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Wen würde Jesus wählen?

Die Kirchen rufen vor der Bundestagswahl zum Wählen auf: Aber was und wen sollen Christ:innen denn wählen? Zwei Online-Tools geben darüber Auskunft.

Am 26. September wählen die Deutschen einen neuen Bundestag. Zur Wahl rufen auch die Vorsitzenden der Deutscher Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing (Limburg), und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Bayern), auf: „Gehen Sie wählen und stärken Sie ein achtsames, solidarisches und gerechtes Miteinander in unserem Land.“

Nach welchen Werten sollen Christ:innen sich bei ihrer Wahlentscheidung richten? Wen würde Jesus wählen? Auf vier Seiten (PDF) fassen Bedford-Strohm und Bätzing Forderungen an die Politik zusammen, die aus ihrer Perspektive für eine gute Wahlentscheidung zentral sind. Darunter „ein gut funktionierender Sozialstaat“, die „verantwortliche Gestaltung der Digitalität“, eine „wirksame Bekämpfung des Klimawandels“ und „eine an der Würde und an den Bedürfnissen der Menschen“ orientierte Flüchtlings- und Migrationspolitik.

Der Sozial-O-Mat der Diakonie

Von der Diakonie Deutschland stammt auch zu dieser Bundestagswahl der „Sozial-O-Mat“. Ähnlich wie beim beliebten „Wahl-O-Mat“ der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) vergleicht der „Sozial-O-Mat“ die Überzeugungen der Nutzer:innen mit Aussagen der Parteien. Allerdings umfasst er auschließlich Thesen zu den wichtigsten sozialen Themen dieser Wahl: Arbeit, Gesundheit, Familie und Kinder sowie Migration.

Darum ist das Online-Werkzeug vor allem für jene interessant, die ihre Wahlentscheidung gerne sozialverträglich treffen wollen, denen die Gerechtigkeit im Lande am Herzen liegt. Weil der „Sozial-O-Mat“ andere wichtige Themen weglässt, gibt sein Ergebnis allein darüber Auskunft, welche Partei den eigenen sozialpolitischen Überzeugungen am ehesten entspricht.

Der PROphetomat

Vom christlichen Medienmagazin Pro wird zu dieser Bundestagswahl der „PROphetomat“ angeboten, der Thesen danach sortiert anbietet, was Christen besonders interessiert. Deshalb fragt das Online-Tool des evangelikalen Magazins natürlich auch nach den Themen Lebensschutz (reproduktive Rechte und Gesundheit) und Islam, die besonders in konservativen und rechten christlichen Kreisen diskutiert werden.

Allerdings enthält der „PROphetomat“ auch Thesen zum Klimaschutz, zum Religionsverfassungsrecht, zur Außen- und Sicherheitspolitik, zum Lieferkettengesetzt, das die Kirchen ausdrücklich unterstützen, und zur Sterbehilfe. Die Thesen können bei Gefallen doppelt gewichtet werden. Gefüttert wurde der „PROphetomat“ mit den Positionen von 18 Parteien. Darunter alle, die sich Hoffnungen auf den Einzug in den nächsten Bundestags machen können.

Die Thesenauswahl des „PROphetomat“ mag durch eine monoperspektivische Sicht auf die Politikinteressen von Christen zustandegekommen sein, doch werden auch progressive und liberale Christ:innen ihn mit Gewinn nutzen können, weil der „PROphetomat“ auch in diesem Fall die nach den Parteiprogrammen zutreffenden Präferenzen darstellt. Das weite Themenspektrum ergänzt den „Wahl-O-Mat“ der bpb um einige wichtige gesellschaftspolitische Positionen.

Wen würde Jesus wählen?

Als Christinnen und Christen betonen wir die Geschwisterlichkeit der ganzen Menschheitsfamilie“, rufen Bischof Bätzing und Landesbischof Bedford-Strohm in Erinnerung, „als christliche Kirchen sehen wir uns in der Mitverantwortung für unser demokratisches Gemeinwesen“. Damit bringen sie Überzeugungen zum Ausdruck, die in den großen christlichen Kirchen erst während des 20. Jahrhunderts und unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges und des Holocaust gereift sind. 

Wonach hätte Jesus seine Wahl ausgerichtet, hätte er jemals an einer Wahl teilnehmen können? Die Weisungen, die uns die Bibel überliefert, auf eine konkrete Wahlentscheidung zu Gunsten oder Ungunsten einer Partei herunterzubrechen, würde sie nur klein machen. Doch lassen sich zum Beispiel an Jesu Worten darüber, wodurch man in den Himmel kommt („Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“), wichtige Maßstäbe für christliches Wählen gewinnen.

Eine Re-Lektüre des entsprechenden Eule-Artikels von 2017 jedenfalls macht deutlich: Trotz und wegen Corona-Pandemie und Klimakrise sind viele der drägenden Fragen in unserer Gesellschaft immer noch nicht ausreichend beantwortet oder auch nur adressiert. Dass dies nicht so bleibt, liegt auch in der Verantwortung der Christen hierzulande.


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