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#PflegeamBoden – Die #LaTdH vom 22. Juli

Gleich drei MinisterInnen wollen gegen den Pflegenotstand angehen: Jetzt aber wirklich! Außerdem: Eine Ferienpredigt, manierliches Benehmen und eine fromme Lesbe.

Debatte

In Deutschland ist die #PflegeamBoden und trotz großer Worte kommt das Land aus dem Pflegenotstand nicht raus, nein, er wird immer größer. Es fehlt an Fachkräften; zum einen weil kompetente Pflegekräfte ausgebeutet werden, wenn einer alleine 13 Patienten zu versorgen hat, und entweder rechtzeitig an der Reißleine zieht und umschult oder im Burnout endet; zum anderen weil motivierten Einwanderern die Ausbildung verwehrt wird, oder sie wieder abgeschoben werden.

Offensiver gegen den Mangel – Hannes Heine (Tagesspiegel)

In der vergangenen Woche folgte Angela Merkel der Einladung Ferdi Cebis ihn mal an seinem Arbeitsplatz, einem Pflegeheim, zu besuchen, damit sie sich ein Bild vom Pflegenotstand machen kann. Daraufhin hieß es erst mal, dass die Regierung sich für eine Tarifbindung einsetze, was die Pflege aber mitnichten vom Boden holen wird. Derweil hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zusammen mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bundesseniorenministerin Franziska Giffey eine längst überfällige Kampagne gestartet: Mit der „Konzertierten Aktion Pflege“ wollen die drei den Pflegenotstand partei- und institutionenübergreifend angehen.

Kliniken, Heime und Pflegedienste suchen seit Jahren neue Mitarbeiter. Und weil es selbst in renommierten Häusern zu wenige gibt, wechseln Pflegekräfte im Schnitt erschöpft nach nicht einmal acht Jahren in einen anderen Job – was den Druck auf die verbliebene Belegschaft erhöht. Deshalb dürfte sich Spahn nicht wundern, dass der Bundesverband privater Anbieter (BpA) sozialer Dienste, also die Pflegeheimbetreiber, seine Aktion als überfällig bezeichnet. Man begrüße es aber, „dass unser Vorschlag aus dem Jahr 2001 zur aktiven Gewinnung von ausländischen Pflegefachkräften nun endlich politische Unterstützung findet“.

Pflegerin abgeschoben: Fürther Pfarrer kritisiert „Gnadenlosigkeit“ – (evangelisch.de, epd)

Schon früher beschloss der Bundesrat, die Situation durch Pflegepersonaluntergrenzen zu verbessern und die „Konzertierte Aktion Pflege“ scheint in der Bundesregierung Früchte zu tragen, wenn man in den Nachrichten seither immer öfter vom Anerkennungsgesetz liest und hört. Doch irgendwie scheint dieses Gesetz keine Geltung für Pflegekräfte zu haben, wenn gleichzeitig hochqualifizierte, motivierte Fachkräfte der Pflege abgeschoben werden, wie Svitlana K. und ihre Familie. Die junge Frau aus der Ukraine kam als ausgebildete Krankenschwester und war in Deutschland mitten in der Ausbildung zur Altenpflegerin.

Hauck bezeichnet es als „unglaubwürdige politische Sonntagsreden“, angesichts eines Pflegenotstands ausländische Fachkräfte holen zu wollen, aber Fachkräfte, die bereits die deutsche Sprache beherrschten und gute Arbeit in der Pflege leisteten, „ohne Anerkennung der erreichten Integrationserfolge gnadenlos abzuschieben“.

Diakonie-Präsident kritisiert Lohndumping in der Pflege – Karsten Kammholz und Julia Emmrich (nrz.de)

Und am Ende leiden nicht nur die Pflegekräfte, sondern die zu Pflegenden: Alte, Kranke, Mutter, Bruder, Opa, Tochter. Ich erinnere mich sehr gut daran, als im Frühjahr an der Uniklinik in Heidelberg gestreikt werden sollte und dafür OPs verschoben werden mussten und ein Teil der Betten auf einzelnen Stationen nicht belegt werden konnten. Die Berichterstattung der lokalen Zeitung versetzte mich in Rage (jetzt auch wieder ein bisschen) und – wie ich den Kommentaren entnehme – nicht nur mich. Die Pflege ist bereits am Boden und wenn das so weiter geht, dann können die Betten nicht nur wegen und während eines Streiks nicht belegt werden, dann leidet der kranke Mensch drunter, und im Pflegeheim der Alte, der pflegebedürftige Mensch. Letzterer leidet eigentlich schon heute. Mit vollem Recht kritisiert Diakonie-Präsident Ulrich Lilie Lohndumping in der Pflege und macht als einer der Wenigen auf die Konsequenzen aufmerksam.

Wir müssen uns in unserer Gesellschaft darüber verständigen, was uns das vierte Gebot eigentlich noch wert ist: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Was sind wir bereit aufzubringen, damit unsere Eltern und Großeltern in Würde im hohen Alter leben können?

nachgefasst

Hanke weiter in der Kritik – Marco Schneider (Eichstätter Kurier)

Schon im März hatten sich 18 Gläubige aus dem Bistum Eichstätt an zuständige Behörden der kirchlichen Hauptverwaltung mit der Aufforderung gewendet, eine externe Untersuchungskommission der Finanzskandale des Bistums (s. #LaTdH vom 11. Februar) einzurichten. Durch Spekulationen am US-Immobilienmarkt des Vize-Finanzdirektors kam es in der Diözese zu einem finanziellen Verlust von voraussichtlich ca. 50 000 000 Dollar. Die Briefschreiber sehen zusätzlich den damaligen Leitenden Finanzdirektor und Diözesanökonom Domdekan Willibald Harrer und auch Bischof Gregor Maria Hanke als die Hauptverantwortlichen und haben jetzt erneut an Rom geschrieben.

