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Ist die Luft raus? – Die #LaTdH vom 30. März

Die Kirchenstatistiken verheißen für die Zukunft der Kirchen wenig Gutes. Außerdem: Neue leitende Geistliche und alte Probleme bei der Aufarbeitung in der Evangelischen Kirche.

Herzlich Willkommen!

Das Nachrichten-Portal der Katholischen Kirche in Deutschland, katholisch.de, brachte in dieser Woche eine Meldung der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), in der berichtet wurde, dass in der Kirche Sankt Antonius in Düsseldorf ein Luftballon seit Weihnachten unter der Decke schwebe. Zuerst hatte das Kölner Domradio sogar mit einem Interview über den „Vorfall“ berichtet.

In den weiteren wichtigen Kirchennachrichten der Woche wurden am Donnerstag, erstmals seit 2021 wieder zeitgleich, die Kirchenmitgliedschaftszahlen für das vergangene Jahr 2024 von Evangelischer und Katholischer Kirche veröffentlicht. Üblicherweise ist dies ein Tag des Heulens und Zähneklapperns, das aber in diesem Jahr merklich leiser ausfällt: Immerhin sind die Kirchenaustritte aus der römisch-katholischen Kirche um 20 % zurückgegangen (evangelisch: minus 8 %). Kündigt sich da etwa eine Trendwende, gar ein Höhenflug an? Doch wie auch bei einem mit Helium gefüllten Metallic-Ballon: Irgendwann muss man auf den Boden der Tatsachen zurückkehren.

Die Zahl der Taufen und der weiteren Sakramentsspendungen / Kasualien ist flächendeckend weiter gesunken – zum Teil drastisch, trotz Werbekampagnen und vieler Aktionen. Sie haben sich in den vergangenen Jahren nahezu halbiert, während die Kirchenmitgliedschaft „nur“ um rund ein Viertel zurückgegangen ist. Vor allem: Beide Kirchen liegen über der Quote von Kirchenaustritten, die im Jahr 2019 von der sog. Freiburger Projektion zugrunde gelegte wurde. Und die Projektion 2060 sprach auf dieser inzwischen überholten Grundlage schon von einer Halbierung der Evangelischen Kirche auf 10 Millionen Mitglieder. In den (Erz-)Bistümern und evangelischen Landeskirchen hat das große Streichkonzert längst begonnen, auch wenn es einige noch nicht so recht wahrhaben wollen.

Über die neuen Kirchenstatistiken, den Angriff von CDU/CSU auf die Entwicklungszusammenarbeit und die neuen Entwicklungen beim Themenschwerpunkt „Missbrauch evangelisch“ haben Podcast-Host Michael Greder und ich im Monatsrückblick „RE: März 2025“ des „Eule-Podcast“ gesprochen – die Episode ist ganz frisch heute Morgen erschienen. Hören Sie rein! Wir freuen uns auch, wenn Sie den „Eule-Podcast“ und Die Eule weiterempfehlen!

Eine gute Woche wünscht
Philipp Greifenstein

PS: Die #LaTdH und die ganze Eule werden von den Leser:innen selbst ermöglicht! Die Eule ist ein unabhängiges Magazin und erhält keine Unterstützung von Kirchen oder Religionsgemeinschaften. Werden Sie Eule-Abonnent:in! Schon ab 3 € im Monat sind Sie dabei.


Debatte

Die Verkündung der Kirchenmitgliedschaftszahlen gehört eigentlich zu den inzwischen selten gewordenen Terminen im Jahreslauf, zu denen die Kirchen überhaupt medial vermittelt zum Gesprächsgegenstand werden. In diesem Jahr aber fällt das Echo – berichtigen Sie mich gerne! – doch merklich geringer aus. Besonders die Kirchenmedien halten sich zurück. Na ja, schlechte Nachrichten gefallen den Chef:innen auch nicht so gut! Und trotz des Rückgangs bei den Kirchenaustritten, so richtig gut läuft es nicht.

