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Auferstanden – Die #LaTdH vom 1. April

Zwischen all den Häschen entdecken wir, was wirklich wichtig ist. In diesen #LaTdH wird frei improvisiert zu österlichen Rhythmen getanzt.

Der Herr ist auferstanden! Frohe Ostern wünscht die Redaktion der Eule! Denn es ist wieder Ostern geworden, trotz Tanzverboten am Karfreitag und trotz wilder Hasenjagd auf heimatlicher Heide. In Anlehnung an den Kleinen Katechismus wünschen wir allen Leserinnen und Lesern, dass auch bei ihnen Ostern wird!

Oster-Special

Als Dankeschön an unsere treuen Leser_innen verschenken wir unter allen Abonnent_innen der #LinksamTagdesHerrn zwei Ausgaben von „Lebendige Seelsorge“, der Zeitschrift für praktisch-theologisches Handeln. Passend zum österlichen Lachen die Ausgabe zu „Humor“. Mit dabei sind alle, die bis einschließlich 2. April 2018 ein Newsletter-Abo der #LaTdH beziehen. Also, am besten jetzt noch anmelden: Hier entlang.

Debatte

Unter der Woche wurde ausgiebig über unterschiedliche Bezeichnungen von Schokohasen diskutiert. Dass die nicht allenthalten anständig deutsch als „Osterhasen“ auf den Kassenzetteln ausgewiesen werden, dünkt völlig unterbelichteten Zeitgenossen als Zeichen des nahenden Untergangs des – richtig! – christlichen Abendlandes. Das ist kein Thema, das ist lächerlich. Weil Ostern Licht wird, wo Dunkelheit herrscht(e), kein Wort mehr von diesem Unfug.

Das zweite Aufregerthema der Woche verspricht gleichwohl mehr Substanz: Warum gibt es zu Karfreitag Tanzverbote? Warum gibt es eine Liste mit Filmen, die an hohen christlichen Feiertagen nicht gezeigt werden dürfen? Hier treffen sich unterschiedliche Debatten-Linien:

Wie schaut es aus mit der Säkularisierung („Verweltlichung“) dieser ominösen „Ablösung der politischen Ordnung als solcher von ihrer geistlich-religiösen Bestimmung und Durchformung“ (Böckenförde)?

Karfreitag – schafft die christlichen Feiertage ab – Andrea Juchem (ApfelMuse)

Wie wäre es damit, die christlichen Feiertage als gesetzliche Feiertage abzuschaffen? Wenn Regelungen wie das Tanzverbot nicht mehr vermittelbar sind, dann hängt das auch damit zusammen, dass die Feiertage ihres ursprünglichen Sinns entkleidet sind. Warum sollten es dann überhaupt noch Feiertage sein, an denen alle frei haben?

Das frühere Christi Himmelfahrt hieße dann konsequenterweise Vatertag oder auch „Tag des Bollerwagens mit Bierausschank“. Oder macht es wie die Engländer, legt alle Feiertage auf Montag und nennt sie Bankfeiertag. Menschen denen Christi Himmelfahrt und andere kirchliche Feiertage wichtig sind, die werden es an diesem Tag trotzdem wissen. Und in die Messe gehen, wenn es ihnen denn wirklich etwas bedeutet. Und um 15 Uhr am Karfreitag innehalten und des Leidens Christi gedenken.

An den Feiertagen fest verplant – Stefan Alberti (taz)

Statt den Verfall christlicher Sitten zu betrauern und die Verschwendung Zweckentfremdung der feinen christlichen Feiertage zu beklagen, könnten wir natürlich auch flockig-leicht Werbung für diesen skurilen way of life der Christen machen. Stefan Alberti, Redakteur für Berliner Landespolitik der taz, hat das im Blick auf die „Hauptstadt der Atheisten“ getan:

Kommste Donnerstagabend mit in die Kneipe?, fragt der neue Bekannte. Nee, geht nicht. Und Freitagnachmittag zum Kaffee? Passt leider auch nicht. Aber Samstagabend, wenn Kollege feiert, da biste doch dabei. Tja, wie gesagt … Und Ostermontag mit dem Rennrad? Nein, da bin ich nach Emmaus unterwegs.

Oder halt so:

Die verlogene Botschaft der Trotz-Christen – Malte Lehming (Der Tagesspiegel)

Zweite Debattenlinie: Was bedeutet es, zwar für das „christliche Abendland“ kämpfen zu wollen, vom eigentlich Christlichen aber keinen Schimmer mehr zu haben? Malte Lehming nennt diese Leute „Trotz-Christen“. An die Stelle der wegsäkularisierten Religion tritt ein quasiregligiöses Verhältnis zum eigenen Kulturraum. Kultur und Religion bleiben allein als Chiffren erhalten. In der Bibel wird das Götzendienst genannt.

