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Der Synoden-Blog: Die EKD-Synode 2021-2 zum Nachlesen

Trotz Pandemie tagte die Synode der EKD vom 7. bis 10. November in Bremen und digital. Der Abschied von Bedford-Strohm, die Missbrauchs-Aufarbeitung und die Wahl eines neuen Rates und einer neuen Ratsvorsitzenden standen auf dem Plan.

Ein herzliches Willkommen zum Live-Blog zur 2. Tagung der 13. Synode der EKD in Bremen und auf den Datenautobahnen! Hier kannst Du die gesamte Tagung am Stück nachvollziehen. 4 Tage. Fast 14 000 Wörter. 3 Synoden-Podcasts. Eine geschätze Lesezeit von mehr als einer Schüssel Popcorn. Viel Vergnügen!

Du hättest es gerne kürzer und/oder suchst etwas Bestimmtes?

Den Kommentar von Eule-Redakteur Philipp Greifentein zur Ratswahl und Wahl der neuen EKD-Ratsvorsitzenden Annette Kurschus liest Du hier.

Den Live-Blog vom 1. Tag der Synodentagung (Sonntag), inkl. der Verabschiedung von Heinrich Bedford-Strohm und den Vorstellungen der RatskandidatInnen, findest Du hier. Den Live-Blog vom 2. Tag (Montag) findest Du hier, inkl. der Befassung mit der Missbrauchs-Krise. Und hier den Live-Blog mit der Ratswahl vom Dienstag. Den Live-Blog mit der Wahl der Ratsvorsitzenden am Mittwoch findest Du hier.


Sonntag, 7.11.2021: Abschied von Heinrich Bedford-Strohm, Vorstellungen der RatskandidatInnen

Herzlich Willkommen am digitalen Lagerfeuer zur EKD-Synode!

Wir machen es uns gemütlich und verfolgen die 2. Tagung der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Es schreibt Eule-Redakteur Philipp Greifenstein. Los geht’s um 9:30 Uhr mit dem Eröffnungsgottesdienst im ZDF.

Gerade eben sind die „Links am Tag des Herrn“ (#LaTdH) für diesen Sonntag erschienen, in denen ich mich mit der Missbrauchsaufarbeitung der EKD und den weiteren Religions- und Kirchenthemen der Woche befasse.

Die EKD-Synode tagt wegen eines Corona-Falls unter den TeilnehmerInnen der Gremiensitzungen im Vorfeld der Synode und aufgrund der sich verschärfenden pandemischen Lage erneut weitgehend digital. In Bremen gestaltet nur eine Rumpfcrew die Tagung, während die Synodalen und zahlreiche Mitglieder der Kirchenkonferenz von zuhause aus teilnehmen.

Wir werden die Synode hier im Live-Blog begleiten, inkl. eines Synoden-Podcast, der immer zur Mittagsstunde wichtige Stimmen dieser Synoden-Tagung vorstellt. Außerdem sind in der Eule bereits eine Reihe Artikel zur Vorbereitung auf die anstehende Ratswahl und die Wahl eines / einer neuen Ratsvorsitzenden erschienen.

  • Wer kandidiert für den Rat der EKD und was sagt der Wahlvorschlag der Synode über die Verfassung der Evangelischen Kirche aus? Welche Chancen haben die KandidatInnen? Hier mehr erfahren.
  • Auf der Tagung soll ein neuer Rat der gewählt werden und ein(e) neue(r) Ratsvorsitzende(r). Wer hat gute Aussichten, Heinrich Bedford-Strohm im Amt des EKD-Ratsvorsitzenden nachzufolgen? Hier mehr erfahren.

Sonntag, 7.11.2021, 10:05 Uhr

Zurzeit läuft der Eröffnungsgottesdienst der EKD-Synode aus dem St. Petri Dom in Bremen im Hauptprogramm des ZDF und im Livestream. Die Predigt hält der Schriftführer der Bremischen Kirche (BEK) Bernd Kuschnerus.

Sonntag, 7.11.2021, 11:35 Uhr

Mit einem akademischen Viertel Verspätung startet das Plenum der EKD-Synode. Präses Anna-Nicole Heinrich begrüßt die digital anwesenden Synodalen und die Beobachter:innen. Gleich zu Beginn erklärt sie, warum die Tagung nun doch vornehmlich digital durchgeführt werden muss: „Auch wenn es schmerzt, bin ich froh, dass wir jetzt so in die Tagung starten können“.

Um die Technik muss man sich – das ist eine wirklich gute Nachricht – übrigens keine Sorgen machen. Wegen der digitalen Tagungen im Herbst 2020 und Frühjahr 2021 sind die Vorgänge inzwischen gut eingespielt, die rechtlichen Rahmenbedingungen ebenfalls abgeklärt. Trotzdem ist die nur digitale Anwesenheit der Synodalen eine Herausforderung, wie der WDR-Journalist und EKD-Synodale Arnd Henze auf Facebook erläutert:

„[D]ie persönliche Begegnung wäre so wichtig gewesen. Nicht nur, aber vor allem, um gut vorbereitet und transparent einen neuen Rat wählen zu können.

Vor uns liegt nun die schwierige Aufgabe, für die Wahl mit ihren vermutlich vielen Wahlgängen eine doppelte Chancengleichheit zu sichern: Chancengleichheit für die kandidierenden, die zum Teil schon lange dabei sind, zum Teil aber auch weithin unbekannt sind. Und Chancengleichheit unter den Synodalen, von denen wohl fast die Hälfte neu dabei ist und die vielen informellen Abläufe und Dynamiken vor der heimischen Kachel kaum verstehen kann. Eine 5-minütige digitale Vorstellungsrede bei 22 Kandierenden wird das alleine nicht leisten können.“

Wir werden an den kommenden Tagen auf den Kacheln viele auch traurige Gesichter sehen, denn die Vorfreude auf die Präsenz-Tagung in Bremen unter den Synodalen und Beobachter:innen war immens. Sie sind nun sogar trauriger als noch im Herbst 2020 oder Frühjahr 2021.

Anna-Nicole Heinrich leitet nach einer motivatorischen Einleitungsrede souverän durch die ersten Tagesordnungspunkte. Es folgen nun Grußworte, u.a. von Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) für die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK). Er hat, wie Heinrich gerade erklärte, an der katholischen Fakultät in Regensburg studiert, an der die evangelische Präses heute beschäftigt ist. Bode freut sich:

„Sie werden in den nächsten Tagen den Rat der EKD und seinen Vorsitzenden oder seine Vorsitzende neu wählen. In dieser Situation nehme ich gern die Gelegenheit wahr, den bisherigen Ratsmitgliedern und allen voran Ihnen, lieber Bruder Bedford-Strohm, für Ihre Arbeit in den zurückliegenden Jahren zu danken. Sie haben den 500. Jahrestag der Reformation in einer Weise gestaltet, die uns auch ökumenisch einander nähergebracht hat.“


Synoden-Podcast Nr. 1: Präses Anna-Nicole Heinrich

Bereits gestern habe ich mit der Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, über die zügig digitalisierte Tagung der Synode, die Befassung mit der Missbrauchs-Aufarbeitung und die Ratswahlen gesprochen. Das Ergebnis findet ihr hier als ersten unserer Synoden-Mini-Podcasts. Heute, morgen und am Dienstag werden wir euch immer zur Mittagsstunde eine Stimme von der EKD-Synode präsentieren.

Synoden-Podcast Nr. 1: Präses Anna-Nicole Heinrich:


Sonntag, 7.11.2021, 12:10 Uhr: Letzter Ratsbericht von Heinrich Bedford-Strohm

Gegenwärtig hält der scheidende EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (ELKB), seinen letzten Ratsbericht vor der EKD-Synode. Er beginnt mit einer theologischen Einordnung:

„Wir glauben an einen Gott, dessen menschliche Gestalt Jesus mit einem Schrei der Gottverlassenheit am Kreuz gestorben ist. Das ist der Gott, an den wir glauben, den wir manchmal nicht verstehen können, von dem wir aber nicht lassen können. Wie könnten wir an diesen Gott glauben und über all das Leiden in dieser Welt hinwegsehen? Und zugleich glauben wir, dass dieses Leiden nicht das letzte Wort ist.“

Sonntag, 7.11.2021, 13:05 Uhr: Letzter Ratsbericht von Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm hat seinen letzten Ratsbericht vor der Synode gehalten. (Hier kann man ihn auf der Website der EKD nachlesen.) Gerahmt von einem Bekenntnis zum politischen Engagement der Christen ging es vom Reformationsjubiläum angefangen, über die Fortschritte in der Ökumene (Einladung zum Abendmahl / Eucharistie) und den interreligiösen Dialog, um viele Zukunftsthemen der Kirche.

Außerdem rief er noch zögernde Umgeimpfte dazu auf, sich doch noch gegen das Corona-Virus impfen zu lassen: Zwar dürfe man Ungeimpfte nicht ausgrenzen, ihnen allen ein „Egoismus-Etikett“ aufkleben, aber „für das Ziel, dass so viele Menschen wie möglich sich impfen lassen“, plädiere er mit großem Nachdruck. Auch auf die internationale Verteilung von Corona-Impfstoffen ging der Ratsvorsitzende ein und forderte hier stärkeres Engagement der westlichen Industrienationen ein.

In der Eile des mündlichen Vortrags verzichtete der Ratsvorsitzende auf Ausführungen zur Seenotrettung, dem größten Verdienst seiner Amtszeit, kam jedoch auf das „Gemeinsame Wort“ der Kirchen in Deutschland zu Flucht und Migration zu sprechen (wir berichteten). Bedford-Strohm beklagte vor allem die Gewalt an den EU-Außengrenzen, zurzeit besonders an der polnisch-belarussischen Grenze:

Jeden Tag – so berichten unsere polnischen Geschwister – wird ihre Lage schwieriger. Menschengruppen, darunter Familien mit kleinen Kindern, verharren im Freien, suchen Schutz und Hilfe. Schlechte Wetterbedingungen verursachen starke Erkältungen. Darüber hinaus sind bestätigte Fälle bekannt geworden, dass Personen starben, weil sie keine Hilfe erhielten.

„Als Christen sind wir aufgerufen Menschen in Not Barmherzigkeit zu erweisen, sie aktiv zu unterstützen und und konkrete Maßnahmen zu ergreifen.“ So haben Bischof Jerzy Samiec und Bischof Ryszard Bogusz geschrieben. „Die Hilfe für denjenigen, der sich in einer schwierigen Lage befindet, ist in diesem Zusammenhang von übergeordneter Bedeutung; sie ist ohne Rücksicht auf Herkunft, Religion, oder soziale Stellung zu gewähren… Deshalb können wir dem Schicksal derjenigen gegenüber nicht gleichgültig bleiben, die ein neues Leben weitab von Konflikten, Verfolgung, Ungleichheit und sozialer Ungerechtigkeit beginnen wollen”.

Am Nachmittag ab 15 Uhr findet nach dem Bericht der Synodenpräses die Aussprache zum Ratsbericht statt, in deren Verlauf dem Ratsvorsitzenden bestimmt von Seiten der Synodalen ausführlich gedankt und auf einzelne Aspekte seines Berichts eingegangen wird. Anschließend wird der alte Rat der EKD inkl. seines Ratsvorsitzenden verabschiedet.

Nach einer Friedens-Mittagsandacht (passend zur Friedensdekade) hat sich die Synode in die Mittagspause verabschiedet, während der allerdings weiter fleißig gezoomt wird. Schließlich gibt es zum Ratsbericht und zur kommenden Ratswahl genügend Redebedarf.

Sonntag, 7.11.2021, 15:35 Uhr: Bericht des Synodenpräsidiums durch die Präses

Nach einigen Formalitäten bzgl. der Geschäftsordnung und den damit verbundenen ersten Abstimmungen bei dieser Tagung hält Präses Anna-Nicole Heinrich nun zum ersten Mal den Bericht des Präsidiums. Anschließend findet die Aussprache dazu und zum Ratsbericht statt.

Heinrich erzählt von ihrer Präsestour, die sie auf Instagram dokumentiert hat. Sie war in ganz Deutschland unterwegs, „nicht ein einziges Mal mussten wir im Hotel übernachten“. Orte und Menschen, die sie besuchte, haben sie beeindruckt und sie will diese Begegnungen als Impulse für die Arbeit der Synode verstanden wissen: „Viele, die vermeintlich kirchenfern sind, sind interessiert. Auch außerhalb der Bubble ist der Glaube interessant“. Drei Schlagwörter hat sie mitgebracht: Vertrauen, Offenheit, Ortswechsel.

Bei schönen Slogans wie „Hinaus ins Weite“ dürfe man nicht stehen bleiben, es brauche „operationalisierbare“, neue Lösungen. „Synodale Arbeit findet nicht nur einmal im Jahr statt“, die neuen digitalen Methoden können dafür sorgen, die jährlichen Synodentagungen „unterjährig“ gut, ja besser vorzubereiten.

Insbesondere das Thema Klima habe sich „von Flensburg bis Freiburg“ durchgezogen, als Gesprächsinhalt der Präsestour. Mit dem Thema Klima wolle sie „einen Stein ins Wasser“ dieser Synode werfen, und hoffe, „dass er Kreise zieht“.

Sonntag, 7.11.2021, 16:55 Uhr: Aussprache zum Ratsbericht

Die Aussprache der Synodalen zum letzten Ratsbericht Heinrich Bedford-Strohms zieht sich hin. Viele Synodale verknüpfen ihren Dank gleich mit Fragen und Anträgen an die Synode zu den unterschiedlichen kirchlichen Handlungsfeldern (Beirat für inklusive Kirche, Zukunft der ejs, etc.) bzw. politischen Anliegen (Wahlalterreduzierung, Einsatz für Flüchtlinge, etc.).

Darin ist auch die 13. Synode der EKD ihren Vorgängerinnen ähnlich, obwohl man sich ja vorgenommen hatte, nicht mehr zu allem Möglichen Position zu beziehen. Die ehemalige Präses Irmgard Schwaetzer sprach diesbezüglich von einem „Lernprozess“, in den die Synode eintrete.

Vielleicht ist es aber auch einfach die digitale Tagung, die längere Wortmeldungen evoziert. Und wenigstens erhält man auf diesem Weg einen Eindruck von der Vielfalt und thematischen Breite evangelischen Engagements in der Gesellschaft.

Im Anschluss an die Synodalen wird Bedford-Strohm auf einige Punkte antworten, auch wenn dafür nur noch wenig Zeit zur Verfügung steht, denn der Tagesordnung nach will man schon bald zur Verabschiedung des alten Rates und ihres Vorsitzenden schreiten.

Sonntag, 7.11.2021, 17:20 Uhr: Aussprache zum Ratsbericht, HBS antwortet

Ein letztes Mal antwortet der öffentliche Theologe Heinrich Bedford-Strohm auf die Wortmeldungen und Anträge der Synodalen zu einem Ratsbericht aus seiner Feder. Woran sich seine Kritiker:innen immer wieder die Zähne ausbeißen, ist die immense Fachkenntnis gerade auch in politischen Fragen, mit der der scheidende Ratsvorsitzende seine politischen Interventionen zu unterfüttern weiß.

