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Landesbischof Carsten Rentzing, Foto: Ghostwriter123 (Wikipedia), CC BY-SA 4.0

Das Missverständnis

Umstände und Gründe des Rücktritts von Carsten Rentzing vom Amt des Sächsischen Landesbischofs kommentiert Philipp Greifenstein:

Carsten Rentzing hat in den vergangenen Wochen verschwiegen, vertuscht und ausgelassen. Hat der Bischof auch gelogen? Auf jeden Fall sind zahlreiche Gemeindeglieder und Kirchenmitarbeiter tief enttäuscht von Carsten Rentzing. Das gilt besonders für diejenigen, die ihn in den vergangenen Tagen in Schutz genommen und verteidigt haben. Besonders sie hat der Bischof durch seine Salamitaktik der zögerlichen Offenlegungen und nicht zuletzt durch seine Nicht-Erklärung der Gründe des Rücktritts von Gestern verletzt.

Carsten Rentzing war mitten in seiner Studienzeit Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung geworden. Das hat viele Menschen verwundert und nachdenklich gestimmt. Aber viele Christen in Sachsen können mit der eigenen Welt der studentischen Korporationen ohnehin wenig anfangen. Auf diese Unkenntnis hat sich Rentzing wohl gestützt, als er entschied, seine Mitgliedschaft nicht umfänglich zu erläutern. Erst spät korrigierte er sein ursprüngliches Statement im Gespräch mit der Leipziger Internet Zeitung.

Sympathien für die Neue Rechte?

Alles nur eine Jugendsünde? Wegen der Mitgliedschaft in der akademischen Landsmannschaft jedenfalls hätte Rentzing nicht zurücktreten müssen. Schwerer wiegen seine Verbindungen in die Szene der Neuen Rechten, die er vor 30 Jahren geknüpft hat. Verbindungen, die der Bischof nun einen Monat lang nicht transparent gemacht hat, obwohl auch aufgrund eigener Statements genug Zweifel an seiner Vergangenheit bestanden.

Carsten Rentzing vermeidet es bis heute, sich ausführlich zu erklären. Zumindest das ist er seinen Glaubensgeschwistern und der ohnehin erregten sächsischen Öffentlichkeit jedoch schuldig. Kann es denn die Möglichkeit sein, dass ein Landesbischof einer evangelischen Landeskirche Sympathien für die Neue Rechte, für AfD und Ethnopluralismus hegt?

Carsten Rentzing schreibt in seiner Rücktrittserklärung: „Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr.“ Nun muss er noch erklären, welche seiner Positionen aus den fragmente-Jahren er heute korrigiert hat und – so viel darf man von einem Bischof erwarten – bereut.

Es darf verwundern, dass der Bischof auch heute, da er und seine Kirche unter so großem Druck stehen, persönliche Loyalitäten zu Akteuren der Neuen Rechten scheinbar höher bewertet, als das Interesse seiner Glaubensgeschwister und Wegbegleiter an einer gründlichen Aufarbeitung. Ob Carsten Rentzing die Öffentlichkeit absichtlich getäuscht hat, muss die Aufarbeitung der „Affäre Rentzing“ jedoch erst noch zeigen.

Großer Schaden für die Landeskirche

Aber viele Menschen haben sich in Carsten Rentzing getäuscht. So viel ist heute schon klar. Carsten Rentzing ist nach einem hart umkämpften Rennen mit hauchdünner Mehrheit zum Landesbischof gewählt worden. Er hat auch nach seiner Wahl häufig genug Anlass dazu gegeben, an seinem selbstformulierten Anliegen, die Einheit der Landeskirche zu wahren, zu zweifeln. Ein Bischof, der so klar Partei ist und von Mitarbeitern das Einhalten eines starren, konservativen Moralkodex erwartet, der kann nicht versöhnen und zusammenführen.

Während seiner Kandidatur und auch nach seiner Wahl muss er mit dem Bewusstsein agiert haben, dass seine vormalige Tätigkeit für die fragmente und seine Verortung in der Neuen Rechten publik werden könnten. Damit hat er nicht nur sich selbst, sondern seiner Kirche eine große Hypothek aufgelastet. Hatte der Bischof seine Vergangenheit verdrängt oder meinte er tatsächlich damit durchzukommen? Carsten Rentzing hat schon mit seiner Kandidatur für das Amt des Bischofs unverantwortlich gehandelt.

Es ist kein wütender Online-Mob gewesen, der Bischof Rentzing sein Amt gekostet hat. Es waren auch nicht die Pfarrer, die als Erstunterzeichner die Online-Petition an ihn gestartet haben. Und es waren auch nicht die Journalisten, die das belastende Material, das seit Tagen in der Kirche im Umlauf war, sichteten, auswerteten und heute schließlich in der Sächsischen Zeitung, bei tagesschau.de und hier in der Eule veröffentlichten. Lassen wir keine Missverständnisse aufkommen: Auch für die Art und Weise seines Rücktritts und die Verwirrung der Gläubigen darüber trägt Carsten Rentzing die Verantwortung.

Zu Beginn seiner Bischofszeit sprach Rentzing häufig von der Bürde des Amtes, auch Überzeugungen mitzutragen, die er persönlich für falsch hält. Ich habe das damals schon kritisch kommentiert: Mir schien Rentzing für die Landeskirche eine größere Last darzustellen als andersherum. In den vergangenen Wochen hat sich diese Ahnung, die sich auf seine theologischen Positionen bezog, auf dem Feld der persönlichen Integrität bitter bewahrheitet.

Carsten Rentzing hätte unmöglich weiter Bischof bleiben können. Er hätte es – so viel wissen wir heute – nie werden sollen. Er hat seiner Kirche großen Schaden zugefügt.

Mehr: Lesen Sie auch unsere Recherche zum Rücktritt Carsten Rentzings.

Ein Kommentar zum Artikel

Michael Wohlfarth

„….Schaden zugefügt?“

Einer Kirche, der immer mehr Menschen den Rücken kehren?
Einer Kirche, die liberal, weltoffen und ohne „starren konservativen Moralkodex“ist?
Der sächsische Landesbischof ist nicht das Problem, sondern die Kirche selber in ihrem Umgang in Sachen „Klima des Friedens“.

Ein tolles Vorbild in dem Land der t o t a l e n Entkirchlichung. Mit schlimmen Folgen. Auch politischen!
Herzliche Grüße zur Friedensdekade 2019!

Aufarbeitung?
Ich bin dankbar, daß jetzt sogar Leute anerkannt werden nach neuestem Kabinettsbeschluß, die in der Deutschen Demokratischen Republik sich schuldig gemacht haben und für die STASI-Akten angelegt werden mußten…

Jetzt muß Rentzing aufgearbeitet werden.
Eine Affäre.

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