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Den Frauen das Kommando! – Die #LaTdH vom 21. November

Auch in der römisch-katholischen Kirche rücken Frauen in mehr und mehr Spitzenpositionen ein. Außerdem: Theologisches zum Antifa-Sonntag und Licht in der Dunkelheit.

Herzlich Willkommen!

Während die mancherorts befürchtete „Feminisierung“ der evangelischen Kirche mit der (erneuten) Besetzung des Amtes der Synoden-Präses und des EKD-Ratsvorsitzes durch Frauen weitere Fortschritte verzeichnet, sind auch auf römisch-katholischer Seite öffentlichkeitswirksame Postenbesetzungen festzustellen.

Nachdem seit Juli mit Beate Gilles erstmals eine Generalsekretärin im zölibatären Männerbund der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) wirkt, sind mit den neuen Präsidentinnen Eva Maria Welskop-Deffaa beim Deutschen Caritas-Verband und Irme Stetter-Karp beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) weitere wichtige Ämter an Frauen vergeben worden. Für innerkirchlich entscheidende Stellen gilt jedoch die laut Papst Johannes Paul II. „endgültig“ Männern vorzubehaltende Weihe zum Priester und Bischof als Zugangsvoraussetzung – ein unverzichtbarer Identitätsmarker, der eine Gleichberechtigung römisch-katholischer Frauen in ihrer Kirche grundsätzlich ausschließt.

Mit der Frage, „was die römisch-katholische Kirche von Altkatholik:innen und Protestant:innen lernen kann“, beschäftigt sich am Montag auch eine Veranstaltung der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ (@diewolfsburg) zum Thema „Priesteramt für Frauen und Synodalität“, bei der die Generalvikarin des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland auf ihre Kollegen aus den Bistümern Speyer und Essen sowie die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Essen trifft.

„Viel Spaß beim Vermehren der gewonnenen Einsichten“,
wünscht Ihr Thomas Wystrach


Debatte

Mit großer Mehrheit (149 von 190 Stimmen) ist die 65 Jahre alte Sozialwissenschaftlerin Irme Stetter-Karp (@IrmeKarp) am vergangenen Freitag zur neuen Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (@zdkonline) gewählt worden. Sie folgt damit Thomas Sternberg (@th_sternberg) nach, der nach sechs Jahren Amtszeit nicht erneut kandidiert hatte. „Glücklich und mit tiefem Respekt vor dem Amt“ nahm Stetter-Karp die Wahl an.

Beim Synodalen Weg Perspektiven für Mehrheit finden – Irme Stetter-Karp im Interview mit Joachim Heinz (katholisch.de)

Im Interview erläutert die neue Vorsitzende des Spitzengremiums der römisch-katholischen Laien, warum es sich aus ihrer Sicht lohnt, weiter für christliche Werte in der Gesellschaft einzustehen und für Reformen in der Kirche zu kämpfen:

Mich treibt immer noch an, dass ich es wertvoll finde, für christliche Überzeugungen und auch eine davon getragene Politik einzustehen. Mit Blick auf die Kirche treibt mich an, dass wir mit dem Synodalen Weg zumindest eine Chance haben, ein Tor zu öffnen für eine Reform, die ich für absolut unverzichtbar halte.

Ich schöpfe Hoffnung daraus, dass es in der Mitte der Gemeinden in Deutschland sehr viele Menschen gibt, die eine Öffnung der Weiheämter herbeisehnen und diese Öffnung brauchen, wenn sie ihren Glauben teilen und ihn nicht nur als Privatangelegenheit verstehen wollen. Das ist gleichermaßen eine Frage nach der Partizipation von Frauen als auch der Suche nach Auswegen aus einer großen pastoralen Not.

Zu Vizepräsident:innen des ZdK wurden Birgit Mock (@BirgitMock), die Journalistin Claudia Nothelle (@cnothelle), Wolfgang Klose (@WolfgangKlose64) und der Theologe Thomas Söding (@ThomasSoeding) gewählt.

