Pride und Vorurteil – Die #LaTdH vom 16. Juni

Während des Pride-Month laden auch die Kirchen zum Feiern und Nachdenken ein. Anlass zur Selbstkritik gibt es genug. Außerdem: Katholische Parallelgesellschaften und die Zukunft der KiHo Wuppertal.

Herzlich Willkommen!

Diese #LaTdH schreibe ich auf Besuch im Haus Villigst der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) zu Ende. Am gestrigen Samstag durfte ich hier auf der Sommertagung der Männerarbeit der Landeskirche über die Folgen der „ForuM-Studie“ für die Evangelische Kirche sprechen. Die Tagung ist eine der noch wenigen, aber zunehmend häufiger werdenden Gelegenheiten, zu denen in den evangelischen Landeskirchen das Thema sexualisierte Gewalt – endlich, möchte man sagen – auch jenseits der Präventionsschulungen von Ehren- und Hauptamtlichen besprochen wird.

„Wir Betroffenen sind sprachfähig geworden. Das gilt nicht für alle in Kirche und Diakonie“, erklärte zur Veröffentlichung der Studie Ende Januar Detlev Zander, der selbst an der Studie mitgewirkt hat und einer der beiden BetroffenensprecherInnen im Beteiligungsforum (BeFo) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Die „ForuM-Studie“ ist ein weiteres Dokument der Sprachfähigkeit, die sich Betroffene trotz aller Widrigkeiten bewahrt und erkämpft haben. Wir haben die Studie mit einer Reihe von Beiträgen hier in der Eule bereits zum Anlass genommen, unseren Themenschwerpunkt „Missbrauch evangelisch“ weiter zu vertiefen.

Der Sommer naht und damit die Ferien, ich habe mir auch schon zwei Bücher für die Strandlektüre besorgt. In den vermutlich etwas freieren Sommerstunden aber ist vielleicht auch Zeit für die eine oder den anderen, die 37-seitige Zusammenfassung der Studienergebnisse zu lesen (PDF). Ja, das ist keine entspannte Strandlektüre, aber eine Möglichkeit, sich dem Thema zu nähern – genauso wie z.B. die Episoden unseres Eule-Podcasts von diesem Frühjahr, in denen wir einige Facetten des Themas (mit „ForuM“-Forscherinnen) besprochen haben. „Wer nicht sprachfähig ist, ist auch nicht handlungsfähig“, erklärte Detlev Zander im Januar.

Eine gute Woche wünscht
Philipp Greifenstein

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Debatte

Es ist Pride-Monat. Während des Juni finden in vielen – zunehmend auch kleineren – Städten Christopher Street Day (CSD) Paraden statt, auf Podien, mit Ausstellungen und Kulturformaten aller Art macht „die“ LGBTQI+-Bewegung auf ihre Freiheitskämpfe aufmerksam. Ordentlich gefeiert wird auch. An vielen Orten sind die Kirchen vorne mit dabei. Seit Jahren gibt es zum Beispiel einen Wagen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) auf dem Berliner CSD.

Politisch und spirituell: CSD und Gottesdienste – Rainer Hörmann (kreuz & queer, evangelisch.de)

Im verdienstreichen Blog „kreuz & queer“ bei evangelisch.de beschreibt Rainer Hörmann seine Gedanken zur diesjährigen CSD-Saison. Es sind gemischte Gefühle, die ihn auf die Straße begleiten. Unter dem Artikel findet sich eine Liste von CSD-Gottesdiensten und -Andachten an vielen Orten.

Manchmal schaue ich auf die Community, die – wenn überhaupt – nur noch im Plural denk- und wahrnehmbar ist, und frage mich, was dieses geradezu babylonische Stimmen- und Themengewirr überhaupt noch zusammenhält. Bis der nächste wunderbare Moment kommt, in dem ich merke, dass wir einander ‚einfach so‘ verstehen, dass wir eine existenzielle Grunderfahrung, nicht so zu sein wie die anderen, teilen, dass uns ein Glaube verbindet, der uns Gemeinsames finden und empfinden lässt, das nicht in Worten erschöpfend beschrieben werden kann.