Kirchen haben 2024 mehr als eine Million Mitglieder verloren – Reinhard Bingener (FAZ)

Die Frankfurter Allgemeine berichtet getreulich über Kirchenangelegenheiten und so ist es Reinhard Bingener zugefallen, die neuen Kirchenmitgliedschaftszahlen in einem knackigen Artikel zusammenzufassen. Zu Wort kommen außerdem die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck / Nordkirche), und Fabian Peters. Peters hat an der Freiburger Projektion (s.o.) mitgearbeitet und wirkt inzwischen als Dezernent für Finanzmanagement und Informationstechnologie im Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (ELKWUE, s. auch „nachgefasst II“).

Dort wurde auf der Frühjahrstagung der Landessynode gerade eine „Zäsur im Finanzverhalten“ der Landeskirche beschlossen, mit der sich aber ausweislich der ausführlichen Pressemitteilung längst nicht alle anfreunden können. In der ELKWUE klafft ein Loch von 1 Milliarde Euro (1.000.000.000 €) in der Altersvorsorge der Kirchenbediensteten. Und genau diese Milliarde soll nun in den kommenden Jahren eingespart werden. Doch zurück zum FAZ-Artikel, in dem Peters zu den Kirchenaustritten und zum Rückgang der Taufen sagt:

Der württembergische Finanzdezernent Fabian Peters misst dem leichten Rückgang der Austrittszahlen keine große Bedeutung zu. Peters […] sagte der F.A.Z., die Austrittszahlen lägen „nun im dritten Jahr auf ungefähr dem gleichen Niveau“. Man müsse davon ausgehen, dass die Zahlen weiterhin auf diesem Niveau verharren. Den Rückgang der Taufzahlen hält der Volkswirt für absehbar. „Es gibt einfach immer weniger Leute, die Kinder kriegen und in der Kirche sind.“ Die Kirche habe dadurch ein geringes Potential, die negative Mitgliederentwicklung zu drehen. Wer in der Kirche sei, ließe Kinder aber weiterhin meist taufen, sagte Peters.

In einem ausführlicheren Artikel hinter der Bezahlschranke der FAZ schreiben Reinhard Bingener und Thomas Jansen auch über sog. „Taufunterlassungen“, „also kirchlich gebundene Eltern, die dennoch auf die Taufe ihrer Kinder verzichten“. Im Vergleich zu den Effekten des demographischen Wandels sei das ein weniger großes Problem, erklärt Fabian Peters dort. Trotzdem:

Nicht selten fehlt Eltern aber auch der Kontakt zur örtlichen Gemeinde, oder sie scheuen den Aufwand für ein größeres Familienfest. Die evangelische Kirche steuert hier neuerdings mit einer Taufinitiative gegen, die einen niedrigschwelligen, eher eventförmigen Zugang zur Taufe ermöglichen soll, auch im Rahmen von gemeinschaftlichen Tauffesten. Die EKD will diese Anstrengungen fortsetzen und verstärken.

Bedenklich: Im „Jahr der Taufe“ 2023 waren die Taufzahlen trotz Kampagne, die auch 2024 fortgesetzt wurde, stark zurückgegangen. Das lag aber auch daran, dass die Nachholeffekte am Ausgang der Corona-Pandemie nachgelassen hatten. Eine andere Zahl aus den aktuellen Kirchenstatistiken aber macht deutlich, dass kreatives Engagement sich doch lohnen kann: In der bayerischen Landeskirche (ELKB) verdoppelte sich 2024 die Zahl der Trauungen im Vergleich zum Vorjahr fast. Ein Effekt der Segens- und Trauungsaktionen („einfach heiraten“), über die wir hier im „Eule-Podcast“ gesprochen haben? Jedenfalls war ein ähnlicher Zuwachs in den bayerischen (Erz-)Bistümern nicht zu beobachten.

In ihrem Artikel widmen sich Bingener und Jansen noch einer anderen Kennzahl aus der römisch-katholischen Kirche:

Noch nie sind in Deutschland weniger Männer Priester geworden als im Jahr 2024: In den 27 deutschen Bistümern wurden insgesamt nur noch 29 Priester geweiht, im Vorjahr waren es 38. Keine Kennziffer ist in den vergangenen Jahrzehnten stärker geschrumpft: 2014 gab es noch 75 neue Priester, zehn Jahre zuvor 112, und 1994 waren es 214. In mehreren Bistümern fand keine einzige Priesterweihe statt, im mitgliederstarken Bistum Münster schon das zweite Jahr in Folge, Ostdeutschland verzeichnete nur zwei Priesterweihen. Die Zahl der Priester in Deutschland, die derzeit noch bei mehr als 11.000 liegt, wird daher in den kommenden Jahren drastisch abnehmen, für die derzeit noch rund 9300 Pfarreien und knapp zwanzig Millionen Katholiken wird es kaum noch Pfarrer geben.

