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Digitales Herz – Die #LaTdH vom 10. September

In der Debatte dreht sich alles um die Digitalisierung der Herzen oder eine herzliche Digitalisierung?! Außerdem u.a.: Vertreibungen in Myanmar, rechtslastige Christen und ein Sargdeckel.

Debatte

Die digitale Gretchenfrage – Jonas Bedford-Strohm (zeitzeichen)

In der zeitzeichen schreibt Jonas Bedford-Strohm (@bedfordstrohm) über die Herausforderung des digitalen Wandels für die Kirche:

Wenn sie auch in Zukunft eine für alle relevante Kirche sein will, muss sie ihre Präsenz dort [im digitalen Raum] drastisch verstärken. Sie muss auch digital in der gesellschaftlichen Kommunikation mitmischen und das Gespräch über den Glauben aus allen Ebenen und Kontexten heraus milieuübergreifend suchen. Sie muss suchen nach der richtigen Balance zwischen digitaler Kommunikation und persönlicher Begegnungen – und dabei ein strahlendes Beispiel für ganzheitliche Gemeinschaft vorleben.

Ich find das im Moment alles ein bisschen viel verlangt von einer Kirche, die so recht nicht weiß, wohin überhaupt mir ihr. Ist da die Digitalisierung wirklich die Antwort nicht nur auf die Frage nach der Form, sondern auch auf die nach dem Inhalt? Bei all dem dann auch noch „ein strahlendes Beispiel für ganzheitliche Gemeinschaft“ abzugeben, ist das nicht wirklich eine Zumutung? Gehört zu dieser Ganzheitlichkeit auch das anstrengende Fetzen und hartnäckige Diskutieren?

Reformation in der Krise – Knut Dahl-Ruddies (pastorenstueckchen.de)

Grundsätzlich in die gleiche Richtung argumentiert Knut Dahl-Ruddies (@knuuut) in seiner Replik auf das Reformationsjubiläums-Memorandum von Christian Wolff und Friedrich Schorlemmer (s.u.), wenn er auch etwas versöhnlicher bzw. stärker ernüchtert (?) vorgeht:

Schade eigentlich, denn gerade ein Blick auf die digitale Transformation könnte helfen zu zeigen, wo kirchliches Handeln verändert werden müsste um -Zitat- „die Erkenntnisse“ der Reformation „und die Bedingungen für Überzeugungskraft ins 21. Jahrhundert zu übertragen, um so Menschen zu stärken.“ Folgerichtig taucht Digitalisierung auch gar nicht unter den gesellschaftlichen“ Anknüpfungspunkten“ auf. Die Frage, wie es „in einer schnelllebigen Zeit und einer sich rasant verändernden Gesellschaft“ zu einer „Beheimatung und … Verwurzelung im Unverwechselbaren“ kommen soll, ohne dass auch digitale Beziehungen geschaffen werden, muss daher unbeantwortet bleiben.

In anderem Zusammenhang hat der Politikberater und professionelle Wahlkämpfer Frank Stauss davon gesprochen, dass Leute unter 40 (!) über traditionelle Kanäle der (politischen) Information gar nicht mehr erreicht werden. Das trifft so mE auch für kirchliche Kommunikation und da besonders nochmal für Kirchennachrichten zu.

Das cor incurvatum und das Virtuelle – Wolfgang Lünenbürger (Haltungsturnen)

Einen meditativ-theologischen Zugang wählt Wolfgang Lünenbürger (@luebue) auf seinem Blog mit grundsätzlichen Überlegungen zum Virtuellen:

Wer das Virtuelle gering schätzt, kann eigentlich keine Christin sein. Wirklich nicht. Denn seit Himmelfahrt ist unser Glauben und vor allem unsere Glaubenspraxis sehr wesentlich von einer virtuellen Beziehung geprägt. Vom Ende der kohlenstofflichen Nähe dessen, von dem wir glauben, dass er ganz Mensch und ganz Gott ist. Und der doch nah bleibt und Generationen nah gewesen und geblieben ist.

