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Königin Elisabeth II. (offizielles Porträt), Foto: State of Queensland

Verteidigerin des Glaubens

Königin Elisabeth II. ist heute im Alter von 96 Jahren gestorben. Die britische Monarchin war auch Oberhaupt der Church of England – und eine öffentlich glaubende Christin. Ein Nachruf.

Königin Elisabeth II. ist tot. Trotz ihres hohen Alters von 96 Jahren ist die Nachricht von ihrem Tod ein Schock für das Vereinigte Königreich. Weltweit trauern Menschen um die Queen, darunter auch viele, die nicht zu ihren Untertanen zählten – selbst überzeugte Republikaner.

Denn mit der Queen geht nicht nur die längste Amtszeit einer britischen Monarchin zu Ende, sondern tatsächlich eine Ära: Das zweite elisabethanische Zeitalter. Fünfzehn PremierministerInnen regierten das Vereinigte Königreich während ihrer Zeit auf dem Thron. Der erste in der langen Reihe war Winston Churchill, die letzte die gerade erst gewählte Liz Truss – die 101 Jahre nach Churchill zur Welt kam. Auch Elisabeths vollständiger Titel kündet von der Zeitlosigkeit ihres Amtes:

„Elisabeth die Zweite, von Gottes Gnaden Königin des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland und ihrer anderen Königreiche und Territorien, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidigerin des Glaubens“.

Verteidigerin des Glaubens, Defender of the Faith, Fidei defensor ist in Elisabeths Falle mehr als ein traditioneller Ehrentitel der britischen Monarchen, die sie als Oberhaupt der Church of England tragen, sondern lebenslange Verpflichtung. Die weltweite Trauer um die Queen ist vielleicht auch deshalb so herzlich, weil mit ihr nicht allein ein Staats- und Kirchenoberhaupt gestorben ist, sondern in der Tat eine spiritual grandmother für viele Menschen.

Pflichtbewusstsein, eine protestantische Arbeitsethik, Treue, Bescheidenheit und förmliche Zugewandtheit werden Elisabeth II. zugeschrieben, obwohl sie natürlich alles andere als ärmlich, sondern als Monarchin vielmehr in außerordentlichem Reichtum lebte. Doch gerade im Vergleich mit ihren Söhnen und deren Lebenswandel tritt der besondere elisabethanische Stil im Umgang mit all diesen Privilegien hervor. Elisabeth und ihr im vergangenen Jahr verstorbener Gatte Prinz Philip waren sich sicher: Ohne das Vertrauen der Öffentlichkeit kann die Monarchie nicht überleben. Dieses Vertrauen erarbeiteten sie sich durch immerwährenden, allseits anerkannten Fleiß.

Dabei ließ die Queen keinen Zweifel daran zu, auf welchem Fundament sie das Wertegerüst stellte, an dem sie ihr Leben lang festhielt. Nicht allein als Oberhaupt der Church of England war sie die erste Christin des Landes, eine öffentlich glaubende Person.

Von ihrer zugleich innigen und zutiefst traditionellen Frömmigkeit zeugten nicht nur die regelmäßigen Kirchgänge, sondern auch ihre Ansprachen an eine Nation, die während ihrer Zeit auf dem Thron immer vielfältiger wurde. Ihr „We will meet again“ schenkte der Bevölkerung während des ersten Corona-Lockdowns Trost. Ihre jährlichen Weihnachtsansprachen gehören zu den besten Homilien der letzten Jahrzehnte. In ihren Reden proijzierte sie das Bild, die britischen Lande allein durch ihren persönlichen Glauben zusammenhalten zu können.

Überall dort, wo insbesondere nach dem Brexit erneut an die Unabhängigkeit von England gedacht wird, wurde in den vergangenen Jahren auch beteuert: „Nicht solange die Queen lebt!“ Mit Elisabeths Leben geht das Zeitalter der Einheit von Monarch, Nation und Tradition zu Ende. Ihr Nachfolger, König Charles, sieht sich dezidiert als Verteidiger aller Glaubenstraditionen, als Garant der Religions- und Gewissensfreiheit. Für Elisabeth blieb diese ihre multikulturelle Selbstverständlichkeit gegründet in ihrem eigenen christlichen Glauben.

Gerade so war ihr öffentlich vorgelebter Glauben anschlussfähig. Wenn sie von „der Liebe Gottes zu allen seinen Kindern“ sprach, benötigten ihre Zuhörer:innen keine explizierte Erklärung, dass damit Menschen aller Religionen und Weltanschaungen gemeint sind. Das verstand sich im Rahmen ihres glaubwürdigen Zeugnisses von selbst.

Als Verteidigerin des Glaubens konnte Elisabeth die Einheit von Monarch, Nation und Tradition deshalb symbolisieren, weil sie glaubwürdig verkörperte, was sie in öffentlicher Rede versprach. Und weil sie mit den vielen Jahren ihrer Amtszeit erstaunliche Flexibilität gerade in moralischen Fragen bewies. Nie vorauseilend, gelegentlich zögerlich, doch dann ohne Scham blieb die Queen in touch mit ihrer Bevölkerung, deren moralischer Code sich seit ihrer Thronbesteigung dramatisch liberalisierte.

„Von Gottes Gnaden“ zur Königin gekrönt und gesalbt, erhielt sie sich das Vertrauen ihrer Nationen über Jahrzehnte hinweg durch das Festhalten an der für britische Monarchen vorgeschriebenen Zurückhaltung. So konnte sie durch alle Veränderungen seit der Nachkriegszeit und bis in das neue Jahrtausend hinein vielen Menschen Orientierung geben.

Als spiritual grandmother war Elisabeth II. so auch ein Beispiel für religiöse Führung. Seit jeher obliegt es den Großmüttern, vom Glauben zu erzählen. Nicht belehrend, aber konsequent; nicht übereilt, aber bereit zur Veränderung; unterschiedlichen internationalen Perspektiven und verschiedenen Lebenserfahrungen zugewandt, und der eigenen Tradition verpflichtet: Auf diese Weise ist Königin Elisabeth II. ein außergewöhnliches Beispiel eines im besten Sinne des Wortes konservativen Staats- und Kirchenoberhauptes gewesen.


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