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Foto: "old radio" von chaps1 (Flickr), CC BY 2.0

Abgehört (16): Deepshittalk

Lisa und Jonas sprechen in ihrem „Lagerfeuerpodcast“ über die großen Fragen des Lebens. Die beiden jungen Katholiken setzen sich dabei auch mit den schwierigen Themen ihres Glaubens auseinander.

Wo und wie?

Wo: Den Podcast gibt‘s auf YouTube, Spotify, iTunes und deepshittalk.de.
Episodenlänge: 1/2 Stunde
Bisher erschienen: 16 Folgen + 25 Inputs im Adventskalender
Social: Instagram, Facebook

Der Fragebogen

Worum geht es in eurem Podcast?
In unserem Podcast geht es um die großen Fragen des Lebens. Diese sind für uns meistens – wenn auch nicht immer – die großen Fragen des christlichen Glaubens. Woran glauben wir? Was bedeutet uns eigentlich so etwas wie die Beichte? Sind wir Feminist*innen? Was hoffen wir, passiert nach dem Tod?

Da wir beide katholisch sind und noch dazu katholische Theologie studieren, sind unsere Antworten auch alle davon geprägt. Wir scheuen uns aber nicht davor, klar zu sagen, wenn uns Dinge an der Lehre der katholischen Kirche stören oder wir mit etwas nichts anfangen können.

An welche Zuhörerschaft richtet ihr euch?
An Menschen, die sich genau wie wir Fragen über das Leben und den Glauben stellen. Wir erzählen davon, was – oder was auch nicht – theologische und kirchliche Themen uns ganz persönlich für unseren Glauben und unsere Gottesbeziehung bedeuten. Das interessiert vor allem Menschen, die genau wie wir auch zweifeln und kritisieren, aber dennoch an Gott und/oder der Kirche festhalten wollen.

Verfolgt ihr ein höheres Ziel?
Wir wollen Menschen helfen, selbst Antworten auf die Fragen zu finden, die wir uns stellen. Deswegen nehmen wir unsere Zuhörer*innen immer durch die ganze Frage mit. Wir haben nicht auf alles eine klare Antwort, aber wir können Menschen Ideen und Inspirationen bieten, wie Glauben aussehen kann.

Lisa

Wer spricht euren Podcast?
Lisa studiert Katholische Theologie in Frankfurt: Ich brenne für Feminismus, die #digitalekirche und Serien jeder Art. Ich liebe es davon zu erzählen, was mich am Christentum und meinem Gott so fasziniert und begeistert. Und in diesem Podcast bereitet es mir besonders viel Freude über schwierige Themen zu sprechen, auf die ich auf oft noch keine fertige Antwort hab.

Jonas

Jonas studiert Lehramt für die Fächer Mathematik und katholische Religionslehre: In meiner Freizeit arbeite ich häufiger mit Jugendlichen und habe gemerkte, wie wichtig es ist, über seinen Glauben zu reden. Deswegen setze ich mich in unserem Podcast auch mit den schwierigen Themen unseres Glaubens auseinander.

Und an welchen Tischen findet man euch in der großen Halle?
Lisa: Ravenclaw
Jonas: Hufflepuff

Welche ist eure Lieblingsfolge, und warum?
Lisa: „Was bedeutet dir das Priestertum?“ war für mich die schwierigste Folge bisher, weil es mich viel Mut gekostet hat, klare Kritik zu formulieren und ich über das Feedback, was wir zu der Folge gekriegt haben, viel dazu gelernt habe.

Jonas: „Was bedeutet dir der Gründonnerstag?“, die Bibel ist für mich immer ein wichtiger Begleiter und Ratgeber in Fragen des Glaubens und besonders an den Überlieferungen zum letzten Abendmahl zeigt sie auf, wie vielfältig und dicht sie von besonderen Ereignissen spricht.

Welchen Themen wollt ihr euch als nächstes widmen?
Lisa: Als nächstes Thema wollen wir „Was bedeutet dir Mann sein / Frau sein für dein (geistliches) Leben“ nehmen. Weiter würde ich gerne einmal über Digitalität und Glaube reden.

Jonas: Mich reizt besonders, mit „Andersgläubigen“ zu sprechen und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in der nächsten Zeit mal einen Gastauftritt dafür arrangiert bekommen.

Habt ihr ein Podcast-Vorbild oder einen Podcast außer eurem eigenen, den ihr unseren Leser_innen ans Herz legen wollt?
Lisa: Ja! Ich höre mit Begeisterung Secta*. Sehr informativ und großartig vorgetragen.

Jonas: Same. Auch wenn ich im Allgemeinen kaum Podcasts höre.

