Die Die Eule Eule

#digitaleKirche big gethinkt

Auf der Tagung „Heilig, christlich, smart?“ trafen sich in der Evangelischen Akademie Loccum Akteure der digitalen Kirche. Eine fröhlich-fragmentarische Dokumentation

Bild: Aron (Unsplash)

Am letzten Wochenende traf sich die #digitaleKirche in der Evangelischen Akademie Loccum. Die Tagung „Heilig, christlich, smart?“ wurde in Kooperation mit dem zentrum für ethik der medien und der digitalen gesellschaft (zem::dg) durchgeführt. Auf dem Programm: Ein Mix aus Workshops zu Praxisthemen und best practice-Beispielen, sowie eine Menge Input zur theologischen Reflexion der Digitalisierung.

Wer war dabei? Fast alle, die sich akademisch-theologisch in Deutschland mit dem Thema Digitalität auseinandersetzen, dazu hauptamtliche Digitalisierer aus den evangelischen Landeskirchen und Ehrenamtliche aus Gemeinden und Verbänden. Eine Menge junger Leute, die im Alltag digital sind und als Studierende, Vikar_innen oder junge Pfarrer_innen #digitaleKirche gestalten wollen. Chef_innen und Leute mit jahrelanger Erfahrung bei der Implementierung des Digitalen in die Abläufe von Kirchen und Verbänden.

Wer hat gefehlt? Leute aus der Diakonie (s.u.) und eine Menge weiterer digitalbegeisterter Leute aus dem Raum der Kirche, die das wilde Getwittere unter dem Hashtag #digitaleKirche beobachteten. Teils mit gemischten Gefühlen: Bildet sich da eine elitäre Digitalkaste? Ist #digitaleKirche nicht viel eher dort, wo Einzelne und Gruppen konkret arbeiten?

Ansatz der Tagung war der Versuch, irgendwie gleichzeitig #digitaleKirche zu sein und über sie nachzudenken. Was Vorrang haben sollte – die theologische Reflexion der Digitalität oder die Praxis – war auf der Tagung selbst ein Streitpunkt. Die Ungeduld der digitalen Akteure nach jahrelangem Anrennen nun statt auf kirchenamtliche Unterstützung auf theologische Grundlagenarbeit zu warten, war mehrfach greifbar.

Das Dilemma

Die Digitalisierung birgt auch Gefahren, eine vollständige Technikfolgenabschätzung™ liegt nicht vor. Das betrifft Themen wie Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Algorithmen, aber auch die Sozialen Medien. Was macht Digitalisierung mit uns? Sind Veränderungen von Beziehungen und Gemeinschaften überhaupt erwünscht? Passt diese Digitalisierung zu „uns“?

Und dann wären da die zwielichtigen digitalen Akteure mit denen man sich einlassen muss: Amerikanische Großkonzerne mit erheblichen Eigeninteresse, die Problematik des Datenschutzes, das Mitdenken einer möglichen Überwachungsgesellschaft. Ja, das Digital bietet zahlreiche Fallstricke.

So könnte man sich theologisch-abwartend auch hinstellen und sagen: Erst einmal in Ruhe anschauen! Den digitalen Praktikern geht diese Haltung inzwischen auf den Nerv. Nicht nur im Digitalen geht Kirche in die Grauzonen, macht sich mit zwielichtigen Gestalten gemein, bewegt sich in ethischen Dilemma-Situationen. Doch häufig müssen sich nur die Digitalen dafür rechtfertigen.

Kirche muss dahin „wo es brodelt, riecht und stinkt“, orientiert sie sich am Beispiel Jesu, der auch nicht gefragt hat, ob sein Tischnachbar ordentlich Steuern gezahlt hat, sondern mit Zöllnern Gemeinschaft pflegte.

Wichtiger Hinweis von Christoph Breit (@ChBreit), Social-Media-Beauftragter der bayerischen Landeskirche: Wer bringt überhaupt das theologische Rüstzeug mit, um in solchen Dillemata zu bestehen, wenn nicht Protestanten? Das lutherische simul iustus et peccator kann ein Ausgangspunkt zu einem souveränen Leben im Digital sein. Und warum auch nicht? 1 digitales Leben ist auch nur 1 real life.

