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Live-Blog EKD-Synode 2021-2 (Tag 1): Abschied von HBS, Vorstellung der RatskandidatInnen

Der erste Tag der 2. Tagung der 13. Synode der EKD zum Nachlesen: Der Abschied von Heinrich Bedford-Strohm und die Vorstellung der KandidatInnen für den neuen Rat.

Ein herzliches Willkommen zum Live-Blog vom 1. Tag der 2. Tagung der 13. Synode der EKD in Bremen und auf den Datenautobahnen! Den Live-Blog vom 2. Tag (Montag) findet ihr hier, inkl. der Befassung mit der Missbrauchs-Krise. Und hier den Live-Blog mit der Ratswahl vom Dienstag. Den Live-Blog mit der Wahl der Ratsvorsitzenden am Mittwoch findet ihr hier.


Herzlich Willkommen am digitalen Lagerfeuer zur EKD-Synode!

Wir machen es uns gemütlich und verfolgen die 2. Tagung der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Es schreibt Eule-Redakteur Philipp Greifenstein. Los geht’s um 9:30 Uhr mit dem Eröffnungsgottesdienst im ZDF.

Gerade eben sind die „Links am Tag des Herrn“ (#LaTdH) für diesen Sonntag erschienen, in denen ich mich mit der Missbrauchsaufarbeitung der EKD und den weiteren Religions- und Kirchenthemen der Woche befasse.

Die EKD-Synode tagt wegen eines Corona-Falls unter den TeilnehmerInnen der Gremiensitzungen im Vorfeld der Synode und aufgrund der sich verschärfenden pandemischen Lage erneut weitgehend digital. In Bremen gestaltet nur eine Rumpfcrew die Tagung, während die Synodalen und zahlreiche Mitglieder der Kirchenkonferenz von zuhause aus teilnehmen.

Wir werden die Synode hier im Live-Blog begleiten, inkl. eines Synoden-Podcast, der immer zur Mittagsstunde wichtige Stimmen dieser Synoden-Tagung vorstellt. Außerdem sind in der Eule bereits eine Reihe Artikel zur Vorbereitung auf die anstehende Ratswahl und die Wahl eines / einer neuen Ratsvorsitzenden erschienen.

  • Wer kandidiert für den Rat der EKD und was sagt der Wahlvorschlag der Synode über die Verfassung der Evangelischen Kirche aus? Welche Chancen haben die KandidatInnen? Hier mehr erfahren.
  • Auf der Tagung soll ein neuer Rat der gewählt werden und ein(e) neue(r) Ratsvorsitzende(r). Wer hat gute Aussichten, Heinrich Bedford-Strohm im Amt des EKD-Ratsvorsitzenden nachzufolgen? Hier mehr erfahren.

Sonntag, 7.11.2021, 10:05 Uhr

Zurzeit läuft der Eröffnungsgottesdienst der EKD-Synode aus dem St. Petri Dom in Bremen im Hauptprogramm des ZDF und im Livestream. Die Predigt hält der Schriftführer der Bremischen Kirche (BEK) Bernd Kuschnerus.

Sonntag, 7.11.2021, 11:35 Uhr

Mit einem akademischen Viertel Verspätung startet das Plenum der EKD-Synode. Präses Anna-Nicole Heinrich begrüßt die digital anwesenden Synodalen und die Beobachter:innen. Gleich zu Beginn erklärt sie, warum die Tagung nun doch vornehmlich digital durchgeführt werden muss: „Auch wenn es schmerzt, bin ich froh, dass wir jetzt so in die Tagung starten können“.

Um die Technik muss man sich – das ist eine wirklich gute Nachricht – übrigens keine Sorgen machen. Wegen der digitalen Tagungen im Herbst 2020 und Frühjahr 2021 sind die Vorgänge inzwischen gut eingespielt, die rechtlichen Rahmenbedingungen ebenfalls abgeklärt. Trotzdem ist die nur digitale Anwesenheit der Synodalen eine Herausforderung, wie der WDR-Journalist und EKD-Synodale Arnd Henze auf Facebook erläutert:

„[D]ie persönliche Begegnung wäre so wichtig gewesen. Nicht nur, aber vor allem, um gut vorbereitet und transparent einen neuen Rat wählen zu können.