Das reicht von der Aufarbeitung des Afghanistan-Konflikts, über die Seenotrettung, bis zum Familiennachzug und der Frage des Asyls für Konvertiten. Hier kann der Ratsvorsitzende aus den Gesprächen mit Politiker:innen erzählen und hat auch die Zahlen parat.

Natürlich leistet sich Bedford-Strohm heute auch, an einigen schwelenden Konflikten vorbeizugehen: So äußert er sich gar nicht erst zur Frage, ob der Große Zapfenstreich wirklich noch so durchgeführt werden soll. Dass er zum Ende seiner Amtszeit auch mal im Ungefähren bleibt und die Beratung so manchen Antrags in die Hände des neuen Rates legt, ist verständlich.

Zum Schluss hat der Ratsvorsitzende nun doch noch Gelegenheit, über die Seenotrettung zu sprechen. Der Synodale Hans-Peter Strenge (Nordkirche) hatte zuvor berichtet, man habe ihn angesichts der Bilder der letzten Rettungsfahrt der „Sea-Eye 4“ gefragt: „Ist das nicht euer Schiff?“ Mit Sicherheit der größte Verdienst Bedford-Strohms als Ratsvorsitzender ist die immense Unterstützung für die Seenotrettung auf dem Mittelmeer, die aus der evangelischen Kirche heraus organisiert werden konnte.

Sonntag, 7.11.2021, 18:00 Uhr: Verabschiedung vom Rat(svorsitzenden)

Nach einer kurzen Pause tritt die Synode gerade wieder zusammen. Es folgen gleich die Vorstellungen der RatskandidatInnen. Sie werden alle ca. 5 Minuten Redezeit haben, d.h. wir haben hier zwei lauschige Stunden vor uns. Ich werde hier nicht zu jedem der über 20 KandidatInnen ausführlich schreiben (können), sondern radikal nach dem auswählen, was ich selbst für relevant halte. Eine ganze Menge habe ich zur Ratswahl und den KandidatInnen ja auch bereits hier in der Eule aufgeschrieben.

Die Verabschiedung vom scheidenden Ratsvorsitzenden war herzlich. Würde man eine Wortwolke vom heutigen Synoden-Tag anfertigen, stünde das Wort „Danke“ groß und fett in der Mitte. Trotzdem ist die Verabschiedungszeremonie natürlich aufgrund der digitalen Tagung schmaler ausgefallen. Allein der Ratsvorsitzende nahm stellvertretend für den gesamten Rat das Geschenk der Präses entgegen: Socken statt Blumen. Socken mit Pinguinen, wegen der „großen Sprünge, die ihr als Rat in den vergangenen sechs Jahren gemacht habt“.

Der Ratsvorsitzende selbst dankte für Gabe und die Herzlichkeit im Umgang miteinander im scheidenden Rat. Die persönliche Zuneigung habe über Diskussionen und Konflikte, wie z.B. um den assistierten Suizid, hinweggetragen. Deshalb wolle man sich in alter Formation noch einmal zum Feiern treffen.

Sonntag, 7.11.2021, 18:15 Uhr: Erkrankung von Landesbischof Kramer (EKM)

Soeben teilt die Presseabteilung der Evangelischen Kirche in Mitteldeuschland (EKM) mit, dass Landesbischof Friedrich Kramer an Covid-19 erkrankt ist. Bei Kramer handelt es sich um den Teilnehmer der Bischofskonferenz der VELKD, dessen Corona-Erkrankung den unmittelbaren Anlass der zügigen Umplanung der EKD-Synode bildete.

„Nach zunächst widersprüchlichen Testergebnissen hat am heutigen Sonntagnachmittag ein zweiter PCR-Test einen Schnelltest vom Freitag bestätigt. Ein erster PCR-Test am Freitag war zunächst negativ ausgefallen“, teilt die EKM mit. Kramer ist gegen das Virus geimpft und befindet sich nun mit leichten grippe-ähnlichen Symptomen in häuslicher Quarantäne. Gute Besserung von hier aus!

Sonntag, 7.11.2021, 18:30 Uhr: Ratskandidaturen

Hans-Peter Strenge, der Vorsitzende des Ratswahlausschusses, erklärt nun den 21-köpfigen Wahlvorschlag, den sein Ausschuss Synode und Kirchenkonferenz vorlegt. Das ist wichtig und auch an den Vorstellungen der KandidatInnen sollte nicht gespart werden. Alle KandidatInnen bis auf den sächsischen Landesbischof Tobias Bilz sind in Bremen und bereit, sich den Wahlberechtigten zu präsentieren. Bilz wird aus Dresden zugeschaltet, er befindet sich als Teilnehmer der VELKD-Bischofskonferenz (saß dem Vernehmen nach genau neben Kramer, s.o.) in Isolation.

Trotzdem: Die Synode hat erheblichen Verzug. Wer sich auf die Catholica-Berichte am Abend (ursprünglich 20:30 Uhr) freut, muss sich wohl vertrösten lassen. Strenge führt die Vorzüge des Wahlvorschlags großzügig aus und kommt unter anderem auf Alter und regionale Herkunft zu sprechen. Dazu gerne noch einmal:

Sonntag, 7.11.2021, 18:38 Uhr: Weitere Ratskandidatur

Auf Vorschlag des Synodalen Maik-Andres Schwarz (ELKWUE) kandidiert als zusätzlicher Ratskandidat der Stuttgarter Frank Hermann (*1971).

Der Wirtschaftswissenschaftler, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ist in der Personalgemeinde „KesselKirche“ in Stuttgart engagiert. Der Wahlvorschlag hat die nötigen Unterstützer:innen von 25 in der Synode erhalten, nämlich sogar 38. Mit Hermann schließt sich eine regionale Lücke im Südwesten (s.o.) und es kandidiert neben dem bisherigen Ratsmitglied Andreas Barner ein weiterer Mann aus der Wirtschaft, mit Kompetenzen bei der Abwicklung und Umstrukturierung von Banken.

Vor allem aber ist Hermann ein Kandidat von „der Basis der Kirche“. Von 2018 bis 2021 war er Mitglied der Gemeindeleitung der „KesselKirche“ (ehemaliger „Jesustreff“), einer Personalgemeinde der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (ELKWUE) in Stuttgart. Seit 2019 ist er Vorstand des Fördervereins der Gemeinde. Er hat also Erfahrungen mit Gemeindegründung und -Entwicklung.

Damit kandidieren nun insgesamt 22 Personen für den Rat der EKD. Darunter nach dem Rückzug von Miriam Hollstein allerdings niemand mit einschlägiger Medienerfahrung. Auch darüber wurde bis zuletzt unter den Synodalen debattiert. Anscheinend hat sich niemand der ohnehin wenigen Medienschaffenden in und um die Synode bereit gefunden.

Sonntag, 7.11.2021, 19:00 – 21:00: Vorstellungen der RatskandidatInnen

Der erste Schwung der KandidatInnen-Vorstellungen ist vorüber: Die Rede von Finanzexperte Andreas Barner kam sehr geerdet und ruhig daher. Der sächsische Landesbischof Tobias Bilz (zugeschaltet aus Dresden, s.o.) sprach umso engagierter von seinem Leben als Gemeindepfarrer und auch von seiner Bischofszeit, die 2020 nur zwei Wochen vor der Corona-Krise in Deutschland begann (die Eule war live dabei).

Sabine Blütchen ist seit 25 Jahren Synodale in Oldenburg, 13 Jahre lang Präses der Synode der dortigen lutherischen Kirche, war Präsidiumsmitglied der 12. EKD-Synode. „Ich bin quasi blockfrei“, erklärt sie, weil ihre Kirche weder der VELKD noch der UEK angehört.

Ihre Vorstellungsrede ist sehr an den strukturellen Herausforderungen der evangelischen Kirchen orientiert. Sie wäre ein Ratsmitglied, die aus der Praxis der ehrenamtlichen Kirchenleitung vom Kirchenvorstand an bis zu den Synoden kommt.

Michael Diener hat bereits dem letzten Rat der EKD angehört, als Vertreter und Botschafter „der Frommen im Lande“. Von denen er aber zunehmend Feuer bekam, nachdem er in der Frage der Anerkennung von LGTBQI* eine vermittelnde Position eingenommen hatte. Der ehemalige Vorsitzende der Evangelischen Allianz und des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes bezeichnet seine damalige Wahl als „mutig“ von der Synode, auch von ihm habe das Amt Mut abverlangt.

Er spricht von seiner Vision des Brückenbauens zwischen den Pietisten, Evangelikalen, Charismatikern und der restlichen evangelischen Christenheit im Land. Er wolle auch für diejenigen da sein, „die von den Boomern in der Kirche nicht erdrückt werden wollen“.

Michael Domsgen spricht über seine Jugend in der DDR und auch über die Fremdheitserfahrungen als Christ aus dem Osten in der wiedervereinigten evangelischen Kirche. Eine starke Passage. Er forscht als Professor in Halle (Saale) zur Sprachfähigkeit der Kirche in konfessionsfreier Umgebung. Zur Zukunft der Kirche findet er ein starkes Sprachbild, dass er auf einem Schild im Harz gefunden hat:

Will meinen: Nicht die Kirche geht unter, sondern bestimmte Formen, Strukturen und Angebote. Doch dort, wo so häufig nur Abbruch gesehen wird, entsteht auch Platz für Neues. (Offenlegung: Long long time ago saß ich bei Domsgen mal in der Gemeindepädagogik-Vorlesung.)

Tobias Faix‘ ist leider ohne Schornsteinfeger-Kostüm gekommen, und nutzt seine Bewerbungsrede, um über seine Kompetenzen über neue Formen von Kirche zu sprechen.

Die wahrscheinlich kommende EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs steigt sofort mit ihrer Arbeit zum Schutz vor sexualisierter Gewalt ein. Das ist angesichts des weitläufigen Scheiterns der Kirche bei diesem Thema mutig. Verstecken geht allerdings erst recht nicht. Fehrs Angebot in ihrer Bewerbungsrede: Es wird Veränderungen geben in der Kirche, wir können sie gemeinsam gestalten, aber es muss sich auch nicht alles ändern.

Auch Matthias Fichtmüller beginnt mit traurigen Erfahrungen. Als theologischer Direktor des Oberlinhauses in Potsdam hat er die Gewaltverbrechen an behinderten BewohnerInnen in seiner Einrichtung zu be- und verarbeiten. Er bringt natürlich den Schwerpunkt Diakonie als Pfund in die Ratswahl ein.

Kerstin Griese (SPD) legt bei ihrer Vorstellungsrede ein Wahnsinnstempo an den Tag. Und es geht in der Rede auch politisch zu: Ihr Engagement gegen den Rechtsextremismus, für die Freundschaft mit Israel und in Flüchtlings- und Sozialfragen stellt sie in den Vordergrund und dann zum Schluss ihrer Rede die Seelsorge. In ihr „schlage das Herz unserer Kirche“. Man müsse dafür sorgen, dass dafür auch in Zukunft genug Personal, Geld und Zeit blieben.

Frank Hermann kandidiert auf Vorschlag von 38 Synodalen, die ihn zusätzlich zum Wahlvorschlag des Ratswahlausschusses aufgestellt haben. Mehr zu seiner Person hier im Live-Blog weiter oben. Seine „Leidenschaft ist die Finanzwelt mit Aktien und Börsen“. Ja, auch das gibt’s in der evangelischen Kirche!

Er erzählt von den Abwicklungen von Banken, z.B. der Dresdner, an der er beteiligt war, und steht einem Team von 40 Unternehmensberater:innen vor. Hermann möchte seine Erfahrungen aus der Finanzwelt und bei Transformationsprozesse zur Verfügung stellen. Er ist in einer Freikirche aufgewachsen, und erst 2004 in die evangelische Landeskirche eingetreten.

Im schönen Kontrast zur flinken Griese und dem merklich aufgeregten Hermann trägt die Theologieprofessorin Claudia Jahnel in aller Ruhe ihre Vision von einer globalen Christenheit vor, die Verantwortung für den Planeten übernimmt. Dabei ist ihr der Dialog mit charismatischen Bewegungen wichtig. An einem entsprechenden Kirchenpapier hat sie mitgewirkt.

Jacob Joussen gehörte bereits dem letzten Rat an und beginnt seine Bewerbungsrede mit einem kurzen biographischen Exkurs, in dem er schildert, wie erst seine eingetragene Partnerschaft und dann seine Ehe auch von seiner Kirche gesegnet wurden.

Als Jurist und Kirchenrechtler ist Joussen in die Diskussion um den assistierten Suizid involviert, in der er eine liberale Position bezieht. Er fragt: „Was ist eigentlich evangelisch diakonisch?“ Eine Frage, die für die Debatte um den assistierten Suizid wie für die Zukunft der Mitarbeiter:innen der Diakonie von großer Bedeutung ist.

Kirchenpräsident Volker Jung (EKHN) hält eine Bischofsrede.

„Man befürchtet Sitzenbleiber und Sesselkleber, aber so ist es nicht. Es sind treue Socken“, erklärt Präses Annette Kurschus (EKvW), warum sie erneut in den Rat der EKD einziehen will. Und nimmt damit geschickt das Socken-Bild der Präses auf. Erneuerung brauche auch Erfahrung und Leute, die sich auskennen. Sie wolle eine „erkennbare Rolle und eine wahrnehmbare Stimme“ im neuen Rat einnehmen und sein. Das ist für evangelische Verhältnisse schon ein sehr deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl, meine ich.

Auch sie spricht, wie Fehrs, vom gemeinsamen Entscheiden und Handeln der evangelischen Landeskirchen. Das ist der vermittelnde Stil, der von einer neuen Ratsvorsitzenden erwartet wird. Denn: Nichts fürchten Synodale mehr als Zentralisierung und One-Man-Shows.

Silke Lechner erzählt von ihrer Arbeit im Auswärtigen Amt, die sich mit dem Beitrag der Religionen zum Frieden beschäftigte. Ab Dezember wird sie für den Ökumenischen Rat der Kirchen arbeiten und dessen Vollversammlung in Karlsruhe 2022 mit vorbereiten. Sie wechselt also wieder „auf die Kirchenbank“. Ihre Expertise für internationale Zusammenarbeit täte der häufig allzu sehr auf sich selbst fixierten evangelischen Kirche in Deutschland gut.

„Ich bin Christin, Mutter, Grüne und Juristin“, beginnt Anna von Notz ihre Bewerbungsrede. Sie erzählt von ihrer Kindheit in einem evangelischen Pfarrhaus und von ihrer Zeit im französischen Elsass. Im Moment pendelt sie zwischen Berlin und dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, wo sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist.

Sie bringe ihre Perspektive als „Basismitglied“ mit, erzählt sie, als Patin, als Besucherin von Familiengottesdiensten, im Ehrenamt, im Spiel zwischen Familie, Freunden und Ehrenamt. Als grüne Christin setzt sie sich für die Flüchtlingshilfe und gerechte Verteilung von Impfstoffen ein. Als Juristin wisse sie darum, dass „Recht sich nicht genug sein darf“. Das gelte auch für die Kirche, die sich nicht selbst genug sein dürfe.