Im Wechselschritt

Den Praktiker_innen Vorrang einzuräumen setzt theologisches Nachdenken nicht ins Unrecht. Theologie reflektiert kirchliche Praxis, eben nach-denken. Wie verändert sich unser Bild vom Menschen, wenn Künstliche Lebensformen uns immer ähnlicher werden? Eine Frage, die mehrmals aufgegriffen und im Vortrag von Prof. Dr. Marcell Saß aus Marburg an Hand der Star Trek: TNG Episode „Measure of a Man“ diskutiert wurde.

Auch die Frage, wie sich unsere Beziehungen durch die Digitalisierung verändern, ist für die Kirche entscheidend, weil Glaube Beziehungsgeschehen ist. Dabei wird er schon immer medial vermittelt, seit die Jünger_innen nach Ostern begannen ihre Jesuserlebnisse weiterzuerzählen: „Religion ist ein kommunikatives Phänomen. Statt verfallstheoretisch zu argumentieren, gilt es beherzt, die Chancen kommunikativer Transformation zu entdecken.“

Theologie und #digitaleKirche müssen in einen Wechselschritt aus gegenseitiger Befruchtung und kritischer Begleitung hineinkommen. Dazu braucht es an den Fakultäten und Hochschulen eine stärkere Auseinandersetzung mit digitalen Themen, nicht nur mit einer christlichen Medienethik. Mehrfach forderten Referenten und Teilnehmer_innen theologische Lehrstühle für Digitalisierung, am besten gleich in ökumenischer Zusammenarbeit, und eine stärkere fachliche Auseinandersetzung z.B. zur Transformation des Kirchen- und Amtsverständnisses.

Dabei sollten Kirche und Theologie auch reflektieren, wie sie bisher mit Digitalisierung umgegangen sind. Der Hinweis von Prof. Dr. Alexander Filipovic (), Leiter des (zem::dg), dass dies schon in der Rede über Digitalisierung beginnt, darf nicht verhallen, soll es voran gehen. Kirche und Theologie dürfen sich nicht automatisch den Bedenkenträgern anschließen oder in einer indifferenten Haltung („Chancen & Risiken“) verharren.

Googelt mal!

Immer wieder Thema unter den Teilnehmenden: Die bisher mangelnde Nutzung von Synergien bei der digitalen Entwicklung innerhalb der Evangelischen Kirche (s. #LaTdH vom 24. Juni). Die komplexe Struktur der evangelischen Kirchen mit Gemeinden, Kirchenkreisen, Landeskirchen und EKD scheint selbst für viele Akteure zu unübersichtlich zu sein. Man wünschte sich, manche Entwickler_innen würden zuerst einmal googlen!

An einem Beispiel lässt sich das Problem gut beschreiben: Für den internen Bedarf werden immer wieder neue Kommunikationsmittel im Auftrag einzelner Landeskirchen entwickelt, statt schon bestehende technische Lösungen anderer Landeskirchen mitzunutzen und dann gemeinsam weiter zu entwickeln. So beginnen viele Akteure immer wieder von vorn, als wären sie die ersten, die auf einen Bedarf stoßen. Das kostet nicht nur unmäßig viel Geld – was der Akzeptanz der digitalen Kirche in Synoden und Gemeinden schadet -, sondern vor allem Zeit.

Was kann getan werden, um den Kooperationswillen zu stärken? Die #digitaleKirche muss sich noch besser vernetzen, vor allem von Seiten der Chef_innen. Digitalisierung muss als gemeinsame Aufgabe begriffen werden: Im Netz gibt es keine Landeskirchengrenzen. Den Verantwortlichen muss klar werden, dass sie (ihre Mitarbeiter_innen und Kirchenglieder) von Kooperation profitieren. Zusammenarbeit bedeutet nicht Bedeutungsverlust!

Doch auch mit besserer Vernetzung gehört das Thema zentrale Steuerung auf den Tisch. In einzelnen Landeskirchen wird bereits gezielt über Fördermittel gesteuert, d.h. Projekte erhalten nur dann Geld, wenn es für die gleiche Aufgabe nicht schon gute Lösungen gibt, die bei Bedarf weiter entwickelt werden können. Wie kann man das sinnvoll und demokratisch auf die Zusammenarbeit von Landeskirchen anwenden? Welche Rolle spielt die EKD?