Vielleicht können die ‚queeren‘ Gottesdienste in Verbindung zum CSD solch einen Moment bieten, vielleicht auch einfach das Miteinander auf einer CSD-Demonstration: voraussetzungslos dazugehören und angenommen sein. Für manche ist das der Kern des Gottesglaubens, für manche einfach ’nur‘ eine schöne menschliche Utopie.

Theologe: Queere Menschen sollten in der Kirche einen Schutzraum haben – Interview mit Andreas Heek von Matthias Altmann (katholisch.de)

Vor 30 Jahren wurde der § 175, der homosexuelle Männer kriminalisierte, endgültig aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Dass die Abschaffung so lange gedauert hat, liegt auch daran, dass die Kirchen sich politisch jahrzehntelang für die Diskriminierung von Schwulen eingesetzt haben. Aber wie so häufig weisen beim Fingerzeig auf die (römisch-katholischen) Bischöfe als Führungsfiguren einer konservativen Kirche mit rückständiger Sexualmoral auch drei Finger zurück.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) will nun seine eigene Rolle bei der Diskriminierung queerer Christen aufarbeiten. Andreas Heek, Geschäftsführer des Forum katholischer Männer (FkM), erläutert im katholisch.de-Interview, welche Mitschuld die Verbände tragen.

Frage: Herr Heek, das ZdK hat jüngst in einem Beschluss sein Versagen im Umgang mit der Kriminalisierung von Homosexualität bekannt. Worin besteht oder bestand die Mitschuld des deutschen Laienkatholizismus?

Heek: Dass er geschwiegen hat, als der Paragraf 175 endlich aus dem Strafrecht gestrichen wurde. Mir ist kein namhafter Verband bekannt, der diese Streichung befürwortet hätte. Und davor gab es auch wenig Unterstützung queerer Verbände. Im Gegenteil. Öffentlich wurde gegen Schwule und Lesben Stimmung gemacht. Dazu wurden Initiativen wie „Homosexuelle und Kirche“ bis in die 1990er Jahre von Katholikentagen ausgeschlossen.

Frage: Es ist durchaus überraschend, dass es bislang kein Wort dazu vonseiten des ZdK gab, obwohl die Streichung des Paragrafen schon 30 Jahre zurückliegt. Die Diskussion um queere Menschen in der Kirche läuft schon einige Jahre und war auch beim Synodalen Weg ein zentrales Thema.

Heek: Das stimmt natürlich. Wir haben festgestellt, dass es sogar von 1994 bis jetzt weiterhin ein beredtes Schweigen gab. Dass es den Paragrafen überhaupt so lange gab, ist ein Skandal. Und seine Abschaffung wurde von der katholischen Kirche nahezu still übergangen. Das wollen und müssen wir thematisieren.

30 Jahre ohne Paragraf 175 und ohne schwule Priesteramtskandidaten – Carina Adams (katholisch.de)

Auf die Abschaffung von § 175 vor 30 Jahren kommt auch Carina Adams in ihrem „Standpunkt“ bei katholisch.de zurück:

Die finale Bundestagsdebatte zeigte damals vor allem eines: Wie sehr die Kirchen mit einer diffusen Angst vor Homosexualität die tatsächlich auf sie zukommenden Problemfelder übersahen. Denn die evangelische und die katholische Kirche warnten im Vorhinein in einer Stellungnahme vor der Abschaffung des Paragrafen 175, da die Gefahr einer „Verführung zur Homosexualität“ männlicher Jugendlicher bestünde.

Die Verknüpfung mit dem Skandal des Missbrauchs in beiden großen Kirchen, die Adams vornimmt, sollte heute zu denken geben, genauso wie ihr kritischer Blick auf die Gegenwart in der römisch-katholischen Kirche:

30 Jahre sexuelle Aufklärung und einige Missbrauchsgutachten später ist die Kirche immer noch geprägt von einer diffusen Angst vor „zu viel Schwuchtelei“: Irgendwie gibt es Segnungen für sich liebende Paare – aber dann versteht kaum ein Mensch, wer oder was da jetzt wirklich gesegnet wird. Erst betont der Papst, er verurteile keine Homosexuellen – dann äußert er sich in höchst despektierlichen Worten. Und auch wenn sich im Rahmen von #OutInChurch einige Kleriker in Deutschland zu ihrer Homosexualität bekannten, kann dieselbe Offenheit im Alltag noch heute zu einem Ausschluss aus dem Priesterseminar führen.

