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Live-Blog EKD-Synode 2021-2 (Tag 3): Ratswahl

Der dritte Tag der 2. Tagung der 13. Synode der EKD zum Nachlesen: Synode und Kirchenkonferenz wählen einen neuen Rat der EKD. Die Ratswahl endet am Abend glücklich.

Ein herzliches Willkommen zum Live-Blog vom 3. Tag der 2. Tagung der 13. Synode der EKD in Bremen und auf den Datenautobahnen! Den Live-Blog von Sonntag findet ihr hier, inkl. der KandidatInnen-Vorstellungen. Und den Live-Blog von Montag, inkl. der Befassung mit dem sexuellen Missbrauch, hier. Den Live-Blog mit der Wahl der Ratsvorsitzenden am Mittwoch findet ihr hier. Zum Liveblog begrüßt euch Eule-Redakteur Philipp Greifenstein.


Dienstag, 9.11.2021, 8:15 Uhr

Guten Morgen! Am heutigen, so geschichtsträchtigen 9. November wählen die EKD-Synodalen und die Mitglieder der Kirchenkonferenz einen neuen Rat der EKD. Darum wird es heute auch hier im Live-Blog gehen. Ein paar kleine Nachträge zu gestern werden außerdem bald hier erscheinen. Es wird ein langer oder erstaunlich kurzer Wahltag. Natürlich haben die Synodalen beraten, Verbündete gesucht, gar Allianzen geschmiedet – aber alles ist offen: Das ist das schöne an der Demokratie!

Um 9 Uhr startet der Livestream.

Dienstag, 9.11.2021, 9:05 Uhr

Mit einer Morgenandacht über das historische Datum 9. November startet die Synode in den heutigen Tag.

Dienstag, 9.11.2021, 9:20 Uhr

Bevor die Wahlberechtigten zum ersten Wahlgang schreiten, hier noch ein paar Vorbemerkungen:

In den ersten Wahlgängen wird es den Wahlberechtigten und insbesondere den EKD-Synodalen darum gehen, dass diejenige(n) KandidatInnen, die sie gerne im Amt der/des Ratsvorsitzenden sehen wollen, mit starkem Ergebnis in den Rat einzieht oder einziehen. Das ist der wichtigste Fingerzeig, den die Synodalen setzen können. Und dazu gibt es natürlich, wie ich höre, auch Absprachen unter der Synodalen, wie sie in den ersten Wahlgängen abstimmen wollen.

Ist der Rat erst einmal gewählt, macht dieser einen Vorschlag für den Ratsvorsitz, dem die Synode und die Kirchenkonferenz am Mittwoch dann mit extrem großer Sicherheit zustimmen. Allein die Höhe der Zustimmung ist dann noch bemerkenswert.

Wie wird der Rat der EKD gewählt?

  • Immer auf der zweiten Tagung einer Synoden-Legislatur wählen die EKD-Synode und die Mitglieder der Kirchenkonferenz einen neuen Rat der EKD, der dann für sechs Jahre gewählt ist. Nachdem sich die neue EKD-Synode im Frühjahr konstituiert hat, ist es nun soweit.
  • Die 128 Synodalen der EKD-Synode und die Mitglieder der Kirchenkonferenz wählen insgesamt 14 Mitglieder des 15-köpfigen Rates. Die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, gehört dem neuen Rat als geborenes Mitglied qua Amt an. Gewählt wird solange, bis alle 14 Posten besetzt sind. Die Stimmberechtigten haben also bei jedem Wahlgang so viele Stimmen, wie noch Plätze zu vergeben sind. Um in den Rat gewählt zu werden, benötigt man eine 2/3-Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen. Es gibt in Summe 148 Stimmberechtigte, man benötigt also – wenn alle gültig abstimmen – 99 Stimmen.
  • Gewählt wird in diesem Jahr am 9. November. Eine Ratswahl kann sich aufgrund des Prozederes durchaus hinziehen – und Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Auf alle Fälle ist die Durchführung ein richtiger Härtetest für die Synode: Ratswahlausschuss und Synoden-Präsidium müssen hochkonzentriert arbeiten.
  • In diesem Jahr wird der Rat erstmals digital gewählt. Das wäre auch bei einer reinen Präsenztagung so gewesen. Stimmabgabe und -Auszählung werden sich dadurch erheblich beschleunigen. Also vielleicht dauert es doch gar nicht so lang: Bei der Präseswahl im Frühjahr überraschte die digitale Synode alle Beobachter:innen mit ihrer zügigen Wahl. Jedenfalls wird die digitalisierte Tagung sicher auch Auswirkungen auf das Ergebnis zeitigen.

Ein paar Gedanken zur Einordnung (aus dem Live-Blog von gestern spät am Abend):

Was diese Ratswahl so schwer macht, wird vielleicht deutlich, wenn man das Zahlenspiel einmal umdreht, und nicht nach 14 geeigneten Mitgliedern des Rates der EKD sucht, sondern nach 8 Personen unter den 22 KandidatInnen, die man da wirklich nicht sehen will. Bis auf einen Kandidaten, der sich mit seiner verunglückten Bewerbungsrede ins Abseits geschossen hat und aufgrund starker Konkurrenz aus der eigenen Region sowieso kaum Chancen hat, fällt mir da niemand ein. Es ist ein wirklich starkes BewerberInnen-Feld.