Hört ihr euren Podcast auch selbst an?
Lisa: Mindestens einmal um Zitate rauszuschreiben.

Jonas: Ja, in der tontechnischen Nachbearbeitung. Vielleicht auch ein bisschen zu häufig …

Ein Bibelwort, das euren Podcast treffend beschreibt:
Oh, das ist schwierig! Geeinigt haben wir uns auf 2 Timotheus 1,7: „Denn Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Abgehört: Maria? #oldbutgold

Deepshittalk. Bin ich zu alt für dieses Wort? Hat das ein bestimmte Bedeutung? Immerhin schreiben Lisa und Jonas auch auf ihrer Vorstellungsseite:

Alles immer 100% ehrlich und 100% #deepshit. Hört rein! <3

Da guck ich mir doch mal den Hashtag an, und bin mal wieder in die Fänge des Netzes geraten. Da gibt es einiges an #deepshit zu lesen. Gedanken, deren Inhalte eigentlich auf der Hand liegen, aber wenn man sie ausspricht, sehr tiefgründig daherkommen.

Lisa und Jonas treffen sich also am Lagerfeuer, und sprechen mal ihre Gedanken zu diversen Themen des kirchlichen Lebens aus. Es tut gut, einfach auch mal anderen dabei zuzuhören, wie sie sich darüber den Kopf zerbrechen und Gespräche bringen oft neue Einsichten und neue Blickwinkel.

Leider bringt nur das Titelbild den Lagerfeuercharakter auf. Dem Podcast würde es überhaupt nicht schaden, den Charakter ein bisschen im Intro zu vertiefen, vergleichsweise wie das „knallende“ Popcorn bei den Popcornpilgern. Das wenige Feuerknistern im Hintergrund bringt das richtige Feeling bei mir jedenfalls nicht auf.

Bei der Durchsicht der Folgen tut es mir gleich mal leid, dass wir uns dem Podcast erst jetzt widmen und nicht schon früher, da die beiden einen #deepshit -Adventskalender produziert hatten. Den lohnt es aber auch jetzt noch zu hören, jeden Tag einen ein bis anderthalb minütigen Impuls zu diversen Liedern.

Ich konzentriere mich aber mal auf die vorangehenden längeren Folgen, die alle so ca. 30min gehen, also ganz nach meinem Geschmack, was Würze angeht. Da ist auch schon die Folge zu finden, das Lisa in unserem Interview als nächstes Projekt vorstellt: „Was bedeutet dir Mann/Frau sein?“

Beim Hören der Folge wird mir sehr schnell bewusst: Hey, hier reden zwei Studierende der katholischen Theologie, hör dir doch mal an, was die beiden zu Maria zu sagen haben, mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte ich da neue Denkanstöße bekommen. Beide erläutern ihre eigene Sicht auf die Person und die Figur Maria. Sie erzählen von ihren Erfahrungen beim Pilgern und ihrer Entwicklung der Sicht auf die Dinge. Tradition wird kritisiert, ganz besonders der Missbrauch der Marien-Dogmen, explizit von der feministischen Lisa.

Jonas muss dem widersprechen: Die Dogmen seien nicht gedacht, das Patriarchat zu stärken, sondern das Idealbild der Frau zur Zeit der Entstehung zu stärken. Schnell kommen sie zu der Einigung, dass man heute nicht mehr weiß, was zuerst war: Erst das Bild der Frau, das bestärkt werden wollte, oder das Dogma, das die Frau in eine Rolle zwängt.

Ich empfinde es als sehr erfrischend, dass beide zugeben können, dass sie nicht alles wissen. Im konkreten Fall, dass sie keine Dogmengeschichtler sind. Dafür wäre das Setting des Lagerfeuers hilfreich: Wenn sie in ihrer Rede stocken, dem anderen das Wort geben, sich in ihren Aussagen wiederholen. Am Lagerfeuer sitzend hätte ich damit kein Problem, als informativen Podcast nervt es mich leider ab und an dann doch.

Ein guter Satz

„Die lehramtlichen Dokumente behaupten objektiv Eigenschaften festlegen zu können wie eine Frau ist. Ich frage mich, warum die Männer, die das geschrieben haben, sich anmaßen, sagen zu können, wie eine Frau zu sein hat?“


* Der Deepshittalk ist wie Secta.fm Teil von ruach.jetzt. Mit dem ruach.jetzt-Netzwerk hat Die Eule das Crossover „Hat Luther genagelt?“ produziert. Außerdem wirbt das ruach.jetzt-Netzwerk zurzeit in den „Links am Tag des Herrn“.

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