Neue Frauenpower: Die EKD ist nicht die bessere Kirche, aber … – Matthias Drobinski (katholisch.de)

„Bei der evangelischen Kirche haben die Frauen das Kommando übernommen. Die bessere Kirche ist sie damit zwar nicht“, meint Matthias Drobinski (@DrobinskiM) in seinem Standpunkt auf @katholisch_de. Die neue Frauenpower biete aber Chancen, die die römisch-katholische Kirche nicht habe:

Es ist nicht egal, dass drei Frauen an der Spitze der EKD stehen. Sie bringen sehr unterschiedliche Biografien mit, sehr unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven, Frauenperspektiven. Die evangelische Kirche wird dadurch nicht einfach besser, aber vielfältiger, diverser. Sie hat damit eine Chance mehr als eine Kirche, die nur Männer in leitenden geistlichen Ämtern kennt.

„Feministin ist ein Ehrentitel“ – Eva Maria Welskop-Deffaa im Gespräch mit Georg Löwisch (Christ & Welt)

Im Antrittsgespräch mit Georg Löwisch (@georgloewisch) in der ZEIT-Beilage Christ & Welt (@christundwelt) sieht die neue Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa (@NYwelskop) ihren Amtsantritt weniger als „katholischen Kulturschock“ denn als Aufbruch und „Zeichen der Zeit“, der auch in der Besetzung von drei Spitzenpositionen in der EKD zum Ausdruck komme:

Diese Ämter sind keine Trostpflaster. Alle, die Sie genannt haben, wollen gestalten. Wir stehen für eine Kirche der Vielfalt, der Offenheit. Viele hundert Jahre haben Männer das Gesicht der Kirchen geprägt. Aber die Frauen holen jetzt auf.

Die Frage, ob die Caritas (@Caritas_web) noch „Kirche“ oder einfach ein „Sozialkonzern“ ist, hält Welskop-Deffaa für „nicht ernsthaft“, die Kritik des emeritierten Papstes Benedikt XVI., in kirchlichen Einrichtungen wirkten Menschen, „die den inneren Auftrag der Kirche nicht mittragen“, weist sie zurück. Trotz berechtigten Haderns mit der Kirche etwa wegen der Missbrauchskrise legten die Mitarbeiter:innen jeden Tag ein „Zeugnis für die Botschaft des Evangeliums“ ab. Gleichzeitig will die neue Chefin von fast 700.000 Beschäftigten (und außerdem etwa 500.000 Ehrenamtlichen) „die Türen der Kirchen von innen aufstoßen“:

Das meine ich sehr konkret. Wenn vor Ort Kirchen profaniert werden müssen – und das erleben wir in großer Zahl –, dann wünsche ich mir, dass die Caritasverbände vor Ort sich überlegen, ob sie die Kirchen nutzen können. Bevor eine Kirche abgerissen oder zum Museum wird, finde ich, dass das Gotteshaus lieber ein sozialer Ort sein sollte. In einer Zeit, wo es weniger Zuspruch zur Liturgie und viele Zweifel gibt, ist es Aufgabe der Caritas, die Türen der Kirchen offen zu halten.

nachgefasst

Gottes leidige Sekretariate – Jan-Heiner Tück (FAZ)

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland träume von einem obersten nationalen Leitungsgremium, ein geschlechter- und generationengerecht besetzter „Synodaler Rat“, hatte der in Wien lehrende systematische Theologe Jan-Heiner Tück bereits Anfang November bei einem Pro-Oriente-Symposium kritisiert (hier auch auf Youtube). Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (@FAZ_Feuilleton) fasst er seine Thesen jetzt noch einmal prägnant zusammen. Ein Synodaler Rat trage nicht nur zur Aufblähung der Apparate bei, die „beträchtliche Finanzmittel bei sinkenden Kirchensteuereinnahmen“ verschlinge:

Schließlich kommt das Konstrukt eines Leitungsorgans, das paritätisch aus Bischöfen und Laien besetzt sein soll, einem kühnen Umbau der Kirchenverfassung gleich. Nach welchen Kriterien wird Laien quasi bischöfliche Leitungsautorität übertragen? Wer trifft die Auswahl, wer in ein solches, nach geschlechter- und generationengerechten Parametern besetztes Mischgremium berufen wird? Was ist die theologische Legitimität? Bestünde nicht die Gefahr, dass rhetorisch versierte und medial gut vernetzte Gremienspezialisten den Synodalen Rat auf ihre Weise dominieren?