Trotzdem richten sich die Wahlberechtigten natürlich nicht allein nach den Bewerbungsreden, die sie obendrein auch mehrmals nach Schwächen durchleuchten können, da sie allen Interessierten auf YouTube zur Verfügung stehen, sondern auch nach taktischen Gesichtspunkten. So ist es wichtig, dass diejenigen KandidatInnen, die für den Ratsvorsitz in Frage kommen – ein endliches Reservoire – nicht erst in den Nachmittagsstunden zerfleddert in den Rat einziehen, sondern möglichst früh und mit gutem Ergebnis.

Obendrein gibt es auch grundsätzliche Überlegungen, die unter den Synodalen diskutiert werden: Braucht es im Rat zum Beispiel aktive PolitikerInnen? Die Bewerbungsreden von Kerstin Griese (SPD) und Thomas Rachel (CDU) haben viele jüngere Synodale nicht vom Hocker gehauen. Wäre nun ein guter Zeitpunkt, die ohnehin überlebte Polarität Sozialdemokratie <-> Christdemokratie aufzulösen? Erfahrene Synodale drängen derweil auf die Beteiligung der PolitikerInnen, sie brächten unverzichtbare Netzwerke mit. Man müsse sehen, dass BewerberInnen eben nicht nur für sich allein dastünden, sondern auch stellvertretend für wichtige gesellschaftspolitische Akteure, mit denen die Kirche zusammenarbeiten will/muss.

Und schließlich ließe sich die Polarität natürlich auch durch die Wahl des Grünen-Mitglieds Anna von Notz beseitigen.

Auch die Frage der Amtsdauer wird unter den Synodalen diskutiert. Ein Rat der personell über die gesamte Legislatur zusammenbleibt, ist selten. Und vielleicht auch gar nicht erstrebenswert. Nicht die ganze Amtszeit „durchzuhalten“, ist keine Schande. 6 Jahre sind eine lange Zeit, gerade für die jüngeren KandidatInnen. Meine Meinung: Man sollte wählen, wen man jetzt gut und richtig findet. Der Rest wird sich weisen.

Die Chancen der fünf Leitenden Geistlichen, die für den Rat kandidieren, sind nach wie vor groß. Auch wenn über Volker Jungs Ankündigung, seinen Sitz im Rat bereits 2024 bei Eintritt in den Ruhestand aufzugeben, durchaus diskutiert wird. Manche sehen darin ein willkommenes Zeichen der Demut, andere ein Abwinken. Wieder andere schreiben dem Kirchenpräsidenten sogar große Chancen auf das Amt des Ratsvorsitzenden zu, sozusagen als „Übergangs-RV“. (2024 könnte dann ein anderer jüngerer Kollege übernehmen, vielleicht sogar für zwei Amtsperioden.)

Allgemein gute Chancen werden Pastorin Josephine Teske aus der Nordkirche eingeräumt. Nicht nur beeindruckt ihre treue Online-Follower:innenschaft, auch in den alten Medien (SPIEGEL, SZ) war sie zuletzt präsent. Und ihre Wahl in den Rat würde anzeigen, dass man den mit der Wahl von Anna-Nicole Heinrich zur Präses eingeschlagenen Weg der Verjüngung weitergeht. Als „überzeugte Gemeindepastorin“ bringt sie auch die Perspektive der Mitarbeiter:innen in der Fläche ein, die im Getriebe der Amts- und Bürokirche schon mal untergeht. Darüber, ob Insta-Stories von den Ratssitzungen erstrebenswert sind, ist man hingegen gespalten. (Meine Meinung: Kirchen-PR bleibt Kirchen-PR.)

Je nachdem, ob und wie viele PolitikerInnen es in den Rat schaffen, ist übrigens Platz für gleich mehrere der versierten und profilierten jüngeren Frauen auf dem Wahlvorschlag.

Dienstag, 9.11.2021, 9:25 Uhr

Im Moment führt die Synode eine Testabstimmung durch. Die Wahlberechtigten haben 10 Auswahlmöglichkeiten und sollen ankreuzen, was sie heute gefrühstückt haben.

Dienstag, 9.11.2021, 9:35 Uhr

Die Testabstimmung und -Auszählung ist erfolgreich und sehr zügig verlaufen. Die digitale Wahl beschleunigt das Vorhaben doch erheblich. Den Livestream der EKD findet man übrigens hier.

Die Tagung wird für 15 Minuten unterbrochen. Die Präses teilt mit, dass es heute reichlich Pausen geben wird, in denen auch die Zoom-Räume offen sind. Um 9:55 Uhr wird der erste Wahlgang starten. Das Ergebnis dann kurz nach 10 Uhr bekanntgegeben.

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf meinen ausführlichen Artikel über die Ratswahl und die Chancen der KandidatInnen vom Donnerstag letzter Woche und auf die Kommentierung der KandidatInnen-Vorstellungen vom Sonntag im Live-Blog.

