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Wer soll das bezahlen … – Die #LaTdH vom 21. Januar

Der BR eröffnet eine neue Kirchensteuer-Debatte. Außerdem: Was sich keiner zu sagen traute, schmerzliche Lehren und Begegnungen mit dem Judentum.

Debatte

Kirchensteuer und Kollekte – Wie reich sind die Kirchen wirklich? – Irene Esmann (BR)

Der Bayerische Rundfunk widmet sich in einer Sendung den Kirchenfinanzen. Im Angesicht des Reichtums der Kirche in der Welt kein schlechtes Thema. Hauptsächlich am Beispiel der Erzdiözese München und Freising wird so einiges erklärt. Die halbstündige Sendung kann man sich in der Mediathek zu Gemüte führen.

Und die Kirchensteuer: Kaum jemand begreift, wie sie eingezogen und verwendet wird, und mancher findet, es gäbe viel bessere Finanzierungsmöglichkeiten, einfachere, transparentere, solche, die die Menschen besser akzeptieren könnten.

Leider ist man nach dem Beitrag was die Kirchensteuer und ihre Verwendung angeht, nicht wirklich schlauer. Und ich frage mich auch, wie es die Kirchen und ihre Kirchensteuerzahler_innen es eigentlich noch einfacher haben könnten als jetzt? Mangelt es der Kirchensteuer bei 45 Millionen Kirchensteuerzahler_innen wirklich an Akzeptanz?

Falschdarstellungen im BR zu Kirchensteuer – Matthias Krause (Skydaddy’s Blog)

Der BR wollte es mal ganz übersichtlich machen und verfolgte 100 € aus den Einnahmen der Diözese auf ihrem Weg „zu ihren Empfängern“. Problem: Die Einnahmenseite der Kirche besteht aus mehr als der Kirchensteuer, besonders im reichen München und Freising. Daraus ergeben sich ein paar Einschränkungen und zweckdienliche Hinweise, die Matthias Krause auf seinem kirchenkritischen Blog aufgeschrieben hat.

Der Beitrag basierte auf einer Darstellung des Erzbistums München und Freising, die zwar leicht einen falschen Eindruck vermitteln kann, die aber mittlerweile zumindest nicht offensichtlich falsch ist. Die eigentliche Falschdarstellung übernahmen dann der Bayerische Rundfunk und Irene Esmann, die nämlich genau auf die irreführende Darstellung des Erzbistums reingefallen sind.

Wer sich die inkorrekte Übersicht des BR mal anschauen will: Hier entlang.

7 andere gute Gründe für die Kirchensteuer – Philipp Greifenstein

So richtig verstehe ich das Gewese um die Kirchensteuer nicht wirklich. Ich habe kein erotisches Verhältnis zu ihr, aber bisher ist mir auch noch kein Konzept untergekommen, das ähnlich leistungsfähig wäre. Das habe ich erst im Sommer ’17 in einer ausführlichen Diskussion auf dem TheoBlog deutlich machen wollen. Aus einer längeren Replik habe ich dann gleich einen Artikel gemacht.

Bei der Kirchensteuer handelt es sich in Anlehnung an den Wirtschaftssprech momentan um eine win-win-win-Situation. Das Kirchenmitglied muss sich um seinen Beitrag nicht weiter kümmern, weil der direkt mit der Einkommenssteuer eingezogen wird. Die Kirchen werden ausreichend und verlässlich finanziert. Und (!): Der Staat erhält für seine Dienstleistung ein erhebliches „Honorar“, auf das er ungern verzichten will.

Das Drei-Säulen-Modell für eine Reform der Kirchenfinanzierung und eine Verbesserung der Gemeinwohlfinanzierung – Dietrich Bonhoeffer Verein

Ein Vorschlag zur Finanzierung der Kirchen ohne Kirchensteuer ist das Drei-Säulen-Modell des Dietrich Bonhoeffer Vereins. Alle Beweggründe für die Neuordnung gehen mir auf. Das gilt für die theologischen Überzeugungen, wie für die Überlegungen, mit einer Reform auch Demokratie und Mitbestimmung in den Kirchen zu stärken. Allein, geht es am Ende auch auf? Für Kirchen, die angesichts von Kirchensteuereinnahmen in erheblicher Höhe trotzdem kürzen müssen, weil sie strukturell zu breit – zu fett – geworden sind, ein nicht unwichtiger Aspekt.

.. wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinkepinke, wer hat so viel Geld?


Was den üblichen Vorwurf an die Kirche angeht, sie würde sich nicht auf Neues einstellen, muss hier entgegnet werden: Nein, mit den Kürzungen antizipieren wir den zukünfigten Mangel ganz prächtig.

Ist es nicht ein Zeichen für die (fast ausschließlich) an wirtschaftlichen Maßstäben ausgerichtete Diskussion, dass es immerzu um Umfang des Aufgabenspektrums und die liebe Bezahlbarkeit geht? Stattdessen könnte man doch mal nach Zielen fragen, die aus dem entspringen, was Kirche eigentlich angehen sollte: Das, was ihre Mitglieder für nötig halten und wünschen, und das, was ihr das Evangelium aufgibt.

