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Apfelbäumchen – Die #LaTdH vom 6. Februar

Erste konkrete Forderungen des Synodalen Weges beschlossen. Außerdem: Impfpflicht-Kritik von Diakonie und Caritas, Münchener Nachbetrachtungen und ein Apfelbäumchen.

Herzlich Willkommen!

Die Religions- und Kirchennachrichten werden ausdauernd von der römisch-katholischen Kirche dominiert. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es den anderen auch recht so ist. Es ist keineswegs so, dass allein die Katholiken mit Säkularisierung, Pluralisierung, usw. zu kämpfen hätten: In allen Religionsgemeinschaften laufen zum Teil harrsche Debatten um Zugehörigkeit und die „Zeichen der Zeit“. Auch den Skandal des sexuellen Missbrauchs hat die katholische Kirche nicht allein gepachtet.

In dieser Woche aber versuchte die katholische Kirche sich nicht nur daran, positive Nachrichten zu schreiben, nein, mittels des Synodalen Weges will man Anschluss gewinnen an die Gegenwart. Dazu traf man sich in analoger Präsenz zur 3. Synodalversammlung in Frankfurt am Main. Nicht nur Daniel Deckers von der FAZ empfand die Debatten dort jedoch als „Farce“. Angesichts dessen, dass die Diskussionen im Plenum kaum mit der (Text-)Arbeit des Synodalen Weges verknüpft sind, darf man nach der Sinnhaftigkeit solcher Großtreffen fragen. Allzumal mitten in der Omikron-Welle.

Eine gute Woche wünscht
Philipp Greifenstein


Debatte

Von Donnerstag bis Samstag tagten die Teilnehmer:innen des Synodalen Weges in Frankfurt. In „Live“-Blogs berichteten davon das Domradio des Erzbistums Köln und katholisch.de (Zusammenfassung Tag 1, Tag 2 & Tag 3). Was ist nun eigentlich passiert?

Neben zum Teil emotionalen Debatten über das Münchener Missbrauchs-Gutachten und die angeschlagenen Themen haben sich die Teilnehmer:innen mit drei Texten in zweiter Lesung befasst und diese nun beschlossen: Den „Orientierungstext“ (PDF) des Präsidiums, den „Grundtext“ (PDF) des Macht-Forums und dessen ersten „Handlungstext“ „„Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs“ (PDF).

Letzterer führt Chancen und enggesetzte Grenzen des Unterfangens Synodaler Weg vor Augen: Es handelt sich um zahme Bitten an die Ortsbischöfe und ihre Domkapitel. Zwar beeilte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing (Limburg), zu versichern, er wolle das auf alle Fälle in seinem Bistum so umsetzen und appelliere an seine Amtsbrüder, es ebenso zu halten, aber selbst wenn dem alle 26 weiteren (Erz-)Diözesen folgen sollten, bliebe es bei einer minderen, vor allem beratenden Beteiligung einer weniger Laien an den ja nicht gerade häufigen Bischofswahlen. Revolution sieht anders aus.

Wenig Hoffnung auf Reform – Liane von Billerbeck im Gespräch mit Georg Bier (DLF Kultur)

Bei Deutschlandfunk Kultur äußert sich der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier skeptisch, was die Chancen des Synodalen Weges angeht. Anders als bei seinem Bonner Kollegen Norbert Lüdecke („Potemkinsches Synodal-Dorf“), der dieser Tage beim Deutschlandfunk und im theologischen Feuilleton feinschwarz.net seine bereits aus der Eule und seinem letzten Buch bekannte Position zu erklären versuchte, scheint bei Bier vor allem Resignation durch seine Kommentare hindurch.