Falsche Propheten an der Isar? – Philipp Greifenstein (Die Eule)

Am kommenden Wochenende wird in München ebenfalls ein CSD stattfinden. Außerdem noch die UNUM24-Konferenz, ein Festtag der neucharismatischen Bewegung inkl. homofeindlichem Starredner aus den USA und unter Beteiligung von dialogbereiten sächsischen Bischöfen. Was es mit der UNUM24, ihren Veranstaltern und auch der Mitwirkung von Bischof Heinrich Timmerevers (Bistum Dresden-Meißen) und Landesbischof Tobias Bilz (EVLKS, Rat der EKD) auf sich hat, habe ich unter der Woche hier in der Eule beschrieben.

UNUM24 folgt dem bewährten Konzept einer Mischung aus emotionalisierter Konzertatmosphäre mit charismatischer Verkündigung, um vor allem junge Menschen zu erreichen. Wie bei neo-charismatischen Konferenzen üblich müssen die Gäste für ihre Teilnahme hohe Eintrittsgelder berappen, das Standardticket kostet 169 Euro. Wie auch bei den MEHR-Konferenzen Hartls in Augsburg wird der Versuch unternommen, durch die Einladung von Gästen aus der Ökumene in die weitere kirchliche Landschaft hineinzuwirken. Hartl und dem Gebetshaus kommt hierbei eine Scharnierfunktion zwischen der neo-charismatischen Bewegung und der katholischen Kirche zu.

Führend mit dabei ist auch wieder Johannes Hartl, der einzige katholische Influencer hierzulande mit einer wirklich großen Reichweite. Und reichlich Fans! Grüße an alle E-Mail-Schreibenden der vergangenen Tage. Man sagt ja, man könne sich seine Fans nicht aussuchen. Ich meine jedoch, dass es durchaus Wechselwirkungen zwischen einer zumindest in Teilen rechtsradikalen Fanbase und den verbreiteten Botschaften gibt. Durch die Hintertür des begeisterungsstarken Hartlschen Konferenzgetümmels werden eben auch homofeindliche Botschaften unter der Jugend des Landes verMEHRt.

nachgefasst

Übersichtskarte zeigt alle Orte des Missbrauchs im Erzbistum Köln (epd, katholisch.de)

Auf einer digitalen Karte zeigt der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln, wo in den vergangenen Jahrzehnten Missbrauch durch Beschäftigte der katholischen Kirche stattgefunden hat. Auf der Karte seien alle Kommunen im Erzbistum markiert, in denen zwischen 1945 und 2023 sexueller Missbrauch an Minderjährigen und Schutzbefohlenen begangen wurde oder mutmaßlich geschah, berichtet der epd. Die rudimentäre und leider gar nicht interaktive Karte gibt bereits einen guten Eindruck von der Verbreitung des Phänomens.

Es wäre sicher wünschenswert, wenn es solche Karten – dann aber gerne hinterlegt mit weiteren Informationen am jeweiligen Datenpunkt – für alle katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen gäbe. Damit würden nicht zuletzt auch die Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen der Institutionen wahrnehmbar und transparent dargestellt. Im Eule-Podcast „Was ist (gute) Aufarbeitung?“ mit Friederike Lorenz-Sinai, einer der Forscherinnen der „ForuM-Studie“, haben wir zum Schluss – ab 60:00 Min – über „Artefakte“, also greifbare Ergebnise von Aufarbeitung, gesprochen: Solche digitalen Karten könnten genau das sein.

Bistum Essen zahlt Rekordsumme an Missbrauchsbetroffenen (KNA, katholisch.de)

Das Landgericht Köln sprach 2023 einem Mann Schmerzensgeld für erlittenen Missbrauch in Höhe von 300.000 Euro zu. Das Urteil ist inzwischen wegweisend auch für freiwillige Anerkennungszahlungen der Kirche – was ein Fall im Bistum Essen nun zeigen soll. Ob so hohe Zahlungen zum „Normalfall“ werden oder nicht sogar Hoffnungen bei Betroffenen geweckt werden, die zumeist nicht eingehalten werden können, weil es an Geld und Willen und auch an einer plausiblen und überzeugenden Darstellung in den rein schriftlichen (!) Verfahren mangelt, muss dringend auf die Tagesordnung des kirchlichen Diskurses über die Anerkennungsleistungen.

