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Klicks für alle – Die Links am Tag des Herrn vom 2. Juli

War diese Woche überhaupt irgendwas Wichtiges los? Ach ja … es gibt einen neuen Buchstaben!

Jeden Sonntag geben wir euch mit den Links am Tag des Herrn einen Überblick darüber, was unter Kirchenleuten diskutiert wird. In einem Einführungsartikel haben wir euch aufgeschrieben, was es mit den Links auf sich hat.

Debatte

Noch vor einer Woche galt es praktisch als ausgeschlossen, dass es in dieser Legislaturperiode dazu kommen würde, aber am Freitagmorgen hat der deutsche Bundestag tatsächlich die „Ehe für alle“ beschlossen, die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. In gewisser Weise haben wir diese unerwartete Wendung Angela Merkel zu verdanken, aber Grund zum Dank gibt es zumindest für Stefan Niggemeier (@niggi) nicht, der im SPIEGEL schreibt:

Es ist schwer vorstellbar, dass Angela Merkel, wenn sie einmal nicht mehr Bundeskanzlerin ist (was für sich genommen schon schwer vorstellbar ist), mit Stolz auf den Moment zurückblicken wird, in dem sie die Ehe für alle in Deutschland ermöglichte. Dass lesbische Frauen oder schwule Männer auf sie zugehen werden und sich bedanken und sie feiern für ihr klares Bekenntnis, mit denen sie ihnen das Gefühl gegeben hat, dass ihre Beziehungen nichts anderes und nichts weniger sind als die Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Denn es gibt kein Bekenntnis von Angela Merkel. Es gab vorher keines gegen die vollständige Gleichstellung, und es gibt jetzt keines dafür.

Allerdings Grund zur Dankbarkeit hatten zahlreiche katholische Blogger, die dank der Abstimmung die Gelegenheit hatten, ihre Erregung in reine, billige Klickzahlen zu verwandeln: Bei Tobias Klein (@monsignorecorpa) las man von einem „eklatanten Zivilisationsbruch“, für Peter Winnemöller (@cicero_pw) war am Freitag der „besondere Schutz, den Ehe lt. Grundgesetz genießen soll […] allen Eheleuten gestohlen“ worden. Auf katholisch.de sprach der sonst eher gemäßigte Kilian Martin (@killianmartin) von einem „Bruch mit dem Grundgesetz“. Theologischen Rückenwind bekam die „Blogozese“ durch die Deutsche Bischofskonferenz, deren Vorsitzender in einer Pressemitteilung von einer Auflösung des Ehebegriffs sprach.

Das glatte Gegenbild dazu bildeten evangelische Stimmen im Netz ab: Trotz anfänglichen Rumgeeiers sprach sich die EKD deutlich für die „Ehe für alle“ aus:

Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch keineswegs geschmälert. Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen.

Natürlich fand man auch auf evangelischer Seite Zivilisationsuntergangsszenarien (bei den üblichen Verdächtigen), aber die Stimmung in der protestantischen Filterblase war überwiegend positiv. Doch wer sich jetzt angesichts dieser progressiven Protestanten überlegen fühlt, sollte auch mal einen Blick auf die Facebook-Seite von evangelisch.de werfen, wo sich wie gewohnt die Meinungs-Abgründe der „Volkskirche“ auftaten.

Bibel

Spannend an sämtlichen Diskussionen über die „Ehe für alle“ war ja: Über die Bibel wurde fast nicht geredet. Entweder sind auf dem Gebiet die Fronten so klar, dass keiner mehr Internetspeicherplatz für hermeneutische Grundvoraussetzungen verschwenden will, oder die gleichgeschlechtliche Ehe ärgert Konservative überhaupt nicht (nur) auf einer theologischen, sondern auf einer viel basaleren Ebene. Hier zeigt der christliche Wertkonservativismus unserer Tage sein wahres Gesicht: Um die Bibel geht es eigentlich schon lange nicht mehr. (Aber ihr könnt mich gern eines Besseren belehren. Schreibt nächste Woche mal wieder etwas Geistreiches über die Bibel, dann wird es in den nächsten Links an dieser Stelle aufgeführt.)

Randständiges

Cheers und Halleluja

Ich werde ab jetzt jedes Mal, wenn ich die Links übernehme, an dieser Stelle die großartige Christ&Welt-Kolumne „Luft nach oben“ von Hanna Jacobs (@hannagelb) und Alina Oehler (@alinaroehler) verlinken. Diese Woche Hanna über die „pastorale Tresenkompetenz“:

In der Biertube habe ich so viel über Seelsorge gelernt wie in meiner gesamten Ausbildung. Pastorale Tresenkompetenz ist so wichtig für diesen Beruf und wird doch in Deutschland unterschätzt. Wir von „der Kirche“ sitzen oft beim Rotwein mit Gleichgesinnten und kommen uns verwegen vor, wenn wir mal irgendwas mit Jazz machen. In England hat man längst den Pub als kirchlichen Ort entdeckt, trifft sich mitten in der Welt zum Reden über Gott. Cheers und Hallelujah!

People who have lived under Sharia law, what was it really like?

Auf Reddit hat jemand Leute, die tatsächlich unter der Scharia gelebt haben gefragt, wie das so war. Die Antworten sind drastisch und ungefiltert:

We had separate schools for girls and boys. Once there was a fire in the girls block. The fire fighters rushed to the scene but the rescue attempt was stopped by the Religious Police. Since the fire fighters were men and the ones who needed help were of the opposite sex. Many students and teachers including my sister died from smoke inhalation and lack of an emergency rescue service. After the incident, the then Governor then lowered the authority of the religious police in the city.

Das ß wird groß

Das ist doch mal was, was man nicht aller Tage behaupten kann: Es gibt offiziell einen neuen Buchstaben!

Bei einem „ß“ im Namen hatten viele Menschen bisher ein Problem mit der korrekten Schreibweise – dann nämlich, wenn zum Beispiel in Pässen oder Ausweisdokumenten nur Großbuchstaben möglich waren. Denn das Eszett, das „scharfe S“, gab es bisher nur in „klein“. Man konnte nur auf ein Doppel-S ausweichen. Unbefriedigend, weil der Name dann streng genommen falsch dastand. Das ändert sich jetzt.

GROẞARTIG!

Predigt

Die Predigt für diesen Sonntag war bislang noch unvollendet. Hier ein Teaser:

Ein guter Satz

Nach unserer Verfassung entscheidet jeder einzelne Abgeordnete, wie er sich zu jedem beliebigen Punkt auf der Tagesordnung des deutschen Bundestags verhält – dazu bedarf es keiner Freigabe, weder durch Fraktionen, noch durch Parteien.

(Bundestagspräsident Norbert Lammert während der abschließenden Debatte zur „Ehe für alle“.)

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