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Pfingstwundern – Die #LaTdH vom 31. Mai

Kirche ist ein komplexes Biotop und so sind es auch die Reaktionen auf die Corona-Krise und deren Kritik. Außerdem: Rücktritt in der Schweiz, evangelische Verweigerung und Gottsucher*innen.

Debatte

In der Corona-Krise ist die Kirche ziemlich still – Thomas Seiterich (katholisch.de)

Anerkennende Worte für mancherlei kirchliche Aktivitäten in der Corona-Krise findet Thomas Seiterich, Redakteur von Publik-Forum (@publikforum), in seinem Standpunkt auf katholisch.de:

Viele hundert Gemeinden haben während der Pandemie neue, funktionierende Internet-Angebote auf die Beine gestellt, Not-Telefone eingerichtet, Kontaktketten mobilisiert. Auch viele Mitarbeiter von Diakonie und Caritas leisten Großartiges. Unten tut sich viel.

Und doch scheint der öffentliche Platz der Kirchen in der Gesellschaft bedrückend leer. Die große Institution, die beansprucht, für Glaube, Liebe und Hoffnung einzustehen, scheint die Seuchenzeit im Homeoffice verbracht zu haben. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgen fundamentalistische Randkleriker oder kleine Gruppen, die sich dem staatlichen Kontaktverbot nicht unterwerfen.

Mit Aufhebung der Corona-Einschränkungen sieht Seiterich die Gesellschaft durch verschärfte Verteilungskämpfe herausgefordert:

Schlüsselindustrien gegen Selbständige, gesundheitlich Fitte gegen Verletzliche, Laute gegen Leise. Es geht um viel Geld, Aufmerksamkeit und Freiheiten – und immer wieder um die Frage, wie wir unser Leben gestalten wollen, wenn der Gesundheitskrise die Wirtschaftskrise folgt. Die Kirchenleitungen halten sich da ziemlich bedeckt. Schade. Haben sie in der Krise ihre Stimme eingebüßt? Ist ihnen ihre Frohe Botschaft und Gerechtigkeitspredigt abhandengekommen?

Wo bleibt ihr Einspruch, wenn Konzerne Milliarden Steuergeld abgreifen wollen, ohne auf Boni und Dividenden zu verzichten, während Millionen kleiner Existenzen mit Staatsgeld nicht gesichert werden können? Die Kirchenleitungen müssen zu einer klugen und lauten Stimme werden. Und sie sollten Zeichen setzen: Weshalb setzen sie nicht öffentlich einen Teil ihrer Vermögen ein für die globalen Verlierer der Krise?

„Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst“: über den Deutungsnotstand der Kirchen im Seuchenfall – Peter Strasser (NZZ)

Es sei unerlässlich gewesen, dass von kirchlicher Seite etwas zur Corona-Pandemie gesagt wurde, was über die Formel vom „unergründlichen Ratschluss“ Gottes hinausging, meint der Grazer Philosoph Peter Strasser in der Neuen Zürcher Zeitung. Viel sei es aber nicht gewesen:

So bemerkenswert, ja bewunderungswürdig das sozialethische Engagement aus dem Geiste der Caritas ist, es kann die Deutungshoheit über die letzten Fragen der Existenz nicht hinreichend ersetzen. Die Menschen richten all ihre Hoffnungen zusehends auf Sozialingenieure und Biotechniker, die mit wissenschaftlichen Instrumenten den Massentod, vor dem Zusammenbruch des Systems, zu verhindern suchen.

Frommes Schweigen – Evelyn Finger (DIE ZEIT)

Die Kirchen sind endlich wieder geöffnet – wo waren die Bischöfe, als Alte und Kranke sie brauchten? Warum haben sich die Kirchen in der Krise so kleingemacht? So fragt Evelyn Finger (@FingerEvelyn) rhetorisch in der ZEIT (@zeitonline) – und stellt gleich Vermutungen an, woran das liegen könnte:

Vielleicht weil sie in Deutschland so eng mit der Politik verbandelt sind, dass harter Protest lächerlich wirken würde. Vielleicht weil auch Bischöfe sich heute als Konsenssucher verstehen und in einer Empörungsgesellschaft am ehesten durch Unauffälligkeit überleben. Vielleicht sind sie vom Endloskampf um das richtige Maß an Modernität so erschöpft, dass einige gern ins Homeoffice geflüchtet sind.