Vor uns liegt nun die schwierige Aufgabe, für die Wahl mit ihren vermutlich vielen Wahlgängen eine doppelte Chancengleichheit zu sichern: Chancengleichheit für die kandidierenden, die zum Teil schon lange dabei sind, zum Teil aber auch weithin unbekannt sind. Und Chancengleichheit unter den Synodalen, von denen wohl fast die Hälfte neu dabei ist und die vielen informellen Abläufe und Dynamiken vor der heimischen Kachel kaum verstehen kann. Eine 5-minütige digitale Vorstellungsrede bei 22 Kandierenden wird das alleine nicht leisten können.“

Wir werden an den kommenden Tagen auf den Kacheln viele auch traurige Gesichter sehen, denn die Vorfreude auf die Präsenz-Tagung in Bremen unter den Synodalen und Beobachter:innen war immens. Sie sind nun sogar trauriger als noch im Herbst 2020 oder Frühjahr 2021.

Anna-Nicole Heinrich leitet nach einer motivatorischen Einleitungsrede souverän durch die ersten Tagesordnungspunkte. Es folgen nun Grußworte, u.a. von Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) für die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK). Er hat, wie Heinrich gerade erklärte, an der katholischen Fakultät in Regensburg studiert, an der die evangelische Präses heute beschäftigt ist. Bode freut sich:

„Sie werden in den nächsten Tagen den Rat der EKD und seinen Vorsitzenden oder seine Vorsitzende neu wählen. In dieser Situation nehme ich gern die Gelegenheit wahr, den bisherigen Ratsmitgliedern und allen voran Ihnen, lieber Bruder Bedford-Strohm, für Ihre Arbeit in den zurückliegenden Jahren zu danken. Sie haben den 500. Jahrestag der Reformation in einer Weise gestaltet, die uns auch ökumenisch einander nähergebracht hat.“


Synoden-Podcast Nr. 1: Präses Anna-Nicole Heinrich

Bereits gestern habe ich mit der Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, über die zügig digitalisierte Tagung der Synode, die Befassung mit der Missbrauchs-Aufarbeitung und die Ratswahlen gesprochen. Das Ergebnis findet ihr hier als ersten unserer Synoden-Mini-Podcasts. Heute, morgen und am Dienstag werden wir euch immer zur Mittagsstunde eine Stimme von der EKD-Synode präsentieren.

Synoden-Podcast Nr. 1: Präses Anna-Nicole Heinrich:


Sonntag, 7.11.2021, 12:10 Uhr: Letzter Ratsbericht von Heinrich Bedford-Strohm

Gegenwärtig hält der scheidende EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (ELKB), seinen letzten Ratsbericht vor der EKD-Synode. Er beginnt mit einer theologischen Einordnung:

„Wir glauben an einen Gott, dessen menschliche Gestalt Jesus mit einem Schrei der Gottverlassenheit am Kreuz gestorben ist. Das ist der Gott, an den wir glauben, den wir manchmal nicht verstehen können, von dem wir aber nicht lassen können. Wie könnten wir an diesen Gott glauben und über all das Leiden in dieser Welt hinwegsehen? Und zugleich glauben wir, dass dieses Leiden nicht das letzte Wort ist.“

Sonntag, 7.11.2021, 13:05 Uhr: Letzter Ratsbericht von Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm hat seinen letzten Ratsbericht vor der Synode gehalten. (Hier kann man ihn auf der Website der EKD nachlesen.) Gerahmt von einem Bekenntnis zum politischen Engagement der Christen ging es vom Reformationsjubiläum angefangen, über die Fortschritte in der Ökumene (Einladung zum Abendmahl / Eucharistie) und den interreligiösen Dialog, um viele Zukunftsthemen der Kirche.

Außerdem rief er noch zögernde Umgeimpfte dazu auf, sich doch noch gegen das Corona-Virus impfen zu lassen: Zwar dürfe man Ungeimpfte nicht ausgrenzen, ihnen allen ein „Egoismus-Etikett“ aufkleben, aber „für das Ziel, dass so viele Menschen wie möglich sich impfen lassen“, plädiere er mit großem Nachdruck. Auch auf die internationale Verteilung von Corona-Impfstoffen ging der Ratsvorsitzende ein und forderte hier stärkeres Engagement der westlichen Industrienationen ein.

