verpachtung von Kirchenland ökologischen und sozialen Kriterien Vorrang vor der Ökonomie einzuräumen. Die Umstellung auf nachhaltige Bewirtschaftung von Kirchenland, das zur Nutzung verpachtet wird, wird in mehreren evangelischen Landeskirchen zurzeit heftig diskutiert.

Allein sieben Forderungen des Nachhaltigkeitsforums beziehen sich auf die Lebensmittelverwertung in Kantinen in Einrichtungen der Kirchen und der Diakonie. Neben dem „Einkauf von ökologischen, regionalen, saisonalen und fair gehandelten Produkten“, solle auch bei Ausschreibungen auf Nachhaltigkeitskriterien geachtet werden. Es bedürfe stärkerer Investitionen in die nachhaltige Umstellung von Kantinen und in Berufe der Hauswirtschaft.

Bei den Essgewohnheiten rückt das Klimaengagement der Kirchen den eigenen Leuten bedrohlich nahe. Es sieht düster aus für das Schnitzel-Extra in der Mensa des Konsistoriums. Doch was im großen Maßstab des Milliardeninvestments von Kirchenmitteln gelingt, das sollte auch beim Management einzelner kirchlicher Einrichtungen klappen.

Es sei wichtig, dass die Kirchen am großen globalen Klimastreik teilnehmen, die Glocken läuten und Christ*innen sich mit den Protesten solidarisieren, meint auch Dr. Hans-Joachim Döring, Umweltbeauftragter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Das Klimaengagement der Kirchen sei aber vielfältig und erschöpfe sich nicht allein in der Frage, wie man das eigene Geld anlege. Es gehe vielmehr darum, in jedem Bereich der Kirche zu schauen, wie sie klimagerecht handeln könne. „Wir versuchen die Lücke zwischen dem bestehenden Bewusstsein für die Problematik und unserem Handeln zu schließen“, bekennt Döring. „Wir sind auf dem Weg.“

2 Kommentare zum Artikel

Katja Breyer

Synodenbeschlüsse sagen nicht alles über das Engagement von Landeskirchen. Die Geldanlagen der Ev. Kirche von Westfalen sind weitgehend „fossil-free“, da das meiste Geld über den Nachhaltigkeitsfilter der KD-Bank angelegt ist. Seit Juni 2019 sind zudem die Klima-Kriterien des EKD-Leitfadens landeskirchliches Gesetz in Westfalen.

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Philipp GreifensteinPhilipp Greifenstein

Danke für den Hinweis auf die Umsetzung in Westfalen. Ansonsten sollte ja genau das im Artikel deutlich geworden sein. Die Frage bleibt, wie man solche Erfolge auch besser kommunizieren kann?

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