„Ich habe eine wunderbare Heilige Anarchie gesehen“ – Interview mit Thomas Hirsch-Hüffel (DLF)

Die Kritik, die Kirchen hätten in der Coronakrise versagt, seien mutlos und irrelevant gewesen, hält der evangelische Theologe Thomas Hirsch-Hüffel hingegen für ungerechtfertigt. Im @DLF-Interview mit Christiane Florin (@christianeflori) vermutet er, bei solchen Vorwürfen seien dabei auch „ein paar alte Rechnungen“ beglichen worden:

Die Kirche hat den Leuten in früheren Zeiten bis in die Betten hinein genau erklärt, was sie zu tun haben. Das war einfach zum Teil ekelhaft, und das ist es noch. Sie tritt immer wieder auf als großer Block, auf den man bauen kann. Jetzt, im Moment, tut sie das nicht. Ich bin eigentlich ganz froh darum, dass sie es ihr mal die Stimme verschlägt und sie nicht jetzt großkotzig herumredet, sondern neue Sachen ausprobiert. (…)

Ich glaube Corona zeigt auf allen Gebieten gesellschaftlich wie in einem Brennglas, was los ist. Der Kontrast wird regelrecht scharf gestellt, sodass man nun genauer die Grenzen erkennt. Insofern zeigt sich für mich da gar nichts Neues. Ich bin auf eine seltsame Weise unbesorgt, dass die Kirche daraus auch geläutert hervorgeht und etwas schneller kapiert, wo der Hase hinläuft.

Nach Corona krankt die Kirchensteuer – Interview mit Kristina Kühnbaum-Schmidt (Sylter Rundschau)

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Und für die Kirche war auch die Corona-Krise eine geistvolle Zeit. Doch so wie alle Institutionen werde auch die Nordkirche (@nordkirche_de) an den Folgen der Krise noch lange tragen, meint Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt (@l_bischoefin) im Gespräch mit Stefan Hans Kläsener (@KlaesenerS) und Benjamin Lassiwe (@lassiwe):

Corona hat ein reiches digitales kirchliches Leben nach vorn gebracht, das bislang noch nicht so stark wahrgenommen wurde. Wir werden künftig mehr „hybride“ Formen von Kirche kennenlernen […].

Deswegen sollten wir von der Kreativität, die sich in den letzten Monaten gezeigt hat, möglichst viel in die nächsten Jahre mit hinübernehmen. Wir sind während des Lockdowns noch einmal mit ganz anderen Menschengruppen in Kontakt gekommen. Gleichzeitig hat uns die öffentliche Diskussion um die analogen Gottesdienste gezeigt, dass sie vielen Menschen wichtiger sind, als viele es gedacht haben.

Das Virus bewegt: Welche Konsequenzen hat die Corona-Krise für die Kirche? – Hans Langendörfer SJ (Stimmen der Zeit)

In den vielstimmigen Kommentaren zur Corona-Krise werde oft zu schnell und zu viel gewusst, man urteile hart und spekuliere in die Zukunft hinein – Pater Hans Langendörfer SJ, bis Jahresende noch Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, weist in seinem Gastbeitrag für die Stimmen der Zeit die Kritik zurück, mit dem Verzicht auf öffentliche Gottesdienste hätte die Kirche ihre fehlende „Systemrelevanz“ unter Beweis gestellt:

Der Gesundheitsschutz zog der Religionsfreiheit – einem hohen Verfassungsgut – enge Grenzen, wie auch anderen Grundrechten. Öffentliche Gottesdienste waren verboten. Oder die Kirchen hatten freiwillig auf sie verzichtet. Weshalb? Natürlich, um die Weiterverbreitung des Virus in ihrem Bereich aufzuhalten.

Blickt man genauer hin: um authentisch zu bleiben, die eigene Identität zu bewahren. Denn eine Kirche, die Leben und Gesundheit gefährdet, verrät ihre eigene Mission.

Die Kirchen fordern mehr Geld für Pflegekräfte, zahlen es aber nicht – Wolfgang Weißgerber (Sonntagsblatt)

Die beiden großen Kirchen zählen mit ihren Sozialverbänden zu den größten Arbeitgebern. In den ersten Wochen der Pandemie machten sie sich für bessere Gehälter in der Pflege stark, jedoch nur mit Worten. Das falle ihnen jetzt auf die Füße, meint Wolfgang Weissgerber im Sonntagsblatt (@sonntagsblatt):

Die Kirchen sehen für die nächsten Jahre gewaltigen Finanzierungslücken entgegen. Die Corona-Krise lässt ihre Einnahmen aus der Kirchensteuer weiter einbrechen. Das Geld, das sie den Beschäftigten in der Pflege sicher gern zukommen lassen würden – sie haben es nicht. Nicht mehr. In vielen fetten Jahren war reichlich Zeit. Die Kirchen mit ihren Verbänden von Diakonie und Caritas bekamen von ihren Beschäftigten und den Gewerkschaften mehrfach zu hören, sie sollten für eine auskömmliche Bezahlung sorgen, Tarifverträge schließen und mit gutem Beispiel vorangehen, um die gesamte Branche mitzuziehen. Das haben sie verpasst. Nun sitzen sie zwischen den Stühlen.

