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Neues Spitzenpersonal – Die #LaTdH vom 14. November

Drei Frauen stehen ab sofort an der Spitze der EKD. Außerdem: ejs vor dem Aus, jüdisch-christlicher Wissenschaftsdialog und Work-Life-Balance.

Herzlich Willkommen!

Es war das Kirchenthema diese Woche: Die Wahl der neuen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Geworden sind es mit Annette Kurschus und ihrer Stellvertreterin Kirsten Fehrs zwei Frauen. Wie die Wahl ablief und was das neue Duo an der Spitze der EKD zu erwarten hat, haben wir zusammengefasst.

Außerdem blicken wir mit einem früheren Pastor hinter die Kulissen des Berliner Politikbetriebs, singen ein neues, aber vor allem kritisches Lied mit dem Kölner Jugendchor und gratulieren einem Thüringer Volontär zu seiner Geschichte über drei Wunder einer Dorfkirche.

Eine gute Woche wünscht
Jacqueline Bohrmann

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Debatte

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat eine neue Führung. Und sie sind das neue Dreigestirn: Annette Kurschus ist Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs ihre Stellvertreterin und Anna-Nicole Heinrich wurde ja schon im Mai zur Präses der Synode gewählt. Doch was bedeutet das neue Personal an der Spitze und was wird von ihnen erwartet?

Jetzt müssen die Frauen liefern – Annette Langer (SPIEGEL)

Einen Überblick und die Hintergründe zur Wahl des Ratsvorsitz der EKD liefert Annette Langer für den Spiegel (@DerSPIEGEL). Kurschus und Fehrs seien noch „Vertreterinnen der alten Garde“, sodass keine richtige Aufbruchstimmung aufkäme, resümiert sie.

Die neue Ratsvorsitzende müsse sich daran messen lassen, wie ernst sie die Aufarbeitung in Zukunft nehme, sagt der Missbrauchsbetroffene Detlev Zander. »Die Glaubwürdigkeit der Kirche steht auf dem Spiel – und damit auch ihre Existenz.«

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und die Prävention hat Kurschus zur „Chefinnensache“ erklärt.

Der Synoden-Blog: Die EKD-Synode 2021-2 zum Nachlesen – Philipp Greifenstein (Die Eule)

Einen ausführlichen Bericht zur gesamten Synode der EKD (@EKD) liefern wir von der Eule diese Woche selbst. Philipp Greifenstein hat die Synode sowohl im Live-Blog als auch in Form von Mini-Podcasts begleitet und eingeordnet. 4 Tage lang, mit fast 14 000 Wörtern. Einen Kommentar von Eule-Redakteur Philipp Greifentein zur Ratswahl und Wahl der neuen EKD-Ratsvorsitzenden Annette Kurschus liest Du außerdem hier.

So blieb die neue Ratsvorsitzende am Tag ihrer Wahl bei den Themen Missbrauchsaufarbeitung, Klimaschutz, Schuldbekenntnis gegenüber LGBTQ* und Gewalt an den EU-Außengrenzen zwar keine Antwort schuldig, die bestand aber häufig darin, man müsse sich das „noch einmal genau anschauen“. Und mit dem „man“ sind bei Kurschus ausdrücklich der ganze Rat und auch die Kirchenkonferenz gemeint.

Einzig bei der Frage danach, was ihre Wahl ins höchste Amt der EKD für die Ökumene mit den römischen Katholiken und den Orthodoxen bedeutet, wurde sie deutlich: „Das ficht mich nicht an“, sie sei sich der völlig gleichwertigen Berufung von Frauen und Männer sicher, und: „Ich wünsche mir sehr, dass die katholische Kirche den Mut findet, die Vielfalt, auch der Geschlechter, in unserer Gesellschaft stärker abzubilden.“

Neue EKD-Vorsitzende: Wer ist Annette Kurschus? – Christiane Florin, Sandra Stalinski (Deutschlandfunk)