Dienstag, 9.11.2021, 10:10 Uhr: Ergebnis 1. Wahlgang

Ergebnis des 1. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98 Stimmen
Fehrs: 93
Kurschus: 108
Stäblein: 16
Teske: 47

Präses Annette Kurschus ist in den Rat der EKD gewählt. Die Sitzung ist bis 10:30 Uhr unterbrochen.

Dienstag, 9.11.2021, 10:20 Uhr

Bevor die Synode zum 2. Wahlgang schreitet, ein paar einordnende Bemerkungen:

Wie vermutet, wählen die Synodalen, die sich eine Ratsvorsitzende wünschen, zu Beginn ausschließlich die weiblichen Leitenden Geistlichen. Das erklärt die erheblichen Abstände von Kurschus/Fehrs zu Bilz/Jung. Das schwache Ergebnis für Christian Stäblein, Bischof der EKBO, aber überrascht. Mal schauen, wie sich das in den weiteren Wahlgängen entwickelt.

Mit Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), hat es eine der Favoritinnen für das Amt der Ratsvorsitzenden auf Anhieb in den Rat geschafft. Kein ultra-starkes Ergebnis, aber genug, um hier in Führung zu gehen. Doch Kirsten Fehrs ist ihr auf den Fersen, ihr fehlten nur 5 Stimmen für den Einzug in den Rat.

Online-Favoritin Josephine Teske brachte es auf Anhieb auf 47 Stimmen. Das sieht gut aus und wird sich bestimmt ausbauen lassen. Ansonsten braucht man die Ergebnisse für die KandidatInnen noch nicht überbewerten. Erst wenn ein paar Plätze besetzt sind, könnten sich Duelle ergeben und daher auch entscheidende Stimmverschiebungen. Mit 14 oder jetzt im nächsten Wahlgang 13 Stimmen geht man einfach großzügiger um, als wenn man derer nur noch eine Hand voll zu vergeben hat.

Dienstag, 9.11.2021, 10:33 Uhr

Die Synode beginnt den 2. Wahlgang. Derweil hier eine kleine historische Einordnung:

Margot Käßmann, die von der Synode als Ratsvorsitzende dringend gewollt wurde, erreichte 2009 im ersten Wahlgang 103 Stimmen und wurde damit auf Anhieb in den Rat gehieft. Zur Kontextualisierung des Ergebnisses von Annette Kurschus ist das vielleicht ganz hilfreich. Ihr Stellvertreter wurde damals übrigens der rheinische Präses Nikolaus Schneider, der mit 99 Stimmen im zweiten Wahlgang in den Rat gewählt wurde.

Ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster, dass ich mit beiden Füßen noch in der Zimmermitte stehe, und sage: Wer auch immer stellvertretender Ratsvorsitzender wird, kommt in diesem Jahr erst nach dem 2. Wahlgang rein.

Dienstag, 9.11.2021, 10:42 Uhr: Ergebnis 2. Wahlgang

Ergebnis des 2. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 99 Stimmen
Fehrs: 116
Jung: 46
Stäblein: 39 (+23)

Teske: 64 (+17)

Griese: 72
von Notz: 66
Rachel: 64

Bischöfin Kirsten Fehrs ist in den Rat der EKD gewählt. Die Sitzung ist bis 11:00 Uhr unterbrochen.

Dienstag, 9.11.2021, 10:55 Uhr

Ein starkes Ergebnis für Kirsten Fehrs, die angesichts der ernsthaften Befassung mit der Kritik von BetroffenensprecherInnen merklich ins Wanken geraten war. Damit sind nun beide Favoritinnen für das Amt der Ratsvorsitzenden in den beiden ersten Wahlgängen in den Rat gewählt worden. Kurschus zuerst, aber mit nicht ganz so starkem Ergebnis. Fehrs als zweite mit stärkerem Ergebnis, aber eben ohne die direkte Konkurrenz von Kurschus.

Christian Stäblein berappelt sich langsam und kann starke Stimmenzuwächse verzeichnen. Ingesamt sind die Ergebnisse der Herren noch ausbaufähig. Unter den Professores deutet sich an, dass Michael Domsgen (Halle-Wittenberg, 67 Stimmen) die Nase vorn hat. Auch Josephine Teske hat ihr Ergebnis stark verbessern können. Weil ich schon gefragt wurde: Ich glaube, sie kommt rein, und zwar im 4.-6. Wahlgang.

Die Ergebnisse der drei parteipolitisch eingefärbten KandidatInnen habe ich für den 2. Wahlgang mit aufgezeichnet, weil ja die Diskussion darüber läuft, ob man aktive PolitikerInnen im Rat überhaupt noch benötigt. Die hohen Ergebnisse für Kerstin Griese (SPD) und Thomas Rachel (CDU) lassen darauf schließen, dass die Antwort „Ja“ sein wird. Und auch Anna von Notz ist nicht chancenlos.