In der Eile des mündlichen Vortrags verzichtete der Ratsvorsitzende auf Ausführungen zur Seenotrettung, dem größten Verdienst seiner Amtszeit, kam jedoch auf das „Gemeinsame Wort“ der Kirchen in Deutschland zu Flucht und Migration zu sprechen (wir berichteten). Bedford-Strohm beklagte vor allem die Gewalt an den EU-Außengrenzen, zurzeit besonders an der polnisch-belarussischen Grenze:

Jeden Tag – so berichten unsere polnischen Geschwister – wird ihre Lage schwieriger. Menschengruppen, darunter Familien mit kleinen Kindern, verharren im Freien, suchen Schutz und Hilfe. Schlechte Wetterbedingungen verursachen starke Erkältungen. Darüber hinaus sind bestätigte Fälle bekannt geworden, dass Personen starben, weil sie keine Hilfe erhielten.

„Als Christen sind wir aufgerufen Menschen in Not Barmherzigkeit zu erweisen, sie aktiv zu unterstützen und und konkrete Maßnahmen zu ergreifen.“ So haben Bischof Jerzy Samiec und Bischof Ryszard Bogusz geschrieben. „Die Hilfe für denjenigen, der sich in einer schwierigen Lage befindet, ist in diesem Zusammenhang von übergeordneter Bedeutung; sie ist ohne Rücksicht auf Herkunft, Religion, oder soziale Stellung zu gewähren… Deshalb können wir dem Schicksal derjenigen gegenüber nicht gleichgültig bleiben, die ein neues Leben weitab von Konflikten, Verfolgung, Ungleichheit und sozialer Ungerechtigkeit beginnen wollen”.

Am Nachmittag ab 15 Uhr findet nach dem Bericht der Synodenpräses die Aussprache zum Ratsbericht statt, in deren Verlauf dem Ratsvorsitzenden bestimmt von Seiten der Synodalen ausführlich gedankt und auf einzelne Aspekte seines Berichts eingegangen wird. Anschließend wird der alte Rat der EKD inkl. seines Ratsvorsitzenden verabschiedet.

Nach einer Friedens-Mittagsandacht (passend zur Friedensdekade) hat sich die Synode in die Mittagspause verabschiedet, während der allerdings weiter fleißig gezoomt wird. Schließlich gibt es zum Ratsbericht und zur kommenden Ratswahl genügend Redebedarf.

Sonntag, 7.11.2021, 15:35 Uhr: Bericht des Synodenpräsidiums durch die Präses

Nach einigen Formalitäten bzgl. der Geschäftsordnung und den damit verbundenen ersten Abstimmungen bei dieser Tagung hält Präses Anna-Nicole Heinrich nun zum ersten Mal den Bericht des Präsidiums. Anschließend findet die Aussprache dazu und zum Ratsbericht statt.

Heinrich erzählt von ihrer Präsestour, die sie auf Instagram dokumentiert hat. Sie war in ganz Deutschland unterwegs, „nicht ein einziges Mal mussten wir im Hotel übernachten“. Orte und Menschen, die sie besuchte, haben sie beeindruckt und sie will diese Begegnungen als Impulse für die Arbeit der Synode verstanden wissen: „Viele, die vermeintlich kirchenfern sind, sind interessiert. Auch außerhalb der Bubble ist der Glaube interessant“. Drei Schlagwörter hat sie mitgebracht: Vertrauen, Offenheit, Ortswechsel.

Bei schönen Slogans wie „Hinaus ins Weite“ dürfe man nicht stehen bleiben, es brauche „operationalisierbare“, neue Lösungen. „Synodale Arbeit findet nicht nur einmal im Jahr statt“, die neuen digitalen Methoden können dafür sorgen, die jährlichen Synodentagungen „unterjährig“ gut, ja besser vorzubereiten.

Insbesondere das Thema Klima habe sich „von Flensburg bis Freiburg“ durchgezogen, als Gesprächsinhalt der Präsestour. Mit dem Thema Klima wolle sie „einen Stein ins Wasser“ dieser Synode werfen, und hoffe, „dass er Kreise zieht“.

Sonntag, 7.11.2021, 16:55 Uhr: Aussprache zum Ratsbericht

Die Aussprache der Synodalen zum letzten Ratsbericht Heinrich Bedford-Strohms zieht sich hin. Viele Synodale verknüpfen ihren Dank gleich mit Fragen und Anträgen an die Synode zu den unterschiedlichen kirchlichen Handlungsfeldern (Beirat für inklusive Kirche, Zukunft der ejs, etc.) bzw. politischen Anliegen (Wahlalterreduzierung, Einsatz für Flüchtlinge, etc.).