„Am meisten höre ich den Satz: Ich weiß nicht mehr weiter“ – Interview mit Nils Kramer (DIE ZEIT)

In der Corona-Krise rufen mehr Menschen bei der Telefonseelsorge an, klagen über Einsamkeit und Existenzangst. In der ZEITonline-Rubrik Arbeit (@wandelderarbeit) erzählt der Seelsorger Nils Kramer, was er erlebt.

Viele berichten, dass sie durch die Kontaktbeschränkungen einsamer sind als ohnehin schon. Andere berichten von Existenzsorgen oder davon, wie die Krise ihre Beziehung belastet, weil die Kitas geschlossen haben und sie zu Hause ständig aufeinandersitzen. Oft verbirgt sich hinter den Anrufen jetzt ein Problem, das schon da war, aber durch Corona verschlimmert wurde.

nachgefasst

„Grenzverletzungen“ …

Schon vor zwei Jahren „rappelte es ganz ordentlich“ im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK), der sich seit Anfang 2020 Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS, @EKS_EERS) nennt. Die Beratungen zur Verfassungsänderung wurden damals von Misstönen um die Wiederwahl Gottfried Lochers zum Ratspräsidenten begleitet.

Philipp Greifenstein (@rockToamna) berichtete bereits damals hier in der Eule über einen Vorwurf der sexuellen Belästigung, den eine Pfarrerin gegen „einen hohen Schweizer reformierten Kirchenvertreter“ erhoben hatte. Dessen ungeachtet wurde Locher im Amt bestätigt, die Angelegenheit wurde kirchlicherseits nicht weiter verfolgt. In den letzten Wochen hat sich der Konflikt aber dramatisch zugespitzt:

Am 24. April 2020 erklärte Pfarrerin Sabine Brändlin ihren sofortigen Rücktritt aus dem Rat, dem Leitungsgremium der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. Ihre Nachricht „lasse auf ein Zerwürfnis innerhalb des Rates schliessen“, orakelte dazu ref.ch (@refpunktch), das „Portal der Reformierten“.

Um die Vorgänge zu klären, die zum Rücktritt von Brändlin führten, reichten mehrere Landeskirchen am 8. Mai eine „Interpellation“ ein. Ihren Vorstoss begründeten sie mit drohendem Vertrauensverlust und Reputationsschaden für die Kirche. Zehn Tage später wandte sich eine Gruppe von Pfarrpersonen in einem Offenen Brief an die EKS. Sie vermutete, dass es beim Rücktritt von Sabine Brändlin aus dem Rat um das Thema Grenzverletzungen gehe – und forderte deswegen absolute Transparenz.

Am Mittwochabend dann der „Paukenschlag“ – Gottfried Locher erklärte seinen sofortigen Rücktritt. Die Handlungsfähigkeit des Präsidenten sei „wegen eines Geschäfts, das dem Rat am 13. April zugetragen wurde und seither intensiv behandelt wird, eingeschränkt“, hieß es dazu verklausuliert in der Pressemitteilung der Kirchenleitung.

Die Reaktionen aus der Kirche schwankten zwischen „nötiger Konsequenz“, „Bedauern“ und „Kritik an Vorverurteilung“. Laut Medienberichten geht es bei den Rücktritten um „Grenzverletzungen“. Sieben Frauen hätten sich an die Kirche gewandt und von solchen Vorfällen berichtet. Weiterhin sind aber offenbar nicht alle Fakten auf dem Tisch.

Rücktritt des höchsten Protestanten liefert Raum für Spekulationen – Kari Kälin (Aargauer Zeitung)

Die reformierte Kirche bleibe eine Dunkelkammer. Auch am Tag nach dem Rücktritt von Gottfried Locher, sei „völlig nebulös“, weshalb sich der oberste Protestant zu diesem Schritt gedrängt sah, schreibt Kari Kälin (@Kari1sie76) in der @AargauerZeitung. Es gebe „Fragezeichen zu Lochers persönlichen Integrität“, für die „der dreifache Familienvater selber verantwortlich“ sei:

Carla Maurer, Pfarrerin an der Schweizer Kirche in London, berichtete derweil, Locher habe sie in einem Café in ein Gespräch über Sexualität verwickelt und erklärt, Männer müssten manchmal über Frauen herfallen, weil sie nun einmal eine aktiv-aggressive Sexualität in sich tragen würden und Frauen eine passive. Bei zahlreichen Pfarrerinnen kamen diese Aussagen schlecht an.