Dienstag, 9.11.2021, 11:05 Uhr

Während der 3. Wahlgang läuft, noch ein kleiner historischer Happen: Bei der 2009er-Ratswahl, aus der Margot Käßmann als Ratsvorsitzende hervor ging, schaffte es niemand im 3. Wahlgang in den Rat. Erst im 4. dann zwei weitere Bischöfe, nämlich aus Bayern und Baden. Die süddeutschen Kirchen sind auf dem Wahlvorschlag derart schwach vertreten, dass mit einem Württemberger oder Bayern im Rat erst in späteren Wahlgängen – wenn überhaupt – zu rechnen ist.

Vielmehr könnte nun das Stündchen von Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamtes der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, geschlagen haben, die es im 2. Wahlgang auf 73 Stimmen brachte. Oder doch von Andreas Barner (81 Stimmen im 2. Wahlgang). An den Chancen des Finanzexperten wurde nach seiner wenig inspirierenden Vorstellungsrede gezweifelt, allerdings ist er neben Frank Hermann (Württemberg) der einzige Kandidat mit ausgewiesenem Wirtschaftsbackground – und kein Evangelikaler.

Barner hat sich sehr um die neue Finanzstrategie der EKD verdient gemacht. Da sei aber vieles auch schon erledigt, erklärten diejenigen, die gerne mehr frische Gesichter im Rat sehen wollten.

Dienstag, 9.11.2021, 11:15 Uhr: Ergebnis 3. Wahlgang

Ergebnis des 3. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 96 Stimmen
Barner: 102
Bilz: 73
Domsgen: 74
Griese: 80
Joussen: 83
Jung: 54
von Notz: 73
Rachel: 74
Springer: 87
Stäblein: 42
Teske: 73

Andreas Barner ist in den Rat der EKD gewählt. Die Sitzung ist bis 12:00 Uhr unterbrochen. 45 Minuten Pause bis zum 4. Wahlgang, in der sich die synodalen Gruppen erneut treffen. Anscheinend gibt’s jetzt Redebedarf und „die Truppen“ werden versammelt. In den Gesprächen wird es sicher um die verbleibenden Chancen der männlichen Leitenden Geistlichen Bilz, Jung und Stäblein gehen. Stimmverschiebungen nicht ausgeschlossen.

Sehr gute Chancen auf den Einzug im 4. Wahlgang haben Kerstin Griese, Jacob Joussen und Stephanie Springer.


Synoden-Podcast Nr. 3: Anna von Notz

Es ist ihre erste Ratswahl: Die „Christin, Mutter, Grüne und Juristin“ Anna von Notz kandidiert für den Rat der EKD. Von Berlin aus verfolgt sie remote die heutige Ratswahl. Wir haben bereits gestern Mittag mit ihr über die Wahl, ihre (politischen) Anliegen und die Chancen digitaler Demokratie gesprochen.

Synoden-Podcast Nr. 3: Anna von Notz:


Dienstag, 9.11.2021, 12:05 Uhr

Die Synode startet nach einer längeren Unterbrechung den 4. Wahlgang. Beste Aussichten haben vor allem KandidatInnen, die bereits dem letzten Rat angehörten. Und was wird aus den Leitenden Geistlichen Tobias Bilz, Volker Jung und Christian Stäblein?

Dienstag, 9.11.2021, 12:18 Uhr: Ergebnis 4. Wahlgang

Ergebnis des 4. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98
Bilz: 96
Jung: 61
Stäblein: 56

Griese: 103
von Notz: 63
Rachel: 83

Domsgen: 73
Joussen: 95
Springer: 94
Teske: 72

Kerstin Griese ist in den Rat der EKD gewählt. Knapp gescheitert sind im 4. Wahlgang Tobias Bilz, Jacob Joussen und Stephanie Springer.

Dienstag, 9.11.2021, 12:30 Uhr

Während die Synode nun einen mündlichen Bericht der Evangelischen Mission – Weltweit (EMW) durch Direktor Rainer Kiefer hört, ein paar Gedanken vor der Mittagspause.

Ganz knapp gescheitert im 4. Wahlgang ist Tobias Bilz, der sächsische Landesbischof. Er kennt sich mit Wahlkrimis aus, an zwei Bischofswahlen seiner eigenen Landeskirche – mit einer sehr eigenwilligen Landessynode – hat er teilgenommen. Der Ratswahl schaut er sicher entspannter zu: Was im 4. nicht geklappt hat, wird im 5. sicher klappen.

Mit Kerstin Griese ist die erste Parteipolitikerin in den Rat der EKD eingezogen. Sie gehörte auch dem alten Rat an. Ganz knapp gescheitert sind die bisherigen Ratsmitglieder Jacob Joussen und Stephanie Springer. Springer wurde 2015 bereits im ersten Wahlgang in den Rat gewählt. Aber die starken Ergebnisse der beiden werden wohl halten.

Zwar hat man schon davon gehört, dass eine starke Unterstützung im Verlauf der Wahlgänge abschmilzt, wenn die 2/3-Hürde fortdauern gerissen wird, aber davon werden eher die KandidatInnen in den 50er- & 60er-Stimmgrößen betroffen sein.

