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Foto: Andreas Petersell (Flickr), CC BY 2.0

Eine Panne mit Ansage

Der Kabarettist Uwe Steimle wurde zum Schirmherrn der Ökumenischen FriedensDekade 2018 ernannt. Zuletzt stand er immer wieder wegen rechtsradikaler Äußerungen in der Kritik.

Die Ökumenische Friedensdekade lenkt die Aufmerksamkeit auf Bemühungen, die zum Frieden führen. Sie macht auf Konflikte in unserer Gesellschaft aufmerksam. Sie will Menschen aufrütteln, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.

Die Dekade wird vor allem in Kirchen begangen, es finden Gottesdienstes, Gesprächsabende und Vorträge statt. Und natürlich kann es nicht schaden, der Friedensdekade durch eine prominente Schirmherrschaft weitergehende Aufmerksamkeit zu sichern. In den letzten Jahren haben sich u.a. Malu Dreyer (Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz), Margot Käßmann und Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) für die Friedensdekade eingesetzt. Für 2018 haben die Organisatoren den Kabarettisten und Schauspieler Uwe Steimle für die Schirmherrschaft gewinnen können.

Uwe Steimle, Foto: Thomas Gigold

Im „Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade“ nehmen zahlreiche Organisationen an der Vorbereitung teil. Vertreten sind u.a. Pro Asyl, die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend, Brot für die Welt und Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. Mit dabei sind außerdem Vertreterinnen aus der Ökumene und den Kirchen.

Die Friedensdekade 2018 stellt den „Krieg 3.0“ in den Fokus der Aufmerksamkeit. Bedrohungen wie die atomare Bewaffnung, Drohnenkrieg und Cyberkrieg sollen bearbeitet werden. Für keines der angepeilten Themen kann Uwe Steimle ausweislich seines Wirkens als Experte gelten.

Thomas Oelerich vom „Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade“ weist darauf hin, dass für die Aufgabe eines Schirmherren nach einer weithin bekannten Persönlichkeit gesucht wurde, die in der Öffentlichkeit die Ziele der Friedensdekade vertreten, nicht unbedingt nach einer Person, die zu den Themen fachlich Auskunft geben kann. Eine solche Person meinte man in Uwe Steimle gefunden zu haben.

Kritik an Steimles Pegida-Nähe

Doch auch jenseits der mangelnden fachlichen Expertise wird die Eignung Steimles für die Schirmherrschaft bezweifelt. Im Zentrum der Kritik stehen Steimles rechtspopulistische Positionen, die er im Fernsehen, bei seinen Kabarettauftritten und in den Sozialen Medien vertritt. Kritikern geht es um Steimles Haltung zu Pegida, für die er „zärtliche Gefühle“ hegt und denen er immer noch unterstellt, sie „würden auf verfehlte Politik aufmerksam machen“.

Ihm wurde weiterhin vorgeworfen, in seinem Kabarettprogramm lebten „antisemitische Ressentiments als Humor getarnt“ weiter. Für Empörung sorgte auch sein werbliches Auftreten für das rechtsradikale Querfront-Magazin Compact und seine „Medienkritik“, in deren Rahmen er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk „kapitalistisches Staatsfernsehen“ schimpft, eine Kollegin als „Besatzungsmoderatorin“ schmäht und Marietta Slomka vom heute journal als „Marionetta Slomka“ verunglimpft. Steimle wird deshalb eine Nähe zu rechtsradikalem Gedankengut, zur Querfront und Verschwörungstheorien unterstellt.

Im November letzten Jahres scheiterte Steimle vor dem Amtsgericht in Meißen mit einer Klage gegen den freien Journalisten Andreas Vorrath, dem er untersagen lassen wollte, ihn einen „antisemitischen Jammer-Ossi“ zu nennen. Richter Andreas Poth sah „Vorraths drastische Wortwahl durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt“. Steimle hätte mit eigenen Aussagen „wiederholt Vorlagen geliefert, die eine solche Meinung zuließen“. Er dürfe sich darüber hinaus nicht über die Härte der Äußerungen beklagen, Vorrath „könne sich auf ein juristisch verbrieftes Recht zum Gegenschlag zurückziehen“. Das Urteil kommentierte Steimle gegenüber der Sächsischen Zeitung wie folgt: „Ich halte mich als Pazifist an folgendes: Meine Kirche ist der Mensch, meine Religion der Zweifel. Lerne schweigen, ohne zu platzen.“

Ist die Schirmherrschaft Ergebnis mangelnder Recherche?