Eine Studie im Auftrag der Bischofskonferenz kam 2024 zu dem Ergebnis, dass die Zahlen auch deswegen einbrechen, weil junge Priester überwiegend aus jenen Milieus stammen, die stark erodieren: aus rein katholischen, kinderreichen Familien mit enger Bindung an die örtliche Kirchengemeinde. […] Außerdem stützt die Studie die These, dass der Pflichtzölibat ein maßgeblicher Grund für am Priesteramt interessierte junge Männer ist, sich letztlich dagegen zu entscheiden. Die Autoren empfehlen daher dessen Abschaffung und neue Werbestrategien […].

Über die angesprochene Studie (PDF) des Zentrums für angewandte Pastoralforschung (zap) in Bochum berichteten wir in den #LaTdH vom 19. Mai 2024. Die römisch-katholische Kirche in Deutschland ist in der Fläche schon längst keine „Priesterkirche“ mehr, aber die Selbstbild-Debatten unter diesem Eindruck werden doch noch recht verschämt geführt. Bemerkenswert: Neuerdings ist das Bistum Münster die mitgliederstärkste deutsche Diözese (Erzbistum Köln im Jahr 2024 nur noch auf Platz 2) – aber ohne Priesternachwuchs.

Realitätscheck durch „Zahlenmystik“ – Philipp Greifenstein

Die Dynamik der Kirchenaustritte ist auch Thema in meiner Analyse der aktuellen Kirchenmitgliedschaftszahlen. Die langfristigen Entwicklungen machen schwierige Entscheidungen nötig. Was die Statistiken der Kirchen über ihre Zukunft verraten:

Braucht es gar keinen „Neuanfang“, sondern vielmehr eine Besinnung auf die eigenen Stärken? Doch Obacht: Damit kann nicht gemeint sein, sich als Kirche zu einem „heiligen Rest“ zurückzuentwickeln. Wer unter diesem Banner einem Rückzug der Kirchen aus gesellschaftlichen und politischen Engagements das Wort redet, unterschätzt die Dynamiken von Individualisierung und Säkularisierung gleichermaßen. Verzwergt sich die Kirche selbst, wie Thorsten Latzel befürchtet, verstärkt sie nur jene gesellschaftlichen und demografischen Entwicklungen, die zu ihrem Schrumpfen und Bedeutungsverlust beitragen.

Im Artikel komme ich auf die Einordnung der neuen Kirchenstatistiken durch den katholischen Theologieprofessor Gregor Maria Hoff im Interview mit der Rheinischen Post und die ermutigende Interpretation des Schrumpfens durch den rheinischen Präses Thorsten Latzel zu sprechen sowie auf die Ergebnisse der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, die doch mit dem Zahlenmaterial erstaunlich korrespondieren.

Erinnert sei zum Schluss auch an die Untersuchung der Kirchenaustritte seit 2018 (PDF, Zusammenfassung) von Petra-Angela Ahrens für das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (SI-EKD), die auf einer Befragung von Menschen basiert, die aus den Kirchen ausgetreten sind. Sie hielt fest:

Mit 55 % (vormals Evangelische) bzw. 62 % (vormals Katholische) haben auch Kosten-Nutzen-Abwägungen einen hohen Stellenwert. Eine zeitweise Verminderung/Aussetzung der Kirchensteuer hätte ihren Austrittsentschluss jedoch kaum verhindern können. Bei den weiterreichenden Gründen für den Kirchenaustritt kristallisiert sich die persönliche Irrelevanz von (christlicher) Religion und Kirche als eine offenbar überdauernde Dimension heraus. Sie trifft bei vormals Evangelischen und Katholischen gleichermaßen auf deutlich überwiegende Zustimmung.

