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Foto: Karl Fredrickson (Unsplash)

Fremde Welt Gottesdienst

Hoffentlich mache ich nichts falsch. Wie fühlt es sich an, als Erwachsene zum ersten Mal alleine in den Gottesdienst zu gehen?

Während ich laufe, gehen mir unzählige Gedanken durch den Kopf: Was wird mich hinter den Türen erwarten? Werde ich jemanden kennen? Werde ich etwas falsch machen? Wird es auffallen, dass ich zum ersten Mal da bin? Wie viele Menschen werden da sein?

Du kannst jetzt immer noch umdrehen oder später versuchen unauffällig rauszugehen, beruhige ich mich. Am besten du setzt dich ganz hinten hin. Die Glocken beginnen zu läuten. Ich laufe schneller, denn ich möchte auf keinen Fall zu spät kommen. Nicht heute, wenn ich zum ersten Mal alleine in einen regulären Sonntagsgottesdienst gehe, in einer Gemeinde, in deren Gebiet ich zwar aufgewachsen bin, aber mit der ich trotzdem kaum Kontakt hatte.

Seit ein paar Monaten gehe ich mit meinem Freund hin und wieder in den Gottesdienst seiner Gemeinde. Am Anfang bin ich einfach nur so mitgegangen, aber mit der Zeit ist mein Interesse am christlichen Glauben gewachsen und deswegen gehe ich jetzt zum ersten Mal alleine in den Gottesdienst.

Ich betrete die Kirche. Ein älterer Mann begrüßt mich und drückt mir ein Gesangbuch in die Hand. Das erstaunt mich, denn in der Gemeinde meines Freundes liegen die Gesangbücher einfach da. Ich setze mich in eine der hinteren Reihen und atme erst mal durch.

Foto: Karl Fredrickson (Unsplash)

Mein Blick wandert durch die Reihen vor mir. Ich suche mir eine Person aus, die so wirkt, als würde sie regelmäßig den Gottesdienst besuchen. An dieser Person werde ich mich orientieren, was aufstehen oder Gesangbuch aufschlagen angeht.

Aufregung, trotz allem

An den folgenden Gottesdienst habe ich jetzt, drei Jahre später kaum noch Erinnerungen. Was das Thema der Predigt war, habe ich schon lange vergessen. Aber an das Gefühl, dass ich auf dem Weg zum Gottesdienst und während des Anfangs des Gottesdienstes hatte, kann ich mich erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Das liegt daran, dass mir noch alles fremd war. Ich kannte die Liturgie nicht, wusste nicht, was in dieser Gemeinde bei den Fürbitten gesprochen wird, kam beim Vaterunser durcheinander, konnte das Glaubensbekenntnis nicht und die Lieder hatte ich fast alle noch nie gehört.

Natürlich war mir klar, dass meine Aufregung und Sorge etwas falsch zu machen eigentlich unnötig waren, aber trotzdem war ich aufgeregt.

So ähnlich wie mir damals geht es auch anderen Besucher*innen von Gottesdiensten, vor allem bei Tauf- oder Konfirmationsgottesdiensten. Manche von ihnen sind als Kinder hin und wieder in den Gottesdienst gegangen, aber in den letzten Jahren nicht mehr, andere waren nie Mitglied einer Kirche.

Und wer als Protestant*in in den Gottesdienst einer anderen Gemeinde oder gar einer anderen Landeskirche geht, der erlebt dort auch, dass manches ein bisschen anders ist, als man es sonst gewohnt ist.

Ein herzliches Willkommen

Was kann man tun, damit Menschen, die sich mit dem Ablauf des Gottesdienstes nicht auskennen, es einfacher haben?

Ich habe dazu nicht die perfekte Lösung. Aber stellen Sie sich einmal vor, eine Person, die noch nie in einem christlichen Gottesdienst war, kommt in einen normalen Gottesdienst Ihrer Gemeinde. Was würde dieser Person helfen?

Gibt es jemanden, der die Gottesdienstbesucher*innen begrüßt? Gibt es Ansprechpartner*innen für Menschen, die neu sind? Gibt es Hinweise zum Ablauf des Gottesdienstes, z.B. durch eingeklebte Blätter vorne im Gesangbuch oder bei der Begrüßung durch die Pfarrer*in?

Das sind Kleinigkeiten? Nein, vielmehr Zeichen dafür, dass sich die Gemeinde auf Neulinge und Gäste einstellt. Ein herzliches Willkommen in der Kirche ist keine Selbstverständlichkeit. Würden Sie eine Freund*in, die fast nichts mit Kirche zu tun hat, wenn sie Interesse daran hat, einladen mit in den Gottesdienst zu kommen? Wenn Ihre Antwort „Nein“ ist, was müsste sich ändern?

Unsere Gesellschaft wird immer vielfältiger, der Anteil der Kirchenmitglieder sinkt, da wird es wichtiger, dass Gottesdienste so gestaltet sind, dass sie auch kirchenferne Menschen willkommen heißen.