Darin ist auch die 13. Synode der EKD ihren Vorgängerinnen ähnlich, obwohl man sich ja vorgenommen hatte, nicht mehr zu allem Möglichen Position zu beziehen. Die ehemalige Präses Irmgard Schwaetzer sprach diesbezüglich von einem „Lernprozess“, in den die Synode eintrete.

Vielleicht ist es aber auch einfach die digitale Tagung, die längere Wortmeldungen evoziert. Und wenigstens erhält man auf diesem Weg einen Eindruck von der Vielfalt und thematischen Breite evangelischen Engagements in der Gesellschaft.

Im Anschluss an die Synodalen wird Bedford-Strohm auf einige Punkte antworten, auch wenn dafür nur noch wenig Zeit zur Verfügung steht, denn der Tagesordnung nach will man schon bald zur Verabschiedung des alten Rates und ihres Vorsitzenden schreiten.

Sonntag, 7.11.2021, 17:20 Uhr: Aussprache zum Ratsbericht, HBS antwortet

Ein letztes Mal antwortet der öffentliche Theologe Heinrich Bedford-Strohm auf die Wortmeldungen und Anträge der Synodalen zu einem Ratsbericht aus seiner Feder. Woran sich seine Kritiker:innen immer wieder die Zähne ausbeißen, ist die immense Fachkenntnis gerade auch in politischen Fragen, mit der der scheidende Ratsvorsitzende seine politischen Interventionen zu unterfüttern weiß.

Das reicht von der Aufarbeitung des Afghanistan-Konflikts, über die Seenotrettung, bis zum Familiennachzug und der Frage des Asyls für Konvertiten. Hier kann der Ratsvorsitzende aus den Gesprächen mit Politiker:innen erzählen und hat auch die Zahlen parat.

Natürlich leistet sich Bedford-Strohm heute auch, an einigen schwelenden Konflikten vorbeizugehen: So äußert er sich gar nicht erst zur Frage, ob der Große Zapfenstreich wirklich noch so durchgeführt werden soll. Dass er zum Ende seiner Amtszeit auch mal im Ungefähren bleibt und die Beratung so manchen Antrags in die Hände des neuen Rates legt, ist verständlich.

Zum Schluss hat der Ratsvorsitzende nun doch noch Gelegenheit, über die Seenotrettung zu sprechen. Der Synodale Hans-Peter Strenge (Nordkirche) hatte zuvor berichtet, man habe ihn angesichts der Bilder der letzten Rettungsfahrt der „Sea-Eye 4“ gefragt: „Ist das nicht euer Schiff?“ Mit Sicherheit der größte Verdienst Bedford-Strohms als Ratsvorsitzender ist die immense Unterstützung für die Seenotrettung auf dem Mittelmeer, die aus der evangelischen Kirche heraus organisiert werden konnte.

Sonntag, 7.11.2021, 18:00 Uhr: Verabschiedung vom Rat(svorsitzenden)

Nach einer kurzen Pause tritt die Synode gerade wieder zusammen. Es folgen gleich die Vorstellungen der RatskandidatInnen. Sie werden alle ca. 5 Minuten Redezeit haben, d.h. wir haben hier zwei lauschige Stunden vor uns. Ich werde hier nicht zu jedem der über 20 KandidatInnen ausführlich schreiben (können), sondern radikal nach dem auswählen, was ich selbst für relevant halte. Eine ganze Menge habe ich zur Ratswahl und den KandidatInnen ja auch bereits hier in der Eule aufgeschrieben.

Die Verabschiedung vom scheidenden Ratsvorsitzenden war herzlich. Würde man eine Wortwolke vom heutigen Synoden-Tag anfertigen, stünde das Wort „Danke“ groß und fett in der Mitte. Trotzdem ist die Verabschiedungszeremonie natürlich aufgrund der digitalen Tagung schmaler ausgefallen. Allein der Ratsvorsitzende nahm stellvertretend für den gesamten Rat das Geschenk der Präses entgegen: Socken statt Blumen. Socken mit Pinguinen, wegen der „großen Sprünge, die ihr als Rat in den vergangenen sechs Jahren gemacht habt“.

Der Ratsvorsitzende selbst dankte für Gabe und die Herzlichkeit im Umgang miteinander im scheidenden Rat. Die persönliche Zuneigung habe über Diskussionen und Konflikte, wie z.B. um den assistierten Suizid, hinweggetragen. Deshalb wolle man sich in alter Formation noch einmal zum Feiern treffen.