Thomas Rachel (CDU) gehörte bereits dem letzten Rat an. Der CDU-Politiker vertritt seit 1994 die Menschen im Wahlkreis Düren im Bundestag und ist Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU. „Christsein, nicht nur im Privaten, sondern auch in öffentlicher Verantwortung, muss immer mit einem wohlwollenden Blick über den Tellerrand geschehen“, erklärt er. Das gelte für Volksparteien wie für Volkskirchen. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass ihm Angela Merkel in allen ihren Regierungen das Vertrauen als Parlamentarischer Staatssekreträr geschenkt habe. Rachel ist so ziemlich der einzige klar politisch-konservative Bewerber.

Oberkirchenrat Stefan Reimers ist im Landeskirchenamt der bayerischen Landeskirche (ELKB) tätig, dort für das Personal zuständig, und außerdem ständiger Vertreter des Landesbischofs. Er hat also einen guten Eindruck davon, was auf Ratsmitglieder und Ratsvorsitzende für eine Belastung zukommt.

„Wie schaffen wir es im Miteinander der Älteren und Jüngeren Verantwortung zu gestalten“, fragt er sich und die Synodalen. Wie können junge Menschen die Kirche als guten Arbeitgeber entdecken? Diese Fragen könne man nur noch auf EKD-Ebene miteinander lösen, denn die einzelnen Landeskirchen wären damit überfordert.

Julia Schönbeck und ihr Engagement für inklusive Kirche haben wir hier in der Eule bereits in der letzten Ausgabe des „WTF?!“-Podcasts vorgestellt. In ihrer nachdenklichen Bewerbungsrede spricht sie von ihrer Glasmacher- und Handwerkerfamilie und von ihrer Arbeit bei Kirche2, von Online-Gottesdiensten und Instagram.

Es ist eine wichtige Ergänzung des Panoramas von Kirchenbildern, das heute von den KandidatInnen gemalt wird. „Ich sehe die, die sich Veränderung wünschen. Nicht, weil sie etwas gegen die Kirche haben, sondern etwas von ihr erwarten“, erklärt sie in ihrer Rede.

Stephanie Springer ist Präsidentin des Landeskirchenamtes der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und beginnt mit einem Sprachbild aus dem Web-Handwerk. Sie singt seit 40 Jahren im selben Dorfkirchenchor, obwohl sie längst in der nächstgrößeren Stadt Celle wohnt. „Heimat ist für mich auch das Evangelische Studienwerk“, erklärt Springer, die als Ratsmitglied in der letzten Legislatur auch dafür zuständig war.

Ihre Rede dreht sich dann doch sehr um die häufig hintergründige Kirchenleitungsarbeit in ihrer Landeskirche und auf EKD-Ebene. Für die große Hannoversche Kirche müsste allerdings wirklich jemand in den Rat. Springer spricht Solidarität und Kooperationen zwischen den EKD-Gliedkirchen an, die unter den niedersächsischen evangelischen Kirchen (und Bremen) schon weit fortgeschritten sind.

Christian Stäblein, Bischof der EKBO, ist einer der KandidatInnen, die sich größere Hoffnungen auf das Amt des Ratsvorsitzenden machen können. Gleich zu Beginn weist er darauf hin, dass er der Sohn einer der ersten Pastorinnen der Hannoverschen Landeskirche ist.

„Ich stehe für die Unverzichtbarkeit der ersten Orte von Kirche“, auch „für die Parochie, die sich immer wieder ändern muss“. Doch er erwähnt auch die zweiten (übergemeindlichen, neuen, digitalen) und die diakonischen und lebensweltlichen dritten Kirch-Orte. „Wir sollten in der Kirche immer bis Drei zählen“, erklärt Stäblein.

Nur „Hauptstadtbischof“ will er nicht sein. Unsere Zeit „braucht Schnörkellosigkeit“ und entschiedenes Vorgehen, meint er, z.B. beim Kampf gegen Rechts, beim Klimaschutz und auch bei der Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche.

Josephine Teske erzählt von ihrer Jugend in der Uckermark, die – nun ja – ihren Glauben gestählt habe (meine Worte). Seitdem trage sie eine feste Frömmigkeit bei sich, als Pastorin auf dem Land und auch im Netz. Das beste aus beiden – analogen und digitalen – Welten will sie zusammen in den Rat einbringen.

Teske erzählt von den jungen Erwachsenen, mit denen sie online Gottesdienste feiert und von Seelsorge-Gesprächen auf Instagram. „Ich bin überzeugte Gemeindepastorin“, erklärt sie und berichtet auch von den Sorgen von Mitarbeiter:innen vor weiteren Kürzungen.


Montag, 8.11.2021: Missbrauch evangelisch

Montag, 8.11.2021, 9:30 Uhr

Guten Morgen! Die Synode tagt schon wieder fleißig. Seit 9 Uhr tagen die Synodalen getrennt nach Kirchenbünden: Die Generalsynode der VELKD (Livestream) ist heute Vormittag vor allem mit Wahlen in ihre Gremien und Ausschüsse befasst. Auf der Vollkonferenz der UEK (Livestream) gibt es ab ca. 9:30 Uhr einen theologischen Impuls der Theologieprofessorin Christiane Tietz: „Was fehlt, wenn Gott fehlt?“

Heute Nachmittag, ab 15 Uhr, wird sich die EKD-Synode im Plenum mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche beschäftigen. Das werde ich hier im Live-Blog intensiv begleiten. Zur Mittagsstunde gibt es außerdem die zweite Folge unseres Synoden-Podcasts. Zu Gast ist diesmal Detlev Zander. Er ist Mitglied im ausgesetzten EKD-Betroffenenbeirat und wird heute Nachmittag auf den Bericht aus dem „EKD-Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt“ von Landesbischof Christoph Meyns (Braunschweig) antworten.

Hinter den Kulissen werden natürlich die Ratskandidaturen und die Vorstellungsreden von gestern Abend diskutiert. Im Live-Blog vom gestrigen Tag kann man die Vorstellungsrunde komplett nachvollziehen. Heute Abend werden sich die KandidatInnen den wahlberechtigen Synodalen und Mitgliedern der Kirchenkonferenz in einer moderierten Kennenlernrunde noch einmal – nicht öffentlich – den Synodalen vorstellen. Mehr zur Ratswahl hier im Live-Blog zwischendurch.

Den Live-Blog von gestern findet ihr hier. Alles Wissenswerte zur Ratswahl und den Chancen der KandidatInnen habe ich hier aufgeschrieben. Und auch zu den Favoriten für den Ratsvorsitz habe ich mich in einem extra Artikel befleissigt.

Montag, 8.11.2021, 10:05 Uhr

Der Stream von der UEK läuft inzwischen. Der Vortrag von Christiane Tietz allerdings hat noch nicht begonnen. Der Bericht des Präsidiums
durch Kirchenpräsident Volker Jung (EKHN) hält noch an.

Montag, 8.11.2021, 11:00 Uhr

So, die Kirchenleitung der VELKD wäre dann komplett. Alle sieben lutherischen Kirchen haben Berücksichtigung gefunden. Die neue VELKD-Kirchenleitung setzt sich wie folgt zusammen:

Als nichtordinierte Mitglieder wurden gewählt: Konrad Baumann (Braunschweig), Dr. Jördis Bürger (EVLKS), Gianna von Crailsheim (ELKB), Daniela Röhler (Schaumburg-Lippe), Henning Schulze-Drude (Hannover), Bettina von Wahl (Nordkirche). Als ordinierte Mitglieder wurden gewählt: Frank Howaldt (Nordkirche), Dr. Friederike Spengler (EKM), Klaus Stiegler (ELKB).

Weitere vier Mitglieder gehören der Kirchenleitung qua Amt an: der Leitende Bischof Landesbischof Ralf Meister (Hannover), die stellvertretende Leitende Bischöfin Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt (Nordkirche), der Präsident der Generalsynode Dr. Matthias Kannengießer (Hannover) und als Mitglied der Bischofskonferenz Dr. Thilo Daniel (EVLKS).

Und noch ein Kommentar zu den KandidatInnen für den Rat der EKD vom WDR-Journalisten und EKD-Synodalen Arnd Henze:


Synoden-Podcast Nr. 2: Detlev Zander

Mit Detlev Zander, Mitglied im ausgesetzten Betroffenenbeirat der EKD, habe ich über die Schwierigkeiten bei der Aufklärung und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in den evangelischen Kirchen gesprochen. Heute Nachmittag wird er als Betroffener auf den Bericht aus dem „Beauftragtenrat der EKD zum Schutz vor sexualisierter Gewalt“ antworten und auch an der anschließenden Podiumsdiskussion teilnehmen. Wir sprachen über Betroffenenbeteiligung, die Anerkennungsleistungen und die Zukunft der Aufarbeitung:

Synoden-Podcast Nr. 2: Detlev Zander:


Montag, 8.11.2021, 13:20 Uhr

Die Synode macht gerade Mittagspause, anschließend treffen sich die Synodalen in ihren Arbeitsgruppen. Dort und auf den virtuellen Fluren wird fleißig über die Ratswahl morgen geschnattert. Die Wunder der Digitalisierung machen es möglich, dass diesen Debatten nun neuer Stoff geliefert wird: Denn die EKD hat alle Bewerbungsreden inzwischen auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht. Zur einmaligen Live-Anschauung kann nun also die Analyse des In-Ruhe-noch-einmal-Gehörten treten.

Ein paar grundsätzliche Überlegungen zur Ratswahl und zu den Chancen der KandidatInnen hatte ich bereits letzten Donnerstag hier in der Eule aufgeschrieben. Und heute Abend gibt es hier im Live-Blog auch noch einmal eine Runde aktuelle Infos dazu, nachdem sich die Synode und auch dieser Live-Blog ab 15 Uhr mit der Missbrauchs-Aufarbeitung befassen wird.

Anders als 2019 in Dresden, wo neben Bischöfin Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck, Nordkirche), der damaligen Sprecherin des EKD-Beauftragtenrates, auch Kerstin Claus für die Betroffenen sprach (hier ihre vollständige Rede), war das Thema 2020 bei der erstmals digital durchgeführten Synodentagung durchs Raster gefallen. Die Betroffenen wurden ausgeladen, das Thema auf der Tagesordnung zusammengestrichen. Fehrs erläuterte den Bericht des Beauftragtenrates nur, der ansonsten schriftlich vorgelegt wurde.

Im Frühjahr 2021 versprach die scheidende Präses Irmgard Schwaetzer auf der konstituierenden Sitzung der 13. EKD-Synode, dass dies der Synode nicht noch einmal passieren würde. Ihre Nachfolgerin, Anna-Nicole Heinrich, und das Synodenpräsidium haben sich diese Zusage zu eigen gemacht. Trotz plötzlich digitaler Tagung sind Betroffenen-VertreterInnen eingeladen, an der Befassung mit der Missbrauchs-Krise teilzunehmen. Sie werden auf den Bericht des Beauftragtenrates durch seinen neuen Sprecher, Landesbischof Christoph Meyns (Braunschweig), antworten. Im Anschluss findet eine öffentliche Podiumsdiskussion statt.

Zum Schwerpunkt Missbrauch ab 15 Uhr melde ich mich wieder hier im Live-Blog. Bis dahin empfehle ich sehr die 2. Folge unseres Synoden-Podcasts: Zu Gast ist Detlev Zander, Mitglied im EKD-Betroffenenbeirat, und Kritiker der Aufarbeitungsbemühungen der evangelischen Kirchen:

Montag, 8.11.2021, 15:00 Uhr

Die Synode startet in die Befassung mit dem Schutz vor sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche. Unter diesem Schlagwort werden alle Bemühungen um Aufklärung, Aufarbeitung und „Anerkennung“ von sexuellem Missbrauch sowie die Prävention gefasst. Zunächst wird Landesbischof Christoph Meyns (Braunschweig), der seit dem letzten Herbst Sprecher des „Beauftragtenrates zum Schutz vor sexualisierter Gewalt“ ist, einen Bericht halten. Darauf antworten dann Betroffene.

Das seit der Synode 2020 vergangene Jahr ist in vielerlei Hinsicht ein verlorenes Jahr für die Auseinandersetzung mit dem Missbrauch in der Kirche gewesen. Nur wenig ist geschehen, fast nichts besser geworden. Meine ausführliche Beschreibung des Scheiterns der Evangelischen Kirche am Missbrauch von vor einem Jahr ist auf bestürzende Weise immer noch aktuell.

Das haben in den vergangenen Tagen auch Betroffene erneut deutlich gemacht. Auf einer Pressekonferenz am Sonntag sprachen mehrere von ihnen über die Versäumnisse bei den Anerkennungsleistungen und Unterstützungssystemen. Detlev Zander, einer der ursprünglichen EKD-Betroffenenbeiräte, erklärt im Synoden-Podcast hier im Liveblog (s.o.) einige der kritischen Punkte. Die Kritik der Betroffenen, so unterschiedlich sie im Detail auch ist, will ich in meine Kommentierung des Beauftragtenrats-Berichts einfließen lassen. Dem mündlichen Bericht und den anschließenden Redebeiträgen der Betroffenen sowie der Aussprache kann man im Livestream folgen.

Montag, 8.11.2021, 15:15 Uhr

Landesbischof Meyns trägt seinen Bericht aus der Isolation heraus per Video vor. Er beginnt mit allgemeinen Erklärungen. Zum ersten Handlungsfeld „Prävention und Intervention“ spricht er dann die Gewaltschutzrichtlinie an. Die ist an sich gelungen, aber leider lange noch nicht in allen evangelischen Landeskirchen umgesetzt. Dort muss sie nämlich von den Landessynoden in geltendes Recht umgesetzt werden.

An der „Zentralen Anlaufstelle help“, gerade von Meyns erneut als Erfolg der Bemühungen der Kirche erwähnt, kritisieren die Betroffenen, dass diese eben nicht in die landeskirchlichen Prozesse hineinreicht, sondern an den Landeskirchengrenzen Halt macht. Dort stehen die Betroffenen dann ohne professionelle und unabhängige Unterstützung den kirchlichen Strukturen gegenüber.

Montag, 8.11.2021, 15:20 Uhr

Als nächstes erwähnt Meyns die „Unabhängigen (sic!) Kommissionen“, die „Anerkennungsleistungen“ zusprechen. Er erwähnt die neue Musterordnung für die Arbeit dieser Kommissionen – die allerdings ohne ordentliche Beratung mit den Betroffenenbeiräten zustande gekommen ist. (Siehe „Aussetzung des Betroffenenbeirates“ hier.) Außerdem müssen sich die Landeskirchen nicht an die Musterordnung halten, sondern weichen in entscheidenden Punkten von ihr ab.

In den Kommissionen sind häufig kirchliche Mitarbeiter:innen tätig, die zwar „nicht an Weisung gebunden sind“, aber natürlich im System Kirche involviert sind, zum Teil seit vielen Jahren in verantwortlichen Positionen. Die EKD-Musterordnung sieht keinen Ausschluss solcher Personen von der Mitarbeit in den Kommissionen vor. Sie werden von den Landeskirchen bestellt. Mehr zu den Kommissionen hier und hier.

Montag, 8.11.2021, 15:25 Uhr

Meyns erwähnt die Gespräche mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), die bisher nicht zur Verabredung einer neuen „Gemeinsamen Erklärung“ geführt haben, die z.B. die Einrichtung von regionalen Aufarbeitungskommissionen beinhalten soll. Hier hat sich seit einem Jahr nichts getan.