Das Gesprächsforum hat den Kabarettisten auf Vorschlag eines Mitglieds für die Schirmherrschaft angefragt. Danach habe sich das Gesprächsforum, laut Thomas Oelerich, auf einer Sitzung im Januar erneut mit der Personalie befasst, nachdem er auf die Ergebnisse seiner persönlichen Recherche aufmerksam gemacht habe, die durchaus Kontroverses hervorgebracht hatte. Man sei aber davon überzeugt gewesen, dass die zweideutigen Äußerungen Steimles das Anliegen der Friedensdekade nicht überschatten würden.

Recherchen der Eule ergaben, dass offenbar nicht allen Mitgliedern des Gesprächsforums Quantität und Qualität der Äußerungen Steimles bewusst waren. Steimle und die Kontroversen um seine Äußerungen waren zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht allen bekannt. Ein Umstand, der auf Grund der zahlreichen Belege und ausführlichen Berichterstattung, die jederzeit im Internet auffindbar sind, sehr bedauerlich ist.

Der ehemalige Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, der immer wieder Kritik an Pegida und rechtsradikalen Bewegungen in Ostdeutschland übt, kann sich darum gar nicht vorstellen, wie man auf Steimle kommen konnte: „Das ist ein Fehlgriff. Die Friedensdekade braucht einen Botschafter oder eine Botschafterin, die sich nicht durch Zweideutigkeiten profiliert, sondern die Ziele der Friedensdekade als Person glaubwürdig repräsentiert, wie das in der Vergangenheit anderen, von Malu Dreyer bis zu Sebastian Krumbiegel oder Christian Führer, gelungen ist. Das sehe ich bei Uwe Steimle nicht, vor allem auf Grund seiner Äußerungen zu Pegida, seiner Verharmlosung des Rechtsradikalismus in Sachsen und seiner quasi-Werbung für den Ideologieträger Compact.“

Welchen Umfang die Tätigkeit Steimles für die Friedensdekade überhaupt haben wird, steht derweil noch nicht fest. Bei einem Treffen Anfang März sollte eigentlich geklärt werden, ob Steimle z.B. auch an Veranstaltungen teilnehmen wird.

Jetzt steht für einige Mitglieder des Gesprächsforums das Engagement Steimles überhaupt in Frage. In mehreren der im Gesprächsforum vertreteten Organisationen wird die Schirmherrschaft Steimles diskutiert und inzwischen kritisch gesehen. Man habe sich erst nach der Kritik umfassend informiert. Geriete die Personalie Steimle zu einem Klotz am Bein der Friedensdekade, dann müsse über eine Trennung und Neubesetzung der Schirmherrschaft nachgedacht werden.


Update 27.2.2018 – 8:20 Uhr

Wenngleich nicht weisungsberechtigt, so hat sich doch die EKD zu Wort gemeldet: „Die Ökumenische Friedensdekade hat der EKD zugesichert, die genannten Kritikpunkte genau zu prüfen. Rechtsextremes und antisemitisches Gedankengut sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar.“ (Originaltweet)

Derweil hat Katrin Fischer für tag24.de auch eine Reaktion Steimles auf seine Berufung aufgeschrieben: „Steimle fühlt sich mit der Auswahl bestätigt: „Ob in meinen Programmen oder in Talkshows – Frieden steht für mich im Mittelpunkt. Dazu gehört, dass man mit allen redet.“ PEGIDA-Demonstranten eingeschlossen. […] Steimle selbst versichert: „Ich werde auf jeden Fall meine Vision des Dresdner Fernsehturms als Friedensturm mit Kreuz, Halbmond und Davidstern vorstellen.““ (Zum Artikel)

Update 28.2.2018 – 12:00

Die Ökumenische FriedensDekade hat Uwe Steimle die Schirmherrschaft entzogen. Mehr dazu hier in der Eule.

Philipp Greifenstein

Philipp stammt aus Dresden, wohnt in Lutherstadt Eisleben und ist bei uns für die Artikelplanung zuständig. Außerdem schreibt er die Kolumne Unter Heiden. Philipp führt seinen eigenen Blog und ist als @rockToamna auf Twitter.

Ein Kommentar

Hugo

Schon wieder werden Menschen wegen ihrer objektiven Meinung ausgegrenzt! Mehr kann man ja auch von den systemtreuen
kirchenmitarbeitern erwarten!

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