Nach dem Friedensgebet von Renke Brahms, dem ehemaligen Friedensbeauftragten der EKD und Bremer Schriftführer, geht es in die Mittagspause, die bis 14 Uhr dauern wird.

Dienstag, 9.11.2021, 14:05 Uhr

Die Präses eröffnet nach der Mittagspause wieder die Sitzung. Sie erklärt, dass Ratskandidat Matthias Fichtmüller seine Kandidatur zurückzieht. Der Theologische Vorstand des Oberlinhauses in Potsdam war als Kandidat mit diakonischem Hintergrund Teil des Wahlvorschlags des Ratswahlausschusses. Seine Vorstellungsrede wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen, da er in ihr auch die Morde an behinderten BewohnerInnen im Oberlinhaus unglücklich thematisierte. Fichtmüller hatte im 4. Wahlgang nur 15 Stimmen erhalten.

Die Sitzung ist nun bis 14:15 Uhr auf Wunsch der Synodalen Gruppen unterbrochen. Dann folgt der 5. Wahlgang.

Dienstag, 9.11.2021, 14:31 Uhr: Ergebnis 5. Wahlgang

Ergebnis des 5. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei:
Bilz: 112
Jung: 52
Stäblein: 46

von Notz: 58
Rachel: 65

Domsgen: 62
Joussen: 72
Springer: 105
Teske: 102

Diener: 97

Tobias Bilz, Michael Diener, Stephanie Springer und Josephine Teske sind in den Rat der EKD gewählt.

Dienstag, 9.11.2021, 14:40 Uhr

Die Sitzung ist erneut unterbrochen, die Synodalen Arbeitsgruppen stecken wieder die Köpfe zusammen. Im 5. Wahlgang gab es gleich einen ganzen Schwung neuer Ratsmitglieder. Das wurde auch „Zeit“, denn schließlich soll ja irgendwann auch ein Ende gefunden werden.

Die Synode hat ihr Versprechen gehalten, jüngere Menschen in der EKD stärker zu repräsentieren: Mit Pastorin Josephine Teske (*1986) zieht eine Gemeinde- und Internetpfarrerin in das Gremium ein. Wieder mit dabei ist die Präsidentin des Landeskirchenamtes der Hannoverschen Landeskirche Stephanie Springer. Hannover ist eine große und wichtige evangelische Landeskirche.


Und auch Michael Diener hat es wieder in den Rat geschafft, mit einer „Punktlandung“, wie er selbst sagte. Er will „Brückenbauer“ zwischen den evangelikalen und charismatischen Bewegungen und den restlichen Evangelischen sein. Damit ist der Platz für „die Frommen im Lande“ eigentlich besetzt. Mal schauen, was das für die Kandidaturen von Tobias Faix und Frank Hermann bedeutet.

Mit 112 Stimmen hat es in diesem Wahlgang auch Tobias Bilz in den Rat geschafft. Er wird mit großer Wahrscheinlichkeit also der nächste stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende. Und auch er stammt ja aus pietistischen Kreisen.

Die Sitzung wird ca. 15:15 Uhr fortgesetzt.

Dienstag, 9.11.2021, 15:30 Uhr

Die Sitzung wird 15:15 Uhr noch einmal unterbrochen, weil die Gruppen noch Redebedarf haben. Es geht erst 15:35 Uhr weiter. Bevor die Wahlberechtigten in den 6. Wahlgang gehen, ein paar Einschätzungen zu den Chancen einiger der verbliebenen KandidatInnen:

Nachdem es Michael Diener, als Bindeglied zu Pietisten und evangelikaler Bewegung, und der Finanzexperte Andreas Barner wieder in den Rat geschafft haben, schwinden die Chancen des evangelikalen Bewerbers Frank Hermann, der gerade wegen seiner Wirtschaftskompetenz aus dem Kreis der Synodalen nominiert wurde. Seine Kandidatur hatte das Loch gestopft, dass der Wahlvorschlag des Ratswahlausschusses im Südwesten offen gelassen hatte. Hermann erhielt im 5. Wahlgang nur 18 Stimmen. Es würde mich nicht überraschen, wenn er seine Kandidatur vor oder nach dem 6. Wahlgang zurückzieht. Es sei denn, die Synodalen, die der „Lebendingen Gemeinde“ nahestehen, erneuern ihr Commitment zu seiner Kandidatur.

Gleichwohl sieht es dann im Süden echt ziemlich dünne aus. Zwar wohnt und studiert die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, in Regensburg, aber auch der zweite süddeutsche Kandidat neben Hermann, der bayerische Oberkirchenrat Stefan Reimers fährt in den bisherigen Wahlgängen nur bescheidene Ergebnisse ein (26 im 5. Wahlgang). Bleibt der mitgliederstarke Süden der Republik im neuen Rat unterrepräsentiert?

Inklusive der Präses sitzen schon 6 Frauen im neuen Rat der EKD. Es könnten aber gut noch ein oder zwei weibliche Ratsmitglieder dazukommen. Die besten Aussichten hat im Moment Anna von Notz (58 Stimmen im 5. Wahlgang).

