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SozialEinkommen – Die #LaTdH vom 10. Februar

Wie wollen wir leben und arbeiten und wer soll das bezahlen? Dazu gibt es Neuigkeiten aus Finnland. Außerdem: Katholische Kardinäle, biblische Frauen & 1 bemerkenswertes Gespräch.

Debatte: Grundeinkommen

In der vergangenen Woche wurden die Ergebnisse des Versuchs zum Grundeinkommen in Finnland veröffentlicht und natürlich scheiden sich daran auch weiterhin die Geister. Denn Ergebnisse kann man in die eine oder auch in die andere Richtung lesen und deuten, wie es einem gerade passt. Für die einen ist das Experiment gescheitert, da es zu kaum mehr Beschäftigung kam, Teilnehmer kaum neue Jobs annahmen, der Niedriglohnsektor eben nicht ausgebaut werden konnte.

Für die anderen war das Experiment ein voller Erfolg, weil die Teilnehmer sich gesünder und glücklicher fühlten, ohne viel rechnen zu müssen einfache Arbeiten annehmen konnten, an denen sie auch Freude hatten, ohne Angst zu haben, dass sie mit wieder bestehenden Abzügen im Endeffekt weniger bekämen.

Träumt weiter, ihr Sozialutopisten! – Tobias Kaiser (Die Welt)

In seinem Meinungsbeitrag schreibt Welt-Wirtschaftsredakteur Tobias Kaiser (@TotalKaiser), dass das ganze Experiment eine Farce gewesen und es für ein bedingungsloses Grundeinkommen schlicht noch zu früh sei.

Das „Grundeinkommen“ war eine modifizierte Arbeitslosenhilfe, die es für die Betroffenen lukrativer machen sollte, schlecht bezahlte Jobs anzunehmen – vermutlich also gerade jene Tätigkeiten, die besonders energische Grundeinkommensanhänger niemandem mehr zumuten wollen.

„Ich war getrieben und gehetzt“ – Lisa Nienhaus im Gespräch mit Michael Bohmeyer (ZEITonline)

Parallel läuft in Deutschland ein über Crowdfunding finanziertes privates Experiment. Jeden Monat wird ein Mensch ausgelost, der ein Jahr lang monatlich 1 000 € bekommt, bedingungslos. Der Initiator Michael Bohmeyer (@MichaBohmeyer) hat 24 zufällig ausgewählt Gewinner besucht, um mit ihnen über den Einfluss des zusätzlichen Geldes zu sprechen und ein Buch darüber zu schreiben. Dieses Experiment soll nun professionell mit wissenschaftlicher Begleitung erforscht werden.

Das Schöne am Grundeinkommen ist, dass man es nicht in das klassische Links-rechts-Schema einordnen kann. Denn es vereint die besten Elemente aus dem Egalitarismus und dem Liberalismus. Man hat mit dem Grundeinkommen maximale Freiheit. Gleichzeitig sind wir bis zu den ersten 1.000 Euro gleich. Das ist für mich ein Mix aus verschiedenen Gesellschaftsentwürfen. Wir alle brauchen ja Geld, um zu leben. Und wir machen es derzeit unnötig spannend, ob jeder es schafft, genug Geld zu erwirtschaften. Wir sollten ein bisschen die Spannung rausnehmen und gucken, welche Kräfte das entfesselt.

Geplante Sozialreformen nehmen auch Familien in den Blick – Birgit Wilke (domradio.de)

Spannend, dass die ersten Ergebnisse gerade jetzt erscheinen. Das Experiment ist noch nicht voll ausgewertet und eigentlich sind die ersten Angaben ja auch nur ein erster Eindruck. Doch sie erscheinen genau in der Woche, in der die SPD in Klausur ist, um ein Papier zu Sozialreformen zu verabschieden. Ob es der SPD mit dem Papier, in dem sie auch das Bürgergeld einführen und Hartz-IV-Sanktionen streichen wollen, aus dem Umfragetief heraushilft, wenn die CDU parallel das finnische Experiment als „kläglich gescheitert“ darstellt?