Rücktritt des höchsten Protestanten: Die reformierte Kirche druckst herum – Lucien Fluri (Aargauer Zeitung)

Warum genau Gottfried Locher zurücktrat, sei aber weiterhin unklar. Die Kirche kommuniziere schlecht, kritisiert Lucien Fluri (@lucienfluri):

Muss man ihm Respekt zollen, weil er das Wohl der Kirche höher gewichtet als seine eigene persönliche Macht? Oder versucht er doch nur – aus Eigeninteresse –, mit seinem Rücktritt weitere wenig schmeichelhafte Schlagzeilen rund um ihn zu verhindern? Man weiss es nicht. Die Reformierte Kirche der Schweiz sagt dazu nichts. Gar nichts. Obwohl sie mit Steuergeldern finanziert wird, obwohl sie Hunderttausende Gläubige vertritt, die sich verwundert die Augen reiben.

… Missbrauch …

Evangelische Kirche unterläuft Standards zur Aufarbeitung – Christoph Fleischmann (WDR)

Ende April hatte der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauches (@ubskm_de), Johannes-Wilhelm Rörig, zusammen mit der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eine gemeinsame Erklärung über verbindliche Standards zur Aufarbeitung von Missbrauch veröffentlicht. Kernstück ist die Schaffung von Kommissionen in jeder Diözese, in denen Missbrauchsbetroffene mit Fachleuten und Bistumsmitarbeitern zusammenarbeiten und den Prozess der Aufarbeitung steuern sollen.

Eine ähnliche Vereinbarung würde Rörig auch gerne mit der evangelischen Kirche abschließen, aber die scheine andere Pläne zu haben, berichtet Christoph Fleischmann in der WDR-Sendung „Diesseits von Eden“. Auf seinem Blog findet sich der Text des Beitrags auch zum Nachlesen.

… und Konsequenzen:

„Ich kann es nicht mehr verantworten“ – Doris Bauer (Theosalon)

Doris Bauer ist seit vielen Jahren in der Pfarrgemeinde St. Agnes in Köln aktiv, als Lektorin, Kantorin, Kommunionhelferin – und in der Kirchenreform-Gruppe Maria 2.0. Ihre Entscheidung, zu Pfingsten aus der römisch-katholischen Kirche auszutreten, begründet sie im Blog Theosalon:

Mein Eindruck ist, dass es eine verinnerlichte Strategie der Kirche ist, auf Zeit zu spielen bis „Gras darüber gewachsen ist“ und andere Themen in den Vordergrund treten. Die Aufdeckung der Straftaten von Geistlichen in Form von sexualisierter Gewalt ist bereits seit 2010 dokumentiert, und welche Konsequenzen hatte es bis jetzt? Gab es bislang Konsequenzen für die Täter? Was ist mit der aufwendigen Studie die das Erzbistum Köln in Auftrag gegeben hat und die ursprünglich im März veröffentlicht werden sollte? Wie kann es sein, dass eine renommierte Kanzlei über eineinhalb Jahre rechtliche Aspekte nicht beachtet und deshalb die Veröffentlichung auf einen nicht bekannten Zeitpunkt verschoben wird? Das gesamte Vorgehen untergräbt die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche.

Buntes

Kreuz und Bibelspruch: Das Berliner Stadtschloss erhitzt die Gemüter – Steffen Zimmermann (katholisch.de)

Kurz vor der baulichen Vollendung des Berliner Stadtschlosses ist die Diskussion um das umstrittene Kuppelkreuz auf dem Bauwerk wieder aufgeflammt. Doch nicht nur das: Vor wenigen Tagen wurde ein weiteres christliches Element auf der Kuppel sichtbar, das seither die Gemüter erregt und deutliche Kritik hervorruft.

Kreuz und Bibelspruch […] sind und bleiben wohl eine große Herausforderung für das Humboldt Forum. Es wird sich zeigen, wie der Museumskomplex den direkten Widerspruch der religiösen Symbolik zu den im Inneren des Gebäudes später zu sehenden Ausstellungsobjekten auflösen kann. Gelingt dies nicht, könnte sich das als schwere Hypothek für das Forum erweisen.