Für den Journalismus im Raum der Kirche stellt sich die wichtige Aufgabe, diesen Prozess kritisch zu beobachten. Umso wichtiger ist  ein unabhängiger Journalismus im Raum der Kirche. Viele Kirchenmedien beschäftigen sich gerade selbst mit der Digitalisierung – der Medienwandel wird (zu recht) als Krise wahrgenommen. Auch Kirchen-PR muss sich digital ändern: Wenn Menschen im Netz überhaupt statt „Kirche“ eine Marke wie „evangelisch“ wahrnehmen sollen, dann lohnt sich die Spalterei in Landeskirchen nicht.

Aufforderung zur Rechtsbeugung

Fast schon ein Schmunzelthema unter den Praktiker_innen ist inzwischen die DSGVO bzw. ihre kirchlichen (und noch strikteren) Ableger. Nach Wochen der Erklärungen, hastigen Anpassungen und erheblichen Beratungsleistungen für verunsicherte Gemeinden und Mitarbeiter_innen, ist jetzt ganz offensichtlich eine Veränderung eingetreten: Über den Datenschutz wird gelächelt.

So waren auf der Tagung gleich mehrere mal mehr, mal weniger offene Aufforderungen zur Rechtsbeugung zu vernehmen. Jedenfalls will sich so recht niemand aus den WhatsApp-Gruppen der Konfirmanden vertreiben lassen. Einen möglichen Weg für die Zukunft wies Ingo Dachwitz (@roofjoke): Kirche und Diakonie können ihre erhebliche Marktmacht (zusammen sind sie einer der größten IT-Kunden des Landes) dazu nutzen, auf die datenschutzkonforme, sichere und ethische Gestaltung von Technologie zu drängen.

Das wäre Politik und damit schwieriger, als die Verantwortung für Techniknutzung wie üblich an die einzelne Nutzer_in abzuschieben. Dass Kirche sich nicht mehr länger auf den moralisch sauberen Aussichtsposten stellen und von dort aus das Verhalten ihrer Kirchenmitglieder pädagogisch geißeln kann, ist leider noch nicht überall angekommen. Hier tut (s.o. Dilemma) eine tiefergehende auch theologische Beschäftigung Not, die Probleme im Umgang mit Technik oder Medien nicht immer ins individualethische auflöst, sondern Kirche als Gemeinschaft andere Handlungsoptionen erschließt.

Und, falls Sie es noch nicht mitbekommen haben: Zumindest Threema finden die EKD-Juristen ok.

Leerstelle Diakonie

Nicht nur unter den über 70 Teilnehmer_innen fehlten Mitarbeiter_innen und vor allem Chef_innen der Diakonie. In vielen Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass Automatisierung, Künstliche Intelligenz und die Ethik des Digitalen mehr noch als für Kirchgemeinden eine riesige Herausforderung für die Diakonie sind und es dazu bisher kaum qualifizierte Einmischungen gibt.

Wie sieht diakonisches Handeln in der digitalen Gesellschaft aus? Was ist überhaupt genuin diakonisch, wenn Pflege in Zukunft von Robotern geleistet werden kann? Es braucht dringend #digitaleDiakonie. Bisher ist sie in der Debatte „mega unterrepräsentiert“, mahnen Jonas Bedford-Strohm (@bedfordstrohm) und Klaus Motoki Tonn (@MisterMotoki). Von diesem Schwenk könnten alle profitieren, wenn zukünftig nicht vor allem Öffentlichkeitsarbeiter_innen und Kommunikationsfachleute, sondern Pflegekräfte und Diakon_innen mitsprechen.

Auf diesem Feld bietet vor allem das interdisziplinäre Nachdenken große Chancen, denn die Diakonie kann den Wandel nicht ohne Hilfe aus den Pflegewissenschaften und technischen Disziplinen schaffen. Auf der anderen Seite benötigt die Weiterentwicklung z.B. der Künstlichen Intelligenz und anderer Technologie dringend kritisch-ethische Begleitung.

Die #digitaleDiakonie ist ein vergleichsweise neues Thema, hier ist noch nichts verpasst worden. Aus Impulsen wie der Reise des Diakonie-Präsidenten ins Silicon Valley (s. #LaTdH vom 24. Juni) und Tagungen wie in Loccum muss nun aber ein kontinuierlicher Prozess des interdisziplinären und ökumenischen Nachdenkens werden.

