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Macht. Kirche. Spaß? – Die #LaTdH vom 23. Februar

Zweifel und Hoffnungen werden in der katholischen Kirche im Nachgang von „Querida Amazonia“ laut. Außerdem: Karnevalekse Gläubige und stürzende Glaubenshelden.

Debatte

In den Tagen seit Erscheinen des nachsynodalen Schreibens „Querida Amazonia“ (vgl. die #LaTdH vom letzten Sonntag) gibt es weiterhin sehr viele gegensätzliche Einschätzungen und Prognosen über die Auswirkungen für den „Synodalen Weg“ in Deutschland.

Papst Franziskus macht mit dem Ausschluss von Frauen weiter – Catholic Women’s Council (kreuz und quer)

Der „Catholic Women’s Council“, ein Dachverband für katholische Frauennetzwerke auf der ganzen Welt, die sich für die volle Anerkennung der Würde und Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche einsetzen, hat seine Besorgnis über die Darstellung von Frauen im nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Querida Amazonia“ durch Papst Franziskus zum Ausdruck gebracht.

In der Stellungnahme wird anerkannt, dass in der poetischen Vision des Papstes für Amazoniens Kirche, seine Kulturen und seinen bedrohten ökologischen Reichtum große Einsicht und Weisheit steckt, doch zugleich zutiefst bedauert, dass Frauen wieder einmal nicht als voll einsetzbare und gleichberechtigte Teilnehmerinnen am Kampf für soziale und ökologische Gerechtigkeit und am sakramentalen Leben der Kirche geachtet werden.

„Zölibat ist nicht höher zu gewichten als die Eucharistie“ – Interview mit Bischof Erwin Kräutler (kath.ch)

Erwin Kräutler, der ehemalige Bischof von Xingu (Brasilien), war maßgeblich an der Amazonas-Synode und deren Vorbereitung beteiligt. Im Interview mit @kathch zeigt er sich zufrieden mit den ersten drei Visionen von „Querida Amazonia“. Enttäuscht ist er aber über fehlende Reformen beim Zölibat und bei der Frauenfrage:

Um ehrlich zu sein, ich weiss nicht, wie ich das den Gläubigen erklären soll. Ich habe wirklich grössere Fortschritte bei diesem Thema erwartet, denn es ist eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit. Das Problem ist, wenn wir im Amazonasgebiet von „Ämtern“ sprechen, kehren wir zu den Modellen der Vergangenheit zurück.

Wir hatten gehofft, diese Synode würde es ermöglichen, Strukturen tiefgehend zu hinterfragen, um sie zu verändern. Wir können nicht mit Strukturen fortfahren, die aus früheren Jahrhunderten stammen. Die Welt verändert sich, und in gewissen Punkten muss sich auch die Kirche verändern.

Michael Böhnke will in dem Text hingegen eine erstaunliche Entdeckung gemacht haben: Franziskus habe ein klerikales Monopol geknackt und sich dabei auf die bereits lang andauernde und auszubauende laikale pastorale Praxis in Südamerika berufen, schreibt der Professor für systematische Theologie in Wuppertal auf katholisch.de.

In persona mariae: Das nachsynodale Schreiben Querida Amazonia und seine Folgen für die Frauen – Thomas Schüller (feinschwarz.net)

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller (@tschueller61) unternimmt bei @feinschwarz_net mit spitzer Feder „theologische Rettungsversuche in Form einer Glosse und zugleich kirchenrechtlichen Optionierung“:

Freimütig sollten die Synodalen für die Rechte der Frauen in der Kirche eintreten, Recht verändern, wenn es untauglich oder gar Unrecht geworden ist – und das tun, was nun einmal not tut in Deutschland. Auch wenn man dann vielleicht nicht mehr alphabetisch gleichgestaltet, schiedlich-friedlich laikal-episkopal beieinandersitzt, sondern sich richtig streiten muss. Vielleicht wäre das zumindest einen letzten Versuch wert, nun, da schon fast alle Hoffnung verloren ist.

Unter dem Titel „Roma locuta – causa non finita“ unterbreitet der Pastoraltheologe Erich Garhammer im Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK) zwölf Vorschläge für die Kirchenreform auf dem Synodalen Weg:

Sollte man nicht zur anvisierten Einmütigkeit kommen, ist auch dieser Weg nicht gescheitert. Mindestens die Hälfte der deutschen Bischöfe hat sich nach der Amazoniensynode für die Möglichkeit der viri probati, für eine Aufhebung des Zölibats und für eine Öffnung der kirchlichen Ämter für Frauen ausgesprochen. Diesen Weg hat ihnen nun der Papst nicht abgenommen, sie dürfen (müssen) ihn nun selber gehen und können ihn in ihren Diözesen umsetzen – mit guten Argumenten und in Absprache mit Rom.