Sonntag, 7.11.2021, 18:15 Uhr: Erkrankung von Landesbischof Kramer (EKM)

Soeben teilt die Presseabteilung der Evangelischen Kirche in Mitteldeuschland (EKM) mit, dass Landesbischof Friedrich Kramer an Covid-19 erkrankt ist. Bei Kramer handelt es sich um den Teilnehmer der Bischofskonferenz der VELKD, dessen Corona-Erkrankung den unmittelbaren Anlass der zügigen Umplanung der EKD-Synode bildete.

„Nach zunächst widersprüchlichen Testergebnissen hat am heutigen Sonntagnachmittag ein zweiter PCR-Test einen Schnelltest vom Freitag bestätigt. Ein erster PCR-Test am Freitag war zunächst negativ ausgefallen“, teilt die EKM mit. Kramer ist gegen das Virus geimpft und befindet sich nun mit leichten grippe-ähnlichen Symptomen in häuslicher Quarantäne. Gute Besserung von hier aus!

Sonntag, 7.11.2021, 18:30 Uhr: Ratskandidaturen

Hans-Peter Strenge, der Vorsitzende des Ratswahlausschusses, erklärt nun den 21-köpfigen Wahlvorschlag, den sein Ausschuss Synode und Kirchenkonferenz vorlegt. Das ist wichtig und auch an den Vorstellungen der KandidatInnen sollte nicht gespart werden. Alle KandidatInnen bis auf den sächsischen Landesbischof Tobias Bilz sind in Bremen und bereit, sich den Wahlberechtigten zu präsentieren. Bilz wird aus Dresden zugeschaltet, er befindet sich als Teilnehmer der VELKD-Bischofskonferenz (saß dem Vernehmen nach genau neben Kramer, s.o.) in Isolation.

Trotzdem: Die Synode hat erheblichen Verzug. Wer sich auf die Catholica-Berichte am Abend (ursprünglich 20:30 Uhr) freut, muss sich wohl vertrösten lassen. Strenge führt die Vorzüge des Wahlvorschlags großzügig aus und kommt unter anderem auf Alter und regionale Herkunft zu sprechen. Dazu gerne noch einmal:

Sonntag, 7.11.2021, 18:38 Uhr: Weitere Ratskandidatur

Auf Vorschlag des Synodalen Maik-Andres Schwarz (ELKWUE) kandidiert als zusätzlicher Ratskandidat der Stuttgarter Frank Hermann (*1971).

Der Wirtschaftswissenschaftler, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ist in der Personalgemeinde „KesselKirche“ in Stuttgart engagiert. Der Wahlvorschlag hat die nötigen Unterstützer:innen von 25 in der Synode erhalten, nämlich sogar 38. Mit Hermann schließt sich eine regionale Lücke im Südwesten (s.o.) und es kandidiert neben dem bisherigen Ratsmitglied Andreas Barner ein weiterer Mann aus der Wirtschaft, mit Kompetenzen bei der Abwicklung und Umstrukturierung von Banken.

Vor allem aber ist Hermann ein Kandidat von „der Basis der Kirche“. Von 2018 bis 2021 war er Mitglied der Gemeindeleitung der „KesselKirche“ (ehemaliger „Jesustreff“), einer Personalgemeinde der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (ELKWUE) in Stuttgart. Seit 2019 ist er Vorstand des Fördervereins der Gemeinde. Er hat also Erfahrungen mit Gemeindegründung und -Entwicklung.

Damit kandidieren nun insgesamt 22 Personen für den Rat der EKD. Darunter nach dem Rückzug von Miriam Hollstein allerdings niemand mit einschlägiger Medienerfahrung. Auch darüber wurde bis zuletzt unter den Synodalen debattiert. Anscheinend hat sich niemand der ohnehin wenigen Medienschaffenden in und um die Synode bereit gefunden.

Sonntag, 7.11.2021, 19:00 – 21:00: Vorstellungen der RatskandidatInnen

Der erste Schwung der KandidatInnen-Vorstellungen ist vorüber: Die Rede von Finanzexperte Andreas Barner kam sehr geerdet und ruhig daher. Der sächsische Landesbischof Tobias Bilz (zugeschaltet aus Dresden, s.o.) sprach umso engagierter von seinem Leben als Gemeindepfarrer und auch von seiner Bischofszeit, die 2020 nur zwei Wochen vor der Corona-Krise in Deutschland begann (die Eule war live dabei).