Entscheidend für das Stocken der Gespräche ist auch das Aussetzen des Betroffenenbeirates, das vom UBSKM Johannes-Wilhelm Rörig scharf kritisiert wurde. An den Gesprächen nehmen neben KirchenvertreterInnen auch zwei Betroffene aus dem Betroffenenbeirat des UBSKM aus dem evangelischen Tatkontext teil.

Montag, 8.11.2021, 15:30 Uhr

Zum zweiten Mal in seinem Bericht spricht Meyns über Koordination und Austausch derjenigen Kirchen-Mitarbeiter:innen, die sich in den Meldestellen der Landeskirchen und als Missbrauchs-Beauftragte für Prävention und Intervention einsetzen. Wie interne Dokumente, die der Eule im vergangenen Jahr zugegangen sind, zeigen, sind die dafür zuständigen Gremien wie die PIK mangelhaft aufgestellt.

Der evangelische Föderalismus behindert und stört die Bemühungen an allen Ecken und Enden: So gibt es keine einheitlichen Verfahren für Meldungen von Vorfällen, keine einheitliche Ordnung für die „Anerkennungsleistungen“, keine belastbare Gesamtzahl der Betroffenen, keinen Überblick darüber, wie an den verschiedenen Stellen und in den Gliedkirchen mit Prävention und Aufarbeitung umgegangen wird. Gute Lösungen können so nicht weitergegeben, schlechte Lösungen nicht verhindert werden.

Nun antwortet Detlev Zander, ursprünglich Mitglied im EKD-Betroffenenbeirat, auf den Bericht von Landesbischof Meyns.

Montag, 8.11.2021, 15:40 Uhr

Den Bericht des Beauftragtenrates kann man jetzt hier nachlesen.

Detlev Zander erklärt, dass die Beteiligung der Betroffenen „die Zukunftsfrage für die evangelische Kirche in Deutschland“ ist. Betroffenen bräuchten daher einen klaren Ansprechpartner innerhalb der EKD. Vier der ursprünglichen Betroffenen-Beiräte sprachen nach dessen Aussetzungen davon, dass nicht klar gewesen sei, wen man denn überhaupt beraten solle, ein kompetentes Gegenüber für den Betroffenenbeirat habe gefehlt.

Da sich die Strukturen seitdem nicht geändert haben, hat sich auch daran nichts geändert.

Montag, 8.11.2021, 15:55 Uhr

Die ursprünglichen Mitglieder des Betroffenenbeirates – Detlev Zander, Henning Stein und nun Karin Krapp sowie Christiane Lange – appellieren an die Synodalen endlich zu handeln. Genauer noch: Die Augen zu öffnen. In fast allen Punkten widersprechen sie der Darstellung des Beauftragtenrates. Krapp verwehrt sich gegen die Vereinnahmungstendenzen, mit denen in der evangelischen Kirche zugedeckt wird, was im Dissens ausgehalten werden sollte. Lange erklärt, wie kirchliche Disziplinarverfahren sich am Täter und am Schutz der Institution orientieren, nicht an den Missbrauchs-Opfern.

„Auch ich kann, wie Karin Krapp, niemanden zu einem kirchlichen Verfahren raten. Das muss anders werden“, erklärt Lange. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass sich im vergangenen Jahr viele neue Betroffene bei den Betroffenenbeiräten gemeldet haben. Sie wurden nämlich sehr wohl als Angebot und Vertrauenserweis der Institution Kirche wahrgenommen. Umso schmerzlicher daher das Scheitern des Betroffenenbeirates.

Montag, 8.11.2021, 16:05 Uhr

Harald Wiester erklärt ruhig und präzise, was an der Musterordnung für die „Anerkennungsleistungen“ mangelhaft ist, und dass Passagen von den kirchlichen Verantwortlichen, er adressiert die ehemalige Sprecherin des Beuaftragtenrates Kirsten Fehrs direkt, ohne Rücksprache mit den Betroffenen eingefügt wurden: „Strukturierte Betroffenenbeteiligung ist das nicht.“

Nun wird der Stream unterbrochen, weil sich eine Betroffene unter Pseudonym an die Synodalen wendet. Ton- und Bildaufnahmen sind daher nicht möglich.

Montag, 8.11.2021, 16:15 Uhr

Nancy Janz, ursprünglich Mitglied im EKD-Betroffenenbeirat, trägt nun ein Statement von insgesamt 8 ehemaligen und noch beteiligten Betroffenenbeiräten vor. Der Text bezieht sich direkt auf den Bericht des Beauftragtenrates. Durchaus wertschätzend gegenüber dem, was in ihm Positives an Wünschen und Forderungen formuliert wird, legt er doch den Finger in die Wunde:

„Ihre Idee von Beteiligung sind wie folgt aus: Als Betroffene dürfen wir schriftlich Stellung nehmen. EKD-Gremien entscheiden dann, was sie davon übernehmen oder nicht. […] Das ist Rosinen-Pickerei. Nehmen, was schmeckt. Liegen lassen, was heilsam, aber bitter ist. […] Verlangen Sie nicht von uns, dass wir uns den Mühlen ihrer Institution unterwerfen.“

Montag, 8.11.2021, 16:25 Uhr

Die Synode tritt nun die Aussprache zum Bericht des Beauftragtenrates ein. Nun auch im Licht der Statements der Betroffenenbeiräte.

Montag, 8.11.2021, 16:50 Uhr

Die Synodalen äußern ihre Betroffenheit angesichts der Schilderungen der Betroffenenbeiräte, und stellen Anträge:

Zum Beispiel zur Überprüfung des kirchlichen Disziplinarrechts. In den kirchlichen Disziplinarverfahren können Betroffene bisher nur als Zeugen gehört werden und nicht als Nebenkläger auftreten. Kurz gesagt: Es geht in diesen Verfahren um Institutionenschutz-, nicht um Gerechtigkeit für die Betroffenen. Allein, es geht nicht nur um Gesetzesänderungen, sondern um einen Kulturwandel. Wo Betroffene in Kirchenamts-Keller vorgeladen werden, wie es Betroffene auf ihrer Pressekonferenz am Sonntag wieder schilderten, mangelt es an dem entscheidenen Verständnis für die Lage von Betroffenen.

Der württembergische Synodale Maik-Andres Schwarz stellt einen umfassenden Antrag zur Neuordnung der Betroffenenbeteiligung, inkl. der Installation eines Unterstützungsnetzwerks. Auch solle geprüft werden, ob beides nicht besser an einer unabhängigen, externen Stelle angebunden werden sollte. Zu Beginn seiner Wortmeldung entschuldigt er sich bei den Betroffenen:

„Als Synodaler möchte ich mich heute Ihrer Kritik stellen. Denn in den vergangenen Tagungen […] ist das Thema Prävention sexualisierter Gewalt und die Aufarbeitung völlig zu Unrecht unter den Tisch gefallen. Dafür gab es plausible Gründe, aber wir müssen uns anklagen, dass die Betroffenenbeteiligung nicht zuletzt auch darunter gelitten hat. Als ein Synodaler bitte ich Sie deshalb um Entschuldigung für unseren Teil an der unglücklichen Kommunikation, und den Eindruck der Assymetrie, der entstanden ist.

Der bayerische Oberkirchenrat und Leiter des dortigen Landeskirchenamtes Nikolaus Blum, immerhin selbst Mitglied im Beauftragtenrat, zeigt sich in der Aussprache entsetzt darüber, dass die Betroffenenbeiräte es unter den momentanen Bedingungen anderen Betroffenen nicht empfehlen können, sich bei den Kirchen als Betroffene von sexuellem Missbrauch zu melden. Ist das für ihn eine Neuigkeit?

Die Betroffenen sind sich ja in vielem auch uneinig, aber darin nicht: Noch von keine:r meiner Gesprächspartner:innen unter den Betroffenen habe ich den vergangenen beiden Jahren gehört, dass Meldung und Begleitung von neuen Fällen irgendwo reibungslos funktionieren.

Montag, 8.11.2021, 17:00 Uhr

Bischöfin Kirsten Fehrs, von 2018 bis 2020 Sprecherin des Beauftragtenrates und aussichtsreiche Kandidatin für den Ratsvorsitz, dankt den Betroffenen für ihre Offenheit. Und sie gesteht das Scheitern einiger Bemühungen angesichts der Anklagen durch die Betroffenenbeiräte ein. Die Zerknirschung darüber ist ihr anzusehen und anzuhören. Man habe viele Fehler gemacht, aber nicht aus einer Haltung des Paternalismus heraus, wie die Betroffenen nahelegten, sondern weil man es nicht besser wusste.

Eine Rechtsfrage, die offensichtlich die Synodalen interessiert, ist die Neuordnung der kirchlichen Disziplinarverfahren. Wichtig, ja, richtig. Allerdings geht es nicht allein oder zuerst um Verrechtlichung von Ansprüchen nach Anhörung und Beteiligung in diesen kirchlichen Verfahren. Was hier schiefläuft, kann man nicht durch ein paar neue Paragraphen im kirchlichen Disziplinarrecht lösen:

Wer zu einer Kirche als Betroffene:r kommt, der braucht professionelle, unabhängige Begleitung. Die Kosten dafür sollte die Institution übernehmen. Und diese unabhängigen „Betroffenen-Paten“ müssen Betroffene durch alle kirchlichen Prozesse – auch die zur Beantragung von „Anerkennungsleistungen“, nicht allein Disziplinarverfahren von Tätern – begleiten dürfen. Ein solches Unterstützungssystem gibt es in den evangelischen Landeskirchen nicht (oder nicht mehr).

Aus dem Präsidium wird der Antrag eingebracht, eine neue synodale Struktur für das Thema einzurichten: Es soll eine synodale Kommission eingerichtet werden, in die dann auch externe Expertise und Betroffene eingebunden werden soll. Die Kommission soll die Befassungen der Synode vorbereiten. Oder anders: Das Synodenpräsidium macht ernst und das Thema zur „Chefsache“. Und hinter diesem Antrag steckt auch ein wenig Misstrauen gegenüber dem Beauftragtenrat, den man nun in Zukunft offenbar nicht mehr vor sich hin arbeiten lassen will, sondern effektiv(er) kontrollieren.

Montag, 8.11.2021, 17:10 Uhr

Die Anträge wurden in die Ausschüsse verwiesen, zumeist in den zu Diakonie, Bildung und Jugend. Die Synode legt jetzt eine Pause bis 17:30 Uhr ein. Dann startet die Podiumsdiskussion zum Thema Machtmissbrauch, mit der sich die Synode einem inhaltlichen Grund für den sexuellen Missbrauch in der Kirche widmen möchte.

Zuvor hatte Detlev Zander in Bremen noch einmal das Wort ergriffen und Bischöfin Kirsten Fehrs ausdrücklich in Schutz genommen, sie sei von ihren Kollegen in ihren Bemühungen „häufig im Stich gelassen worden“.

Montag, 8.11.2021, 17:50 Uhr

Im Moment läuft im Livestream der EKD noch die Podiumsdiskussion zum Thema Machtmissbrauch. Der Live-Blog allerdings macht an dieser Stelle eine Pause. Heute Abend wird es an dieser Stelle noch ein kurzes Update zu den morgigen Ratswahlen geben.

Die Synode befasst sich heute Abend außerdem mit dem Haushalt der EKD und einer Änderung am kirchlichen Datenschutzgesetz, die mit den Aufarbeitungsbemühungen zum sexuellen Missbrauch in Zusammenhang steht. Es geht darum, wer zu welchen Zwecken Zugriff auf Personalakten nehmen darf.

Montag, 8.11.2021, 22:00 Uhr

Die Stellungnahmen der aktuellen und ehemaligen Mitglieder des EKD-Betroffenenbeirates sind unter den Tagungsunterlagen auf der Website der EKD erschienen, hier als PDF.

Wie versprochen noch ein paar Infos und Gedanken zur morgigen Ratswahl:

Was diese Ratswahl so schwer macht, wird vielleicht deutlich, wenn man das Zahlenspiel einmal umdreht, und nicht nach 14 geeigneten Mitgliedern des Rates der EKD sucht, sondern nach 8 Personen unter den 22 KandidatInnen, die man da wirklich nicht sehen will. Bis auf einen Kandidaten, der sich mit seiner verunglückten Bewerbungsrede ins Abseits geschossen hat und aufgrund starker Konkurrenz aus der eigenen Region sowieso kaum Chancen hat, fällt mir da niemand ein. Es ist ein wirklich starkes BewerberInnen-Feld.

Im Live-Blog vom gestrigen Tag kann man die Vorstellungsrunde noch einmal komplett nachvollziehen.

Trotzdem richten sich die Wahlberechtigten natürlich nicht allein nach den Bewerbungsreden, die sie obendrein auch mehrmals nach Schwächen durchleuchten können, da sie allen Interessierten auf YouTube zur Verfügung stehen (s.o.), sondern auch nach taktischen Gesichtspunkten. So ist es wichtig, dass diejenigen KandidatInnen, die für den Ratsvorsitz in Frage kommen – ein endliches Reservoire – nicht erst in den Nachmittagsstunden zerfleddert in den Rat einziehen, sondern möglichst früh und mit gutem Ergebnis.

Obendrein gibt es auch grundsätzliche Überlegungen, die unter den Synodalen diskutiert werden: Braucht es im Rat zum Beispiel aktive PolitikerInnen? Die Bewerbungsreden von Kerstin Griese (SPD) und Thomas Rachel (CDU) haben viele jüngere Synodale nicht vom Hocker gehauen. Wäre nun ein guter Zeitpunkt, die ohnehin überlebte Polarität Sozialdemokratie <-> Christdemokratie aufzulösen? Erfahrene Synodale drängen derweil auf die Beteiligung der PolitikerInnen, sie brächten unverzichtbare Netzwerke mit. Man müsse sehen, dass BewerberInnen eben nicht nur für sich allein dastünden, sondern auch stellvertretend für wichtige gesellschaftspolitische Akteure, mit denen die Kirche zusammenarbeiten will/muss.

Und schließlich ließe sich die Polarität natürlich auch durch die Wahl des Grünen-Mitglieds Anna von Notz beseitigen.

Auch die Frage der Amtsdauer wird unter den Synodalen diskutiert. Ein Rat der personell über die gesamte Legislatur zusammenbleibt, ist selten. Und vielleicht auch gar nicht erstrebenswert. Nicht die ganze Amtszeit „durchzuhalten“, ist keine Schande. 6 Jahre sind eine lange Zeit, gerade für die jüngeren KandidatInnen. Meine Meinung: Man sollte wählen, wen man jetzt gut und richtig findet. Der Rest wird sich weisen.

Die Chancen der fünf Leitenden Geistlichen, die für den Rat kandidieren, sind nach wie vor groß. Auch wenn über Volker Jungs Ankündigung, seinen Sitz im Rat bereits 2024 bei Eintritt in den Ruhestand aufzugeben, durchaus diskutiert wird. Manche sehen darin ein willkommenes Zeichen der Demut, andere ein Abwinken. Wieder andere schreiben dem Kirchenpräsidenten sogar große Chancen auf das Amt des Ratsvorsitzenden zu, sozusagen als „Übergangs-RV“. (2024 könnte dann ein anderer jüngerer Kollege übernehmen, vielleicht sogar für zwei Amtsperioden.)