Die Befürchtung, dass es dadurch zur Spaltung zwischen den einzelnen Diözesen komme, muss dabei nicht abschrecken. (…) Diese Unterschiede brauchen dann nicht mehr gekittet zu werden, sondern sollen deutlich werden. Dann müssen sich einzelne Bischöfe bei ihren Gläubigen für ihren Weg rechtfertigen – mit Argumenten und nicht mit leicht durchschaubaren Ausweichmanövern.

Sackgasse synodaler Weg? – Ottmar Fuchs (feinschwarz.net)

Für den emeritierten Pastoraltheologen Ottmar Fuchs ist @DerSynodaleWeg nur dann keine Sackgasse, wenn die Sackgasse selbst theologisch und emotional thematisiert wird:

Es muss besprochen werden, wie man/frau in dieser Kirche weiterleben kann und was zu tun ist, wenn genau diese Hoffnung ins Leere geht, welche Hoffnungen gibt es dann noch? Und welche Verantwortungen: um der katholischen Gemeinden willen, um all dessen willen, was den faszinierenden Schatz der katholischen Identität in Liturgie, Pastoral und Theologie ausmacht? Um der Caritasinstitutionen willen?

Oder: Welche Theologie und welches Berufungsverständnis wären zu entwickeln, um die Konversion in andere christliche Kirchen, in die evangelische Kirche, in die anglikanische Kirche, in den Blick zu nehmen und vom Makel des Scheiterns und Sündhaften zu befreien? Ist der besagte Dissens Grund genug, die katholische Kirche zu verlassen? Spätestens ab jetzt ist diese Frage „Wie Dabeibleiben oder wie Weggehen?“ konstitutiv in das Zentrum der Agenda der Synode aufzunehmen.

Nur in der Hetero-Ehe? Verbindlichkeit und Entwicklungspotenzial lehramtlicher Sexualmoral – Bernhard Sven Anuth (feinschwarz.net)

Sind im römisch-katholischen System überhaupt substantielle Veränderungen möglich bzw. „kontinuitätswahrend einzufangen“? Der Kirchenrechtler Bernhard Sven Anuth, ohne sein Wissen (!) als Mitglied des Synodalforums zu Sexualität und Partnerschaft nominiert und gewählt, stellt seine bei einer vorbereitenden Fachkonsultation in Berlin vorgetragene Expertise bei @feinschwarz_net öffentlich zur Verfügung.

Papst und Bischöfe sollten dazu stehen, dass eine geänderte Praxis nicht ohne Lehränderung zu haben ist, oder umgekehrt, dass eine solche Änderung „wegen der maximalistischen Lehrfestlegungen der früheren Päpste, für die sie als Bischöfe aber lehramtliche Mitverantwortung tragen, nicht möglich“ ist und alles beim Alten bleibt. (…)

Bis eine entsprechende Klarstellung erfolgt, gilt kirchenrechtlich allerdings weiter: Alle Kleriker und v. a. die Bischöfe als Lehramtsträger sind gehalten, die verbindliche lehramtliche Position und ihre moralischen wie rechtlichen Konsequenzen so zu vermitteln, dass sich un- und wiederverheiratet bzw. homosexuell liebende Menschen nicht zurückgesetzt fühlen und zugleich wissen, dass ihre gelebte Sexualität sie als schwere Sünde ggf. vom ewigen Heil ausschließt.

Wer diese Multiplikatorenrolle als Bischof scheut, weil er die fragliche Lehre für falsch hält, sollte sich dem Papst gegenüber offen und öffentlich für ihre eindeutige Änderung einsetzen und zugleich den Mut haben, etwaige kirchenrechtliche Konsequenzen dieses Ungehorsams zu tragen.

Machtreflexionen – Steffen Debus und Jan-Christoph Horn (kirchenentwicklung.de)

Anfang Dezember 2019 fand im Kardinal-Schulte-Haus in Bensberg der sechste Kongress aus der Reihe „Strategie und Entwicklung in Kirche und Gesellschaft“ (@Stratkongress) statt. Er trug den einfachen Titel „Macht“ und beleuchtete ein schillerndes, komplexes und ernsthaftes Thema der Kirchen.