Deutschland sei durch das Christentum geprägt, sagen mit stolzgeschwellter Brust die Trotz-Christen, von denen viele Gegner der Willkommenskultur sind. Aber wann, wenn nicht im Herbst 2015, ließ sich eine christliche Prägung Deutschlands je besser beobachten? […] Die Trotz-Christen versuchen einen Spagat. Sie behaupten, von etwas geprägt zu sein, das sie nicht kennen. Sie nehmen eine Exklusivität für sich in Anspruch, die es nicht gibt. Sie wollen stolz auf eine Lehre sein, die sie ablehnen.

Alles in allem können wir wohl froh sein, dass diese Karwoche vorüber ist. Was lässt sich lernen? Vielleicht, dass nicht jedes noch so niedrig aufgehängte Stöckchen von gutmeinenden Vertretern aus Kirche und Öffentlichkeit auch übersprungen werden muss.

Oder halt so:

nachgefasst

Zwischenfazit des Frankfurter Digital-Workshops – EKD

Bis zur Synode im Herbst will die EKD eine Road-Map für den digitalen Wandel der Evangelischen Kirche erarbeiten (#LaTdH vom 19. November 2017). Dazu wird jetzt „die digitale Landschaft unserer Kirche kartographiert“. Außerdem hat in Frankfurt ein Workshop stattgefunden. Was dort raus gekommen ist, hat die EKD auf ihrer Website.

Wie immer ne Menge Richtiges dabei. Ich frage mich aber, wie aus dem Wust an Informationen, Meinungen vom Fach und von der Basis, etc. bis zum Herbst etwas werden soll, was uns tatsächlich voran bringt. Ein Beschluss sollte nicht in jedem zweiten Satz eine Einschränkung des jeweils vorhergehenden enthalten. Gesellt sich hier noch Eindeutigkeit zur Dringlichkeit?

Oder in EKD-Prosa:

Dezentralität und Pluralität der evangelischen Kirche sind gerade im Kontext der Digitalisierung eine Chance. Sie sind gleichzeitig ein Risiko. Deshalb kommt es darauf an, die Gestaltung der Digitalisierung als gemeinschaftliche Aufgabe zu begreifen. Die Summe ist im Blick auf Erkennbarkeit, Markenbildung und Identität mehr als die bloße Addition aller Einzelprojekte.

Und dann:

Schaffung einer „virtuellen Akademie“ als Vernetzungsplattform und zur Bündelung der dezentralen Bearbeitung theologisch-ethischer Aspekte von Digitalisierung

Au ja, lasst uns noch ein paar Arbeitsstellen einrichten! Am besten gleich eine richtige „Akademie“, so mit Sekretariat und Tagungen mit Schnittchen und Sekt. Wir laden alle ein, die sich auch (endlich) mal mit diesem Internet befassen wollen. Wir denken noch mal gründlich nach und geben dann ne Einschätzung, was sich eventuell lohnen würde. Lasst uns das „Zentrum Digitales“ nennen!

Es finden sich aber auch sinnvollere Vorhaben:

Identifizierung und Beseitigung unnötiger innerkirchlicher Blockaden und kirchenrechtlicher Einschränkungen bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Konzepte

Vorschläge, was gerne weg kann, nehmen wir unter redaktion@eulemagazin.de entgegen!

Moment Mal: Was ist eigentlich gerade los in der Slowakei? – Felix Weise (theologiestudierende.de)

Felix Weise berichtete auf theologiestudierende.de im Herbst 2017 vom Streit der Slowakischen Evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses mit dem Theologieprofessor Ondrej Prostrednik, der sich für die Öffnung der Kirche gegenüber der LGBTQ-Bewegung ausgesprochen hatte. Der von der Kirche verfügte Entzug der kanonischen Lehrerlaubnis ging so schon mal nicht klar, hat das zuständige Kirchengericht jetzt festgehalten.

AfD ausladen! Münsteraner Erklärung für eine mutige Kirche – Redaktion (feinschwarz.net)

Die akademisch-theologischen Feuilletonist_innen von feinschwarz.net fahren im Mai mit Bauchschmerzen auf den Katholikentag nach Münster. In einer Erklärung nebst Unterschriftenliste erklären sie sich uneinverstanden mit der Einladung eines AfD-Vertreters auf ein Podium zur Religionspolitik (#LaTdH vom 18. Februar & vom 11. März).