Allgemein gute Chancen werden Pastorin Josephine Teske aus der Nordkirche eingeräumt. Nicht nur beeindruckt ihre treue Online-Follower:innenschaft, auch in den alten Medien (SPIEGEL, SZ) war sie zuletzt präsent. Und ihre Wahl in den Rat würde anzeigen, dass man den mit der Wahl von Anna-Nicole Heinrich zur Präses eingeschlagenen Weg der Verjüngung weitergeht. Als „überzeugte Gemeindepastorin“ bringt sie auch die Perspektive der Mitarbeiter:innen in der Fläche ein, die im Getriebe der Amts- und Bürokirche schon mal untergeht. Darüber, ob Insta-Stories von den Ratssitzungen erstrebenswert sind, ist man hingegen gespalten. (Meine Meinung: Kirchen-PR bleibt Kirchen-PR.)

Je nachdem, ob und wie viele PolitikerInnen es in den Rat schaffen, ist übrigens Platz für gleich mehrere der versierten und profilierten jüngeren Frauen auf dem Wahlvorschlag.

So. Morgen früh um 9 Uhr startet der Livestream und auch dieser Live-Blog meldet sich dann wieder. Ein anstrengender, fordernder Tag liegt vor den KandidatInnen, Synodalen, dem Präsidium, den Techniker:innen und Beobachter:innen. Aber vielleicht dauert es doch gar nicht so lang: Bei der Präseswahl überraschte die digitale Synode alle Beobachter:innen mit ihrer zügigen Wahl. Jedenfalls wird die digitalisierte Tagung sicher auch Auswirkungen auf das Ergebnis zeitigen. Wir sehen uns. Gute Nacht!


Dienstag, 9.11.2021: Ratswahl

Dienstag, 9.11.2021, 8:15 Uhr

Guten Morgen! Am heutigen, so geschichtsträchtigen 9. November wählen die EKD-Synodalen und die Mitglieder der Kirchenkonferenz einen neuen Rat der EKD. Darum wird es heute auch hier im Live-Blog gehen. Ein paar kleine Nachträge zu gestern werden außerdem bald hier erscheinen. Es wird ein langer oder erstaunlich kurzer Wahltag. Natürlich haben die Synodalen beraten, Verbündete gesucht, gar Allianzen geschmiedet – aber alles ist offen: Das ist das schöne an der Demokratie!

Um 9 Uhr startet der Livestream.

Dienstag, 9.11.2021, 9:05 Uhr

Mit einer Morgenandacht über das historische Datum 9. November startet die Synode in den heutigen Tag.

Dienstag, 9.11.2021, 9:20 Uhr

Bevor die Wahlberechtigten zum ersten Wahlgang schreiten, hier noch ein paar Vorbemerkungen:

In den ersten Wahlgängen wird es den Wahlberechtigten und insbesondere den EKD-Synodalen darum gehen, dass diejenige(n) KandidatInnen, die sie gerne im Amt der/des Ratsvorsitzenden sehen wollen, mit starkem Ergebnis in den Rat einzieht oder einziehen. Das ist der wichtigste Fingerzeig, den die Synodalen setzen können. Und dazu gibt es natürlich, wie ich höre, auch Absprachen unter der Synodalen, wie sie in den ersten Wahlgängen abstimmen wollen.

Ist der Rat erst einmal gewählt, macht dieser einen Vorschlag für den Ratsvorsitz, dem die Synode und die Kirchenkonferenz am Mittwoch dann mit extrem großer Sicherheit zustimmen. Allein die Höhe der Zustimmung ist dann noch bemerkenswert.

Wie wird der Rat der EKD gewählt?

  • Immer auf der zweiten Tagung einer Synoden-Legislatur wählen die EKD-Synode und die Mitglieder der Kirchenkonferenz einen neuen Rat der EKD, der dann für sechs Jahre gewählt ist. Nachdem sich die neue EKD-Synode im Frühjahr konstituiert hat, ist es nun soweit.
  • Die 128 Synodalen der EKD-Synode und die Mitglieder der Kirchenkonferenz wählen insgesamt 14 Mitglieder des 15-köpfigen Rates. Die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, gehört dem neuen Rat als geborenes Mitglied qua Amt an. Gewählt wird solange, bis alle 14 Posten besetzt sind. Die Stimmberechtigten haben also bei jedem Wahlgang so viele Stimmen, wie noch Plätze zu vergeben sind. Um in den Rat gewählt zu werden, benötigt man eine 2/3-Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen. Es gibt in Summe 148 Stimmberechtigte, man benötigt also – wenn alle gültig abstimmen – 99 Stimmen.
  • Gewählt wird in diesem Jahr am 9. November. Eine Ratswahl kann sich aufgrund des Prozederes durchaus hinziehen – und Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Auf alle Fälle ist die Durchführung ein richtiger Härtetest für die Synode: Ratswahlausschuss und Synoden-Präsidium müssen hochkonzentriert arbeiten.
  • In diesem Jahr wird der Rat erstmals digital gewählt. Das wäre auch bei einer reinen Präsenztagung so gewesen. Stimmabgabe und -Auszählung werden sich dadurch erheblich beschleunigen. Also vielleicht dauert es doch gar nicht so lang: Bei der Präseswahl im Frühjahr überraschte die digitale Synode alle Beobachter:innen mit ihrer zügigen Wahl. Jedenfalls wird die digitalisierte Tagung sicher auch Auswirkungen auf das Ergebnis zeitigen.

Ein paar Gedanken zur Einordnung (aus dem Live-Blog von gestern spät am Abend):

Was diese Ratswahl so schwer macht, wird vielleicht deutlich, wenn man das Zahlenspiel einmal umdreht, und nicht nach 14 geeigneten Mitgliedern des Rates der EKD sucht, sondern nach 8 Personen unter den 22 KandidatInnen, die man da wirklich nicht sehen will. Bis auf einen Kandidaten, der sich mit seiner verunglückten Bewerbungsrede ins Abseits geschossen hat und aufgrund starker Konkurrenz aus der eigenen Region sowieso kaum Chancen hat, fällt mir da niemand ein. Es ist ein wirklich starkes BewerberInnen-Feld.

Trotzdem richten sich die Wahlberechtigten natürlich nicht allein nach den Bewerbungsreden, die sie obendrein auch mehrmals nach Schwächen durchleuchten können, da sie allen Interessierten auf YouTube zur Verfügung stehen, sondern auch nach taktischen Gesichtspunkten. So ist es wichtig, dass diejenigen KandidatInnen, die für den Ratsvorsitz in Frage kommen – ein endliches Reservoire – nicht erst in den Nachmittagsstunden zerfleddert in den Rat einziehen, sondern möglichst früh und mit gutem Ergebnis.

Obendrein gibt es auch grundsätzliche Überlegungen, die unter den Synodalen diskutiert werden: Braucht es im Rat zum Beispiel aktive PolitikerInnen? Die Bewerbungsreden von Kerstin Griese (SPD) und Thomas Rachel (CDU) haben viele jüngere Synodale nicht vom Hocker gehauen. Wäre nun ein guter Zeitpunkt, die ohnehin überlebte Polarität Sozialdemokratie <-> Christdemokratie aufzulösen? Erfahrene Synodale drängen derweil auf die Beteiligung der PolitikerInnen, sie brächten unverzichtbare Netzwerke mit. Man müsse sehen, dass BewerberInnen eben nicht nur für sich allein dastünden, sondern auch stellvertretend für wichtige gesellschaftspolitische Akteure, mit denen die Kirche zusammenarbeiten will/muss.

Und schließlich ließe sich die Polarität natürlich auch durch die Wahl des Grünen-Mitglieds Anna von Notz beseitigen.

Auch die Frage der Amtsdauer wird unter den Synodalen diskutiert. Ein Rat der personell über die gesamte Legislatur zusammenbleibt, ist selten. Und vielleicht auch gar nicht erstrebenswert. Nicht die ganze Amtszeit „durchzuhalten“, ist keine Schande. 6 Jahre sind eine lange Zeit, gerade für die jüngeren KandidatInnen. Meine Meinung: Man sollte wählen, wen man jetzt gut und richtig findet. Der Rest wird sich weisen.

Die Chancen der fünf Leitenden Geistlichen, die für den Rat kandidieren, sind nach wie vor groß. Auch wenn über Volker Jungs Ankündigung, seinen Sitz im Rat bereits 2024 bei Eintritt in den Ruhestand aufzugeben, durchaus diskutiert wird. Manche sehen darin ein willkommenes Zeichen der Demut, andere ein Abwinken. Wieder andere schreiben dem Kirchenpräsidenten sogar große Chancen auf das Amt des Ratsvorsitzenden zu, sozusagen als „Übergangs-RV“. (2024 könnte dann ein anderer jüngerer Kollege übernehmen, vielleicht sogar für zwei Amtsperioden.)

Allgemein gute Chancen werden Pastorin Josephine Teske aus der Nordkirche eingeräumt. Nicht nur beeindruckt ihre treue Online-Follower:innenschaft, auch in den alten Medien (SPIEGEL, SZ) war sie zuletzt präsent. Und ihre Wahl in den Rat würde anzeigen, dass man den mit der Wahl von Anna-Nicole Heinrich zur Präses eingeschlagenen Weg der Verjüngung weitergeht. Als „überzeugte Gemeindepastorin“ bringt sie auch die Perspektive der Mitarbeiter:innen in der Fläche ein, die im Getriebe der Amts- und Bürokirche schon mal untergeht. Darüber, ob Insta-Stories von den Ratssitzungen erstrebenswert sind, ist man hingegen gespalten. (Meine Meinung: Kirchen-PR bleibt Kirchen-PR.)

Je nachdem, ob und wie viele PolitikerInnen es in den Rat schaffen, ist übrigens Platz für gleich mehrere der versierten und profilierten jüngeren Frauen auf dem Wahlvorschlag.

Dienstag, 9.11.2021, 9:25 Uhr

Im Moment führt die Synode eine Testabstimmung durch. Die Wahlberechtigten haben 10 Auswahlmöglichkeiten und sollen ankreuzen, was sie heute gefrühstückt haben.

Dienstag, 9.11.2021, 9:35 Uhr

Die Testabstimmung und -Auszählung ist erfolgreich und sehr zügig verlaufen. Die digitale Wahl beschleunigt das Vorhaben doch erheblich. Den Livestream der EKD findet man übrigens hier.

Die Tagung wird für 15 Minuten unterbrochen. Die Präses teilt mit, dass es heute reichlich Pausen geben wird, in denen auch die Zoom-Räume offen sind. Um 9:55 Uhr wird der erste Wahlgang starten. Das Ergebnis dann kurz nach 10 Uhr bekanntgegeben.

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf meinen ausführlichen Artikel über die Ratswahl und die Chancen der KandidatInnen vom Donnerstag letzter Woche und auf die Kommentierung der KandidatInnen-Vorstellungen vom Sonntag im Live-Blog.

Dienstag, 9.11.2021, 10:10 Uhr: Ergebnis 1. Wahlgang

Ergebnis des 1. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98 Stimmen
Fehrs: 93
Kurschus: 108
Stäblein: 16
Teske: 47

Präses Annette Kurschus ist in den Rat der EKD gewählt. Die Sitzung ist bis 10:30 Uhr unterbrochen.

Dienstag, 9.11.2021, 10:20 Uhr

Bevor die Synode zum 2. Wahlgang schreitet, ein paar einordnende Bemerkungen:

Wie vermutet, wählen die Synodalen, die sich eine Ratsvorsitzende wünschen, zu Beginn ausschließlich die weiblichen Leitenden Geistlichen. Das erklärt die erheblichen Abstände von Kurschus/Fehrs zu Bilz/Jung. Das schwache Ergebnis für Christian Stäblein, Bischof der EKBO, aber überrascht. Mal schauen, wie sich das in den weiteren Wahlgängen entwickelt.

Mit Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), hat es eine der Favoritinnen für das Amt der Ratsvorsitzenden auf Anhieb in den Rat geschafft. Kein ultra-starkes Ergebnis, aber genug, um hier in Führung zu gehen. Doch Kirsten Fehrs ist ihr auf den Fersen, ihr fehlten nur 5 Stimmen für den Einzug in den Rat.

Online-Favoritin Josephine Teske brachte es auf Anhieb auf 47 Stimmen. Das sieht gut aus und wird sich bestimmt ausbauen lassen. Ansonsten braucht man die Ergebnisse für die KandidatInnen noch nicht überbewerten. Erst wenn ein paar Plätze besetzt sind, könnten sich Duelle ergeben und daher auch entscheidende Stimmverschiebungen. Mit 14 oder jetzt im nächsten Wahlgang 13 Stimmen geht man einfach großzügiger um, als wenn man derer nur noch eine Hand voll zu vergeben hat.

Dienstag, 9.11.2021, 10:33 Uhr

Die Synode beginnt den 2. Wahlgang. Derweil hier eine kleine historische Einordnung:

Margot Käßmann, die von der Synode als Ratsvorsitzende dringend gewollt wurde, erreichte 2009 im ersten Wahlgang 103 Stimmen und wurde damit auf Anhieb in den Rat gehieft. Zur Kontextualisierung des Ergebnisses von Annette Kurschus ist das vielleicht ganz hilfreich. Ihr Stellvertreter wurde damals übrigens der rheinische Präses Nikolaus Schneider, der mit 99 Stimmen im zweiten Wahlgang in den Rat gewählt wurde.

Ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster, dass ich mit beiden Füßen noch in der Zimmermitte stehe, und sage: Wer auch immer stellvertretender Ratsvorsitzender wird, kommt in diesem Jahr erst nach dem 2. Wahlgang rein.

Dienstag, 9.11.2021, 10:42 Uhr: Ergebnis 2. Wahlgang

Ergebnis des 2. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 99 Stimmen
Fehrs: 116
Jung: 46
Stäblein: 39 (+23)

Teske: 64 (+17)

Griese: 72
von Notz: 66
Rachel: 64

Bischöfin Kirsten Fehrs ist in den Rat der EKD gewählt. Die Sitzung ist bis 11:00 Uhr unterbrochen.

Dienstag, 9.11.2021, 10:55 Uhr

Ein starkes Ergebnis für Kirsten Fehrs, die angesichts der ernsthaften Befassung mit der Kritik von BetroffenensprecherInnen merklich ins Wanken geraten war. Damit sind nun beide Favoritinnen für das Amt der Ratsvorsitzenden in den beiden ersten Wahlgängen in den Rat gewählt worden. Kurschus zuerst, aber mit nicht ganz so starkem Ergebnis. Fehrs als zweite mit stärkerem Ergebnis, aber eben ohne die direkte Konkurrenz von Kurschus.

Christian Stäblein berappelt sich langsam und kann starke Stimmenzuwächse verzeichnen. Ingesamt sind die Ergebnisse der Herren noch ausbaufähig. Unter den Professores deutet sich an, dass Michael Domsgen (Halle-Wittenberg, 67 Stimmen) die Nase vorn hat. Auch Josephine Teske hat ihr Ergebnis stark verbessern können. Weil ich schon gefragt wurde: Ich glaube, sie kommt rein, und zwar im 4.-6. Wahlgang.