Bei den verbliebenen Leitenden Geistlichen auf dem Wahlvorschlag könnte sich ein kleines Drama ankündigen.: Sowohl Kirchenpräsident Volker Jung (EKHN) als auch Christian Stäblein (EKBO) fallen durch schwache Ergebnisse auf. Trotzdem: Ein weiterer Mann im geistlichen Leitungsamt wird es sicher in den Rat schaffen. Hier spielen sicher auch Überlegungen über die Länge der Amtszeit eine Rolle: Gereicht Volker Jung seine Ankündigung, den Rat bei Eintritt in den Ruhestand 2024 vorzeitig zu verlassen, zum Vorteil oder Nachteil? Stäblein jedenfalls würde sicher die gesamte Legislatur dabei bleiben.

Schließlich haben zwei Professores gute Aussichten, einen Platz im Rat zu ergattern. Der Theologieprofessor Michael Domsgen fährt stabile Ergebnisse ein und Jura-Prof. Jacob Joussen, bereits im letzten Rat Mitglied, kratzte im 4. Wahlgang schon an der 2/3-Mehrheit. Gut möglich, dass die beiden es im 6. oder 7. Wahlgang schaffen.

Dienstag, 9.11.2021, 15:40 Uhr

Der 6. Wahlgang läuft (endlich).

Dienstag, 9.11.2021, 15:50 Uhr: Ergebnis 6. Wahlgang

Ergebnis des 6. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98
Jung: 64
Stäblein: 42

von Notz: 60
Rachel: 72

Domsgen: 65
Joussen: 100

Jacob Joussen ist in den Rat der EKD gewählt. Die Sitzung wird bis 16:30 Uhr unterbrochen.

Dienstag, 9.11.2021, 16:30 Uhr

„Was wir suchen, bestimmt, was wir finden …“, zitierte der sächsische Landesbischof Tobias Bilz in seiner Bewerbungsrede Rutger Bregman („Im Grunde gut“). Im Moment suchen die Wahlberechtigten und unter ihnen vor allem die Synodalen nach den letzten 5 Mitgliedern des neuen Rates der EKD. Wen werden sie finden?

Die Frage nach den männlichen Leitenden Geistlichen ist noch offen (Jung, Stäblein). Die Frage nach den PolitikerInnen zum Teil auch (Rachel, von Notz), nachdem Kerstin Griese (SPD) schon in den Rat gewählt wurde. Und dann wären da die KandidatInnen aus der Theologie, von denen bisher Michael Domsgen am besten abgeschnitten hat. Aber: Alle hatten in den letzten Wahlgängen ordentlich Abstand bis zur 2/3-Hürde. Kein Wunder, dass die Beratungen so intensiv sind.

Dienstag, 9.11.2021, 16:35 Uhr

Der 7. Wahlgang läuft.

Dienstag, 9.11.2021, 16:40 Uhr: Ergebnis 7. Wahlgang

Ergebnis des 7. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98
Jung: 52
Stäblein: 44

von Notz: 63
Rachel: 120

Domsgen: 62
Faix: 36
Jahnel: 44

Thomas Rachel (CDU) ist in den Rat der EKD gewählt.

Ein starkes Ergebnis erzielte Silke Lechner mit 77 Stimmen (+25). Der 8. Wahlgang schließt sich direkt an und hat schon begonnen. Vier Stimmen verbleiben den Wahlberechtigten.

Dienstag, 9.11.2021, 16:50 Uhr

Oha, offenbar gab es aus der Synode den Wunsch, sich doch noch einmal zu beraten. Der laufende 8. Wahlgang kann allerdings nicht abgebrochen werden, informiert die Präses im Livestream. Er wird also ordnungsgemäß zu Ende gebracht. Woher die Verwirrung kam, weiß ich im Moment nicht.

Dienstag, 9.11.2021, 17:05 Uhr: Ergebnis 8. Wahlgang

Ergebnis des 8. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 93

Jung: 50
Stäblein: 49

Blütchen: 24
Lechner: 53
von Notz: 62

Domsgen: 71
Faix: 37
Jahnel: 47

Damit ist kein(e) weitere(r) KandidatIn in den Rat der EKD gewählt worden.

Die Sprecher der Synodalen Gruppen wollen nun mit dem Präsidium sprechen. Dazu geht es in einen „neutralen Zoom-Raum“. 17:20 Uhr soll es weiter gehen.

Dienstag, 9.11.2021, 17:35 Uhr

Die Präses berichtet vom Gespräch mit den Gruppen-SprecherInnen. Es wurde ein neuer Raum eingerichtet, um schnellere Besprechungen mit dem Präsidium zu garantieren. Die Stimmung bei den KandidatInnen sei „gespannt“. Die Stimmung sollte die Synode „nicht kippen lassen“, ermahnt die Präses. Die Synodalen sollen bitte nicht über die Verwirrungen der letzten Minuten sprechen, sondern über ihre Absprachen diskutieren.