Das 17-seitige Konzept ist mit dem Titel „Arbeit-Solidarität-Menschlichkeit. Ein neuer Sozialstaat für eine neue Zeit“ überschrieben. Damit, so betonte SPD-Parteichefin Andrea Nahles, will ihre Partei Hartz IV hinter sich lassen. Verbunden mit der Hoffnung, auch aus dem Umfragetief herauszukommen. „Sozialstaatsreform 2025“ statt „Agenda 2010“, so könnte man es auf eine Kurzformel bringen.

nachgefasst

Eine Frau kämpft um Aufklärung – Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn im Gespräch (BR)

Schon 2014 erschien ihr erstes Buch „Nicht mehr ich“, in dem Doris Wagner (@ReisingerWagner) von ihrer Zeit als junge Ordensschwester und von ihrer Missbrauchsgeschichte erzählt. Erst seit 2017 tritt sie öffentlich auf und wirbt um ein neues Bewusstsein für Missbrauch in der Kirche. Was ist mit erwachsenen Frauen, mit Nonnen die Opfer sexuellen und geistlichen Missbrauchs werden?

In der vergangenen Woche kam es zum Gespräch zwischen ihr und Kardinal Christoph Schönborn (@KardinalWien). Sie, die vergewaltigte ehemalige Nonne, er der Kardinal, der sich wiederholt mit Missbrauchsopfern trifft, ihnen zuhört, sie ausreden lässt, der Kardinal, der den Opfern seinen Glauben zuspricht.

Bild: Screenshot BR

Sollten wir noch auf Facebook sein? – Hanno Terbuyken (evangelisch.de)

Am vergangenen Donnerstag tagte die Evangelische Landeskirche in Württemberg (ElkWue) im 3. Forum Digitalisierung darüber, wie KI das Zusammenleben der Menschen verändern kann und die Bedeutung dessen für das Gemeindeleben und die Theologie der Kirche. Es wurde viel über Ethik gesprochen und dann ging es auch wieder um die digitale Präsenz und Social Media. Ein Thema, zu dem Hanno Terbuyken zwar nicht am Forum referierte, dafür aber zu zwei anderen Gelegenheiten im vergangenen Januar. Die häufigsten Fragen und seine Antworten hat er in seinem Blog Confessio Digitalis zusammengefasst.

Grundsätzlich lohnt es sich also, als erstes über Facebook nachzudenken. Aber nur wenn die Menschen, die ich erreichen will, dort auch wirklich sind. Bei Menschen unter 25 Jahren kann man Facebook in der Regel getrost ignorieren. (Whatsapp allerdings nicht!) Dabei kommt es nicht auf die Größe an. Wenn die Menschen, mit denen ich arbeiten möchte, alle auf Facebook sind, dann ist eine Facebook-Gruppe ein guter Weg, das zu organisieren.

Buntes

Blick ins Studio: elbdudler – Laura Reinke (page-online.de)

Wiederholt stehen Gemeinden vor dem Problem, einen Kirchenbau nicht mehr halten zu können. Die Kirche wird entweiht, muss abgerissen werden oder es findet sich eine andere Lösung. In Bielefeld zog Glück und Seligkeit ein, in Mannheim wurde Ein Tanz Haus draus. In Hamburg nutzt die Agentur elbdudler die Räume der entweihten St. Stephanus Kirche. Laura Reinke (@LauraReinke13) hat sie erkundet (inkl. wirklich schöner Fotos des neugestalteten Kirchenraumes).

Entdeckt haben sie das spektakuläre Gebäude ganz unspektakulär auf einem Immobilienportal, als sie auf der Suche nach einem größeren Büro für das wachsende Team waren. Die typisch norddeutsche Backsteinkirche ist 2005 entweiht worden und diente nach dem Umbau zwischendurch einige Jahre als Event-Location und Café. Das Kirchenschiff ist, auch aus Denkmalschutzgründen, sehr nah am Originalzustand geblieben. Statt hölzernen Sitzbänken ist es jetzt eben mit Schreibtischreihen ausgestattet.

