Die Die Eule Eule

Suchen

Hängepartie – Die #LaTdH vom 20. März

Die Nöte des Krieges in der Ukraine nehmen kein Ende. Außerdem: Ein neuer Landesbischof im geteilten Südwesten, eine Sinnfluencer:in und Fragen zum gerechten Krieg.

Herzlich Willkommen!

Ja, es ist immer noch Krieg. Und natürlich beschäftigt der uns auch in den #LaTdH. Dieses Mal mit ein bisschen mehr Einblick in die Situation der Kirchen in Russland durch ein Interview mit Erzbischof Dietrich Brauer.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg (ELKWUE) hat nach fünf Wahlgängen endlich einen neuen Landesbischof. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl aus Ulm wird im Sommer neuer Landesbischof und hat demnächst auch gute Chancen in den Rat der EKD nachzurücken, wenn der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sich von dort veabredungsgemäß verabschiedet (Mehr dazu im Live-Blog von der letzten Tagung der EKD-Synode vonn Philipp Greifenstein (@rockToamna) hier in der Eule.)

Eine gute Woche wünscht
Jacqueline Depta

PS: Die #LaTdH und das Angebot der Eule werden von den Leser:innen selbst ermöglicht! Die Eule ist ein unabhängiges Magazin und erhält keine Unterstützung von Kirchen oder Religionsgemeinschaften. Werden Sie Eule-Abonnent:in! Ab 3 € im Monat sind Sie dabei.


Debatte

„Ein Krieg gegen die Menschlichkeit“: Interview mit Erzbischof Dietrich Brauer – Magdalena Smetana (Gustav-Adolf-Werk)

Dietrich Brauer (@pastorbrauer) ist Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) und Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELKR). Vor einigen Tagen floh er zusammen mit seiner Familie aus Russland. Nun hat er Magdalena Smetana (@mgdlnsmtn) für die ELKWUE und den Blog des Gustav-Adolf-Werkes (@glaubeverbindet), dem Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland, ein eindrucksvolles Interview gegeben, das noch einmal einen tiefen Blick in den Konflikt hinter dem Krieg gibt. Seitens der Russisch-Orthodoxen Kirche höre man in Russland seit Jahren von Christenverfolgung und Völkermord in der Ukraine. Viele orthodoxe Priester hätten Angst sich zu äußern, so Brauer. Er selbst findet klare Worte:

Ich distanziere mich klar und öffentlich von diesem Krieg, der nicht nur ein Krieg gegen die Ukraine ist, sondern ein Krieg gegen die Menschlichkeit. Er wird nicht in unserem Namen geführt.

Auch in seiner Predigt am Sonntag nach dem Ausbruch des Krieges sprach Brauer in Moskau von seinen Gefühlen der Macht- und Hilflosigkeit. Die ganze Predigt gibt’s hier zum Nachlesen. Am heutigen Sonntag wirkt Brauer beim ZDF-Gottesdienst mit und möchte eine Friedensbotschaft verkünden. Er sehe auch jetzt einen großen Zusammenhalt …

(…) und die Menschen sagen, es darf uns kein Hass beherrschen. Jetzt ist Zeit zum Handeln und zum Helfen und nicht die Zeit zum Anschuldigen. Dafür bin ich dankbar.

Sie wollen nicht die Sprache der Politik sprechen – Matthias Rüb (FAZ)

Papst Franziskus und der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill sitzen vor ihren Bildschirmen und sprechen per Videoschalte miteinander. Das war das Bild vom Mittwoch, als die beiden Kirchenoberhäupter miteinander über den Krieg in der Ukraine sprachen. Patriarch Kyrill vermied dabei, wie vom Kreml vorgegeben, das Wort Krieg. Papst Franziskus verstärkt seine Bemühungen um ein Ende des Krieges und hat derweil Kardinäle nach Ungarn, Polen, in die Slowakei und in den Westen der Ukraine entsandt, um dort die humanitäre Hilfe zu koordinieren und Gespräche zu führen.

Bei dem Videogespräch vom Mittwoch seien Papst und Patriarch übereingekommen, dass die Kirche „nicht die Sprache der Politik“ sprechen dürfe, sondern „die Sprache Jesu“ sprechen müsse, teilte Vatikansprecher Matteo Bruni mit. Die Christen und deren Seelsorger müssten alles tun, „damit der Frieden sich durchsetzt“. Beide Seiten hätten zudem die Bedeutung der laufenden Verhandlungen betont.

Patriarch Kyrill hat sich außerdem das erste Mal an Gläubige gewandt mit den Worten „Alle unsere Gedanken, Sorgen und Gebete sind mit den aktuellen Vorgängen in der Ukraine verbunden.“

Frieden durch Krieg? – Uwe Gerrens (zeitzeichen)

Die Lehre vom gerechten Krieg sei älter als das Christentum selbst, schreibt Uwe Gerres. Der Studienleiter an der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf stellt in seinem Text die Frage, ob sich Christ:innen an einem Krieg beteiligen dürfen. Dafür zieht er die Geschichte zu Rate: Solange Christ:innen in der Minderheit waren, sei die Vorstellung, sich an der Tötung eines Menschen zu beteiligen, unter Berufung auf die Bergpredigt ausgeschlossen gewesen. Das änderte sich aber mit der „Konstantinischen Wende“, so Gerres.