Die Ergebnisse der drei parteipolitisch eingefärbten KandidatInnen habe ich für den 2. Wahlgang mit aufgezeichnet, weil ja die Diskussion darüber läuft, ob man aktive PolitikerInnen im Rat überhaupt noch benötigt. Die hohen Ergebnisse für Kerstin Griese (SPD) und Thomas Rachel (CDU) lassen darauf schließen, dass die Antwort „Ja“ sein wird. Und auch Anna von Notz ist nicht chancenlos.

Dienstag, 9.11.2021, 11:05 Uhr

Während der 3. Wahlgang läuft, noch ein kleiner historischer Happen: Bei der 2009er-Ratswahl, aus der Margot Käßmann als Ratsvorsitzende hervor ging, schaffte es niemand im 3. Wahlgang in den Rat. Erst im 4. dann zwei weitere Bischöfe, nämlich aus Bayern und Baden. Die süddeutschen Kirchen sind auf dem Wahlvorschlag derart schwach vertreten, dass mit einem Württemberger oder Bayern im Rat erst in späteren Wahlgängen – wenn überhaupt – zu rechnen ist.

Vielmehr könnte nun das Stündchen von Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamtes der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, geschlagen haben, die es im 2. Wahlgang auf 73 Stimmen brachte. Oder doch von Andreas Barner (81 Stimmen im 2. Wahlgang). An den Chancen des Finanzexperten wurde nach seiner wenig inspirierenden Vorstellungsrede gezweifelt, allerdings ist er neben Frank Hermann (Württemberg) der einzige Kandidat mit ausgewiesenem Wirtschaftsbackground – und kein Evangelikaler.

Barner hat sich sehr um die neue Finanzstrategie der EKD verdient gemacht. Da sei aber vieles auch schon erledigt, erklärten diejenigen, die gerne mehr frische Gesichter im Rat sehen wollten.

Dienstag, 9.11.2021, 11:15 Uhr: Ergebnis 3. Wahlgang

Ergebnis des 3. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 96 Stimmen
Barner: 102
Bilz: 73
Domsgen: 74
Griese: 80
Joussen: 83
Jung: 54
von Notz: 73
Rachel: 74
Springer: 87
Stäblein: 42
Teske: 73

Andreas Barner ist in den Rat der EKD gewählt. Die Sitzung ist bis 12:00 Uhr unterbrochen. 45 Minuten Pause bis zum 4. Wahlgang, in der sich die synodalen Gruppen erneut treffen. Anscheinend gibt’s jetzt Redebedarf und „die Truppen“ werden versammelt. In den Gesprächen wird es sicher um die verbleibenden Chancen der männlichen Leitenden Geistlichen Bilz, Jung und Stäblein gehen. Stimmverschiebungen nicht ausgeschlossen.

Sehr gute Chancen auf den Einzug im 4. Wahlgang haben Kerstin Griese, Jacob Joussen und Stephanie Springer.


Synoden-Podcast Nr. 3: Anna von Notz

Es ist ihre erste Ratswahl: Die „Christin, Mutter, Grüne und Juristin“ Anna von Notz kandidiert für den Rat der EKD. Von Berlin aus verfolgt sie remote die heutige Ratswahl. Wir haben bereits gestern Mittag mit ihr über die Wahl, ihre (politischen) Anliegen und die Chancen digitaler Demokratie gesprochen.

Synoden-Podcast Nr. 3: Anna von Notz:


Dienstag, 9.11.2021, 12:05 Uhr

Die Synode startet nach einer längeren Unterbrechung den 4. Wahlgang. Beste Aussichten haben vor allem KandidatInnen, die bereits dem letzten Rat angehörten. Und was wird aus den Leitenden Geistlichen Tobias Bilz, Volker Jung und Christian Stäblein?

Dienstag, 9.11.2021, 12:18 Uhr: Ergebnis 4. Wahlgang

Ergebnis des 4. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98
Bilz: 96
Jung: 61
Stäblein: 56

Griese: 103
von Notz: 63
Rachel: 83

Domsgen: 73
Joussen: 95
Springer: 94
Teske: 72

Kerstin Griese ist in den Rat der EKD gewählt. Knapp gescheitert sind im 4. Wahlgang Tobias Bilz, Jacob Joussen und Stephanie Springer.

Dienstag, 9.11.2021, 12:30 Uhr

Während die Synode nun einen mündlichen Bericht der Evangelischen Mission – Weltweit (EMW) durch Direktor Rainer Kiefer hört, ein paar Gedanken vor der Mittagspause.

Ganz knapp gescheitert im 4. Wahlgang ist Tobias Bilz, der sächsische Landesbischof. Er kennt sich mit Wahlkrimis aus, an zwei Bischofswahlen seiner eigenen Landeskirche – mit einer sehr eigenwilligen Landessynode – hat er teilgenommen. Der Ratswahl schaut er sicher entspannter zu: Was im 4. nicht geklappt hat, wird im 5. sicher klappen.

Mit Kerstin Griese ist die erste Parteipolitikerin in den Rat der EKD eingezogen. Sie gehörte auch dem alten Rat an. Ganz knapp gescheitert sind die bisherigen Ratsmitglieder Jacob Joussen und Stephanie Springer. Springer wurde 2015 bereits im ersten Wahlgang in den Rat gewählt. Aber die starken Ergebnisse der beiden werden wohl halten.

Zwar hat man schon davon gehört, dass eine starke Unterstützung im Verlauf der Wahlgänge abschmilzt, wenn die 2/3-Hürde fortdauern gerissen wird, aber davon werden eher die KandidatInnen in den 50er- & 60er-Stimmgrößen betroffen sein.

Nach dem Friedensgebet von Renke Brahms, dem ehemaligen Friedensbeauftragten der EKD und Bremer Schriftführer, geht es in die Mittagspause, die bis 14 Uhr dauern wird.

Dienstag, 9.11.2021, 14:05 Uhr

Die Präses eröffnet nach der Mittagspause wieder die Sitzung. Sie erklärt, dass Ratskandidat Matthias Fichtmüller seine Kandidatur zurückzieht. Der Theologische Vorstand des Oberlinhauses in Potsdam war als Kandidat mit diakonischem Hintergrund Teil des Wahlvorschlags des Ratswahlausschusses. Seine Vorstellungsrede wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen, da er in ihr auch die Morde an behinderten BewohnerInnen im Oberlinhaus unglücklich thematisierte. Fichtmüller hatte im 4. Wahlgang nur 15 Stimmen erhalten.

Die Sitzung ist nun bis 14:15 Uhr auf Wunsch der Synodalen Gruppen unterbrochen. Dann folgt der 5. Wahlgang.

Dienstag, 9.11.2021, 14:31 Uhr: Ergebnis 5. Wahlgang

Ergebnis des 5. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei:
Bilz: 112
Jung: 52
Stäblein: 46

von Notz: 58
Rachel: 65

Domsgen: 62
Joussen: 72
Springer: 105
Teske: 102

Diener: 97

Tobias Bilz, Michael Diener, Stephanie Springer und Josephine Teske sind in den Rat der EKD gewählt.

Dienstag, 9.11.2021, 14:40 Uhr

Die Sitzung ist erneut unterbrochen, die Synodalen Arbeitsgruppen stecken wieder die Köpfe zusammen. Im 5. Wahlgang gab es gleich einen ganzen Schwung neuer Ratsmitglieder. Das wurde auch „Zeit“, denn schließlich soll ja irgendwann auch ein Ende gefunden werden.

Die Synode hat ihr Versprechen gehalten, jüngere Menschen in der EKD stärker zu repräsentieren: Mit Pastorin Josephine Teske (*1986) zieht eine Gemeinde- und Internetpfarrerin in das Gremium ein. Wieder mit dabei ist die Präsidentin des Landeskirchenamtes der Hannoverschen Landeskirche Stephanie Springer. Hannover ist eine große und wichtige evangelische Landeskirche.


Und auch Michael Diener hat es wieder in den Rat geschafft, mit einer „Punktlandung“, wie er selbst sagte. Er will „Brückenbauer“ zwischen den evangelikalen und charismatischen Bewegungen und den restlichen Evangelischen sein. Damit ist der Platz für „die Frommen im Lande“ eigentlich besetzt. Mal schauen, was das für die Kandidaturen von Tobias Faix und Frank Hermann bedeutet.

Mit 112 Stimmen hat es in diesem Wahlgang auch Tobias Bilz in den Rat geschafft. Er wird mit großer Wahrscheinlichkeit also der nächste stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende. Und auch er stammt ja aus pietistischen Kreisen.

Die Sitzung wird ca. 15:15 Uhr fortgesetzt.

Dienstag, 9.11.2021, 15:30 Uhr

Die Sitzung wird 15:15 Uhr noch einmal unterbrochen, weil die Gruppen noch Redebedarf haben. Es geht erst 15:35 Uhr weiter. Bevor die Wahlberechtigten in den 6. Wahlgang gehen, ein paar Einschätzungen zu den Chancen einiger der verbliebenen KandidatInnen:

Nachdem es Michael Diener, als Bindeglied zu Pietisten und evangelikaler Bewegung, und der Finanzexperte Andreas Barner wieder in den Rat geschafft haben, schwinden die Chancen des evangelikalen Bewerbers Frank Hermann, der gerade wegen seiner Wirtschaftskompetenz aus dem Kreis der Synodalen nominiert wurde. Seine Kandidatur hatte das Loch gestopft, dass der Wahlvorschlag des Ratswahlausschusses im Südwesten offen gelassen hatte. Hermann erhielt im 5. Wahlgang nur 18 Stimmen. Es würde mich nicht überraschen, wenn er seine Kandidatur vor oder nach dem 6. Wahlgang zurückzieht. Es sei denn, die Synodalen, die der „Lebendingen Gemeinde“ nahestehen, erneuern ihr Commitment zu seiner Kandidatur.

Gleichwohl sieht es dann im Süden echt ziemlich dünne aus. Zwar wohnt und studiert die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, in Regensburg, aber auch der zweite süddeutsche Kandidat neben Hermann, der bayerische Oberkirchenrat Stefan Reimers fährt in den bisherigen Wahlgängen nur bescheidene Ergebnisse ein (26 im 5. Wahlgang). Bleibt der mitgliederstarke Süden der Republik im neuen Rat unterrepräsentiert?

Inklusive der Präses sitzen schon 6 Frauen im neuen Rat der EKD. Es könnten aber gut noch ein oder zwei weibliche Ratsmitglieder dazukommen. Die besten Aussichten hat im Moment Anna von Notz (58 Stimmen im 5. Wahlgang).

Bei den verbliebenen Leitenden Geistlichen auf dem Wahlvorschlag könnte sich ein kleines Drama ankündigen.: Sowohl Kirchenpräsident Volker Jung (EKHN) als auch Christian Stäblein (EKBO) fallen durch schwache Ergebnisse auf. Trotzdem: Ein weiterer Mann im geistlichen Leitungsamt wird es sicher in den Rat schaffen. Hier spielen sicher auch Überlegungen über die Länge der Amtszeit eine Rolle: Gereicht Volker Jung seine Ankündigung, den Rat bei Eintritt in den Ruhestand 2024 vorzeitig zu verlassen, zum Vorteil oder Nachteil? Stäblein jedenfalls würde sicher die gesamte Legislatur dabei bleiben.

Schließlich haben zwei Professores gute Aussichten, einen Platz im Rat zu ergattern. Der Theologieprofessor Michael Domsgen fährt stabile Ergebnisse ein und Jura-Prof. Jacob Joussen, bereits im letzten Rat Mitglied, kratzte im 4. Wahlgang schon an der 2/3-Mehrheit. Gut möglich, dass die beiden es im 6. oder 7. Wahlgang schaffen.

Dienstag, 9.11.2021, 15:40 Uhr

Der 6. Wahlgang läuft (endlich).

Dienstag, 9.11.2021, 15:50 Uhr: Ergebnis 6. Wahlgang

Ergebnis des 6. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98
Jung: 64
Stäblein: 42

von Notz: 60
Rachel: 72

Domsgen: 65
Joussen: 100

Jacob Joussen ist in den Rat der EKD gewählt. Die Sitzung wird bis 16:30 Uhr unterbrochen.

Dienstag, 9.11.2021, 16:30 Uhr

„Was wir suchen, bestimmt, was wir finden …“, zitierte der sächsische Landesbischof Tobias Bilz in seiner Bewerbungsrede Rutger Bregman („Im Grunde gut“). Im Moment suchen die Wahlberechtigten und unter ihnen vor allem die Synodalen nach den letzten 5 Mitgliedern des neuen Rates der EKD. Wen werden sie finden?

Die Frage nach den männlichen Leitenden Geistlichen ist noch offen (Jung, Stäblein). Die Frage nach den PolitikerInnen zum Teil auch (Rachel, von Notz), nachdem Kerstin Griese (SPD) schon in den Rat gewählt wurde. Und dann wären da die KandidatInnen aus der Theologie, von denen bisher Michael Domsgen am besten abgeschnitten hat. Aber: Alle hatten in den letzten Wahlgängen ordentlich Abstand bis zur 2/3-Hürde. Kein Wunder, dass die Beratungen so intensiv sind.

Dienstag, 9.11.2021, 16:35 Uhr

Der 7. Wahlgang läuft.

Dienstag, 9.11.2021, 16:40 Uhr: Ergebnis 7. Wahlgang

Ergebnis des 7. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98
Jung: 52
Stäblein: 44

von Notz: 63
Rachel: 120

Domsgen: 62
Faix: 36
Jahnel: 44

Thomas Rachel (CDU) ist in den Rat der EKD gewählt.

Ein starkes Ergebnis erzielte Silke Lechner mit 77 Stimmen (+25). Der 8. Wahlgang schließt sich direkt an und hat schon begonnen. Vier Stimmen verbleiben den Wahlberechtigten.

Dienstag, 9.11.2021, 16:50 Uhr

Oha, offenbar gab es aus der Synode den Wunsch, sich doch noch einmal zu beraten. Der laufende 8. Wahlgang kann allerdings nicht abgebrochen werden, informiert die Präses im Livestream. Er wird also ordnungsgemäß zu Ende gebracht. Woher die Verwirrung kam, weiß ich im Moment nicht.

Dienstag, 9.11.2021, 17:05 Uhr: Ergebnis 8. Wahlgang

Ergebnis des 8. Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 93

Jung: 50
Stäblein: 49

Blütchen: 24
Lechner: 53
von Notz: 62

Domsgen: 71
Faix: 37
Jahnel: 47

Damit ist kein(e) weitere(r) KandidatIn in den Rat der EKD gewählt worden.

Die Sprecher der Synodalen Gruppen wollen nun mit dem Präsidium sprechen. Dazu geht es in einen „neutralen Zoom-Raum“. 17:20 Uhr soll es weiter gehen.

Dienstag, 9.11.2021, 17:35 Uhr

Die Präses berichtet vom Gespräch mit den Gruppen-SprecherInnen. Es wurde ein neuer Raum eingerichtet, um schnellere Besprechungen mit dem Präsidium zu garantieren. Die Stimmung bei den KandidatInnen sei „gespannt“. Die Stimmung sollte die Synode „nicht kippen lassen“, ermahnt die Präses. Die Synodalen sollen bitte nicht über die Verwirrungen der letzten Minuten sprechen, sondern über ihre Absprachen diskutieren.