Was spricht gegen eine gemeinsame, zentrale Arbeitsstelle von Caritas und Diakonie, die Folgen des digitalen Wandels jenseits von Öffentlichkeitsarbeit in den digitalen Medien erforscht und für ihre Werke und Mitarbeiter_innen zugänglich macht?

Werkstatt

Das ist nur einer von vielen Vorschlägen und noch mehr Forderungen, die auf der Tagung in Vorträgen, auf Podien und im Gespräch bei Bier und Wein besprochen wurden. Nun aber ist es Zeit, dass #digitaleKirche nicht (wieder) versandet, sondern konkret voran kommt.

5 Zukunftvisionen einer Arbeitsgruppe erhielten in der Schlussrunde spontanen Beifall und wurden als guter Aufschlag empfunden. Ganz kurz hat sie Timo Versemann (@tim_ov, #NetzTeufel) von der Evangelischen Akademie zu Berlin auf Twitter zusammengefasst (auch ohne Anmeldung lesbar). Die Vorschläge umfassen Gemeinde, Jugend, Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung und Wissenschaft.

Hat sich die #digitaleKirche vielleicht schon überlebt? Das fragt Knut Dahl-Ruddies (@knuuut) in einem Beitrag auf seinem Blog Pastorenstückchen, der einen Text von Felix Stalder aufnimmt, dem in Loccum meistzitierten Wissenschaftler. Sein Vorschlag: Wir leben schon längst in der #postdigitalenKirche.

Eindrücke vor allem von den theologischen Beiträgen (und Podien) hat Christoph Breit (@ChBreit) auf seinem Blog zusammengefasst. Er meint: „Diese Loccumer Tagung kann #digitaleKirche weiterbringen. Man wird sehen, wie weit!“

Unter dem Titel „So kann Kirche den digitalen Wandel gestalten“ zieht Markus Bechtold (@MarkusBechtold), stellvertretender Leiter Digitale Kommunikation Gemeinschaftswerk der Ev. Publizistik, ein ausführliches Fazit der Tagung in Loccum mit vielen Anknüpfungspunkten fürs Weiterdenken und -arbeiten.

(M)eine – auch kommunikative – Entdeckung in Loccum ist das Projekt Kirchenbotschafter der Nordkirche. Das sind Leute, die sich ehrenamtlich (und ohne theologischen Background) in den Sozialen Medien ansprechbar machen und dort Botschafter für Kirche sind.

Es wird immer deutlicher, dass #digitaleKirche als Thema so komplex geworden ist, dass es unmöglich ist, auf einer Tagung alle Stränge zusammen zu halten. Nicht nur sind die Handlungsfelder digitaler Kirche vielfältig, auch Erwartungen unterschiedlicher Teilnehmer_innengruppen müssen moderiert werden.

Ingo Dachwitz forderte in der Schlussrunde darum, dass zukünftige Tagungen sich mit Einzelthemen beschäftigen müssen: Z.B. mit dem sich verändernden Kirchenbild, dem Amtsverständnis oder eben mit #digitaleDiakonie. Natürlich braucht es dazu auch Stimmen aus der Wissenschaft, die dazu etwas von Substanz beizutragen haben.

Das nächste Treffen der #digitalenKirche findet vom 28. bis 30. September 2018 in Köln statt: Auf dem barcamp Kirche wird wieder mehr Zeit sein, um best practice-Beispiele und Praktiker_innen kennenzulernen. Eingeleitet wird das barcamp mit einem Blogger_innen-Treffen in der Melanchthon-Akademie am 28. September.

Lutz Neumeier (@NEUMEdIER), Christoph Breit und Hanno Terbuyken (@dailybug) unternehmen den Versuch, ein Zentrum #digitaleKirche auf dem kommenden Evangelischen Kirchentag in Dortmund im nächsten Jahr zu organisieren. Ob und wie das was wird, darauf können Interessierte Einfluss nehmen, sachdienliche Hinweise sind ausdrücklich erwünscht.

Und schlussendlich wird sich im Herbst die EKD-Synode mit der Digitalisierung befassen. Hier lohnt ganz sicher der kritische (Schulter-)Blick.