„Dass die katholische Kirche sich bewegen muss, das steht außer Frage“, sagt er, aber er erwarte es dennoch nicht. Die Frage des Zölibats, der Gleichstellung von Frauen und andere Themen würden in der Theologie und unter den Gläubigen schon seit Jahren diskutiert. „Die Argumente liegen schon lange auf dem Tisch, es ist nichts passiert.“ Er sehe nicht, warum das jetzt grundlegend anders sein sollte. […]

Eine andere Wirkung hätte es, wenn Katholikinnen und Katholiken ihr ehrenamtliches Engagement zurückfahren oder der Kirche das Geld entzögen. „Das geht in Deutschland nur über einen Kirchenaustritt.“ Aber dazu seien viele nicht bereit, weil die Kirche auch ein Stück Heimat sei.

Ebenfalls empfehlenswert sind die Einschätzungen des Berlin-Korrespondenten der Irish Times, Derek Scallly (@DerekinBerlin), auf dem gleichen Sender:

„Es kommt stark darauf an, wie viel Angst die Bischöfe haben“, sagt er über die Bereitschaft zur Reform der Kirche in Deutschland. „Haben sie Angst, zukünftig Bischöfe einer Kirche zu sein oder Bischöfe einer Sekte?“ Als Kirchenbesucher beobachte er das alles mit zunehmender Skepsis. Er frage sich, ob seine Anwesenheit in der Kirche reformfördernd sein könne oder seine Abwesenheit hilfreicher wäre.

Kirchenkrise: Frust und Aufbruch – Christoph Strack (Deutsche Welle)

Nicht ganz so skeptisch, sondern fast schon optimistisch kommentiert Christoph Strack (@Strack_C) von der Deutschen Welle die Ergebnisse der 3. Synodaltagung. Die Debatten seien „die letzte Chance der um Glaubwürdigkeit kämpfenden Kirche“. Nun ja, genau, es geht um die Kirche: ihre Sünden, ihre Fehler, ihre Zukunft, ihre Hoffnungen.

[M]itten in der Krise beschließt das Gremium die ersten deutlichen Forderungen: die Abschaffung des Pflichtzölibats, mehr Transparenz und die Teilung von Macht in der Kirche, die Beteiligung von Laien bei Bischofsernennungen. Es votiert für eine grundlegende Neubewertung der Homosexualität, eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral. Endlich, aber auch: mal wieder.

All diese Punkte verabschiedeten die 215 Synodalen bereits in Zweiter Lesung mit Zweidrittelmehrheit. Und auch bei den knapp 60 beteiligten Bischöfen gab es diese Zweidrittelmehrheit. Das ist wichtig, denn wenn die Bischöfe nicht mit im Boot wären, würde ein Text nicht als beschlossen gelten.

Die Veranstalterinnen DBK und Zentralkomittee der Katholiken (ZdK) kommunizieren medial auch die Verweisungen zurück in die Synodalforen (Arbeitsgruppen) nach der „1. Lesung“ als historische Beschlüsse. Ich lasse sie hier weg. Der ohnehin bestehenden Unverbindlichkeit tatsächlicher Beschlüsse muss nicht noch mehr dergleichen hinzugefügt werden.

Ob und wie die (Erz-)Bischöfe, die bereits mit ihrer 2/3-Mehrheit beschlossenen Forderungen in ihren (Erz-)Bistümern umsetzen, wird wohl die Frühjahrstagung der DBK zeigen, erklärte im katholisch.de-Interview bei Roland Müller (@roland_molitor) der Osnabrücker Bischof und stellvertretende DBK-Vorsitzende Franz-Josef Bode. Weil seine Antwort so schön ist, hier im Ganzen:

Frage: Sehen Sie dieses Bemühen [nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden]?