Derweil haben im Bistum Hildesheim drei weitere Betroffene den ehemaligen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen als Missbrauchstäter benannt, informiert das Bistum.

Buntes

Synodaler Ausschuss: Die inhaltliche Arbeit beginnt, mit Hürden – Christoph Brüwer (katholisch.de)

Von der zweiten Sitzung des Synodalen Ausschusses, der den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland in einen neuen Synodalen Rat (Rom sagte mehrfach: Nein) überführen soll, berichtet Christoph Brüwer für katholisch.de. Im Zentrum stand diesmal die Frage, was eigentlich von den Beschlüssen des Synodalen Weges, dessen letzte Plenartagung im Frühjahr 2023 stattgefunden hat, schon in die Praxis der Kirche vor Ort eingeflossen ist.

Die im Vorfeld angeheizten Konflikte haben sich zwar offenbar nicht erledigt und in Wohlgefallen aufgelöst, aber man rauft sich halt zusammen und schleppt sich weiter, immer an der Hand der Bischöfe.

Auch Bischof Georg Bätzing zeigte sich am Ende zufrieden mit dem Verlauf der Beratungen. „Die Inhaltlichkeit der Diskussionen hat diese Sitzung geprägt“, betonte der DBK-Vorsitzende. Gleichzeitig sei es wichtig, konkrete Veränderungen vor Ort sichtbar zu machen. „Die Menschen müssen sehen können, dass sich das Handeln der Kirche vor Ort verändert.“ Damit das möglich wird, ist auch die Kommunikation mit dem Vatikan entscheidend. Gelegenheit, dort für die Anliegen der Kirche in Deutschland Werbung zu machen, wird Bätzing schon bald haben: Das nächste Treffen der deutschen Bischöfe mit Kurienvertretern im Vatikan steht noch in diesem Monat.

„Einfach nur zu sagen, ihr habt jetzt genug bekommen, das mache ich nicht mit“ – Katja Auer (SZ)

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Festlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum des bayerischen Konkordates. Ministerpräsident Markus Söder (CSU, evangelisch) ist wieder einmal zur kirchenfreundlich-identitätssensiblen Hochform aufgelaufen. Die Einträchtigkeit ist erheblich. Trotzdem huscht mir das kleine Wörtchen „Parallelgesellschaft“ durch meinen Kopf. Warum nur?

Ein Loblied auf Bayern und dessen christliche Prägung darf freilich nicht fehlen zu einem solchen Anlass, Söder belegt das damit, dass im Freistaat „Grüß Gott“ gesagt werde, statt „Tagchen“ wie im Norden oder „Morgen, morgen“ – wobei er mutmaßlich „Moin, moin“ meint. Er schlägt den ganz großen Bogen, spricht sich gegen eine Lockerung des Abtreibungsrechts und gegen assistierten Suizid aus, für den Religionsunterricht in Schulen und natürlich für „das Wichtigste: das Kreuz“. Niemals würde er ein Gipfelkreuz abbauen und dafür Windräder aufstellen, sagt er, unnötig zu ergänzen, dass das niemand so gefordert hat.

Söder zu verstehen, heißt womöglich, ihn als sommerlich-fröhlichen Humorschaffenden ernst zu nehmen.

Das Papstamt soll vom Stolperstein zum Eckstein der Ökumene werden – Felix Neumann (katholisch.de)

In einem, wie üblich, sehr feinen und ausführlichen Erklärtext führt katholisch.de-Redakteur Felix Neumann in das neue vatikanische Dokument „Der Bischof von Rom“ über die Bedeutung des Papstamtes ein. Nach der Lektüre sind wir alle schlauer, ob mit dem Dokument Anlass zur ökumenischen Freude gegeben ist – oder wieder einmal die hoffnungsfrohe Erwartung mit den Empfänger:innen durchgegangen ist.

Die große Herausforderung ist, die „Begriffsbestimmung“ und damit faktisch die Historisierung des Ersten Vatikanums zu erzielen. Die Herausforderung ist umso größer, als dass Papst Franziskus in seiner Amtsführung bei aller Rede von der Synodalität auch sehr selbstbewusst mit der Fülle seiner Macht agiert.