Von jetzt an bis 18:30 Uhr soll es in die Arbeitsgruppen gehen, danach in die Abendbrotpause. Erst dann, also 19:30 Uhr, soll weiter gewählt werden.

Dienstag, 9.11.2021, 19:30 Uhr

Im Livestream erschallt die Glocke. Gleich geht es weiter mit dem 9. Wahlgang der Ratswahl.

In der Pause habe ich eine wichtige Frage zum Live-Blog bekommen, nämlich, warum ich hier nicht alle Wahlgang-Ergebnisse vollständig widergebe. Die Antwort würde jetzt den Rahmen des Live-Blogs sprengen, in dem es ja nicht zu selbstbezüglich zu gehen soll. Daher hier einfach der Link zu einem kurzen Twitter-Thread als Antwort (kann man auch ohne Twitter-Account lesen):

Und direkt aus dem Kreis der Synodalen:

Dienstag, 9.11.2021, 19:38 Uhr

Die Präses kündigt eine weitere Gruppenphase an. Und dann zieht Frank Hermann seine Kandidatur zurück und wünscht allen „fetten Segen“. „Fetten Dank“ drückt dann die Präses für seine Kandidatur aus. Die Sitzung wird für 30 Minuten unterbrochen. 20:10 Uhr geht es weiter.

Dienstag, 9.11.2021, 20:10 Uhr

Ob es gleich losgeht? Weil der Tag und damit auch dieser Live-Blog lang geworden sind, hier ein kleiner Reminder für diejenigen, die mit dem Prozedere nicht so vertraut sind:

  • Die 128 Synodalen der EKD-Synode und die Mitglieder der Kirchenkonferenz wählen insgesamt 14 Mitglieder des 15-köpfigen Rates. Die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, gehört dem neuen Rat als geborenes Mitglied qua Amt an. Gewählt wird solange, bis alle 14 Posten besetzt sind. Die Stimmberechtigten haben also bei jedem Wahlgang so viele Stimmen, wie noch Plätze zu vergeben sind. Also jetzt noch 4. Um in den Rat gewählt zu werden, benötigt man eine 2/3-Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen. Es gibt in Summe 148 Stimmberechtigte, man benötigt also – wenn alle gültig abstimmen – 99 Stimmen.
  • Der Rat der EKD ist nicht „die Regierung“ der evangelischen Kirchen. Bei vielen Entscheidungen sind die Landessynoden der 20 EKD-Gliedkirchen viel wichtiger. Aber der Rat gibt Grundlinien vor. Und er „regiert“ im Rahmen der Kirchengesetze und Vorgaben der EKD-Synode die EKD, d.h. er fordert Dinge vom EKD-Kirchenamt oder nimmt Einfluss auf die zahlreichen Einrichtungen, die direkt aus dem EKD-Haushalt finanziert werden. Außerdem bestimmt der Rat über die Veröffentlichung von Denkschriften und ist als politischer Aktivist für die evangelischen Kirchen unterwegs.

Es geht weiter! Der 9. Wahlgang startet!

Dienstag, 9.11.2021, 20:15 Uhr

Mal schauen, was die Wahlberechtigten jetzt draus machen. Zu erwarten ist, dass in den langen Beratungen „Pakete“ geschnürt wurden: D.h. Stimmen für die eine KandidatIn an Stimmen für eine andere gebunden wurden. Das ist ok und normal, sonst würde man ja nie mit einem vollständigen Rat dastehen.

Die Ratswahl kann also auch bald zu Ende sein.

Dienstag, 9.11.2021, 20:20 Uhr: Ergebnis 9. und letzter Wahlgang

Ergebnis des 9. und letzten Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98

Blütchen: 10
Domsgen: 116
Faix: 22
Jahnel: 27
Jung: 115
Lechner: 104
von Notz: 103
Stäblein: 23

Damit sind Michael Domsgen, Volker Jung, Silke Lechner und Anna von Notz in den Rat der #EKD gewählt worden.

Herzlicher Applaus auch für die übrigen KandidatInnen. Die Präses drückt ihren großen Respekt vor den KandidatInnen aus. Sie kommt aufgrund des anhaltenden Applauses erst nicht zu Wort.

Dienstag, 9.11.2021, 20:30 Uhr

Eine Synodale drückt noch einmal ihren Dank aus an alle KandidatInnen aus: „Wenn der Rat noch 8 oder 9 Plätze mehr hätte, dann hätten wir Sie gerne alle gewählt!“ Der Synodale Friedemann Kuttler (ELKWUE, Obmann der „Lebendigen Gemeinde“) lobt die Wahl, in der allerdings „die Frommen“ nicht sonderlich stark weggekommen sind. Er spricht auch den Mangel der Süddeutschen an. Bei der anstehenden Nachwahl in 3 Jahren – Volker Jung hört 2024 auf – soll das korrigiert werden. Darin sind sich die 3 Gruppen der Synodalen einig. (Die Zusammenarbeit der „SprecherInnen“ der Gruppen wird ausdrücklich von allen Seiten gelobt.)

Wenn ich mich nicht völlig irre, stehen dann im Süden auch neue Leitende Geistliche in den Landeskirchen genau dafür zur Verfügung.