Wer sich etwas näher mit der neuen Ratsvorsitzenden Annette Kurschus beschäftigen möchte, ist bei diesem Artikel des Deutschlandfunks richtig. Christiane Florin (@ChristianeFlori) und Sandra Stalinski (@sastast) zeichnen ein Bild von einer bodenständigen, charismatischen Geistlichen, die auch in schwierigen Situationen die passenden Worte findet. Bundesweit bekannt wurde die 58-Jährige durch ihre Rede 2015 im Kölner Dom bei der Trauerfeier nach dem Germanwings-Absturz.

Evangelisch sein heißt für sie, auch politisch zu sein. Sie betont allerdings, dass sie Politikerinnen und Politikern nicht sagen möchte, wo es langgeht. Zu ihren wichtigsten politischen Anliegen zählt der Klimaschutz.

Vor allem aber die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der EKD wird eine ihrer Hauptaufgaben werden, an der sich die neue Vorsitzende auch messen lassen muss. Die dritte große Herausforderung sehen die Autorinnen im Mitgliederschwund der evangelischen Kirche. Für einen Reformkurs in diesem Bereich habe Kurschus aber bereits den Leitsatz „Wir müssen dahin, wo die Menschen sind“ ausgerufen.

Nur die Macht des Wortes – Tilmann Kleinjung (Tagesschau.de)

„Die neue Netzgemeinde und die klassische Kirchengemeinde zusammenzubringen, das ist die Herausforderung, vor der die EKD und Kurschus stehen“, meint Tilmann Kleinjung (@TilmannKk) in seinem Bericht für die „Tagesschau“. Das sei eine Herkules-Aufgabe. Kleinjung beschreibt die neue Ratsvorsitzende als schüchterner und zurückhaltender als ihren Vorgänger Bedford-Strohm.

Das muss nicht schlecht sein; seltene, aber gut platzierte Wortmeldungen können eine große Wirkung entfalten. Doch abtauchen darf eine Ratsvorsitzende nicht, sie ist – böse gesagt – die Klassensprecherin der Evangelischen Kirche in Deutschland. Und die EKD-Ratsvorsitzende darf nicht in die einzelnen Landeskirchen hineinregieren. Sie hat nur die Macht des Wortes.

Neben dem Artikel gibt es hier auch ein Interview mit Annette Kurschus in den „Tagesthemen“ zu ihrer neuen Rolle und der Zukunft der EKD.

Bedford-Strohm: Der politische Fromme – Tilmann Kleinjung (Tagesschau.de)

Heinrich Bedford-Strohm ist nun also nicht mehr Ratsvorsitzender. Einen Rückblick auf seine Amtszeit gibt Tilmann Kleinjung.

Eine Kirche, die sich in der Welt engagiert. Das passt zu Bedford-Strohm. Als Professor für systematische Theologie an der Universität Bamberg war sein Spezialgebiet, seine Leidenschaft, die Öffentliche Theologie. Sein Credo: „Wer fromm ist, muss politisch sein.“ Und deshalb habe die Kirche der Politik auch was zu sagen.

In die Amtszeit von Bedford-Strohm fiel die „Flüchtlingskrise“ 2015, von der dem bayerischen Landesbischof aber mehr die Hilfsbereitschaft der Menschen in Erinnerung ist. 2017 feierte die EKD dann 500 Jahre Reformation. Die katholisch-evangelische Ökumene habe gegen jede Erwartung einen neuen Schub bekommen, das sei Bedford-Strohm zuzuschreiben, sagt die ehemalige Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer.

Kritisiert wird Bedford-Strohm allerdings für die mangelnde Aufarbeitung der Missbrauchsfälle innerhalb der evangelischen Kirche. Die sei halbherzig, so die Kritik. Das Attribut „Facebook-Bischof“ bekam er schon zu seiner Wahl und wurde dem besonders während der Hochphase der Corona-Krise mit täglichen Video-Botschaften gerecht.