Von jetzt an bis 18:30 Uhr soll es in die Arbeitsgruppen gehen, danach in die Abendbrotpause. Erst dann, also 19:30 Uhr, soll weiter gewählt werden.

Dienstag, 9.11.2021, 19:30 Uhr

Im Livestream erschallt die Glocke. Gleich geht es weiter mit dem 9. Wahlgang der Ratswahl.

In der Pause habe ich eine wichtige Frage zum Live-Blog bekommen, nämlich, warum ich hier nicht alle Wahlgang-Ergebnisse vollständig widergebe. Die Antwort würde jetzt den Rahmen des Live-Blogs sprengen, in dem es ja nicht zu selbstbezüglich zu gehen soll. Daher hier einfach der Link zu einem kurzen Twitter-Thread als Antwort (kann man auch ohne Twitter-Account lesen):

Und direkt aus dem Kreis der Synodalen:

Dienstag, 9.11.2021, 19:38 Uhr

Die Präses kündigt eine weitere Gruppenphase an. Und dann zieht Frank Hermann seine Kandidatur zurück und wünscht allen „fetten Segen“. „Fetten Dank“ drückt dann die Präses für seine Kandidatur aus. Die Sitzung wird für 30 Minuten unterbrochen. 20:10 Uhr geht es weiter.

Dienstag, 9.11.2021, 20:10 Uhr

Ob es gleich losgeht? Weil der Tag und damit auch dieser Live-Blog lang geworden sind, hier ein kleiner Reminder für diejenigen, die mit dem Prozedere nicht so vertraut sind:

  • Die 128 Synodalen der EKD-Synode und die Mitglieder der Kirchenkonferenz wählen insgesamt 14 Mitglieder des 15-köpfigen Rates. Die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, gehört dem neuen Rat als geborenes Mitglied qua Amt an. Gewählt wird solange, bis alle 14 Posten besetzt sind. Die Stimmberechtigten haben also bei jedem Wahlgang so viele Stimmen, wie noch Plätze zu vergeben sind. Also jetzt noch 4. Um in den Rat gewählt zu werden, benötigt man eine 2/3-Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen. Es gibt in Summe 148 Stimmberechtigte, man benötigt also – wenn alle gültig abstimmen – 99 Stimmen.
  • Der Rat der EKD ist nicht „die Regierung“ der evangelischen Kirchen. Bei vielen Entscheidungen sind die Landessynoden der 20 EKD-Gliedkirchen viel wichtiger. Aber der Rat gibt Grundlinien vor. Und er „regiert“ im Rahmen der Kirchengesetze und Vorgaben der EKD-Synode die EKD, d.h. er fordert Dinge vom EKD-Kirchenamt oder nimmt Einfluss auf die zahlreichen Einrichtungen, die direkt aus dem EKD-Haushalt finanziert werden. Außerdem bestimmt der Rat über die Veröffentlichung von Denkschriften und ist als politischer Aktivist für die evangelischen Kirchen unterwegs.

Es geht weiter! Der 9. Wahlgang startet!

Dienstag, 9.11.2021, 20:15 Uhr

Mal schauen, was die Wahlberechtigten jetzt draus machen. Zu erwarten ist, dass in den langen Beratungen „Pakete“ geschnürt wurden: D.h. Stimmen für die eine KandidatIn an Stimmen für eine andere gebunden wurden. Das ist ok und normal, sonst würde man ja nie mit einem vollständigen Rat dastehen.

Die Ratswahl kann also auch bald zu Ende sein.

Dienstag, 9.11.2021, 20:20 Uhr: Ergebnis 9. und letzter Wahlgang

Ergebnis des 9. und letzten Wahlgangs der Ratswahl:

2/3-Mehrheit liegt bei: 98

Blütchen: 10
Domsgen: 116
Faix: 22
Jahnel: 27
Jung: 115
Lechner: 104
von Notz: 103
Stäblein: 23

Damit sind Michael Domsgen, Volker Jung, Silke Lechner und Anna von Notz in den Rat der #EKD gewählt worden.

Herzlicher Applaus auch für die übrigen KandidatInnen. Die Präses drückt ihren großen Respekt vor den KandidatInnen aus. Sie kommt aufgrund des anhaltenden Applauses erst nicht zu Wort.

Dienstag, 9.11.2021, 20:30 Uhr

Eine Synodale drückt noch einmal ihren Dank aus an alle KandidatInnen aus: „Wenn der Rat noch 8 oder 9 Plätze mehr hätte, dann hätten wir Sie gerne alle gewählt!“ Der Synodale Friedemann Kuttler (ELKWUE, Obmann der „Lebendigen Gemeinde“) lobt die Wahl, in der allerdings „die Frommen“ nicht sonderlich stark weggekommen sind. Er spricht auch den Mangel der Süddeutschen an. Bei der anstehenden Nachwahl in 3 Jahren – Volker Jung hört 2024 auf – soll das korrigiert werden. Darin sind sich die 3 Gruppen der Synodalen einig. (Die Zusammenarbeit der „SprecherInnen“ der Gruppen wird ausdrücklich von allen Seiten gelobt.)

Wenn ich mich nicht völlig irre, stehen dann im Süden auch neue Leitende Geistliche in den Landeskirchen genau dafür zur Verfügung.

Präses Heinrich ruft im Saal zur Ordnung. Dort befinden sich die KandidatInnen, einige Beobachter:innen und Journalist:innen. Man höre aber die Synodalen so besonders schlecht. Denn die sitzen ja zuhause. Der Vorsitzende des Ratswahlausschusses, Hans-Peter Strenge (Nordkirche), erklärt, dass sich das „Vertrauen in die Synode“ gelohnt hat, zu einer guten Lösung zu kommen.

Die Erleichterung ist allenthalben spürbar – auch über die Datenautobahnen hinweg.

Nun schreitet die Synode voran. Der scheidende Friedensbeauftragte Renke Brahms (BEK) hält seinen Bericht. Im Saale knallen derweil metaphorisch die Korken.

Dienstag, 9.11.2021, 20:40 Uhr

Renke Brahms hält hier übrigens seinen letzten Bericht als Friedensbeauftragter der EKD. Und man muss sagen, trotz des Scheiterns des Afghanistaneinsatzes, wird an vielen Ecken in der Kirche sogar bewaffneten Drohnen das Wort geredet. War er also erfolgreich?

Für die Arbeit des neuen Rates als Inspiration geeignet erscheint mir eine Passage aus dem Vortrag von Michael Domsgen, den er am Freitag bei der VELKD gehalten hätte, hätte die Tagung im Fleische stattgefunden:

„Strukturen sollten sich nicht selbst bedienen, sondern der Sache dienen, die sie ins Leben gesetzt haben. Was das für das Evangelium heißen könnte, lässt sich manchmal gerade bei denen lernen, die sich schon lange außerhalb oder noch nie innerhalb dieser Strukturen bewegt haben.

Der französische Philosoph François Jullien zum Beispiel gibt dafür hoch interessante Anregungen, indem er dafür plädiert, die christliche Überlieferung als Ressource zu begreifen. Eine Ressource „gehört dem, der sie entdeckt“. Sie „existiert in der Tat nur in dem Maße, in dem man sie entwickelt“ und „zwingt das Christentum, wenn es überleben will, sich wieder an die Arbeit zu machen, nochmals zu überdenken, erneut heranzuwagen“.“

Dienstag, 9.11.2021, 20:55 Uhr

In den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wurden gewählt (Landeskirche / Wahlgang / Stimmenzahl):

Präses Annette Kurschus (EKvW / 1 / 108)
Bischöfin Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck, Nordkirche / 2 / 116)
Andreas Barner (EKHN / 3 / 102)
Kerstin Griese (SPD, EKiR / 4 / 103)
Landesbischof Tobias Bilz (EVLKS / 5 / 112)
Michael Diener (Pfalz / 5 / 97)
Stephanie Springer (Hannover / 5 / 105)
Josephine Teske (Nordkirche / 5 / 102)
Jacob Joussen (EKiR / 6 / 100)
Thomas Rachel (CDU, EKiR / 7 / 120)
Michael Domsgen (EKM / 9 / 116)
Volker Jung (EKHN / 9 / 115)
Silke Lechner (EKBO / 9 / 104)
Anna von Notz (Grüne, EKBO / 9 / 103)

Das ist ein junger, frischer und kompetenter Rat: Vielfältig vernetzt. Mit der Aussicht auf noch bessere Repräsentanz des deutschen Protestantismus in drei Jahren. Lebensweltlich so offen wie noch nie. Ein Rat, von dem man viel wird fordern müssen und können.

Dienstag, 9.11.2021, 21:30 Uhr

Präses Anna-Nicole Heinrich möchte die heutige Sitzung mit Dank an alle Beteiligten, KandidatInnen und Mitarbeiter:innen schließen. Aber zunächst muss noch ein Antrag in den passenden Ausschuss überwiesen werden.

Die neuen Ratsmitglieder erhalten eine „seriöse Ausgabe“ (O-Ton Präses) der Basis-Bibel. Nun treffen sich die Ausschüsse und der neue Rat zu seiner konstituierenden Sitzung. Zuvor erhält Präses Heinrich von Andreas Barner, dem „Alterspräsidenten“ des neuen Rates, ein Buch über Pinguine, „und zwar weil da drin steht, wie Pinguinen Kinder kriegen und großziehen“. Minimaler Cringe-Faktor am Bildschirm.

Und dann wird der Schluss für heute gemacht. Morgen Vormittag ab 9 Uhr findet dann die Wahl der Ratsvorsitzenden und ihres/ihrer Stellvertreter(in) statt.

Wir sind mit dem Live-Blog dann wieder mit dabei. Gute Nacht!


Mittwoch, 10.11.2021: Annette Kurschus wird EKD-Ratsvorsitzende, wichtige Beschlüsse, Synodale Arbeitsgruppen

Mittwoch, 10.11.2021, 8:35 Uhr

Guten Morgen! Ein herzliches Willkommen allen neuen Leser:innen und besonders natürlich jenen, die hier im Live-Blog seit Sonntag durchhalten! Heute biegt die 2. Tagung der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf die Zielgerade ein. Die Wahl der neuen Ratsvorsitzenden steht an. Außerdem wird ihr/e Stellvertreter/in gewählt. Anschließend tritt die Synode in die Beratung der Beschlussvorlagen ein und wird am Nachmittag auch inhaltliche Beschlüsse fassen, z.B. zur Einführung einer synodalen Kommission zur Missbrauchs-Aufarbeitung.

Mittwoch, 10.11.2021, 8:45 Uhr

Bevor die Sitzung der Synode wieder eröffnet wird, einige Vorbemerkungen zur Rolle und Wahl der Ratsvorsitzenden:

  • Der 15-köpfige Rat ist nach Selbstauskunft der EKD das „sichtbarste“ der drei Leitungsgremien. Das liegt vor allem am Amt der/des Ratsvorsitzenden, über das heute entschieden wird. Der Rat wird eine Person vorschlagen. Jedenfalls hat er es so immer gemacht. Und das wird mit großer Sicherheit die westfälische Präses Annette Kurschus sein, die bei der Ratswahl als einzige im ersten Wahlgang in den neuen Rat gewählt wurde. Die Wahl durch Synode und Kirchenkonferenz ist trotz sicherer Zustimmung trotzdem keine reine Formalität, denn die Höhe der Zustimmung ist durchaus entscheidend.
  • Einen weiteren Unterschied gibt es zur gestrigen Ratswahl noch: Gewählt wird die Ratsvorsitzende aus dem Kreis der Ratsmitglieder in zwei unabhängigen Wahlgängen von Synode und Kirchenkonferenz, in denen je eine 2/3-Mehrheit erreicht werden muss. Aber wir werden davon am Bildschirm kaum etwas mitbekommen, denn die Wahlgänge laufen natürlich parallel. Gestern mussten allerdings „nur“ 2/3 aller gültig abgegebenen Stimmen des gesamten Wahlkörpers aus EKD-Synode (128 Synodale) und Kirchenkonferenz (20 Personen) erzielt werden.

Der WDR-Journalist und EKD-Synodale Arnd Henze schreibt auf Facebook:

„Mit Annette Kurschus als designierte Ratsvorsitzende werden wir nach Heinrich Bedford-Strohm eine neue starke Stimme in der Öffentlichkeit bekommen: im Ton leise, in der Botschaft klar und beharrlich.“

Es stimmt, als Rampensau ist Annette Kurschus bisher nicht aufgefallen. Aber das Amt der Ratsvorsitzenden verändert sich nicht allein durch die Person, die es einnimmt. Das funktioniert auch in die andere Richtung. Kurschus hatte in ihrer Rede die Bedeutung von gemeinsamen Entscheidungen in Rat und Kirchenkonferenz betont. Daran wird sie sich messen lassen müssen. Öffentlichkeitswirksame Alleingänge sind von ihr nicht zu erwarten.

Gleichwohl braucht die Evangelische Kirche gelegentlich das Ziehen von der Spitze her, wie es Heinrich Bedford-Strohm zum Beispiel in der Frage der Seenotrettung vorgelebt hat. Zentralisierungstendenzen tritt eine Mehrheit der engagierten evangelischen Christ:innen entgegen. Weder will man eine Nationalkirche, noch einen Nationalbischof. Eine One-Man- oder One-Woman-Show entspricht eigentlich nicht dem evangelischen Geist.

Doch in der pluralen Mediengesellschaft werden Botschaften immer mit Gesichtern verknüpft und Landeskirchengrenzen werden zunehmend unwichtig. Allein die Ratsvorsitzende kann damit rechnen, dass ihr Wort im Konzert der gesellschaftlichen Akteure überhaupt noch gehört wird. Darum soll sie es klug einsetzen.

Mittwoch, 10.11.2021, 8:50 Uhr

Die Sitzung beginnt um 9 Uhr mit einer Morgenandacht. Den Livestream findet man hier.

Mittwoch, 10.11.2021, 9:25 Uhr

Während die Morgenandacht läuft, in der es um die Situation von (jungen) Wohnungslosen geht, ein paar Sätze zur außerdem anstehenden Wahl eines/r stellvertretenden Ratsvorsitzenden. Wenn hier alles so zugeht wie immer, wird Annette Kurschus neue Ratsvorsitzende, aber um den Stellvertreter(innen)-Posten wurde am Abend noch diskutiert.

Kirsten Fehrs ist im zweiten Wahlgang mit starkem Ergebnis in den neuen Rat eingezogen. Der Lutheranerin aus Hamburg fehlten im ersten Wahlgang nur 5 Stimmen. Die ursprüngliche Favoritin für den Ratsvorsitz könnte gut an herausgehobener Stelle für die EKD tätig werden. In einem Rat, in dem nicht allein die Ratsvorsitzende sichtbar sein soll, könnte sie gut Stellvertreterin sein.

Dann würde die EKD von drei Frauen in Leitungsämtern repräsentiert: Synoden-Präses-Amt, Ratsvorsitz und stellv. Ratsvorsitz alle weiblich besetzen? Dagegen gibt es unter den Synodalen auch Vorbehalte. Zur (reformierten) Ratsvorsitzenden aus Westfalen würde auch der lutherische Bischof Tobias Bilz aus Sachsen passen. In einer West-Ost-Achse würde der Sachse sicher nicht ständig auf der nationalen Bühne spielen, aber doch den eher konservativen Teil des Protestantismus repräsentieren.