Strukturfragen als unwichtig abzutun ist unkatholisch – Sabine Demel (katholisch.de)

Auf Tücks Vorwurf, die Verantwortlichen beim Synodalen Weg (@DerSynodaleWeg) wollten demokratische Strukturen durchsetzen, die nicht mit der Verfasstheit der römisch-katholischen Kirche vereinbar seien, antwortet die Kirchenrechtlerin Sabine Demel. Sie weist das „Schreckgespenst eines Umbaus der Kirche in eine Demokratie“ zurück und wehrt sich gleichzeitig dagegen, Strukturfragen für zweitrangig zu erklären und damit als unwichtig abzutun:

Das ist unkatholisch – zumindest, wenn die Lehre des II. Vatikanischen Konzils über die Kirche als Sakrament zugrunde gelegt wird. Denn hiernach muss sich die (unsichtbare) Spiritualität auch in den (sichtbaren) Strukturen verleiblichen. Insofern gilt gerade in der katholischen Kirche, dass die Strukturen alles andere als zweitrangig sind, sondern predigen – Realtheologie predigen.

Deshalb ist es ein Widerspruch, von der Synodalität der Kirche zu sprechen, Synodalität als Wesenszug der Kirche zu bezeichnen, das Gemeinsam Kirche-Sein und die Partizipation alle Glieder des Volkes Gottes zu verkünden, dann diese gemeinsame Verantwortung und Partizipation aber strukturell nicht erfahrbar machen zu wollen. Dadurch würde die katholische Kirche weiter massiv an Glaubwürdigkeit verlieren.

Franziskus sollte das Engagement der deutschen Laien mehr wertschätzen – Thomas Seiterich (katholisch.de)

Die deutschen Laien und ihr Engagement hätten im Vatikan unter Papst Franziskus einen schweren Stand, schreibt Thomas Seiterich in seinem „Standpunkt“ auf katholisch.de. Ähnlich wie schon die „Würzburger Synode“ vor 50 Jahren drohe nun auch der Synodale Weg in Rom zu scheitern:

Dass es die Laien und ihr Zentralkomitee der deutschen Katholiken waren, die 2018 großherzig den Bischöfen die Hand zum Synodalen Weg reichten, als die deutschen Oberhirten buchstäblich im Dreck saßen als Verantwortliche und Vertuscher von viel sexueller Gewalt im Klerus – das ist im päpstlichen Rom nur wenig wertgeschätzt, kaum bekannt.

Seiterich wünscht sich daher „ein kräftigeres, öffentliches Hinstehen deutscher Bischöfe für die deutschen Laien“, dazu gebe es durchaus Gelegenheiten, ohne „Rom“ zu brüskieren:

Als jüngst die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel und mit wenigen Tagen Abstand Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Papst besuchten – da fehlte der deutsche Bischofsvorsitzende Georg Bätzing. Weshalb kam er nicht mit und warb für die deutschen Katholiken und ihr aktuelles Großprojekt? So blieb es der Protestantin und dem Protestanten überlassen, für die Anliegen und für die aktuellen gesellschaftlichen Verdienste der deutschen Katholiken zu werben.

Weil uns die Kirche (nicht) egal ist? Zu den Pfarreiratswahlen in NRW – Paulina Pieper (feinschwarz.net)

„Weil uns die Kirche nicht egal ist“ lautete der Slogan, unter dem vor zwei Wochen Kirchgänger:innen in den römisch-katholischen Bistümern in Nordrhein-Westfalen zu den Wahlen der Kirchenvorstände und „Gremien der pastoralen Mitverantwortung“ aufgerufen waren.

Paulina Pieper (@pieper_paulina), Stipendiatin des Cusanuswerks und Doktorandin an der Universität Innsbruck, deutet im theologischen Feuilleton @feinschwarz_net den gesteigerten Aufwand (etwa durch Einrichtung einer eigenen Website www.kirche-waehlen.de) als Reaktion auf die Herausforderungen der gegenwärtigen Kirchenkrise – den rasanten Relevanzverlust und die fehlende Geschlechtergerechtigkeit:

Auf Unbeteiligte wirkt die Website eher wie der verzweifelte Versuch, den einzigen demokratisch organisierten katholischen Raum in die Nähe anderer Wahlereignisse zu rücken, um so den eigenen Relevanzverlust nach außen und innen im toten Winkel zu belassen. Das Scrollen und Klicken auf der Seite hinterlässt einen fahlen Beigeschmack, so als würde man einem Öltanker beim Sinken zuschauen. (…)

Slogan und Wahlergebnis hinterlassen einen fahlen Geschmack: was bleibt, ist der Eindruck, dass die dringlichen Diskussionen, die beim weltweiten sowie beim deutschen Synodalen Weg geführt werden, offenbar nicht alle erreichen; der Eindruck, dass das Engagement derjenigen hier nicht wahrgenommen wird, denen vor allem die Menschen in der Kirche nicht egal sind.