In besonderer Klarheit ist in dieser Dimension bei den vormals Evangelischen auch die Ersparnis der Kirchensteuer angesiedelt, die mit 71 % zustimmenden Voten die Rangfolge der Gründe anführt. Damit bestätigt sich die geläufige Figur der „Kosten-Nutzen-Abwägungen“ zur Kirchenmitgliedschaft, die bei fehlender religiös-kirchlicher (Ein-)Bindung die Kirchensteuer als Kostenseite bewusst werden lässt und den Austritt wahrscheinlich(er) macht. Auch in diesem Zusammenhang erweist sich das Alter als wichtiger Faktor: Jüngere stimmen den Aussagen dieser Dimension wesentlich häufiger zu als Ältere.

nachgefasst I: Personalia

Die bisherige Regionalbischöfin des Sprengels Hildesheim-Göttingen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Adelheid Ruck-Schröder, wird neue Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und damit Nachfolgerin der 2023 zurückgetretenen Annette Kurschus (wir berichteten). Die Mitglieder der westfälischen Landessynode wählten die Theologin mit überwältigender Mehrheit (136 von 141 abgegebenen Stimmen). Eine:n Gegenkandidat:in gab es nicht.

Call me prinzipienreiterisch, aber eine Wahl einer leitenden Geistlichen in einer evangelischen Landeskirche ohne wirkliche Personalauswahl – muss das sein? Nachdem die Wahl ja schon einmal wegen des Ausfalls des einzigen Kandidaten verschoben wurde (s. #LaTdH vom 1. September 2024), sind nun zwei Kandidat:innen, die vom Nominierungsausschuss vorgeschlagen wurden, gar nicht erst angetreten. Es gab also keinen „Super-GAU“, wie Benjamin Lassiwe in der Herder Korrespondenz noch im September das wählerische Hin und Her nannte, aber eine Glanzstunde evangelischer Synodalität war es sicher auch nicht. Immerhin: Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Protestantismus werden also (demnächst) 7 von 20 evangelischen Landeskirchen von einer Frau im höchsten geistlichen Leitungsamt vertreten.

In der allerkleinsten EKD-Gliedkirche, der Evangelischen Landeskirche Anhalts, wurde gestern Karsten Wolkenhauer in das Amt des Kirchenpräsidenten eingeführt. Im Interview von Benjamin Lassiwe beim Domradio erklärt er ein wenig, wie er sich die Zukunft des – in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) leicht despektierlich so genannten – „Kirchenkreis Dessau“ vorstellt. Wolkenhauer ist Ehemann der Bevollmächtigten der EKD, Prälatin Anne Gidion (s.u.). Auch in der Kirche Anhalts hatte sich die Wahl eines Nachfolgers für den schon aus dem Amt geschiedenen Kirchenpräsidenten Joachim Liebig dahingeschleppt. Es brauchte zwei Anläufe.

nachgefasst II: Missbrauch evangelisch

Start der URAKs: Alle an einem Tisch? – Philipp Greifenstein (Die Eule)

Eigentlich sollen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in diesen Tagen die Unabhängigen regionalen Aufarbeitungskomissionen (URAKs) ihre Arbeit aufnehmen. Doch in mindestens drei von neun Verbünden gibt es Probleme. In Niedersachsen und Sachsen konnten die Kommissionen bisher nicht gebildet werden (s. #LaTdH vom 16. März). Die sächsische Landesregierung hat nun immerhin die externen Expert:innen für die Kommission benannt.

In Württemberg wurden die Betroffenenvertreter:innen „kommissarisch“ benannt und nicht – wie in der „Gemeinsamen Erklärung“ von EKD/Diakonie mit der UBSKM vorgesehen – von einer Betroffenenvertretung gewählt. Die Bildung der Betroffenenvertretung und ordentliche Wahl der Betroffenenvertreter:innen in der URAK will man „bis zur Sommerpause“ nachholen, gab die württembergische Landeskirche auf ihrer Frühjahrssynode (27.-29.3.2025) bekannt, ohne die Gründe für das abweichende Vorgehen zu erläutern. Die „kommissarischen“ Betroffenenvertreter nahmen an der Sitzung der Synode aus persönlichen Gründen nicht teil, die VertreterInnen von Kirche und Diakonie und die externen Expert:innen erhielten „Kraftpakete“ und warmen Applaus von der Synode. Ein mindestens irritierendes Bild.