Insbesondere im Absolutismus und im 19. Jahrhundert glaubten viele Völkerrechtler, ein Angriffskrieg sei schon dann legitim, wenn der Monarch eine Kriegserklärung ordnungsgemäß unterzeichnet habe. Ganz wohl dabei war ihnen dabei allerdings nicht, weshalb Angriffskriege sicherheitshalber auch noch damit begründet wurden, dass die jeweils andere Seite angefangen habe.

Die klassische Lehre kenne außerdem fünf Voraussetzungen, damit ein Krieg überhaupt begonnen werden dürfe: 1. Legitime Autorität, also das „Vorliegen eines Mandats“, heute der Vereinten Nationen. 2. Vorliegen eines Kriegsgrundes. 3. Eine gerechte Absicht, Ziel muss dementsprechend die Wiederherstellung des vorherigen Zustandes sei und nicht etwa sich ein anderes Land anzueignen. 4. Es muss das letzte Mittel sein, Verhandlungen und Sanktionen müssen vorher ausgeschöpft sein. 5. Es muss die Aussicht auf Frieden bestehen, sei das nicht gegeben, sollte man kapitulieren.

Gerres verteidigt die Lehre vom gerechten Krieg und meint, sie sei besser als ihr Ruf. Allerdings werde sie meist desaströs angewandt. Er resümiert, dass unter diesen Kriterien fast jeder bisherige Krieg ein ungerechter sei. Der Krieg in der Ukraine hingegen scheine die Ausnahme zu sein, denn selten sei eine Situation so eindeutig gewesen.

Dennoch sollte man aus der Gewaltlosigkeit kein in jedem Fall einzuhaltendes Prinzip machen, das ohne Rücksicht auf Verluste um jeden Preis einzuhalten wäre. In sehr besonderen und sehr seltenen Situationen kann der Frieden auch wiederhergestellt werden, indem man Krieg führt. Und darum bemüht sich zurzeit die Ukraine.

nachgefasst

Kirchenaustritt: Ist es jetzt an der Zeit, zu gehen? – Michaela Maria Müller (ZEITOnline, „10 nach 8“)

Die Initiative #OutInChurch und die dazugehörige Fernseh-Dokumentation haben einiges bewegt. Sechs der 27 katholischen Bistümer haben daraufhin eine Selbstverpflichtungserklärung abgegeben, dass niemandem mehr aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder Lebensführung gekündigt werden kann. Außerdem haben acht Bistümer sich für deutliche Änderungen des kirchlichen Arbeitsrechts ausgesprochen. Auch Michaela Maria Müller (@MichaelaMaria) hat die Doku bewegt und nachdenklich gemacht. Und das, obwohl sie sowohl familiär, als auch aus sich selbst heraus stark kirchlich verwurzelt ist.

Und auch ich fragte mich in diesem Jahr zum ersten Mal: Ist es jetzt an der Zeit, zu gehen? Denn wenn ich bliebe, machte ich mich damit nicht eins mit den Tätern, wäre ich nicht auf ihrer Seite, trüge ich mit der Mitgliedschaft ihre Taten nicht stillschweigend mit?

Damit geht es Müller wohl so wie vielen Gläubigen in diesen Wochen, sie überdenken ihre Mitgliedschaft in der Kirche. Müller beschreibt die konfessionellen Schulen, Kindergärten und Obdachlosenhilfen als Aushängeschilder, die die Verantwortlichen mit ihrem Verhalten geradezu beschädigen. Und trotzdem hat die Autorin sich fürs Bleiben und gegen den Kirchenaustritt entschieden.

Wenn alle gehen, wer bleibt dann? Die konservativsten Vertreter, die Hardliner mit ihrem Gefolge an der Spitze? Das wäre mehr als problematisch, denn die Menschen, die sich für andere einsetzen und engagieren, sind in der großen Mehrheit. Das ist auch die gute Nachricht. Mit ihnen möchte ich mich solidarisch zeigen, obwohl ich weiß, dass das bloße Bleiben nicht alles sein kann.

Katholische Kirche klärt Missbrauch selber auf – Victoria Reichelt (Deutschland3000)

Das ist ja ein Desaster. In erster Linie für die Kirchen. Ich weiß gar nicht, das ist wie Selbstabschaffung, das die da organisieren. Und wir als Politik stehen irgendwie mehr oder weniger fassungslos davor und haben in den vergangenen Jahren eben auch nicht die Kraft gehabt entsprechend zu handeln, sondern waren eher ungläubig, wie man diese schwierige Thematik so anpacken kann.

