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5 Jahre – Die #LaTdH vom 18. März

Fünf Jahre Papst Franziskus: Was hat sich getan, was hätte sich tun können? Außerdem nachgefasst zu Hartz IV und Religion in Werbung, Tipps für präsentes Predigen und biblischer Archäologie.

Debatte

Fünf Jahre Papst Franziskus – was wäre wenn? – Britta Baas, Thomas Seiterich (Publik-Forum)

Fünf Jahre ist es nun her, dass Papst Benedikt XVI. in Anbetracht seiner schwindenden Kräfte entschied sein Amt niederzulegen. Fünf Jahre ist es nun her, dass diskutiert wurde, ob und wie das überhaupt möglich ist. Seit nun fünf Jahren ist Papst Franziskus im Vatikan, in aller Welt, da wo er gebraucht wird.

Britta Baas (@brittabaas) und Thomas Seiterich werfen einen Blick darauf, wie die katholische Kirche heute aussehen könnte wäre es nicht zur Amtsniederlegung gekommen, und auch darauf, was Papst Franziskus seitdem erreicht hat.

Und in Deutschland? Als Chef der Bischofskonferenz würde der Münchner Kardinal Reinhard Marx für den in den Medien scharf kritisierten, äußerst konservativen Kurs von Benedikt um Verständnis werben. Die wieder verheirateten Geschiedenen wären für die höhere Amtskirche kein Thema. Und eine Segnung für Homosexuelle würde nur die rapide schrumpfende Reformerbewegung Wir-sind-Kirche offen befürworten…

Erneuerung im Geiste Jesu. Fünf Jahre Bischof Franziskus – Walter Kirchschläger (feinschwarz.net)

Der Rückblick von Walter Kirchschläger auf die vergangenen fünf Jahre mit Papst Franziskus nimmt den Menschen in den Mittelpunkt. Ein Reformer, dem eine Kurie gegenübersteht, die sich in manchem nicht so beeindrucken lässt, die eher an Altem festhalten will. Walter Kirchschläger vergleicht Franziskus mit Johannes XXIII., der mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Dabei lebt der Bischof von Rom ganz im Sinne einer gelehrten Jesusbotschaft, indem er stets darum bemüht ist Wort und Tat in Einklang zu bringen.

Kaum jemand, der an jenem denkwürdigen Abend den ersten Auftritt des Gewählten im Fernsehen mitverfolgte, wird nicht betroffen gewesen sein. Der übliche Ritus der Präsentation der gewählten Person nach einem Konklave trat in den Hintergrund, verdrängt durch die einfache, bescheiden-demütige nonverbale Kommunikation und durch das, was Bischof Franziskus mit wenig Stimme, aber fester Ausdruckskraft zu sagen hatte. […] Das ist nicht einfach ein Nachfolger von Benedikt XVI., hier beginnt (wieder) Neues.

In den Schuhen des Fischers: 5 Jahre Papst Franziskus – Daniel Kosch (feinschwarz.net)

Ein weiterer Text auf feinschwarz.net, der das Jubiläum des Papstes behandelt wirft letztlich nun einen Blick auf das Amt des Papstes schlechthin. Daniel Kosch (@Lk1616) stellt dabei fest, dass sich das Amt und die Ausübung des Amtes einem Wandel unterzieht, da ein Mensch den Anforderungen im Grunde gar nicht gewachsen sei.

Die fünf Jahre von Papst Franziskus zeigen nicht nur, wie unglaublich viel eine Person an so einer Schlüsselstelle bewirken und in Gang setzen kann, sondern machen auch sichtbar, dass die Ausübung des Papstamtes der Reform bedarf – gerade wenn man die condition humaine und die Begrenztheit jedes Menschen ernsthaft in Betracht zieht. Selbst wenn man eine professionelle und kompetente Vorarbeit vieler Gremien, Ämter und Personen voraussetzt, bleibt der Zweifel, ob der Papst all das, was er heute zu entscheiden hat, so präzis und vertieft zur Kenntnis nehmen kann, dass er wirklich verantwortlich zu entscheiden vermag.

nachgefasst

Kann man jetzt von Hartz IV leben, oder doch nicht? – Thomas Matterne (Intellektuelles Weichei)

Im Rahmen des Aufnahmestopps der Essener Tafel, den wir in den LaTdH vom 4. März thematisiert hatten äußerte sich der neue Gesundheitsminister Jens Spahn zu Hartz IV. Thomas Matterne (@matterne) wirft einen Blick auf die Mathematik dahinter, unter dem Aspekt der ausgesprochenen Zielsetzung den Betroffenen eine Teilnahme am öffentlichen Leben zu ermöglichen.

Nein, die Rechnung ist vollkommen richtig, also mathematisch betrachtet. Es gibt da nur ein paar Faktoren, die eben noch hinzukommen. Was zum Beispiel heißt „Teilnahme am öffentlichen Leben“? Einmal im Monat ins Theater gehen? Nö, das ist nicht drin, und zwar weil die Möglichkeiten solche Bedürfnisse zu erfüllen auf den Standard von Menschen bezogen sind, die – na ja, mehr oder weniger auf Hartz IV-Niveau leben. Yeah, und die können sich a) keinen Theaterbesuch leisten und b) wollen sie das doch bestimmt auch nicht, sagt ja das Klischee.