Buntes

„Mit Gott ins Gespräch gehen“ – Theresa Brückner im Interview mit Tobias Fricke (Domradio)

Bis 1995 war der Buß- und Bettag ein bundesweiter gesetzlicher Feiertag. Doch seitdem er (außer im Freistaat Sachsen) abgeschafft worden ist, droht dieser evangelische Gedenktag in Vergessenheit zu geraten. Im Interview mit dem Domradio (@domradio) ruft Pfarrerin und „Sinnfluencerin“ Theresa Brückner (@theresaliebt) in Erinnerung, worum es geht:

Kein Mensch ist perfekt, jeder macht Fehler. Sich immer mal wieder Zeit zu nehmen, darüber nachzudenken ist auf jeden Fall wichtig. Ich finde das gerade aktuell in diesem Jahr, wo es ja auch wirklich viel darum geht, wie man sich richtig oder falsch gerade im Blick auf die Pandemie verhält und es hier ja auch um Schuldzuweisung geht, dass gerade das eine gute Brücke ist, um irgendwie zu überlegen, wo ich vielleicht in diesem Jahr auch Fehler gemacht habe und wo ich verzeihen und wo mir auch verziehen werden muss.

16 Tage des Aktivismus gegen geschlechtsspezifische Gewalt (Voices of Faith)

Vom 25. November, dem Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, bis zum 13. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, führt die Organisation Voices of Faith (@vofwomen) zusammen mit missio Aachen (@missio_de) eine gemeinsame Kampagne „Schwester, was sagst du?“ durch, um das Leben von Ordensfrauen zu feiern und sie zu ermutigen, ihre Lebenserfahrungen und Kämpfe innerhalb der kirchlichen Strukturen zu teilen:

Zu oft werden die Arbeit und das Leben von Ordensschwestern durch stagnierende kirchliche Strukturen und Gewohnheiten behindert, die es ihrem Charisma nicht erlauben, sich voll zu entfalten. Zu oft führen diese Situationen zu verschiedenen Arten von Missbrauch (z.B. wirtschaftlich, psychisch, sexuell, spirituell oder Macht).

Hehre Ziele: Neue Leitlinien zur kirchlichen Finanzwirtschaft – Ludwig Ring-Eifel (KNA)

Eine neue Broschüre des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) hat es in sich: Die Handreichung „Kirchliche Corporate Governance. Grundsätze guter Finanzwirtschaft in deutschen (Erz-)Bistümern“ enthält Empfehlungen, wie in den Diözesen mit kirchlichem Vermögen umgegangen werden soll.

Nach der Diskussion um das Finanzgebaren des Limburger Oberhirten Tebartz-van Elst oder dem 2018 bekanntgewordenen Investmentskandal des Bistums Eichstätt waren Forderungen nach einheitlichen Standards und mehr Transparenz nicht mehr abgerissen. Die Finanzverfassung der meisten Bistümer in der römisch-katholischen Kirche sei ebenso einfach wie gefährlich, stellt KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel (@LudwigRingEifel) in seiner Analyse fest:

Da der Diözesanbischof nach Canon 381.1 des kirchlichen Gesetzbuchs in der ihm anvertrauten Diözese alle legislative, exekutive und judikative Gewalt innehat, kann er auch über die Finanzen fast wie ein Monarch verfügen.

Zwar empfehle die neue Handreichung des VDD eine konsequente Umsetzung von Compliance-Richtlinien und eine saubere Trennung von Aufsichtsorganen und der Geschäftsführung kirchlicher Unternehmen, die Einrichtung interner Risiko-Früherkennungssysteme oder Vorgaben für die Geldanlage nach ethischen Standards, doch das weltweit geltende Kirchenrecht erschwere den Versuch, den Anspruch einer „Good Governance“ so umzusetzen, wie das in vielen Unternehmen und Staaten inzwischen üblich sei.