Steffen Debus (@SteffenAusHH) und Jan-Christoph Horn (@janchrhorn) geben in ihrem Blog keinen klassischen Rückblick, sondern schauen weiter: Welche Themen wurden für sie beim Kongress angestoßen – und wie lässt sich daran weiterdenken?

Heutzutage stehen die Forderung nach dem Erweis von Kompetenz als Führungslegitimation (…) und der Wunsch nach der authentisch-charismatischen Persönlichkeit, die durch innere Freiheit und Bindung an persönliche Prinzipien erkennbar ist, an erster Stelle. Wohl auch deshalb der neidische Blick auf die evangelischen Geschwister und in die Orden als wahrnehmbare innerkirchliche Orte größerer Kompetenz- und Kommunikationsorientierung.

Leev Marie oder Alles im Fluss – Christiane Florin (Weiberaufstand)

In ihrem Blog „Weiberaufstand“ verabschiedet sich Christiane Florin (@ChristianeFlori) mitten im „kölschen Fastelovend“ von ihrer „rheinisch-katholischen“ Mentalität:

Staunend lese ich die Versuche, Rettungsboote aufzublasen, geheime Botschaften hinter der Biegung des Flusses zu vermuten, auf ungehobene Schätze in der Tiefe zu hoffen. Aber da ist nix. Nicht am Amazonas, nicht am Rhein, nicht am Tiber. Franz tanzt nicht mal mehr im Sitzen. Meine Ambiguitätstoleranz ist aufgebraucht. Frei nach meiner Mutter: „Et sitz zo spack“. Das Kostüm ist zu eng. Ich bin zur Konfession melancholisch-katholisch konvertiert. Trotzdem: Kölle Alaaf! Wieverfastelovend alaaf! Weiberaufstand alaaf!

nachgefasst

Ratzinger & der pädophile Priester (CORRECTIV / Frontal21)

Aktuelle Recherchen zeigen die Verbindungen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zu einem als Sexualstraftäter verurteilten Priester auf, dem über mehrere Jahre an verschiedenen Orten sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde. Weitere mutmaßliche Opfer, die sich während der journalistischen Spurensuche meldeten, zeigen, dass die römisch-katholische Kirche sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen nicht genügend verfolgt.

CORRECTIV (@correctiv_org) und Frontal21 (@Frontal21) haben den bereits bekannten „Fall H.“ in den vergangenen Monaten erneut recherchiert, Zeugen befragt und Dokumente ausgewertet:

Dabei zeigt sich, dass die Zahl der Missbrauchsopfer offenbar wesentlich höher liegen könnte, als bekannt und als in den Kirchenakten festgehalten wird. Es zeigt vor allem, dass die Verbindungen zwischen dem Missbrauchstäter H. und Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst, größer waren, als die Kirche und ihre Repräsentanten es bis heute wahrhaben wollen.

Ein enger Vertrauter Ratzingers hat jahrelang mit dem Priester zusammen eine Gemeinde betreut, ohne zu verhindern, dass dieser sich mit Messdienern umgab, obwohl er – wie die Kirchenleitung – von dessen Gefährlichkeit wusste. Im Jahr 2000 prahlte H. sogar, dass Ratzinger bei ihm vor der Tür gestanden habe. Eine Szene, die Ratzinger heute bestreitet.

Eine Anfrage bei der Pressestelle der Erzdiözese München und Freising ergab: Der Priester H. ist bislang nicht aus dem Klerikerstand entlassen worden.

Internal report finds that L’Arche founder Jean Vanier engaged in decades of sexual misconduct – Michael J. O’Loughlin (America, englisch)

Jean Vanier, im vergangenen Jahr verstorbener Gründer der christlichen Arche-Gemeinschaften für Menschen mit und ohne geistige Behinderung, soll über Jahrzehnte „manipulative sexuelle Beziehungen“ gehabt haben. Das berichtet Michael J. O’Loughlin (@MikeOLoughlin) im Jesuiten-Magazin America (@americamag) unter Berufung auf interne Untersuchungen der Gemeinschaft.