Was hat die digitale EKD-Synode 2021 aus Bremen eigentlich beschlossen? – Markus Bechtold, Sarah Neder, Lena Christin Ohm (evangelisch.de)

Das Team von evangelisch.de fasst die wichtigen Ergebnisse der 2. Tagung der 13. EKD-Synode knapp zusammen, u.a. Arbeitsaufträge zur Missbrauchs-Aufarbeitung und zum Klimaschutz:

Die EKD muss sich mehr für den Klimaschutz einsetzen. Die Kirche sei weit hinter ihren selbst gesteckten Zielen geblieben, sagt Strenge und beantragt, eine kirchenweite Roadmap gegen den Klimawandel auszuarbeiten. Das sehen die Synodalen wohl genauso und verabschieden den Beschluss mit 91 Ja-Stimmen, einem Gegenvotum und zwei Enthaltungen.

Auf EKD-Ebene soll bis zur nächsten Tagung im Herbst 2022 ein Rahmenplan formuliert werden, der die Klimaneutralität bis 2035 vorsieht, und dann als Empfehlung für alle Gliedkirchen gelten soll. Die Synode erarbeitet einen „verbindlichen Fahrplan“, wie er hier beschrieben wird.

nachgefasst

EKD gibt kein zusätzliches Geld für Evangelische Journalistenschule (epd, evangelisch.de)

Der scheidende Rat der EKD hat kurz vor dem Ende seiner Legislatur einen Streitpunkt von der Agenda geräumt: Für die Evangelische Journalistenschule (ejs) in Berlin gibt es, auch trotz veränderten Konzepts, kein Geld: „Er sehe „keine Möglichkeit“, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) zusätzliche Mittel für dessen Realisierung zur Verfügung zu stellen“, erklärte für den Rat Andreas Barner. Der Finanzfachmann gehört auch dem neuen Rat an.

Die ejs ist wie der Evangelische Pressedient (epd) und evangelisch.de beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) angesiedelt. Im vergangenen Jahr wurde unter dem Druck einer Rettungskampagne von Ehemaligen der ejs ein verändertes Konzept entwickelt.

Buntes

CDU-Politiker Heinrich: Der Gefangene – Tim Kummert (t-online.de)

12 Jahre lang saß Pastor Frank Heinrich für die CDU im Deutschen Bundestag. Mit der Bundestagswahl ist seine politische Karriere nun beendet, er wurde nicht wieder gewählt. Tim Kummert (@TKummert) beschreibt dieses Ende in seinem Porträt aber auch als Befreiung.

Früher war Heinrich Pastor bei der Chemnitzer Heilsarmee und wollte versuchen, seinen Einfluss noch zu vergrößern, deswegen ging er in die Politik. Nachdem er zwei Jahre in der CDU war, saß er schon im Bundestag, ein schneller Aufstieg. Dort setzte er sich für die Themen ein, die ihm auch schon als Pastor wichtig waren: Menschenrechte, Prostituierte und die Religionsfreiheit.

Seine Mission: „Ich wollte meinen Teil dazu beitragen, dass wir Deutschen die Welt zumindest nicht noch ungerechter machen.“ Einmal schloss er sich einer Boulevard-Schlagzeile an und nannte Deutschland das „Bordell Europas“, da zuckten seine konservativen Parteifreunde zusammen. Doch die Aufmerksamkeit für das Thema war damit geschaffen – und Heinrich zufrieden. In den zurückliegenden zwölf Jahren, in denen er in der Union dafür auch zuständig war, hat sich das Budget für humanitäre Hilfe mehr als verdreifacht.

Das besondere an diesem Portrait: Frank Heinrich spricht offen über den Politikalltag im Bundestag. Er will seine politische Karriere nicht weiter fortsetzen und erzählt von den schwierigen Situationen, dem wenigen Schlaf und der Politik, die einen regelrecht aufsaugt. Ein Einblick, den man selten bekommt.