Das Humboldt-Forum hat aktuelle Statements aus Kultur, Politik und Wissenschaft in einem Dossier auf seiner Website zusammengestellt. Die Debatte der letzten Jahre ist im Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK) dokumentiert.

App und Animationsfilm zu Forschung in Analytic Theology – Universität Regensburg

Mit einer App und einem 42-minütigen Animationsfilm machen die Universitäten Augsburg und Regensburg, die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck, die Hochschule für Philosophie München, und die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen die Ergebnisse von sechs Jahren interdisziplinärer Forschung zwischen Philosophie und Theologie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Die App „God Seeker – Was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Android / iOS) erschließt ein breites Feld grundlegender Fragen des Menschseins multiperspektivisch mit kurzen Videos und Texten. Der Animationsfilm „Sternenstaub und Seelenvogel“ ist ein philosophisches Roadmovie und wurde 2020 mit einem bronzenen Telly-Award als „besonders inspirierend“ ausgezeichnet.

Bibel

„Die Enteignung der Bibel kommt immer wieder vor“ – Interview mit Rabbiner Walter Homolka (Herder-Korrespondenz)

Die Bibel wird von Christen immer wieder vereinnahmt, dabei besteht sie zu 70 Prozent aus dem jüdischen Text. Die Allgemeine Rabbinerkonferenz hat deswegen die Herder-Korrespondenz wegen eines Sonderheftes kritisiert. Rabbiner Walter Homolka (@HomolkaWalter) begründet im Interview mit Volker Resing (@Volker_0409) die Verärgerung und erklärt, welche Konsequenzen Christen und Juden aus der mangelnden gegenseitigen Wahrnehmung ziehen sollten:

Es geht um die jüdisch-theologische Sprachfähigkeit ebenso wie um die Augenhöhe im Dialog mit den anderen Theologien. Wenn im Bibel-Sonderheft christliche Theologen über die Hebräische Bibel sprechen, ohne dass wir Juden selbst zu Wort kommen, empfinde ich das im Sinne der postkolonialen Theorie als Enterbung. Die Redaktion hätte sensibel sein und die Deutungshoheit des Judentums beachten müssen, wenn es um die Hebräische Bibel geht. Diese Art Enteignung kommt immer wieder vor.

Pfingstwunder in der Minecraft-Kirche – Thomas Klatt (DLF)

In Corona-Zeiten bergen religiöse Versammlungen gesundheitliche Risiken. Eine Alternative dazu stellen daher auch die Minecraft-Gottesdienste der von Cansteinschen Bibelanstalt (@canstein_berlin) dar: Hier können Gamer gemeinsam Geschichten aus der Bibel nachstellen oder sich in der selbstgebauten Kirche versammeln.

Predigt

Mikrosa, Pfingsten und die Aufgabe der Kirche – Christian Wolff (wolff-christian.de)

Bei einer Demo gegen die Schließung des Traditionsbetriebs Schaudt Mikrosa GmbH in Leipzig hat der evangelische Theologe Christian Wolff (@Chriwo49) die Solidarität der Kirche vermisst, wenn Menschen in ihrer Existenz bedroht oder der kapitalistischen Willkür ausgesetzt seien:

Viele Menschen haben null Interesse an einer Jenseitsperspektive des Lebens, null Interesse daran, dass es außer dem Menschen, außer dem Humanen noch eine Instanz gibt, vor der sich der Mensch zu verantworten hat bzw. von dem her ich mein eigenes Leben verstehen kann: Gott.

Alles kirchliches Reden und Handeln macht aber nur Sinn, wenn es von dem Gott kündet, der der Schöpfer alles Lebens ist, der jeden Menschen mit Würde und Recht segnet und der seine Menschennähe und Menschlichkeit sichtbar, begreifbar gemacht hat im Leben Jesu, in seinem Leiden, Sterben und Auferstehen.

Diese Überzeugung ist nicht davon abhängig, dass Menschen sie annehmen. Aber sie lebt davon, dass diejenigen, die sie vertreten, sich den Menschen zuwenden – weil sie in jedem Menschen ein Geschöpf Gottes sehen und weil sie daran glauben, dass alles , was verheißen ist, schon jetzt in Ansätzen erfahrbar sein muss: Frieden, Gerechtigkeit, Liebe – und dies unabhängig davon, ob sich eine Gesellschaft in einer Krise befindet, ob mein eigenes Leben gelingt oder scheitert, ob ich gesund oder krank bin.

Ein guter Satz

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