Vanier soll dem Bericht zufolge zwischen 1970 und 2005 das seelsorgerische Verhältnis zu sechs Frauen ausgenutzt haben. Er selbst habe kurz vor seinem Tod die Beziehungen zu den erwachsenen und nicht behinderten Frauen als „einvernehmlich“ bezeichnet. Laut Bericht spiegelt Vaniers eigenes Verhalten sexuelle Nötigungen von Frauen, wie sie auch seinem 1993 gestorbenen geistlichen Mentor, dem Priester Thomas Philippe, vorgeworfen werden. Dessen Taten habe Vanier über Jahre gedeckt.

Neben einer Stellungnahme der Arche International (@larcheintl) wurden auch entsetzte Reaktionen französischer Bischöfe veröffentlicht.

Buntes

Der Hoodie-Jesus im Netflix Universe – Benedikt Collinet (y-nachten.de)

Im Dezember 2019 erschien die Netflix-Serie „Messiah“. Die erste Staffel verbindet eine dystopische Parusieerwartung mit amerikanischer Popkultur und einem pluralistischen Religionsverständnis und wirft die Frage auf: Ist der Protagonist Payram Golshiri der wiedergekehrte Messias? Benedikt Collinet hat die darin verarbeiteten religiösen Motive und Konzepte genauer unter die Lupe genommen.

„Der Karneval muss noch politischer werden“ – Interview mit Arno Steffen und Tommy Engel (DOMRADIO)

Ein Lied gegen Rechtsextremismus wird zu einem der Hits im Kölner Karneval: „Su läuf dat he“ („So läuft das hier“) heißt es, ein Lied aus markanten Sehnsuchtsätzen – komponiert, nachdem im letzten Jahr auf rechten Demos kölsche Songs abgespielt wurden.

Wird der Karneval jetzt politisch? Im Interview mit @domradio sprechen die kölschen Urgesteine Arno Steffen und Tommy Engel über das Lied und den politischen Einsatz:

Jeder Satz, der in dem Song vorkommt, steht (…) für die Stadt, für unser Leben hier in der Stadt und für den Zusammenhalt. Auf keinen Fall für rechte Nationalisten, die das, was ich glaube, spüre und fühle kaputt machen wollen. Das lassen wir einfach nicht zu. Dafür stehen wir seit es „Arsch huh!“ gibt. Und dafür sind wir auch immer auf die Bühne gegangen und haben dafür gekämpft.

Zeigen Kirchenleute zu wenig Humor im Karneval? – Interview mit Jacques Tilly? (Kirche+Leben)

Kirchenkritik gehört zum festen Repertoire des Düsseldorfer Karnevalswagenbauers Jacques Tilly. Seit 36 Jahren ist er im Geschäft, hat auch schon Morddrohungen erhalten. Im Interview mit Kirche + Leben spricht er über den Humor religiöser Menschen und Hassreaktionen vom rechten Rand.

Warum wir „jecke“ Bischöfe brauchen – Peter Otten (katholisch.de)

„Jeck“ sein ist wie ein „Probeliegen im Himmel“, meint der Kölner Pastoralreferent Peter Otten (@PeterOtten). Denn im Karneval könnten die Mächtigen spüren, wie schön es sei, wenn alle gleich sind. Daher wünscht er sich im Standpunkt bei @katholisch_de „jecke“ Bischöfe:

Im Karneval können also diejenigen, die ungern Macht aus der Hand geben, schon mal ganz wunderbar üben. Zum Beispiel ihr Bischöfe: Ihr werdet sehen, loslassen ist gar nicht so schlimm. Verantwortung wegschunkeln ist toll. Also tauscht die Kanzel mit dem Kostüm, den Pileolus mit dem Pils und die Mitra mit dem Mettbrötchen. Seid jeck! Alles andere wäre gottlos, quasi „die Hölle“, sagt Jesus.

Bibel

In der Bibel ist immer Fasching – Elisabeth Birnbaum (feinschwarz.net)

Der Fasching nähert sich dem Ende. In Österreich versteht man darunter nur selten Zünfte, Gilden und Umzüge, sondern Bälle. Der Opernball in Wien ist der Höhepunkt der Ballsaison. Einige Elemente, die Bibel mit Fasching – und dem Opernball – verbinden, hat Elisabeth Birnbaum, Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks gesammelt.

Der Fasching geht in einer Woche zu Ende. Der Opernball endet Freitag früh. Die biblische „Faschingszeit“ dagegen endet nicht. Wieder und wieder lädt Gott sein Volk zum Festmahl ein. Wieder und wieder lässt er es tanzen, jubeln, feiern und närrisch vor Freude werden. Und wieder und wieder kehrt er die Machtverhältnisse um.

Ein guter Satz

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