Erfüllung oder Überlastung durch Arbeit – Ist Religion eine wichtige Säule in der Work-Life-Balance? (vertikal horizontal, NDR Info)

Stress bei der Arbeit kennt wahrscheinlich jeder. Und genau damit beschäftigt sich eine neue Podcast-Folge des Religons-Podcasts „vertikal horizontal.“ von NDR Info (@NDRinfo). Die Weltgesundheitsorganisation hat Stress im Beruf zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt.

Die Frage, die der Podcast beantworten möchte: Können Glaube und Religion uns Halt im Arbeitsleben geben? Zu dem Thema haben die Autor:innen mit einem Betroffenen, einem Coach und dem Prior des Klosters Nütschau in Schleswig-Holstein gesprochen.

Kölner Jugendchor veröffentlicht kirchenkritisches Lied – Julia Reck (Domradio.de)

Mit dem Lied „Bodenpersonal“ übt der Jugendchor St. Stephan Kritik an der katholischen Kirche. Es geht um Homosexualität, die Rolle der Frau in der Kirche und um Missbrauch. Die Idee zu dem Lied stammt von Michael Kokott (@_MichaelKokott), er ist Chorleiter des Jugendchors, der schon für die Zusammenarbeit mit „Unheilig“ den Deutschen Fernsehpreis Bambi gewonnen hat. An einer Stelle des Liedes heißt es „Alles, was im Nebel war, muss raus ans Licht“ womit der Missbrauch thematisiert wird, sagt Kokott im Interview:

Es geht eben um die Vertuschung und das Schönreden des Missbrauchs. Kardinal Meisner kann man dafür nicht mehr zur Verantwortung ziehen. Aber es gibt heute immer noch Leute in den Führungspositionen, die Mitwisser sind und auch eine Mitverantwortung haben. Und das wollten wir thematisieren.

Das Lied „Bodenpersonal“ soll samt Video Mitte November fertig sein, sodass es zur Vollversammlung des Diözesanrates aufgeführt werden kann.

Volontär der Funke Mediengruppe Thüringen siegt mit Wunder-Geschichte – Laura Merz (Ostthüringer Zeitung)

Weil er über drei Wunder in Zusammenhang mit einer Kirche geschrieben hat, bekam der Volontär Philipp Brendel den Eckensberger-Preis für Nachwuchsjournalisten. In seinem Artikel „Die drei Wunder der Kirche von Dobraschütz“ beschreibt Brendel wie das Dach und die Decke der kleinen Kirche durch Spenden restauriert, vom Wurm befreit und erhalten bleiben konnten. Die Orgel wurde saniert und die komplette Außenfassade modernisiert. Damit waren die drei Wunder der Kirche von Dobraschütz in Thüringen komplett.

Theologie

Jüdisch-christlicher Dialog – ein theologieproduktives Experiment – Hannah Judith (y-nachten)

„Den jüdisch-christlichen Dialog radikal als Ort von Theologieproduktion ernstzunehmen“, versucht ein „ein neues Netzwerk von jüdischen und christlichen Wissenschaftler*innen“. Bei y-nachten (@ynachten) erklärt Hannah Judith, was es damit auf sich hat:

Um den dialogischen Denkhabitus der Theologizität des Dialogs zu verstetigen, ist eine Vernetzung von Wissenschaftler*innen der christlichen und jüdischen Theologien schon am Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahnen unverzichtbar. Dazu braucht es Freiräume der Vernetzung, die sich in ihrer Arbeitsweise und thematischen Agenda selbst abhängig vom jeweiligen Dialog machen.

Ein guter Satz

„Wir wissen es auch nicht besser als andere, aber wir blicken anders in die Welt. Deshalb braucht uns die Welt.“

– Annette Kurschus in ihrer Dankesrede nach der Wahl zur neuen Ratsvorsitzenden

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