Theologie

Reden von Gott. Vom kirchlichen, gesellschaftlichen und universitären Sinn der Theologie – Holger Zaborowski (KThF Universität Erfurt)

In seinem Festvortrag anlässlich des Patronatsfestes Albertus Magnus beschäftigt sich Holger Zaborowski (@HolgZaborowski), Inhaber der Professur für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt (@KThF_Erfurt), mit dem kirchlichen, gesellschaftlichen und universitären Sinn der Theologie in Zeiten der Krise:

Die gesellschaftliche Belanglosigkeit der Kirche kann kaum unterschätzt werden. Manchmal täuschen – vor allem in den westlichen Bundesländern – die äußeren, langsam verblassenden Zeichen äußeren Einflusses noch über diesen Bedeutungsverlust hinweg. Doch ist die Kirche – als Zeichen der Nähe Gottes – immer mehr zu einem Fremdkörper, einer Parallelkultur, einem manchmal noch groß inszenierten Theater geworden.

Diese Krise ist zu einem beträchtlichen Grad auch selbstgemacht. Ein ängstlicher, seelenloser Glaube wird nämlich auch gesellschaftlich belanglos. Er spielt keine Rolle mehr. Darauf, dass das Salz, das wir Christinnen und Christen sein sollen, schal werden kann, hat übrigens schon Jesus hingewiesen. Dieser Bedeutungsverlust verschärft sich in einer Gesellschaft, die selbst von Ängsten durchzogen ist.

Angesichts des „methodologischen Atheismus“ moderner Wissenschaft, deren „großartige Erkenntnisse“ Zaborowski nicht bestreitet, bestehe die Gefahr, sich im „Chaos radikaler Orientierungslosigkeit“ zwischen einem radikalen Szientizismus und einer postfaktisch-relativistischen Weltsicht zu verlieren. Daher werde Theologie als „Werkzeug und Zeichen der Liebe zur Wahrheit“ wichtig:

Die Theologie löst nicht alle Probleme. Sie lässt sich auch nicht funktionalisieren, denn dann würde sie verlieren, was ihr wesentlich ist: der Bezug auf einen Gott, der alle Funktionen, die er erfüllen mag, radikal übersteigt. Aber es hat Konsequenzen – kirchlich, gesellschaftlich, universitär –, ob wir von Gott sprechen oder nicht. Wozu also Theologie?

Weil wir, wenn wir menschlich leben wollen und Gottes Anspruch einmal – und sei es nur kurz gewesen – erfahren haben, vielleicht gar nicht anders können. Weil die Rede von Gott – ob nun in akademischer oder in anderer Form – uns an Gott glauben, auf Gott hoffen und Gott lieben lässt. Weil die Krisen in Kirche, Gesellschaft und Universität auch darauf zurückgehen könnten, dass wir zu wenig Theologie – zu wenig Gottesrede – gewagt haben.

Gerhard Kittel und der Nationalsozialismus: Warum wir das ThWNT nicht mehr nach seinem Herausgeber benennen – Benjamin Misja (Logos)

Das zwischen 1933 und 1979 in 10 Bänden erschienene „Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament“ (ThWNT) war in der Bibelwissenschaft über Jahrzehnte hinweg nach dem Namen des Erstherausgebers schlicht als „Kittel“ bekannt.

Doch Gerhard Kittels antisemitische Überzeugungen und seine Tätigkeit für das NS-Regime seien der Allgemeinheit kaum bekannt und machten eine kritische Auseinandersetzung nötig, schreibt Benjamin Misja (@biblioblogde) im Blog der Bibel-Software-Edition „Logos“, die das lange vergriffene ThWNT – noch 2019 unverändert nachgedruckt in der WBG erschienen – jetzt erstmals auch digital verfügbar gemacht hat, es aber nicht mehr als „Kittel“ bezeichnet:

Mit der Streichung des Spitznamens wollen wir weder Geschichtskittung betreiben noch vom Gebrauch des ThWNT abraten. Und es wäre vermessen zu hoffen, dass wir mit einem Blogpost eine „öffentlich wirksame kritische Auseinandersetzung“ auslösen können. Aber ein symbolisches Zeichen setzen ist schon fast moralische Sorgfaltspflicht.

Gerhard Kittel ist und bleibt der Begründer und erste Herausgeber des Theologischen Wörterbuchs zum Neuen Testament. Doch der Umgangsname „Kittel“ würdigt einen Mann, der diese Würdigung nicht verdient hat. Und vielleicht kann dieser Artikel bewirken, dass noch mehr Theologen bei der Arbeit mit dem ThWNT zweimal hinschauen und „das Gute behalten“.