Das sagt Lars Castellucci (@larscastellucci), Beauftragter für Kirchen und Religionsgemeinschaften in der SPD-Bundestagsfraktion. Im Video des funk-Kanals „Deutschland3000“ fragt sich Victoria Reichelt (@Vicaareich), warum die katholische Kirche den Missbrauch innerhalb ihrer Organisation selbst aufklären darf. Bereits vor einem Jahr hatte „Deutschland3000“ (@Deutschland3000) ein Video mit Betroffenen veröffentlicht, in dem sie Aufklärung, Aufarbeitung und Unterstützung von der Politik forderten. Seitdem ist nicht viel passiert, erklärt nun auch Castellucci.

Buntes

Influencerin beim Pfarrerinnentag: Frauen werden herabgewürdigt – Steffi Bock (EKHN.de)

Theresa Brückner (@theresaliebt) ist Pfarrerin, zweifache Mutter und Influencerin. Beim 9. Pfarrerinnentag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat sie diese Woche einen Vortrag über Sexismus gehalten. Ihr sei es wichtig, immer wieder auf die unterschiedliche Behandlung von Geschlechtern in der Kirche aufmerksam zu machen.

Nicht selten erlebe sie nach einem Gottesdienst Gespräche, die sie als Frau herabwürdigten. „Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, kommen zu mir und sagen, dass ich doch mal lächeln soll“. Oder: „In ihren Gottesdiensten haben Männer immer was Schönes zum Anschauen.“

Auch berufliche Termine am Abend wahrzunehmen, sei für sie als Frau eine andere Herausforderung als für ihre männlichen Kollegen:

Dass abendliche Sitzungen sie als Frau in Berlin auf dem Heimweg in Gefahr brächten, sei etwas, was männlichen Kollegen gar nicht bewusst sei. „Ich spreche sowas immer wieder an, weil ich es wichtig finde, dass auch Männer sich bewusst machen, was für Privilegien sie an dieser Stelle haben“.

Als @theresaliebt auf Instagram nimmt die Berlinern mittlerweile mehr als 19 000 Follower:innen mit in ihren Alltag. Sie spricht über ihren Glauben, ihr Familienleben und ihre Arbeit. Dabei bleiben auch schwierige und traurige Themen nicht ausgespart: So sprach sie in diesem Video für BASIS:KIRCHE (@BasisKirche) über ihre drei Fehlgeburten. Brückner wurde 2019 mit dem Goldenen Blogger als „Beste Flauscherin“ ausgezeichnet (Eule-Interview von damals): Sicher nicht ihre letzte Auszeichnung.

Nach fünf Abstimmungen: Ulmer Dekan Gohl knapp zum Evangelischen Landesbischof in Württemberg gewählt – (SWR)

Es war ein regelrechter Krimi: Erst nach fünf Wahlgängen hat die Evangelische Landeskirche Württemberg nun einen neuen Landesbischof. Zu Beginn standen drei KanditatInnen zur Wahl: Der Chef des Diakoniewerks Die Zieglerschen Gottfried Heinzmann, die Tübinger Theologin Viola Schrenk und der Ulmer Münsterdekan Ernst-Wilhelm Gohl. Die Synodalen konnten sich in Stuttgart aber nicht für ein:en der Kandidat:innen entscheiden. Und obwohl Heinzmann dann im vierten Wahlgang als einziger Kandidat zur Wahl, erhielt er nicht die benötigte Zwei-Drittel-Mehrheit. Erst als Ernst-Wilhelm Gohl am Samstagmorgen als alleiniger Kandidat wieder zur Wahl stand, konnte er die benötigten Stimmen auf sich vereinen.

Der Ulmer Dekan hatte sich in seiner Bewerbungsrede am Donnerstag vor allem für eine selbstkritische und mutigere Kirche eingesetzt. „Der Kirche bläst grad gewaltig der Wind ins Gesicht“, stellte er fest. Die Zeit, in der es zum guten Ton gehört habe, Mitglied der Kirche zu sein, sei vorbei. Es gehe vor allem darum, Vertrauen zurückzugewinnen, so Gohl. Ein Gradmesser sei unter anderem, wie die Kirche mit dem Thema Missbrauch umgehe. „Die Aufarbeitung und die Prävention haben für mich oberste Priorität“, versprach Gohl.

Der bisherige Landesbischof Frank Otfried July erreicht im Sommer die Altersgrenze von 68 Jahren und geht in den Ruhestand. Im Beitrag von epdVideo kommt der neue Landesbischof zu Wort und freut sich wie die Präsidentin der Württembergischen Evangelischen Landessynode Sabine Foth darüber, dass man sich doch noch hat einigen können. Die württembergische Synode wird stark durch die sog. „Gesprächskreise“ geprägt. Der neue Landesbischof gilt als Kompromisskandidat, nachdem sich Gottfried Heinzmann (Lebendige Gemeinde) nicht hatte durchsetzen können.

Ein guter Satz

Kommentare sind geschlossen