Die Dringlichkeit eines beschleunigten digitalen Wandels der Kirche ist eigentlich klar. Nur sollten wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass dieser Wandel irgendwie besonders freudvoll sein muss. Wir machen hier eine Revolution mit: Da gibt es immer Aufbrüche, Konterrevolutionen, schließlich Ankunft im Provisorium. Vielleicht sollten wir als erstes mal unseren Ewigkeits-Fimmel loswerden. Auch was Lösungen der digitalen Frage angeht.

Das von den Autoren angefragte Reformationsjubiläumsmemorandum (whut?) von Christian Wolff und Friedrich Schorlemmer findet sich übrigens hier. Es hat 15 Seiten auf denen viel steht, was anderswo andere schon ein bisschen anders gesagt oder geschrieben haben. Auf dem Blog von Christian Wolff könnte sich aus dem Vorhandenen noch eine spannende Diskussion ergeben.

Randständiges

Humanitäre Hilfe für Rohingya verboten – Michael Lenz (evangelisch.de)

Michael Lenz (@MichaelRLenz) berichtet als freier Korrespondent aus Südostasien, diesmal aus Myanmar, wo die muslimische Minderheit der Rohingya im Prinzip vertrieben wird. Den Hilfsorganisationen wurde diese Woche verboten, weiter tätig zu sein. Und es gibt eine sehr unappetitliche politische Komponente: Die einstige Hoffnungsträgerin Aung San San Kyi ist dafür verantwortlich.

Die systematische Unterdrückung von Muslimen nimmt in ganz Myanmar zu. Das werde von Aung San Suu Kyi, Teilen des buddhistischen Klerus, ultranationalistischen Gruppierungen und der Armee unterstützt, hieß es in dem in dieser Woche in Bangkok veröffentlichten Bericht des unabhängigen Burma Human Rights Network (BHRN).

Schmerzhafte Erfahrungen und Umdenken – Klaus Mertes SJ (Die Politische Meinung, kas.de)

Vor einiger Zeit habe ich mich hier in der Eule in (bisher) zwei Artikeln mit dem Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen beschäftigt. Für die Konrad-Adenauer-Stiftung hat sich Klaus Mertes, ehemaliger Rektor des Canisius-Kollegs Berlin, mit den nötigen Konsequenzen aus den Missbrauchsskandalen der röm.-kath. Kirche beschäftigt.

Der schwierigste Punkt der Aufklärung ist und bleibt der „systemische Aspekt“ des Missbrauchs – Missbrauchstat und Blindheit/Vertuschung durch die Verantwortlichen. Wenn die systemisch relevanten Aspekte, die den katholischen „Geschmack“ des Missbrauchs in seinen beiden Dimensionen ausmachen (Sakralisierung von Autorität, männerbündische Struktur des Klerus, informelle Machtstrukturen, Doppelmoral, übermäßiger Schulddruck in der kirchlichen Sexualmoral) zur Sprache kommen, rührt Aufklärung an das Selbstverständnis der Institution selbst.

Opinion: Anti-LGBTQ Nashville Statement a ‘Dark Echo From the Past’ – Brandan Robertson (nbcnews.com, englisch)

In den Staaten haben es evangelikale Wissenschaftler und Kirchenmänner auf sich genommen, sich noch einmal ganz deutlich von allen möglichen sexuellen Neigungen und Partnerschaftsformen abgesehen von der Ehe zwischen einem Mann und einer (gehorsamen) Frau zu distanzieren. Sicher das dringendste Problem! Wie besessen Leute vom Sex anderer Menschen sein können … Jedenfalls gibt es in der lebendigen Demokratie USA auch schon Widerstand.