Der König mit der Dornenkrone: wie Papst Pius XI. ein christliches Fest einführte und damit ein politisches Zeichen setzte – Jan-Heiner Tück (NZZ)

Am heutigen Sonntag feiert die römisch-katholische Kirche das Fest „Christkönig“, eingeführt 1925 durch Papst Pius XI. – im Kontext der damaligen politischen Lage nach dem Untergang der meisten Monarchien im Ersten Weltkrieg werde die Initiative verständlich, erklärt Jan-Heiner Tück in der Neuen Zürcher Zeitung (@NZZ). In das Sinnvakuum der Nachkriegssituation sollte die Erinnerung an den Friedenskönig orientierende Kraft entfalten.

Zwar sei der Verdacht, der Papst sei von kirchlichem Triumphalismus angetrieben und habe mit seinem neuen Hochfest eine antimoderne Theokratie befördern wollen, angesichts des „öffentlichen Orientierungsanspruchs der Kirche“, ihrer „schwankenden bis ablehnenden Haltung zur parlamentarischen Demokratie“ sowie der Sympathien vieler kirchlicher Würdenträger und Theologen mit einem autoritären „katholischen Staat“ nachvollziehbar gewesen.

Allerdings habe das Fest ab den 1930er Jahren eine ganz andere, theologiepolitische Wirkung entfaltet. Gegen faschistische wie kommunistische Diktaturen habe der öffentliche Kult der römisch-katholischen Kirche einen Kontrapunkt gesetzt, Frömmigkeit sei zur „Quelle des Widerstandes gegen den totalen Staat“ geworden:

Der König mit Dornenkrone wird zum Emblem, in dem sich die Opfer von Verfolgung wiedererkennen können. Er steht für die Würde der Entwürdigten. Die Kirche, die am Christkönigsfest der Erhöhung des Gekreuzigten gedenkt, steht in der Pflicht, sich an die Seite der Erniedrigten zu stellen. In ihrem Antlitz leuchtet die königliche Würde Christi. Auch heute.

Der XVII. Europäische Kongress für Theologie – Thorsten Dietz (Das Wort und das Fleisch)

Nach längerer Pause gibt es eine neue Folge des Podcasts „Das Wort und das Fleisch“ mit dem Marburger Theologen Thorsten Dietz (@DietzThorsten), diesmal zum XVII. Europäischen Kongress für Theologie im September 2021, bei dem sich hauptsächlich evangelische Fachleute aus der Perspektive ihrer theologischen Fachrichtung mit dem Thema „Heilige Schriften in der Kritik“ beschäftigten. Es ging um eine aktuelle Bilanz, welche Bedeutung die historisch-kritische Methode für die Theologie insgesamt hat.

Predigt

Niemals fern: Gedanken zum Sonntag vom wiederkommenden Herrn 2021 – Johannes Biebl (Gottsucher und Menschenfischer)

Johannes Biebl, Priester im Ehrenamt in der Gemeinde Regensburg, zeigt sich in seinem Blog „Gottsucher und Menschenfischer“ zunächst überrascht von der alt-katholischen Leseordnung, die für den heutigen „Sonntag vom wiederkommenden Herrn“ dasselbe Evangelium (Mk 13,24-33) vorsieht wie am 1. Advent 2020. Das Kirchenjahr – gerahmt vom gleichen Gedanken des Evangeliums nach Markus, eine Hoffnungsbotschaft mit vielen düsteren Bildern.

Doch was ist nach einem Jahr von der „Ermutigung, (…) dem Licht hinter dem Dunklen nachzuspüren“ geblieben angesichts der verschärften Lage der Coronakrise? Biebl sieht sich bei erneuter Lektüre des Textes von der Vision, man werde „nach der großen Not (…) den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen“, besonders angesprochen:

Wenn man diesem Gedanken aus seinem apokalyptischen Kleid heraushilft, hat er etwas sehr Tröstliches: Dann, wenn Not und Drangsal herrschen, die Lichter auszugehen drohen und die Erde erschüttert wird, dann ist Jesus im Kommen. (…)

Gott ist uns niemals fern – und er war es an keinem Tag im letzten Jahr, an den schönen nicht und ebenso an den traurigen nicht. Gott ist uns niemals fern – und wird es auch in Zukunft nicht sein. (…)

Ein guter Satz

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