Auch aus weiteren Verbünden haben Die Eule in den vergangenen Monaten Hinweise auf Schwierigkeiten erreicht. Betroffene sexualisierter Gewalt, Mitarbeitende von Kirche und Diakonie sowie externe Expert:innen sprachen mit der Eule unter der Bedingung der Verschwiegenheit. Die aufgetretenen Probleme drehen sich im Wesentlichen um Unsicherheiten, die bereits in der „Gemeinsamen Erklärung“ von EKD/Diakonie und UBSKM angelegt sind.

Vergangene Woche hatte ich in der Eule über die neue Richtlinie für Anerkennungsleistungen für die Evangelische Kirche und Diakonie berichtet. Ein „Meilenstein“, aber mit Vorbehalt. Bis Januar 2026 sollen neue Kommissionen gebildet werden, die für die Anerkennungsleistungen zuständig sind. Was bedeuten die URAK-Probleme für diesen anderen, ebenso komplizierten Prozess? Darüber habe ich in der aktuellen Episode des „Eule-Podcasts“ ausführlich gesprochen.

Buntes

„House Of One“: Verständigung wird durch Anschläge wichtiger – Christoph Paul Hartmann (katholisch.de)

Einen neuen Termin für die Eröffnung des gemeinsamen Hauses der abrahamitischen Religionen in Berlin, „House of One“, gibt es nicht – derzeit passiert auf der Baustelle nichts. Christoph Paul Hartmann von katholisch.de hat sich beim Projekt umgehört, warum es derzeit mit dem Bau lahmt und trotzdem reichlich Aktivität herrscht:

Gleichzeitig ist ein anderer Strang des Projekts immer wichtiger geworden: Die gemeinsame Bildungsarbeit. Denn durch die Anschläge in Aschaffenburg, Mannheim oder München ist die Nachfrage nach Formaten zum interreligiösen und interkulturellen Dialog gestiegen, sagt etwa Bildungsreferent Osman Örs: „Schon seit dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz haben wir hier steigende Zahlen von Anfragen. Durch solche Anschläge wird etwa die Brücke zwischen Juden und Muslimen immer wieder auf die Probe gestellt.“

Schulen, Polizei, Pflege: Überall wollten Institutionen und Gruppen nun von zwei Vertretern verschiedener Religionen besucht werden, die zeigten, wie man auch über theologische Differenzen hinweg zu einer Verständigung komme. „Es gibt an vielen Stellen eine große Hilflosigkeit der gesellschaftlichen Vielfalt gegenüber.“

Neustart unter weißer Kuppel – Stephan Kosch (zeitzeichen, €)

Wir bleiben in Berlin, aber wechseln in einen gerade eben erst fertiggestellten Kirchenbau. In der frisch sanierten St. Hedwigs-Kathedrale fand am Dienstag der Ökumenische Gottesdienst zur Konstituierung des neu gewählten Deutschen Bundestages statt, berichtet Stephan Kosch für die zeitzeichen. Die Predigt von Prälat Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros Berlin, gibt es hier als PDF und das Grußwort von Prälatin Anne Gidion, Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, hier als PDF. Jüsten predigte u.a.:

Die Erfahrung lehrt, dass in die Demokratie vertraut wird, wenn von Politikerinnen und Politikern sowie von ihren Institutionen ein anspruchsvolles Ethos gelebt wird und wenn sich die Ergebnisse des Parlaments sehen lassen können. Wir stehen als Gesellschaft vor großen Herausforderungen. Bürgerinnen und Bürger erwarten Antworten von Regierung und Parlament. Diese müssen am Gemeinwohl ausgerichtet sein. Das verlangt viel von Ihnen, den Regierenden, den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, aber auch von allen in unserem Land. Es bedeutet, demütig zu sein, verzichten zu können, einander zuzuhören, das Argument des anderen zu wägen und Kompromisse einzugehen.

Ein guter Satz

„Den Optimismus als Willen zur Zukunft soll niemand verächtlich machen.“

– Dietrich Bonhoeffer, „Widerstand und Ergebung“, gefunden hier


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