Des Kaisers neue Priesterseminare – Felix Neumann (katholisch.de)

Felix Neumann (@fxneumann) schreibt im satirischen Wochenrückblick War’s das?! auf katholisch.de ein Märchen im Stile Andersens, der durch seine Erzählungen weniger auf Rollenspezifika einging, wie es die Grimms gern taten, sondern auf (soziale) Missstände aufmerksam machte. Das hier vorliegende Märchen ist untermalt mit den entsprechenden Links, die Felix Neumann zu der Neuinterpretation bewegten. Ein lesenswerter Beitrag zur Debatte um homosexuelle Priester:

Es begab sich zu der Zeit, als – so glaubte man – das Wünschen noch geholfen hat, …

Buch des Monats Februar: Säkularer Staat – viele Religionen. Religionspolitische Herausforderungen der Gegenwart.  – Christoph Markschies (Theologische Literaturzeitschrift)

Nein, Christoph Markschies (@markschies) ist nicht der Autor des Buches, er rezensiert das Werk von Hans Michael Heinig (@hmheinig) und das so ansprechend, dass man richtig Lust aufs Lesen bekommt:

Religionspolitik ist, wie gerade die Diskussionen um eine »Moscheesteuer« in den letzten Tagen des alten Jahres zeigten, ein Feld mit starker Entwicklungsdynamik und entsprechend heftigen Debatten. Heinig plädiert angesichts mancher Aufgeregtheiten im öffentlichen Diskurs für einen religiös-weltanschaulich neutralen Staat, der »religiös unparteiisch« ist, aber offen für die »kulturgeschichtliche Bedeutung der Religion«. Er wirbt für das Religionsverfassungsrecht des Grundgesetzes und seine behutsame Weiterentwicklung. Er warnt die christlichen Kirchen, der »altbundesrepublikanischen Mentalität verhaftet« zu bleiben und empfiehlt, religiösen wie weltanschaulichen Pluralismus ernst zu nehmen.

Bibel

The Bible and the Bechdel test – (paidiske.wordpress.com, englisch)

Regelmäßig um die Bekanntgabe der Nominierten für oder die Verleihung der Academy Awards herum taucht auch der Bechdel-Test wieder im Netz auf. Kein Wunder, immerhin wurde er ursprünglich in Zusammenhang mit Filmen erdacht. Ein Test, der das Frauenbild in fiktiven Werken vor Augen führt. So besteht ein Film erst dann den Test, wenn

  • zwei Frauen eine Rolle haben, die
  • miteinander reden über
  • alles andere als einen Mann.

Ein Test aus den 1980er-Jahren, der seither die Filmindustrie umgekrempelt hat und inzwischen nicht nur auf Filme, sondern auf viele weitere fiktive Werke angewandt wird. Paidiske hat sich die Arbeit gemacht und die narrativen Teile der Bibel dem Test unterzogen.

While the Bible is not (at least in my eyes) a work of fiction, it does have within it a number of narrative works, and as narratives they are as prone to displaying the biases of their authors as any others.  I thought it would be an interesting exercise, then, to see which of these works pass the Bechdel test.

Predigt

Dankbarkeit und Altenpflege – Pressepfarrerin (Pressepfarrerin)

Na klar werd‘ ich hellhörig, wenn es um Pflege geht. Den Predigttext des vergangenen Sonntags hat die @pressepfarrerin in einen schönen Bezug zur Pflege setzen können, da in diese Woche auch der Ehrungsgottesdienst im Pflegeheim fiel.

Und ja, gute Pflege ist eine Gnade Gottes und eine Aufgabe, die nicht jeder Mensch übernehmen kann. Im Predigttext steht, dass wir unsere Gaben von Christus haben, weil die Predigt, also der Glaube, in uns kräftig geworden ist und dass wir darum alle Gaben haben, die wir brauchen.

Ein guter Satz

„Life is so extraordinary. Wonderful surprises are just around the most unexpected corners.“

– Rosamunde Pilcher

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