Dorothea Sattler, Professorin für Dogmatik und ökumenische Theologie an der Universität Münster, analysiert das vatikanische Dokument im Interview bei Jan Hendrik Stens im Domradio.

Theologie

Damoklesschwert bleibt über Heiligem Berg – Wolfgang Thielmann (zeitzeichen)

Im evangelischen Magazin zeitzeichen ordnet Wolfgang Thielmann die Entscheidung der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zur Zukunft der Kirchlichen Hochschule Wuppertal ein. Aufgrund knapper Finanzen steht der Fortbestand der KiHo auf dem „heiligen Berg“ infrage (s. #LaTdH vom 19. Mai & die aktuelle „Sektion F“-Kolumne von Carlotta Israel).

Auf einer digitalen Sondertagung in der zurückliegenden Woche standen vier verschiedene Zukunftsvarianten zur Diskussion. Die Zukunft der KiHo Wuppertal ist aber auch nach der Entscheidung für die Prüfung eines neuen „theologischen Bildungscampus“ offen. Die Probleme der KiHo und deren Geschichte erklärt Thielmann umfassend und aus jahrzehntelanger Erfahrung mit kirchlichen Reformversprechen.

Die Kirchliche Hochschule in Wuppertal kämpft auch, weil die staatlichen theologischen Fakultäten in Nordrhein-Westfalen nicht gerade dünn gesät sind: angehende Pfarrpersonen können in Bonn, Bochum und Münster studieren, Religionslehrer zudem in Köln, Dortmund, Bielefeld und Siegen. Die Öffentlichkeitsarbeit des Heiligen Bergs lobt die kurzen Wege zueinander, die Nahbarkeit.

Nach Wuppertal gehen zudem auch Quereinsteiger, die aus einem anderen Beruf ins Pfarramt wechseln wollen. Dafür bietet die Hochschule als eine von wenigen einen berufsbegleitenden Studiengang an. Und sie hat eine Juniorprofessur für Feministische Theologie und Theologische Geschlechterforschung. Aber reicht das für eine auskömmliche Finanzierung?

Wie auch nach der Lektüre des Kommentars zur Sache von Benjamin Lassiwe im Bonner General-Anzeiger möchte man diese Frage mit einem bedauernden „Nein“ beantworten. Tatsächlich gibt es an der KiHo einen von nur zwei Lehrstühlen für feministische Theologie in Deutschland. Der andere befindet sich bezeichnenderweise an der Augustana Hochschule der bayerischen Landeskirche (ELKB). Statt an einer eigenen teuren Hochschule festzuhalten, an der feministische Theologie und Geschlechterforschung auch Platz finden, könnte man gleichwohl in EKiR, EKvW und EKD überlegen, wie diesen zweifelsohne wichtigen Themen für Forschung und Lehre an den staatlichen Fakultäten mehr Raum eingeräumt werden könnte. Vermutlich wird auch das etwas kosten.

Kant und die protestantische Theologie: Eine Transformation der Religion – Christian Danz (DER STANDARD)

Christian Danz von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien schreibt über die Rolle Immanuel Kants für die protestantische Theologie und gibt dabei zugleich einen Einblick in ein modernes Verständnis von Theologie als Wissenschaft.

Theologie ist weder eine Wissenschaft von jenseitigen Dingen, die man nicht wissen kann, noch eine Funktion der Kirche. Eine solche Theologie hätte an Universitäten nichts zu suchen.

Eine methodisch kontrollierte akademische Disziplin ist sie nur als Wissenschaft von der christliche Religion. Sie thematisiert das Religionsein der christlichen Religion, also das, was sie zur Religion macht. Das sind nicht schon die Inhalte als solche. Sie können jederzeit in einem nichtreligiösen Sinne verwendet werden, und zwar ohne dass sich etwas an den Inhalten ändert. Christlich-religiöse Inhalte entstehen im religiösen Gebrauch, der von ihnen gemacht wird.

Ein guter Satz

„Zu seinem Lob zitiert [Kant] Voltaire: Der Himmel habe uns als Ausgleich gegen die Mühen des Lebens zwei Dinge gegeben: Hoffnung und Schlaf. „Er hätte noch das Lachen dazu rechnen können“.

– aus „Die Perücke ward grau: Witze bei Kant“ von Thomas Kramar