That’s why, after reading this despicable statement, I decided to draft Christians United, a statement of Christians who support LGBT+ inclusion in the Church and society. In our statement, we unashamedly name and condemn non-inclusive religious teachings as psychologically harmful to LGBT+ people, as plenty of studies show. […] Our statement is the exact opposite of everything the Nashville Statement represents, and I believe that our statement is reflective of the direction of a majority of Christians in our world.

Katholischer Publizist zu Rechtspopulismus und Kirche: „Kaum größere Gegensätze vorstellbar“ (domradio.de)

Der katholische Publizist Andreas Püttmann (@Puettmann_Bonn) diesmal im Interview beim Domradio. Püttmann selbst steht nun überhaupt nicht im Verdacht, irgendwie links zu sein. Beim Thema Frauenordination z.B. ist er ein Anhänger der traditionellen katholischen Sicht. Wie viele konservative Katholiken setzt er sich aber äußerst konsequent gegen die Vereinnahmung der Kirche von Rechts zur Wehr. Mit klugen Gedanken:

Man muss hier einfach sehen, dass das Christentum auch als bloßer Identitätsmarker und Ordnungsfaktor missbraucht werden kann. Es gibt dieses autoritäre Verständnis von Christentum – auch innerhalb der Kirche -, wo man im Grunde nur einen Kult um das Eigene in Abgrenzung zum Anderen und Fremden betreibt.

Andere Wende – Karsten Krampitz (der Freitag)

Weil es diese Woche Unter Heiden schon einmal um Jammer-Ossis, Besser-Wessis und die AfD ging, hier noch ein weiterer Ausflug in den Osten. Der Bachmann-Preisträger Karsten Krampitz schaut sich für den Freitag die andere Wende an, ohne die der Osten heute nicht zu verstehen ist.

Die von Transferleistungen lebende Unterschicht reproduziert sich selbst. Wut und Resignation werden an die nächste Generation weitergegeben und verstärkt. Für etablierte Parteien, auch die Linke, waren diese Leute lange Zeit nicht von Interesse. Hat denn jemand ernsthaft glauben können, die Verwerfungen der 1990er und die Kränkungen der Agenda 2010 würden ohne politische Folgen bleiben? In den Städten hat sich wenigstens eine Zivilgesellschaft herausgebildet, die sich schützend vor Flüchtlingsheime stellt, nicht jedoch auf dem Land. Menschen ohne Herkunft und ohne Zukunft drehen irgendwann frei. Für diesen Zorn hat es keiner Flüchtlinge und keiner AfD bedurft – der Hass war schon da.

Interview: Evangelische Kirche in Nationalsozialismus und der DDR (Humanistischer Pressedienst)

Und noch einmal Karsten Krampitz: Im Alibri-Verlag erscheint dieser Tage sein Buch „Jedermann sei Untertan – Deutscher Protestantismus im 20. Jahrhundert“. Eine sicher herausfordernde Lektüre. Schon in diesem Interview werden von der Geschichte der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus und in der DDR bis zur Militärseelsorge viele nach wie vor brisante Themen aufgeworfen.

Hieran zeigt sich, dass die Kirchengeschichte als theologische Disziplin eben doch ihre geistigen Grenzen hat. Das gilt nicht für alle Kirchenhistoriker. An den theologischen Fakultäten geht man aber grundsätzlich davon aus, dass jede menschliche Geschichte immer auch die Geschichte Gottes mit dem Menschen ist. Unter einem solchen Postulat lässt sich beispielsweise die Amtshilfe der evangelischen Kirche bei der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden nur schwer erzählen.

Bibel

A Reddit user summarised the Book Of Job from the Bible and it’s hilarious (the poke, englisch)

Eine wunderbare Zusammenfassung des Hiob-Buches eines Reddit-Nutzers.

So God takes some deep breaths and counts to ten and goes to his happy place for a minute and gets himself under control again.

In other words, the moral of Job is that if you believe in the prosperity gospel God will straight up ice you unless Job asks him to chill.

Predigt

Statt einer Predigt:

Ein schöner Satz

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