Bode: Wie ich die Bischöfe erlebe, wollen sie doch einen gemeinsamen Weg gehen. Leider finden die breiteren Gespräche der Bischöfe erst bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im März statt. Aber es zeigt sich jetzt schon die Verantwortung, Dinge nicht einfach gegeneinander zu setzen. Bei der Vollversammlung haben wir Gelegenheit, alle diese Themen nochmal unter uns anzusprechen – das ist wichtig für unsere Zweidrittelmehrheit. Wir sprechen ja nicht nur als einzelne Bischöfe, sondern es gibt da ja auch eine Kollegialität. Das ist nicht nur eine Absprache untereinander, sondern es muss bedacht werden, was wir auch als Episkopat denken.

nachgefasst I: Münchener Missbrauchsgutachten

So richtig durch mit dem Papa emeritus sind die Katholik:innen und ihre Presselandschaft noch nicht. Zu stark ist offensichtlich die Kränkung, die auch gewöhnliche – und nicht von Missbrauch betroffene! – Katholik:innen verspüren. Auch oder gerade weil sie vormals zu den Benedetto-Fans gehörten. Jede:m sei ihr/sein Emanzipationsprozess gegönnt, wenn er auch sehr spät kommt. „Ratzinger weiß, was er tut“, meint beim Domradio jedenfalls der Vatikan-Experte Marco Politi:

Mehr als 90 Prozent der Bischofskonferenzen in der ganzen Welt haben keine Lust, diese Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich würde nicht sagen, dass das Ratzinger-System jetzt zu einem Kollaps gekommen ist, denn das System der Passivität und des Nicht-Wissen-Wollens ist noch immer sehr stark in der großen Mehrheit der Diözesen und der Bischofskonferenzen auf der ganzen Welt.

Über das Münchener Gutachten und „Ratzingers Kampf gegen Missbrauch“ schreibt bei Vatican News / L’Osservatore Romano der Chefkommunikator des Heiligen Stuhls, Andrea Tornielli (@Tornielli, vormals auch in der Eule). Anders als die Ratzinger-Fanboys mit Bischofshut geht er dabei einigermaßen differenziert vor. Was Tornielli schreibt dürfte der Haltung von Papst Franziskus entsprechen:

Wie vorherzusehen war, beherrschten Ratzingers viereinhalb Jahre an der Spitze der bayerischen Erzdiözese die Kommentare. Einige der Vorwürfe waren bereits seit mehr als zehn Jahren bekannt und wurden bereits von wichtigen internationalen Medien veröffentlicht. Insgesamt gibt es vier beanstandete Fälle, und sein Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, hat angekündigt, dass der emeritierte Papst nach Abschluss der Prüfung des Gutachtens eine ausführliche Stellungnahme abgeben werde. In der Zwischenzeit jedoch ist die von Benedikt XVI. immer wieder bekräftigte Verurteilung dieser Verbrechen nachdrücklich zu betonen […].

Und auch „Kardinal Widerspruch“ Marx wird weiterhin gründlich untersucht: Patrik Schwarz (@Ihrpat) hat in der ZEIT das bisherige Geschehen mit einem Psychogram des Münchener Erzbischofs verschmolzen:

„Unverzeihlich“ nennt Marx sein Übersehen der Opfer. Und doch bleibt alles beim Alten: Der Kardinal ist weiter Kardinal, ein Opfer weiter Opfer. Solange es keinen Richter jenseits des Systems gibt – weil der Staat die Kirche in ihrer Friedhofsruhe belässt –, bleibt jedes Schuldeingeständnis von Klerikern hohl, da folgenlos. Und der Murks geht weiter.

Dass und wie „die Politik“ nun endlich mal ins Handeln kommen will, erklärte der SPD-Religionspolitiker Lars Castellucci (@larscastellucci) diese Woche Daniel Deckers von der FAZ (€). Ein lesenswertes Interview, in dem gleichwohl wenig Neues steht, außer das Politiker:innen bisher selten so offen von der Scham und Scheu gesprochen haben, die eine eigene Befassung mit dem sexuellen Missbrauch in unserer Gesellschaft verhindert(e).

nachgefasst II: Impfpflicht bei Diakonie und Caritas

Zum 16. März soll in Deutschland eine einrichtungsbezogene Impfpflicht gegen Corona gelten. Dieser und anderen Impfpflichten stehen Diakonie und Caritas prinzipiell offen gegenüber. Auf Probleme bei der Umsetzung haben nun die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva-Maria Welskop-Deffaa (@NYwelskop), und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hingewiesen:

„Da kommen viele Frustrationen zusammen: die Impfskepsis, die Verärgerung, dass die Pflicht nur für Beschäftigte in bestimmten Einrichtungen gilt, und auch die allgemeine Enttäuschung über den Arbeitsalltag, in dem immer neue Löcher gestopft werden müssen“, erklärte die Caritaspräsidentin. Zwar sei es durchweg gelungen, durch die angekündigte Impfpflicht die Impfbereitschaft zu steigern, allerdings werde dieser positive Effekt durch eine Verschärfung des Arbeitsklimas zum Teil sogar aufgehoben. „In Einrichtungen lassen sich vielleicht fünf Leute zusätzlich impfen, aber bei zehn steigt das Aggressionspotenzial“, […] (Quelle)

Lilie beschreibt im FAZ-Interview die Unsicherheiten, die sich vor allem aus den unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer und der mangelhaften Vorbereitung ergeben:

Wir haben die einrichtungsbezogene Impfpflicht immer unterstützt, weil es für uns oberste Priorität hat, dass die Betreuten so gut vor dem Virus geschützt werden, wie es nur geht. Aber die Politik hat dieses Gesetz so schlecht vorbereitet, dass die Unsicherheiten in den Häusern massiv sind. In vielen Abteilungen werden in diesen Tagen die Dienstpläne für März geschrieben, durch viele Krankheitsfälle und Quarantäneanordnungen wegen Omikron ist die Lage ohnehin angespannt. Jetzt kommt noch dazu, dass wir nicht wissen, wie die Häuser die neue Regel überhaupt umsetzen können. Ich habe selten erlebt, dass ein so wichtiges Gesetz so unprofessionell angegangen wurde.

Lilie und Welskop-Deffaa reihen sich also in die Kolonne derjenigen ein, die guten Willens sind, aber ob der Durchführung der Corona-Politik ins Kopfschütteln geraten. Rumgestümper und vor allem Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern behindern seit zwei Jahren das konsequente Vorgehen gegen die Pandemie. Die erneuten Schwierigkeiten sind jedenfalls Wasser auf die Mühlen derer, die eine stärkere Zentralisierung der Gesundheitspolitik verlangen. Und leider auch, so Lilie:

Meine Sorge ist, dass dieses Chaos manche Einrichtungen Schachmatt setzt. Es gibt Häuser, da fallen schon jetzt teilweise 60 Leute aus, weil sie krank sind oder in Quarantäne. […] Angesichts der Corona-Zahlen war das ja keine Überraschung. Wie man da noch die Impfpflicht umsetzt, das hätte sich die Politik wirklich früher überlegen müssen. Es macht mich fassungslos, dass das nicht passiert ist. Diese Situation beschädigt die Impfkampagne. […] Am Ende spielt dieses Durcheinander noch Demokratiehassern und Impfgegnern in die Hände, das wäre das Schlimmste.

Buntes

Queer in der katholischen Kirche – Christoph Strack (Deutsche Welle)

In einem neuen Buch schreiben queere Katholik:innen über ihr Leben in und mit der Kirche. Herausgeber des Buches ist der Priester Wolfgang Rothe (@WolfgangFRothe, hier in der Eule). Der zeitliche Zusammenhang mit #OutInChurch (s. #LaTdH von letzter Woche und Rezension der ARD-Doku „Wie Gott uns schuf“) ist Zufall, aber ein Glücksfall.

[Der Schlagersänger Patrick Lindner] schildert sein Outing im Jahr 1999, die Delle in seiner Karriere, die Unterstützung seiner Fans. Und er nennt den Wunsch seiner Mutter: „Ich will, dass du glücklich bist!“ Dieselbe Haltung, so Lindner, würde er sich auch von „Mutter Kirche wünschen“.