Und auch der erst im 9. und letzten Wahlgang in den Rat gerutschte hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat Chancen. Und zwar wegen des gleichen Arguments, dem er überhaupt seine Wahl in den Rat gestern verdankt. Er geht 2024 in den Ruhestand, verlässt dann auch den Rat, und würde dort Platz machen. Vermutlich für eine(n) der neuen süddeutschen BischöfInnen, die bis dahin in Baden, Württemberg oder Bayern gewählt wurden. So jedenfalls die Absprache zwischen den Synodalen Gruppen.

Doch könnte dann auch der rheinische Präses (schon wieder ein Präses!) Thorsten Latzel (EKiR) in den Rat sneaken und durchaus auch Stellvertreter werden, um sich auf den Ratsvorsitz ab 2027 vorzubereiten.

Und zu guter letzt: Das Amt der/des Stellvertreterin muss nicht zwingend mit einer/m Leitenden Geistlichen besetzt werden. Benjamin Lassiwe schreibt in der Herder Korrespondenz:

„Nach dem Rücktritt von Margot Käßmann nämlich, als der damalige Rheinische Präses Nikolaus Schneider zum Ratsvorsitzenden aufrückte, übernahm der NDR-Journalist Uwe Michelsen, immerhin ordinierter Geistlicher im Ehrenamt, vorübergehend das Amt des Stellvertreters – und erfüllte diese Aufgabe mit Bravour. Weswegen vielleicht ein Aufschrei durch die Dienstzimmer der Bischöfe, Kirchenpräsidenten oder Präsides, ganz sicher aber nicht durch die EKD und ihre Landeskirchen als Ganzes gehen würde, würde die im Herbst 2021 tagende Synode jemanden zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden wählen, der selbst kein Landesbischof ist.“

Mittwoch, 10.11.2021, 9:28 Uhr

Als ältestes Ratsmitglied bringt Andreas Barner den Wahlvorschlag des Rates ein. Er lautet: Für das Amt der Ratsvorsitzenden Annette Kurschus. Und für das Amt der Stellvertreterin Kirsten Fehrs.

Mittwoch, 10.11.2021, 9:37 Uhr: Wahl der Ratsvorsitzenden

Germany’s Next EKD-Ratsvorsitzende ist Annette Kurschus. Sie wurde mit einem Ergebnis von 126 Ja-Stimmen gewählt (bei 140 gültigen Stimmen insgesamt). Ein starkes Ergebnis.

Mittwoch, 10.11.2021, 9:45 Uhr

In ihrer Dankesrede kommt Kurschus auf ihre Bewerbungsrede vom Sonntag zurück und wiederholt das Bild von den Rändern der Kirche und Gesellschaft:

Auch spricht sie direkt auch die Aufarbeitung des Missbrauchs an. Sie wolle Aufarbeitung jetzt zur „Chefinnen-Sache“ machen. Eine wichtige, richtige Zusage, an der man sie messen wird müssen.

„Wir wissen es auch nicht besser als andere, aber wir blicken anders in die Welt. Deshalb braucht uns die Welt. […] Das „Ober-Licht“ bleibt offen“, erklärt sie und meint damit natürlich die Zusage Gottes zu seiner Kirche. Anschließend dankt sie ihrem Vorgänger im Amt, Heinrich Bedford-Strohm. Sie schaut zuversichtlich in die Zukunft: Man gehe, „Gott weiß wohin“.

Mittwoch, 10.11.2021, 9:47 Uhr

Präses Anna-Nicole Heinrich spricht der neuen Ratsvorsitzenden ihre und die Unterstützung des gesamten Rates zu: „Gemeinsam werden wir das wuppen.“ Als Präses der Kirche von Westfalen kenne Kurschus „den Laden evangelische Kirche“ und man wolle im neuen Rat „ein starkes Team“ sein.

Die Wahlberechtigten wählen nun die stellvertretende Ratsvorsitzende.

Mittwoch, 10.11.2021, 9:55 Uhr: Wahl der stellv. Ratsvorsitzenden

Zur stellvertretenden Ratsvorsitzenden wurde Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck (Nordkirche), gewählt. Sie erhielt 116 Ja-Stimmen von insgesamt 139 gültig abgegebenen Stimmen.

Die Synode pausiert jetzt bis 10:15 Uhr.

Mittwoch, 10.11.2021, 10:45 Uhr

Die Synode setzt nun ihre Beratungen fort.

Zu den unterschiedlichen Themen der 2. Tagung sind anderswo Berichte erschienen, auf die wir gerne hinweisen:

  • Reinhard Mawick berichtet im evangelischen Magazin zeitzeichen über die Zukunft des „Verbindungsmodells“ von VELKD, UEK und EKD. Braucht die Evangelische Kirche die Vielfalt von Kirchenbünden oder reicht in Zukunft einfach die EKD zu?
  • Stephan Kosch berichtet bei zeitzeichen über die Finanz- und vor allem Sparpläne der EKD und deren Umsetzung in den kommenden Jahren. (Haushaltsdebatte fand am Montagabend statt.)
  • Und in der Süddeutschen Zeitung betrachtet Annette Zoch Person und Performance von EKD-Synoden-Präses Anna-Nicole Heinrich auf dieser Tagung: „[A]uf der Tagung der EKD-Synode hat Anna-Nicole Heinrich gezeigt, dass sie das Amt nicht nur mit coolen Sprüchen füllt, sondern auch mit Kompetenz und Inhalten. Souverän, ruhig und mit großer Präzision lenkt sie die Tagung – obwohl sie nur Stunden vor Beginn komplett umgeplant werden musste.“

Mittwoch, 10.11.2021, 12:10 Uhr: Was sind Synodale Arbeitsgruppen?

Weil ich von einigen Personen nach den Synodalen (Arbeits-)Gruppen gefragt wurde, die gestern bei der Ratswahl eine wichtige Rolle gespielt haben und deren SprecherInnen auch im Livestream Erwähnung fanden bzw. nach Ende der Wahlhandlungen auch zu Wort kamen, hier ein paar Erklärungen dazu.

Die Geschäftsordnung der EKD-Synode sieht in § 27 die Möglichkeit der Einrichtung von Synodalen Arbeitsgruppen vor. Der Zutritt zu einer Arbeitsgruppe ist frei und kein:e Synodale:r darf von der Mitarbeit in einer bestimmten Gruppe ausgeschlossen werden. Die Synodalen Arbeitsgruppen dienen der „Vorbereitung, der Beratung und Willensbildung“ innerhalb der Synode und sind keine „Kirchenparteien“. Zu ihnen wird offen eingeladen und ihnen wird im Rahmen der Synoden-Tagungen offiziell Zeit für ihre Treffen eingeräumt. Es dürfen keine Eingriffe in das freie Mandat der Synodalen angestrebt werden.

In der EKD-Synode gibt es gegenwärtig drei Arbeitsgruppen: Die „Gruppe Offene Kirche“, die „Synodale Arbeitsgruppe Lebendige Kirche“ und den „Gesprächskreis“. Ähnlichkeiten mit den „Kirchenparteien“ in Württemberg sind nicht zufällig. In der „Lebendigen Kirche“ treffen sich theologisch konservative Synodale mit Hang oder Bindung zur evangelikalen Bewegung mit einem Schwerpunkt in Süddeutschland. Bei der „GOK“ gehts norddeutscher und liberaler zu. Der „Gesprächskreis“ steht irgendwo dazwischen. „Lebendig“ sind von den 128 Synodalen ungefähr 40, „offen“ ca. 50-60. Genaue Angaben sind schwierig, weil a) der Besuch auch unterschiedlicher Arbeitsgruppen den Synodalen ja freigestellt ist und b) die Synode wegen fu**ing Corona ja am Bildschirm sitzt und man daher nicht beobachten kann, wer in welchen Tagungssaal huscht.

Es gibt neben diesen Gruppen auch andere „Allianzen“, z.B. halten die ehemaligen EKD-Jugenddelegierten und ganz generell die jüngeren Mitglieder der Synode zusammen und verfolgen gemeinsame Anliegen über Frömmigkeitsgrenzen hinweg. Und für die inhaltliche Arbeit in den Ausschüssen der Synode – die wie die Arbeitsgruppen nicht öffentlich tagen – sind andere Fragen wichtiger als die Zugehörigkeit zu einer Synodalen Arbeitsgruppe. Ein erfahrener Synodaler erklärt mir die Bedeutung der Gruppen gerade für neue Synodale so: „Die Gruppen sind wichtig, um geschützt Fragen stellen zu können und Diskussionen gut vorzubereiten.“

Bei Wahlen allerdings sind sie unverzichtbar. Bei Ratswahlen müssen die KandidatInnen eine 2/3-Mehrheit erreichen. Wenn nun alle Synodalen nach einem trial-and-error-System ohne Koordination abstimmten, würde man wohl wochenlang wählen. Da ist es schon wichtig, dass sich die Synodalen in Gruppen absprechen, in welchen Wahlgängen man welchen KandidatInnen Stimmen geben wird. Auf diesem Weg können dann auch 2/3-Mehrheiten, gestern zwischen 96-98 Stimmen, erreicht werden.

Daran sieht man auch: KandidatInnen, die nur in einer Gruppe Rückhalt genießen, haben es sehr schwer. Sie können es nur schaffen, wenn sie z.B. Teil einer Paketlösung werden. Das erklärt auch, was einige Beobachter:innen und Leser:innen gestern verstört hat. Nämlich, dass einige offenbar aussichtslose KandidatInnen weiter im Rennen blieben. Ihre Kandidaturen wurden als Gegengewicht in den Verhandlungen zwischen den Gruppen benötigt.

Wer sich ein wenig bemüht, kann aus den Wahlgang-Ergebnissen herauslesen, was die Synodalen versucht haben. Z.B. im 4. Wahlgang, in dem drei spätere Ratsmitglieder noch ganz knapp an der 2/3-Mehrheit scheiterten. Das war so nicht (von allen) geplant. Der 8. (und vorletzte) Wahlgang ist dagegen ein gemeinschaftlicher „Unfall“, weil er so schnell nach dem 7. eingeleitet wurde. (Die GruppensprecherInnen waren nicht fix genug bei der Beantragung einer Gruppenphase bzw. die digitale Tagung hat da Grenzen.)

Und damit sollte auch transparent genug sein, was die Synodalen am frühen Abend vor dem 9. und letzten Wahlgang ausgehandelt haben. Wäre nämlich statt Volker Jung der Bischof der EKBO Christian Stäblein in den Rat gewählt worden, hätte es dort a) drei EKBOrianerInnen gegeben, denn Anna von Notz und Silke Lechner waren ja auch noch im Spiel, und b) in drei Jahren keine Möglichkeit, den ausscheidenden Jung durch eine(n) der neuen süddeutschen BischöfInnen zu ersetzen.

Das aber war den süddeutschen Synodalen ein wichtiges Anliegen, nachdem klar war, dass es Frank Hermann nicht in den Rat schafft. Denn dort saß als Angebot an „die frommen im Lande“ ja schon seit dem 5. Wahlgang Michael Diener. Die Synode hat also zugleich das Fenster für eine(n) süddeutsche(n), konservative(n) KandidatIn in drei Jahren offen gelassen und mit Lechner und von Notz zwei weitere kirchenjunge, versierte und vernetzte Frauen in den Rat gewählt.

Mittwoch, 10.11.2021, 15:10 Uhr

In die Reihe der Gratulant:innen aus Kirche und Ökumene reiht sich auch die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann ein. Der Eule sagte sie auf Nachfrage am Mittag:

„Ich freue mich riesig, ja bin begeistert, dass drei kompetente Frauen nun die Evangelische Kirche in Deutschland leiten. Das ist ein Signal für viele Frauen in den Kirchen, vielleicht sogar den Religionen dieser Welt. Sie tragen ja seit Jahrhunderten unsere Kirchen, tradieren den Glauben, wurden und werden aber meist an den Rand gedrängt, wenn es um Repräsentation, Bilder, Entscheidungen geht.“

Mit Annette Kurschus wurde heute erst die zweite Frau seit Gründung der EKD im Jahre 1948 in das Amt der EKD-Ratsvorsitzenden gewählt. Ihre Vorgängerin Margot Käßmann (Ratsvorsitzende 2009-2010) gratuliert und sieht die Wahl als Hoffnungszeichen:

„Als Bischöfin habe ich gerade bei Auslandsreisen oft erlebt, wie ermutigend es für andere Frauen sein kann, zu erleben: Veränderung ist möglich. Aber „eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Es ist gut, dass jetzt auch bildlich sichtbar wird, was theologisch schon lange klar ist: Im christlichen Glauben gibt es keine Hierarchie zwischen Männern und Frauen. Toll, dass die EKD so klar öffentlich dazu steht.“

Mittwoch, 10.11.2021, 16:45 Uhr

Wie alt ist der neue Rat? Ich hatte ihn ja schon an verschiedenen Stellen als „kirchenjung“ bezeichnet, weil ihm immerhin drei Frauen unter 40 Jahren angehören. Gleichzeitig sind die wirklich jungen (<20) im Rat genauso schlecht vertreten wie die wirklich alten Menschen (>70). Es sind ja nicht nur die Erfahrungen der Jungen die zählen, sondern auch die derjenigen, die in den Kirchgemeinden oft die Dinge am Laufen halten.

Die Synode hat „jung“ gewählt, wenn man sich einmal die Möglichkeiten unter den KandidatInnen vergegenwärtigt. Die KandidatInnen hatten ein Durchschnittsalter von 53 Jahren, der neue Rat hat ein Durchschnittsalter von 52 Jahren. Das wirkt erstmal nach nicht viel, verdeckt aber, dass es bei der Wahl eben viele (späte) Baby-Boomer nicht in Rat geschafft haben, wie es früher üblich war. Das zeigt ganz gut die nachstehende Grafik:

Statt noch mehr Boomern, die durch die Personen in den bischöflichen Leitungsämtern eh schon genug vertreten sind, haben wir nun im Rat zwei junge berufstätige Mütter. Silke Lechner (*1974) und Präses Anna-Nicole Heinrich komplettieren das Quartett der unter 50-jährigen. Zur Alterskohorte 60+ gehören: Bischöfin Kirsten Fehrs (60), Kirchenpräsident Volker Jung und der ehemalige Boehringer Ingelheim Boss Andreas Barner.

Mittwoch, 10.11.2021, 16:55 Uhr

Nachdem die Beschlussfassung zu Ende gegangen ist, schließt die Präses die Sitzung der 2. Tagung der 13. Synode der EKD. Heute Abend um dreiviertel Sieben findet der Schlussgottesdienst mit Einführung des neuen Rates statt. Die Predigt hält Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (ELKB).

Und damit machen wir auch hier im Live-Blog Schluss. Vielen Dank fürs Mitlesen und Fragen stellen, diskutieren und hoffentlich auch schmunzeln! Die Eule lebt vom Engagement ihrer Leser:innen – wirklich, nicht nur sprichwörtlich. Damit die Eule fliegen kann brauchen wir Eure Unterstützung: Schließe jetzt ein Eule-Abo ab! Ab 3 € im Monat bist Du dabei.


(Der besseren Lesbarkeit wegen wurde der Live-Blog in vorwärts-chronologische Reihenfolge gebracht.)

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