Politik und Religion – ein ewiger Streit – Michel Friedman (Deutsche Welle)

Zum Themennexus AfD-Islam-Heimat ein kluger Kommentar von Michel Friedman zum Verhältnis von Politik und Religion. Da steht alles Wesentliche drin. Ich verstehe gar nicht, warum darüber noch weiter Zeitungsseiten vollgeschrieben werden. Wahrscheinlich, weil sie auch voll werden müssen.

Anstatt sich differenziert und verantwortungsvoll in die emotionale Debatte einzubringen, schüttet Horst Seehofer populistisch neues Öl ins alte Feuer. Sich von der AfD abzugrenzen, ist genauso so wichtig wie vom politischen Islam. Deren Sprache nicht zu übernehmen, gehört zur Verantwortung seines Amtes. Kein Politiker hat das Recht darüber zu urteilen, ob eine Religion zu seinem Land gehört oder nicht.

Buntes

The Last Temptation – Michael Gerson (The Atlantic, englisch)

Was ist nur aus den vormals kulturdominierenden und -schaffenden Evangelikalen in den USA geworden? Inzwischen nehmen sie sich selbst als bedrohte Minderheit wahr und hängen ihr Schicksal an einen Präsidenten, der eigentlich so überhaupt nicht ihrem Werte- und Traditionsgerüst entspricht.

The moral convictions of many evangelical leaders have become a function of their partisan identification. This is not mere gullibility; it is utter corruption. Blinded by political tribalism and hatred for their political opponents, these leaders can’t see how they are undermining the causes to which they once dedicated their lives. Little remains of a distinctly Christian public witness.

Für viele Anführer der Evangelikalen erfüllen ihre moralischen Überzeugungen nurmehr den Zweck ihre parteiliche Zuordnung abzusichern. Das ist nicht einfach mehr Leichtgläubigkeit, das ist völlige Korrumpierung. Geblendet vom politischen Herdentrieb und ihrem Hass auf den politischen Gegner haben diese Anführer kein Einsehen darin, dass sie Anliegen beschädigen, denen sie einmal ihr Leben gewidmet haben. Ein merkliches christliches Zeugnis in der Öffentlichkeit ist kaum noch vorhanden.

Stichwort #digitaleKirche und Ostern:

Bibel

Zum Ende der Karwoche: Einige Notizen zur Entwicklung von #Prophetenforschung und #Prophetenbild. – Tobias Graßmann (Twitter)

Tobias Graßmann (@luthvind) „bloggt“ jetzt auch auf Twitter, wo die Möglichkeit #threads zu bilden (lange Ketten von aneinandergereihten Tweets) oft nervige Blüten treibt. Hier nutzt er dieses Mikroblogging-Tool für einen interessanten Einblick in die Theologie zum Thema Propheten (lesbar auch für Leute ohne Twitter-Account).

Predigt

Als Gott stirbt zeigt er aller Welt deine Schönheit. Warum der Karfreitag so wichtig ist. – Peter Otten (Theosalon)

Petter Ottens Versuch einer Klärung, warum der Karfreitag wichtig ist, beginnt auf dem Friedhof:

Wir kamen zu dem Ort, wo Urnen anonym beigesetzt werden. Durch kleine Holzpflöcke waren die Grabstellen abgesteckt. Kleine Quadrate. Gleiches Maß. Sie erinnerten mich an die Markierungen meiner Mutter, wenn sie im Gemüsegarten kleine Felder für Schnittlauch und andere Kräuter markierte.

Und zwei Osterpredigten:

Predigt über die Bachkantate BWV 66 „Erfreut euch, ihr Herzen“ – Kristin Jahn (predigtpreis.de)

Und die Lieder, sie heilen Wunden. Sie nehmen ihn mit. Ziehen himmelwärts mit ihren Melodien, so manches Schwere wird da leicht. Sie lassen ihn jubeln mit himmlischen Heerscharen. Sie stellen keine Fragen und geben keine altklugen Antworten: Sie sagen einfach: Es ist. Es ist alles gut!

Osterpredigt über Markus 16,1-8 – Amélie Gräfin zu Dohna (predigtpreis.de)

Das Evangelium bekommt viele persönliche Schlüsse, deinen und meinen. Deshalb lässt Markus das Ende offen. Er kann es nicht für uns schreiben. Keiner kann das für den anderen vorschreiben. Jeder hat seinen eigenen Ausgang aus dem Grab. Mit jedem findet Gott einen Weg ins Osterlicht.

Ein guter Satz

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