Sabine Blütchen ist seit 25 Jahren Synodale in Oldenburg, 13 Jahre lang Präses der Synode der dortigen lutherischen Kirche, war Präsidiumsmitglied der 12. EKD-Synode. „Ich bin quasi blockfrei“, erklärt sie, weil ihre Kirche weder der VELKD noch der UEK angehört.

Ihre Vorstellungsrede ist sehr an den strukturellen Herausforderungen der evangelischen Kirchen orientiert. Sie wäre ein Ratsmitglied, die aus der Praxis der ehrenamtlichen Kirchenleitung vom Kirchenvorstand an bis zu den Synoden kommt.

Michael Diener hat bereits dem letzten Rat der EKD angehört, als Vertreter und Botschafter „der Frommen im Lande“. Von denen er aber zunehmend Feuer bekam, nachdem er in der Frage der Anerkennung von LGTBQI* eine vermittelnde Position eingenommen hatte. Der ehemalige Vorsitzende der Evangelischen Allianz und des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes bezeichnet seine damalige Wahl als „mutig“ von der Synode, auch von ihm habe das Amt Mut abverlangt.

Er spricht von seiner Vision des Brückenbauens zwischen den Pietisten, Evangelikalen, Charismatikern und der restlichen evangelischen Christenheit im Land. Er wolle auch für diejenigen da sein, „die von den Boomern in der Kirche nicht erdrückt werden wollen“.

Michael Domsgen spricht über seine Jugend in der DDR und auch über die Fremdheitserfahrungen als Christ aus dem Osten in der wiedervereinigten evangelischen Kirche. Eine starke Passage. Er forscht als Professor in Halle (Saale) zur Sprachfähigkeit der Kirche in konfessionsfreier Umgebung. Zur Zukunft der Kirche findet er ein starkes Sprachbild, dass er auf einem Schild im Harz gefunden hat:

Will meinen: Nicht die Kirche geht unter, sondern bestimmte Formen, Strukturen und Angebote. Doch dort, wo so häufig nur Abbruch gesehen wird, entsteht auch Platz für Neues. (Offenlegung: Long long time ago saß ich bei Domsgen mal in der Gemeindepädagogik-Vorlesung.)

Tobias Faix‘ ist leider ohne Schornsteinfeger-Kostüm gekommen, und nutzt seine Bewerbungsrede, um über seine Kompetenzen über neue Formen von Kirche zu sprechen.

Die wahrscheinlich kommende EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs steigt sofort mit ihrer Arbeit zum Schutz vor sexualisierter Gewalt ein. Das ist angesichts des weitläufigen Scheiterns der Kirche bei diesem Thema mutig. Verstecken geht allerdings erst recht nicht. Fehrs Angebot in ihrer Bewerbungsrede: Es wird Veränderungen geben in der Kirche, wir können sie gemeinsam gestalten, aber es muss sich auch nicht alles ändern.

Auch Matthias Fichtmüller beginnt mit traurigen Erfahrungen. Als theologischer Direktor des Oberlinhauses in Potsdam hat er die Gewaltverbrechen an behinderten BewohnerInnen in seiner Einrichtung zu be- und verarbeiten. Er bringt natürlich den Schwerpunkt Diakonie als Pfund in die Ratswahl ein.

Kerstin Griese (SPD) legt bei ihrer Vorstellungsrede ein Wahnsinnstempo an den Tag. Und es geht in der Rede auch politisch zu: Ihr Engagement gegen den Rechtsextremismus, für die Freundschaft mit Israel und in Flüchtlings- und Sozialfragen stellt sie in den Vordergrund und dann zum Schluss ihrer Rede die Seelsorge. In ihr „schlage das Herz unserer Kirche“. Man müsse dafür sorgen, dass dafür auch in Zukunft genug Personal, Geld und Zeit blieben.

Frank Hermann kandidiert auf Vorschlag von 38 Synodalen, die ihn zusätzlich zum Wahlvorschlag des Ratswahlausschusses aufgestellt haben. Mehr zu seiner Person hier im Live-Blog weiter oben. Seine „Leidenschaft ist die Finanzwelt mit Aktien und Börsen“. Ja, auch das gibt’s in der evangelischen Kirche!