Präses Heinrich ruft im Saal zur Ordnung. Dort befinden sich die KandidatInnen, einige Beobachter:innen und Journalist:innen. Man höre aber die Synodalen so besonders schlecht. Denn die sitzen ja zuhause. Der Vorsitzende des Ratswahlausschusses, Hans-Peter Strenge (Nordkirche), erklärt, dass sich das „Vertrauen in die Synode“ gelohnt hat, zu einer guten Lösung zu kommen.

Die Erleichterung ist allenthalben spürbar – auch über die Datenautobahnen hinweg.

Nun schreitet die Synode voran. Der scheidende Friedensbeauftragte Renke Brahms (BEK) hält seinen Bericht. Im Saale knallen derweil metaphorisch die Korken.

Dienstag, 9.11.2021, 20:40 Uhr

Renke Brahms hält hier übrigens seinen letzten Bericht als Friedensbeauftragter der EKD. Und man muss sagen, trotz des Scheiterns des Afghanistaneinsatzes, wird an vielen Ecken in der Kirche sogar bewaffneten Drohnen das Wort geredet. War er also erfolgreich?

Für die Arbeit des neuen Rates als Inspiration geeignet erscheint mir eine Passage aus dem Vortrag von Michael Domsgen, den er am Freitag bei der VELKD gehalten hätte, hätte die Tagung im Fleische stattgefunden:

„Strukturen sollten sich nicht selbst bedienen, sondern der Sache dienen, die sie ins Leben gesetzt haben. Was das für das Evangelium heißen könnte, lässt sich manchmal gerade bei denen lernen, die sich schon lange außerhalb oder noch nie innerhalb dieser Strukturen bewegt haben.

Der französische Philosoph François Jullien zum Beispiel gibt dafür hoch interessante Anregungen, indem er dafür plädiert, die christliche Überlieferung als Ressource zu begreifen. Eine Ressource „gehört dem, der sie entdeckt“. Sie „existiert in der Tat nur in dem Maße, in dem man sie entwickelt“ und „zwingt das Christentum, wenn es überleben will, sich wieder an die Arbeit zu machen, nochmals zu überdenken, erneut heranzuwagen“.“

Dienstag, 9.11.2021, 20:55 Uhr

In den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wurden gewählt (Landeskirche / Wahlgang / Stimmenzahl):

Präses Annette Kurschus (EKvW / 1 / 108)
Bischöfin Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck, Nordkirche / 2 / 116)
Andreas Barner (EKHN / 3 / 102)
Kerstin Griese (SPD, EKiR / 4 / 103)
Landesbischof Tobias Bilz (EVLKS / 5 / 112)
Michael Diener (Pfalz / 5 / 97)
Stephanie Springer (Hannover / 5 / 105)
Josephine Teske (Nordkirche / 5 / 102)
Jacob Joussen (EKiR / 6 / 100)
Thomas Rachel (CDU, EKiR / 7 / 120)
Michael Domsgen (EKM / 9 / 116)
Volker Jung (EKHN / 9 / 115)
Silke Lechner (EKBO / 9 / 104)
Anna von Notz (Grüne, EKBO / 9 / 103)

Das ist ein junger, frischer und kompetenter Rat: Vielfältig vernetzt. Mit der Aussicht auf noch bessere Repräsentanz des deutschen Protestantismus in drei Jahren. Lebensweltlich so offen wie noch nie. Ein Rat, von dem man viel wird fordern müssen und können.

Dienstag, 9.11.2021, 21:30 Uhr

Präses Anna-Nicole Heinrich möchte die heutige Sitzung mit Dank an alle Beteiligten, KandidatInnen und Mitarbeiter:innen schließen. Aber zunächst muss noch ein Antrag in den passenden Ausschuss überwiesen werden.

Die neuen Ratsmitglieder erhalten eine „seriöse Ausgabe“ (O-Ton Präses) der Basis-Bibel. Nun treffen sich die Ausschüsse und der neue Rat zu seiner konstituierenden Sitzung. Zuvor erhält Präses Heinrich von Andreas Barner, dem „Alterspräsidenten“ des neuen Rates, ein Buch über Pinguine, „und zwar weil da drin steht, wie Pinguinen Kinder kriegen und großziehen“. Minimaler Cringe-Faktor am Bildschirm.

Und dann wird der Schluss für heute gemacht. Morgen Vormittag ab 9 Uhr findet dann die Wahl der Ratsvorsitzenden und ihres/ihrer Stellvertreter(in) statt.

Wir sind mit dem Live-Blog dann wieder mit dabei. Gute Nacht!


(Der besseren Lesbarkeit wegen wurde der Live-Blog in vorwärts-chronologische Reihenfolge gebracht.)

Den Live-Blog von Sonntag findet ihr hier, inkl. der KandidatInnen-Vorstellungen. Und den Live-Blog von Montag, inkl. der Befassung mit dem sexuellen Missbrauch, hier. Den Live-Blog mit der Wahl der Ratsvorsitzenden am Mittwoch findet ihr hier.

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