Randständiges

Drei Lehren aus der kirchlichen Statistik – Rainer Bucher (katholisch.at)

Wir reisen zu den alpinösen Nachbarn weiter rechts auf der Europa-Karte. Die Zahlen der Kirchenstatistik für die röm.-kath. Kirche in Österreich sind mies. Rainer Bucher, Professor für Pastoraltheologie an der Uni Graz, zieht drei Konsequenzen aus dieser neuen (?) Realität. Alle entspringen sie einer Grundthese, die da wäre:

Zum einen dokumentieren die Zahlen einen grundsätzlich und offenkundig unumkehrbaren Wandel im Nutzungsmuster von Religion in der österreichischen Gesellschaft. Religion wird von einer mehr oder weniger selbstverständlich das Leben dominierenden und orientierenden zu einer nach individueller Bedürfnislage wahlweise in das eigene Leben eingespielten Größe.

Das Jüdische im Christentum suchen – Markus Himmelbauer (feinschwarz.net)

Anlässlich des „Tag des Judentums“ am 17. Januar schreibt Markus Himmelbauer im erfolgreichsten christlichen Blog feinschwarz.net (@feinschwarz_net) darüber, wie der christlich-jüdische Dialog zu einer Erneuerung beitragen kann. Auch im Vorfeld des kommenden Shoah-Gedanktages am 27. Januar eine spannende Lektüre. Im Deutschen Bundestag wird es dieses Jahr übrigens keine Gedenkveranstaltung zum Holocaustgedenken geben.

Es ist wichtig, dass die Kirchen ihre Aufmerksamkeit der Tora und den übrigen Schriften des Tanach widmen. Nicht nur, um Jesus und seine Anhängerinnen und Anhänger historisch zu verstehen. Aus diesen Quellen fließt der Saft der Wurzel, der die Zweige heute nährt.

Überregionale Bedeutung? Bitte nicht! – Chajm Guski (Chajms Sicht)

Diese Woche gab es nicht nur eine neue Ausgabe meiner Kolumne mit Ostdeutschlandbezug, nein, „unter Heiden“ gab es noch mehr Neuigkeiten: Dem Synagogenverein Gröbzig wird das Geld gestrichen, wegen zu viel Erfolg. Echt jetzt: Es kämen einfach zu viele Auswärtige und zu wenig „von hier“ hätten was vom Engagement. Kopf, Tisch! Danke @Chajmke fürs Aufschreiben.

Die Rede ist von 120.200 Euro für den Betrieb des Museums. Um das »Problem« der überregionalen Bekanntschaft zu beheben, wird derzeit ein neuer Förderverein gegründet. Dieser soll scheinbar ein kleineres Profil fahren und dafür sorgen, dass das Museum nicht so auffällt. Ein wichtiger Beitrag bei der Bemühung jüdisches Kulturgut auf deutschem Boden kleinzureden und möglichst unauffällig unterzubringen.

Sollte sich politisch an diesem Unfug wirklich nichts mehr ändern lassen, dann kann man ja wenigstens dem Förderverein (auch pekuniär) beispringen.

Mormonism’s Crisis of Faith – Eric Armstrong (New Republic, englisch)

Ein ausführlicher Artikel darüber, was der Tod ihres bisherigen Chefs Thomas S. Monson für die Mormonen bedeutet. In englischer Sprache geschrieben, entführt er in eine fremde Welt.

Most mainstream Christians understand this story in eschatological terms, the Kingdom of God referring to the new world order that will be instituted and presided over by Jesus Christ following his Second Coming. But Mormons have taken the Kingdom of God, in this context, to mean The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints—the Mormon Church itself. In Mormon circles, in fact, “stone cut without hands” has become shorthand for the church and the gospel it preaches.

Predigt

Wovon sich keiner zu reden getraut hat – Walter Faerber (evkirche-grossilsede.de)

Eine Predigt über Paulus, die Gemeinde in Korinth und das, wovon sich keiner zu reden traut.

Paulus nennt das die »Weisheit der Vollkommenen«, die Weisheit derer, die die Welt vom Kreuz her ansehen und durchdenken. Du wirst die Welt erst verstehen, wenn du auf die Energieflüsse schaust, durch die die Mächtigen den Armen die Kraft abziehen. Du durchschaust die Welt erst wirklich, wenn du von den Opfern her denkst.

A Thrill of Hope – Unvirtuous Abbey (unvirtuousabbey.com, englisch)

Eine Epiphanias-/Weihnachts-Predigt, für alle, die von Weihnachten noch nicht lassen können/wollen.

Christmas Eve worship was political and spiritual. It’s a radical act to light a candle and to sing, “Sleep in heavenly peace” in a world with so much conflict.

Ein guter Satz

„I can’t throw and catch at the same time.“

„Ich kann nicht gleichzeitig werfen und fangen.“

– Susan M. Reisert, in ihrem Artikel (englisch) über die Schwierigkeiten einer kleinen Gemeinde, ein umfassendes Angebot zu machen


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