Er erzählt von den Abwicklungen von Banken, z.B. der Dresdner, an der er beteiligt war, und steht einem Team von 40 Unternehmensberater:innen vor. Hermann möchte seine Erfahrungen aus der Finanzwelt und bei Transformationsprozesse zur Verfügung stellen. Er ist in einer Freikirche aufgewachsen, und erst 2004 in die evangelische Landeskirche eingetreten.

Im schönen Kontrast zur flinken Griese und dem merklich aufgeregten Hermann trägt die Theologieprofessorin Claudia Jahnel in aller Ruhe ihre Vision von einer globalen Christenheit vor, die Verantwortung für den Planeten übernimmt. Dabei ist ihr der Dialog mit charismatischen Bewegungen wichtig. An einem entsprechenden Kirchenpapier hat sie mitgewirkt.

Jacob Joussen gehörte bereits dem letzten Rat an und beginnt seine Bewerbungsrede mit einem kurzen biographischen Exkurs, in dem er schildert, wie erst seine eingetragene Partnerschaft und dann seine Ehe auch von seiner Kirche gesegnet wurden.

Als Jurist und Kirchenrechtler ist Joussen in die Diskussion um den assistierten Suizid involviert, in der er eine liberale Position bezieht. Er fragt: „Was ist eigentlich evangelisch diakonisch?“ Eine Frage, die für die Debatte um den assistierten Suizid wie für die Zukunft der Mitarbeiter:innen der Diakonie von großer Bedeutung ist.

Kirchenpräsident Volker Jung (EKHN) hält eine Bischofsrede.

„Man befürchtet Sitzenbleiber und Sesselkleber, aber so ist es nicht. Es sind treue Socken“, erklärt Präses Annette Kurschus (EKvW), warum sie erneut in den Rat der EKD einziehen will. Und nimmt damit geschickt das Socken-Bild der Präses auf. Erneuerung brauche auch Erfahrung und Leute, die sich auskennen. Sie wolle eine „erkennbare Rolle und eine wahrnehmbare Stimme“ im neuen Rat einnehmen und sein. Das ist für evangelische Verhältnisse schon ein sehr deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl, meine ich.

Auch sie spricht, wie Fehrs, vom gemeinsamen Entscheiden und Handeln der evangelischen Landeskirchen. Das ist der vermittelnde Stil, der von einer neuen Ratsvorsitzenden erwartet wird. Denn: Nichts fürchten Synodale mehr als Zentralisierung und One-Man-Shows.

Silke Lechner erzählt von ihrer Arbeit im Auswärtigen Amt, die sich mit dem Beitrag der Religionen zum Frieden beschäftigte. Ab Dezember wird sie für den Ökumenischen Rat der Kirchen arbeiten und dessen Vollversammlung in Karlsruhe 2022 mit vorbereiten. Sie wechselt also wieder „auf die Kirchenbank“. Ihre Expertise für internationale Zusammenarbeit täte der häufig allzu sehr auf sich selbst fixierten evangelischen Kirche in Deutschland gut.

„Ich bin Christin, Mutter, Grüne und Juristin“, beginnt Anna von Notz ihre Bewerbungsrede. Sie erzählt von ihrer Kindheit in einem evangelischen Pfarrhaus und von ihrer Zeit im französischen Elsass. Im Moment pendelt sie zwischen Berlin und dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, wo sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist.

Sie bringe ihre Perspektive als „Basismitglied“ mit, erzählt sie, als Patin, als Besucherin von Familiengottesdiensten, im Ehrenamt, im Spiel zwischen Familie, Freunden und Ehrenamt. Als grüne Christin setzt sie sich für die Flüchtlingshilfe und gerechte Verteilung von Impfstoffen ein. Als Juristin wisse sie darum, dass „Recht sich nicht genug sein darf“. Das gelte auch für die Kirche, die sich nicht selbst genug sein dürfe.

Thomas Rachel (CDU) gehörte bereits dem letzten Rat an. Der CDU-Politiker vertritt seit 1994 die Menschen im Wahlkreis Düren im Bundestag und ist Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU. „Christsein, nicht nur im Privaten, sondern auch in öffentlicher Verantwortung, muss immer mit einem wohlwollenden Blick über den Tellerrand geschehen“, erklärt er. Das gelte für Volksparteien wie für Volkskirchen. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass ihm Angela Merkel in allen ihren Regierungen das Vertrauen als Parlamentarischer Staatssekreträr geschenkt habe. Rachel ist so ziemlich der einzige klar politisch-konservative Bewerber.