Sie wollen so erreichen, dass im Bistum Eichstätt ähnlich wie in Limburg nach dem Skandal um die Finanzierung des dortigen Bischofshauses eine externe Kommission die Vorgänge untersucht. Rom lehnte dies aber bekanntlich mit einem Verweis auf das laufende Strafverfahren an einem deutschen Gericht ab. Seitdem gibt es einen Briefwechsel zwischen den Parteien.

Liebe Christen, der Dialog mit der AfD ist beendet! – Björn Odendahl (katholisch.de)

In der vergangenen Woche veröffentlichte die AfD Bayern ihr Programm für die im Oktober stattfinde Landtagswahl. Und spätestens dieses muss den AfD-treuen Christen die Augen öffnen. Fünf Jahre nach Parteigründung und langjähriges Berufen auf christliche Werte steht sie inzwischen für eine strikte Trennung von Staat und Kirche ein und bezeichnet die Kirchen als „besondere Lobbygruppen“. Björn Odendahl nimmt das zum Anlass eines Standpunktes, der nicht überlesen werden darf.

Der angebliche Wunsch der Partei nach Dialog? Augenwischerei! Denn da, wo sie ihn bekommen hat, etwa auf dem Katholikentag, aber auch in Form von Gesprächsangeboten durch Bischöfe wie Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) oder Ulrich Neymeyr (Erfurt), wurde er entweder nicht wahrgenommen oder zur Bühne für Propaganda.

Buntes

Undivided: Ein Gespräch mit Vicky Beeching (Deutsch) – Dave Jäggi (sola-gratia.ch)

Ich habe von Vicky Beeching vor Jahren zuerst auf theologiestudierende.de gelesen, kannte sie dahin nicht. Eine feministische Lesbe im evangelikalen Raum; wie geht das denn? Und gerade diese Frage ist Teil der Geschichte um die Sängerin – es geht eben nicht, ohne dabei krank zu werden. Vicky Beeching unterdrückte ihr Wesen, um ihrer Gesangskarriere nicht im Weg zu stehen. Heute guckt sie nach sich selbst und hat die Gitarre nicht mehr in der Hand, wie sie in ihrer Autobiographie schreibt und im Interview mit Madeleine Davies von der Church Times erzählt. Dave Jäggi (@Dave_Jaeggi) hat den Text übersetzt.

Beeching war nicht viel älter als 12 oder 13 als sie merkte, dass sie lesbisch ist. Es war der Beginn von «einem Leben der versteckten Trauer», da sie sich niemandem anvertrauen konnte. Sie zog sich stark in eine intensive Innerlichkeit zurück, kombiniert mit dauernden Gedankenspielen in Bezug auf Gott, ihren Glauben und ihre vermeintlich Gott widersprechenden Gefühle. Stets versuchte sie, sich selber zu beruhigen und sagte sich: «Von wem ich mich angezogen fühle ist doch eh kein großer Teil des Lebens». Dazu kamen ihre Beichtgebete, die sie bis zu zehn Mal am Tag aussprach.

Bibel

Maria Magdalena: Eine der Zwölf? – Andrew Doole (feinschwarz.net)

Eine intensive Auseinandersetzung mit einer der Frauen um Jesus, der zum Teil nachgesagt wird, dass sie seine Ehefrau war. Warum also nicht auch eine der 12?

Joan Taylor hat schon 2014 die These vertreten, „Magdalena“ wäre ein Beiname: es gibt keine Stadt namens Magdala, was auf Aramäisch einfach „Turm“ heißt. Verschiedene Dörfer hießen Turm X oder Turm Y, so wie viele Städte heutzutage mit „-burg“ enden. Jesus hat sie „Magdalena“ (aram. Magdalaitha) genannt, weil sie eine von seinen Schülern war und deswegen einen Beinamen erhielt, so wie Simon „der Fels“, Jakobus und Johannes „die Söhne des Donners“ und „der Zwilling“ (griech. Didymus; aram. Thoma[s]). Taylor deutet mit Recht darauf hin, dass Maria ohne Beziehung zu irgendeinem Mann erwähnt wird.

Predigt

Von Unterwegs gesendet – Hanna Buiting (evangelisch.de)

Ein passender Text für die Ferienzeit. Hanna Buiting (@HannaBuiting) macht sich Gedanken über eine immer wiederkehrende Mailsignatur.

Neulich las ich diese Worte wieder und mit einem Mal ließen sie mich schmunzeln, weil man diese Aussage mehrdeutig verstehen kann. „Von unterwegs gesendet“ – Was, wenn das nicht nur für Mails gilt?

Ein guter Satz

„Aber es ist ja nun auch so, dass man nicht den ganzen Tag damit beschäftigt ist, volle Buxen zu säubern oder Leuten Schnodder aus der Lunge abzusaugen. Dazwischen geht es durchaus manierlich zu.“

– Notaufnahmeschwester (ebd.), 8 FAQ der Pflege