Does Religion Sell? A brief journey in religion and advertising – (Marginalien, englisch)

Letzte Woche ging es in den LaTdH um die Disputationsfreudigkeit oder fehlende Streitkultur in den Kirchen. Auch dieser Text macht wieder deutlich, dass kirchliche oder religiöse Disputation nicht zwangsläufig in der Kirche oder an den Unis zu finden ist, sondern öffentlich, digital, medial, und sogar in der Werbeindustrie ist Religion Thema, was nicht nur vereinzelt zu Kontroversen, Disputationen und Richtsprüchen führt.

Not to play the devil’s advocate of companies who appropriate religious symbols, but depictions of gods and religious leaders, where permitted by the religion, have been made for centuries. When I was a grad student, I was a teaching assistant for a course called “Principle of Advertising” and my students read “20 Ads that Shook the World” by James Twitchell. In the introduction, the author compares advertising to Renaissance art because painters like Michelangelo did not create what they wanted to create, but they were usually told by a Church authority what to paint. The Sistine Chapel, from this perspective, is a giant example of Vatican advertising.

Buntes

Der Dolmetscher – Gotthard Fuchs (Christ in der Gegenwart)

Letzte Woche starb neben Stephen Hawkins auch Karl Kardinal Lehmann. Gotthard Fuchs schreibt einen Rückblick und Nachruf auf den volksnahen Bischof von Mainz.

Schaue ich, bewegt und dankbar, auf das vielfarbige Lebenswerk Lehmanns, so bleibt bestimmend: Er hatte Grundsätze und Perspektiven, und wohl deshalb war er ein begnadeter Brückenbauer und Mediator mit langem Atem. Der besondere Akzent dabei war sein entschiedenes Ja zur Gegenwart. […] Keine nostalgische Rückwärtsbindung also, keine Träumerei in eine phantasierte Zukunft, nein: Wirken hier und jetzt in den Zeichen der Zeit, stets auch im Gespräch mit den Gebildeten unter den Verächtern des Christentums.

Wider den Opfermythos – oder: Im Turm der Opferrolle – Christian Wolff (Wolff-Christian.de)

Ein Text, der Teil einer eigenen Debatte sein könnte, oder auch als Teil der Disputation 2.0 noch nachgereicht werden könnte. Christian Wolff scheut sich nicht, sich auch mal politisch zu äußern. In diesem Fall bezieht er sich auf die Diskussion der beiden Schriftsteller Durs Grünbein und Uwe Tellkamp am 8. März, in welcher der Satz fiel: „Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent.“, der inzwischen für Aufsehen und Kritik am Verlag des Autors Suhrkamp führt. (Genau über diesen Satz schreibt Harald Martenstein im Tagesspiegel.)

Doch Christian Wolff geht es nicht um den Satz oder explizit um einen bestimmten Inhalt, sondern um die Haltung, die Tellkamp in der Diskussion einnimmt und die man auch immer wieder andernorts beobachten kann – er stellt sich als Opfer dar.

Die Tellkamps werden sich gefallen lassen müssen, dass ihre Haltungen in dieser Weise analysiert und kritisiert werden. Daraus aber abzuleiten, dass die Meinungsfreiheit bedroht sei, ist nicht nur verwegen, sondern offensichtlich Teil dieser Masche. Denn damit entzieht man sich der argumentativen Auseinandersetzung und delegitimiert das System, das die Meinungsfreiheit ermöglicht: der freiheitliche und demokratische Rechtsstaat.

Predigt

Tipps fürs präsente Predigen – Thomas Hirsch-Hüffell (Ungläubiges Staunen)

Manchmal braucht man Stille oder ein Nichts, um zu bemerken, was man vermisst. Thomas Hirsch-Hüffell schlägt genau das vor – Predigtfasten, um wirklich mal hören zu können, was die Anforderung an eine Predigt ist. Oder sind eigene Anforderungen gar nicht das worauf es ankommt?

Die Ästhetik, dh die Vorführungs-Seite der geistlichen Rede ist mehr in den Vordergrund gerückt. So wie sich im Moment alles inszeniert, so auch dies Genus. Das war überfällig, aber es verführt zu allerlei Schauläufen und Effekthascherei. Keine Rede-Form entgeht der Frage nach wahrem und ergreifendem Sprechen.

Ich habe Respekt vor allen, die sich Woche für Woche mühen um Redlichkeit im Wort. Weil ich gleichzeitig erlebe, wie junge und alte Profis verschlissen werden.

Bibel

Erster außerbiblischer Beleg für Jesaja gefunden? – Till Magus Steiner (katholisch.de)

Seit die Bibel immer öfter als historisches Dokument und Quelle gelesen wird, sind Archäologen auf der Suche und bemühen sich, das Geschriebene an anderen Orten zu finden, so dass die Historizität eindeutig nachgewiesen werden kann. Seitdem taucht es immer wieder in den Schlagzeilen auf, wo wer was gefunden hat. Till Magus Steiner (@TillMSteiner) berichtet von einem Siegelabdruck, auf der wohl der Name Jesaja zu entziffern ist, es muss aber einiges hinzurekonstruiert werden, damit es sich dabei tatsächlich um einen Nachweis des Propheten handelt.

Ein guter Satz

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