Oberkirchenrat Stefan Reimers ist im Landeskirchenamt der bayerischen Landeskirche (ELKB) tätig, dort für das Personal zuständig, und außerdem ständiger Vertreter des Landesbischofs. Er hat also einen guten Eindruck davon, was auf Ratsmitglieder und Ratsvorsitzende für eine Belastung zukommt.

„Wie schaffen wir es im Miteinander der Älteren und Jüngeren Verantwortung zu gestalten“, fragt er sich und die Synodalen. Wie können junge Menschen die Kirche als guten Arbeitgeber entdecken? Diese Fragen könne man nur noch auf EKD-Ebene miteinander lösen, denn die einzelnen Landeskirchen wären damit überfordert.

Julia Schönbeck und ihr Engagement für inklusive Kirche haben wir hier in der Eule bereits in der letzten Ausgabe des „WTF?!“-Podcasts vorgestellt. In ihrer nachdenklichen Bewerbungsrede spricht sie von ihrer Glasmacher- und Handwerkerfamilie und von ihrer Arbeit bei Kirche2, von Online-Gottesdiensten und Instagram.

Es ist eine wichtige Ergänzung des Panoramas von Kirchenbildern, das heute von den KandidatInnen gemalt wird. „Ich sehe die, die sich Veränderung wünschen. Nicht, weil sie etwas gegen die Kirche haben, sondern etwas von ihr erwarten“, erklärt sie in ihrer Rede.

Stephanie Springer ist Präsidentin des Landeskirchenamtes der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und beginnt mit einem Sprachbild aus dem Web-Handwerk. Sie singt seit 40 Jahren im selben Dorfkirchenchor, obwohl sie längst in der nächstgrößeren Stadt Celle wohnt. „Heimat ist für mich auch das Evangelische Studienwerk“, erklärt Springer, die als Ratsmitglied in der letzten Legislatur auch dafür zuständig war.

Ihre Rede dreht sich dann doch sehr um die häufig hintergründige Kirchenleitungsarbeit in ihrer Landeskirche und auf EKD-Ebene. Für die große Hannoversche Kirche müsste allerdings wirklich jemand in den Rat. Springer spricht Solidarität und Kooperationen zwischen den EKD-Gliedkirchen an, die unter den niedersächsischen evangelischen Kirchen (und Bremen) schon weit fortgeschritten sind.

Christian Stäblein, Bischof der EKBO, ist einer der KandidatInnen, die sich größere Hoffnungen auf das Amt des Ratsvorsitzenden machen können. Gleich zu Beginn weist er darauf hin, dass er der Sohn einer der ersten Pastorinnen der Hannoverschen Landeskirche ist.

„Ich stehe für die Unverzichtbarkeit der ersten Orte von Kirche“, auch „für die Parochie, die sich immer wieder ändern muss“. Doch er erwähnt auch die zweiten (übergemeindlichen, neuen, digitalen) und die diakonischen und lebensweltlichen dritten Kirch-Orte. „Wir sollten in der Kirche immer bis Drei zählen“, erklärt Stäblein.

Nur „Hauptstadtbischof“ will er nicht sein. Unsere Zeit „braucht Schnörkellosigkeit“ und entschiedenes Vorgehen, meint er, z.B. beim Kampf gegen Rechts, beim Klimaschutz und auch bei der Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche.

Josephine Teske erzählt von ihrer Jugend in der Uckermark, die – nun ja – ihren Glauben gestählt habe (meine Worte). Seitdem trage sie eine feste Frömmigkeit bei sich, als Pastorin auf dem Land und auch im Netz. Das beste aus beiden – analogen und digitalen – Welten will sie zusammen in den Rat einbringen.

Teske erzählt von den jungen Erwachsenen, mit denen sie online Gottesdienste feiert und von Seelsorge-Gesprächen auf Instagram. „Ich bin überzeugte Gemeindepastorin“, erklärt sie und berichtet auch von den Sorgen von Mitarbeiter:innen vor weiteren Kürzungen.


Zur Fortsetzung des Live-Blogs von der Tagung der EKD-Synode hier entlang.

(Der besseren Lesbarkeit wegen wurden der Live-Blog in vorwärts-chronologische Reihenfolge gebracht und die Zeitmarker während der KandidatInnen-Vorstellungen entfernt.)

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