Offenlegung: Als Beobachter eines Workshops und Teilnehmer des anschließenden Podiums habe ich als Gast der Evangelischen Akademie Loccum an der Tagung teilgenommen.

Philipp Greifenstein

Philipp stammt aus Dresden, wohnt in Lutherstadt Eisleben und ist bei uns für die Artikelplanung zuständig. Außerdem schreibt er die Kolumne Unter Heiden. Philipp führt seinen eigenen Blog und ist als @rockToamna auf Twitter.

3 Kommentare

Braucht es die Kirchen noch in der Kultur der Digitalität? - zemdg.de

[…] von Markus Bechthold auf dem Portal evangelisch.de, Philipp Greifenstein im Online-Magazin Die Eule, von Ralph-Peter Reimann im Blog TheoNet, sowie unter den Hashtags #DigitaleKirche und #Loccum auf […]

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Ines C.

Very small thinking
In den vielen Gemeinden, die ich kenne, ist digital U70 längst Kultur in Stalders Sinn. Die Leerstelle der Überlegungen sind die Handlungen und Fähigkeiten der 20 Millionen, die Kirche sind. Es klingt als wären sie auf der Tagung gar nicht vorgekommen. Hier etabliert sich scheint’s grade eine digitale Herrschaftsschicht, die mit dem Priestertum aller Gläubigen auch nach 500 Jahren noch nicht Ernst machen will, obwohl die flache Hierarchie und das Sharing doch die kulturellen Grundkoordinaten des Digitalen sind.
Erst wenn der letzte Gottesdienstbesucher (und Kirchensteuerzahler) zum ICF gewechselt ist, werdet Ihr erkennen, dass man mit Twitter-Followern keine Kirche bauen (und bezahlen) kann. 🙂

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Philipp GreifensteinPhilipp Greifenstein

Danke für ihren Kommentar!

„Die Leerstelle der Überlegungen sind die Handlungen und Fähigkeiten der 20 Millionen, die Kirche sind. Es klingt als wären sie auf der Tagung gar nicht vorgekommen.“

Doch, doch, dafür waren dann doch genug Praktiker_innen und ja auch Ehrenamtliche da. Und hinter dem Mond leben die Evangelen in den Gemeinden auch nicht. Ich würde sogar so weit gehen, ihre etwas willkürliche Altersgrenze noch zu schleifen. Für Fotos und Nachrichten von Kindern und Enkelkindern werden z.B. Messengerdienste auch jenseits der 70 inzwischen häufiger genutzt.

Ich nehme ihr Diktum von der „digitalen Herrschaftsschicht“ sehr ernst, wenngleich ich es nicht so derb ausdrücken würde. Die Frage, wie fortschreitende Professionalisierung (u.a. durch hauptamtliche Theolog_innen) und Priestertum aller Gläubigen zusammengehen, beschäftigt nach meinem Eindruck viele Teilnehmer_innen – besonders die jüngeren Theolog_innen und langgedienten Digitalpraktiker der Kirche unter ihnen sehr. Vielleicht nicht ganz so beherzt die Wissenschaft. Der Prozess der Professionalisierung wird definitiv nicht so kritisch gesehen, wie sie das einschätzen, aber er wird durchaus reflektiert!

Die Institution Kirche nimmt die Digitalisierung durchaus als „Kontrollverlust“ wahr. Eine Diagnose, die auf der Tagung gleich am ersten Abend mehrfach richtig gestellt wurde. Meine Wahrnehmung: Inzwischen sind wir in einem großen Öffnungsprozess, der Kirche in der Digitalisierung mehr erkennen lässt als den Verlust einer „Gatekeeper“-Rolle. Also, einen Schritt weiter.

(PS: Ich glaube die evangelischen Landeskirchen müssen sich was Mitgliederzahl und Finanzierungsmodell (Kirchensteuer statt Direktfinanzierung von begeisterten Followern, irgendwie nachhaltiger, oder?) nicht vor ICF verstecken. Ich schätze die Beharrungskräfte der Landeskirchen sogar so ein, dass es sie (vielleicht nicht alle in der bisherigen Form) noch geben wird und sie für höchst unterschiedliche Menschen digital und analog zur Verfügung stehen, wenn ICF schon lange aus der Mode gekommen ist.)

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