Lindners Beitrag ist einer von 68 Texten, die der Priester Wolfgang Rothe in dem Band „Gewollt. Geliebt. Gesegnet. Queer-Sein in der katholischen Kirche“ zusammengestellt hat. Nicht alle der Autorinnen und Autoren sind zu dieser Gruppe zu zählen. Es kommen auch Angehörige oder Freunde zu Wort. Und bei jedem vierten Beitrag steht kein Name, sondern nur „N.N.“.

Lorenz Wolf: Der Kirchenfunktionär im Rundfunkrat

Lorenz Wolf ist nicht nur Offizial (Chef des Kirchengerichts) im Erzbistum München und Freising und der einzige hohe Kirchenmann, der die Zusammenarbeit mit der WSW-Kanzlei bei der Herstellung des jüngsten Missbrauchsgutachtens verweigerte, sondern ein umtriebiger kirchlicher Multifunktionär.

Unter anderem leitet Wolf das Katholische Büro (die Vertretung der bayerischen (Erz-)Bistümer) beim Freistaat Bayern und saß bis zuletzt dem Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks vor. Von dort wollte er im Frühjahr in das noch mächtigere Kontrollgremium, den Verwaltungsrat, wechseln. Daraus wird nun nichts, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Auch DIE ZEIT nahm sich kritisch der „Methode Wolf“ an.

Der WDR und die „jüdischen Wurzeln“ – Andrej Reisin (Übermedien)

Ein hübsches Beispiel, wie die Beobachtungen von fitten Twitter-Nutzer:innen zu dringend notwendigen Nachbetrachtungen medialer Produkte führen können, führt Andrej Reisin (@Andrejnalin77) bei Übermedien aus. Und weil die wenigsten Menschen in Deutschland auf Twitter und in Medienkritiker:innen- und Journalist:innen-Bubbles umtriebig sind, lohnt das Lesen umso mehr. Zu befürchten steht, dass die „stinknormalen“ Fernsehzuschauer:innen und das adressierte junge Publikum auf YouTube die vorgelegte WDR-Sendung nämlich knorke fanden.

Im Gegensatz zu einigen auf Twitter bemerken die Youtube-Nutzer:innen die Fehler leider auch nicht. Die Kommentare sind wohlwollend, alle glauben, sie hätten viel gelernt. Und vielleicht ist das sogar so. Aber dem Qualitätsanspruch des Westdeutschen Rundfunks kann dieser Maßstab nicht genügen.

Dass Ressentiments gegenüber Jüdinnen und Juden und Geschichtsvergessenheit in unserer Gesellschaft keine Seltenheit sind, mag wenig überraschen, sollte aber doch Anlass genug zu verstärkter Wachsamkeit und Selbstkritik sein. Die fordert auch Sascha Lobo (@saschalobo) in seiner SPIEGEL-Kolumne über „woken Antisemitismus“.

Theologie

Unsere älteren Brüder im Glauben – Henning Klingen (Diesseits von Eden, 26 Minuten)

Im Podcast der Theologischen Fakultäten in Österreich „Diesseits von Eden“ spricht Redakteur Henning Klingen mit der Pastoraltheologin Regina Polak (Wien), dem Neutestamentler Christoph Heil (@ChristophHeilNT, Graz) und dem Fundamentaltheologen Gregor Maria Hoff (Salzburg) über das Verhältnis von Judentum und Christentum aus Sicht christlicher Theologie.

Heil: Paulus sagt, dass Juden Menschenhasser sein. Johannes, der Evangelist, sagt, die Juden hätten den Teufel zum Vater. Der Hebräerbrief sagt, der Bund Gottes mit Israel sei veraltet und obsolet. Diese Texte wirken nach. Und sie sind eigentlich bis nach dem Zweiten Weltkrieg in der katholischen wie in der evangelischen Theologie maßgeblich gewesen. Und erst so langsam, nachdem Auschwitz in seiner theologischen Bedeutung immer klarer wurde, hat man auch andere Texte im Neuen Testament, im Judentum gelesen. Man hat entdeckt: Jesus war ja Jude. Er denkt völlig jüdisch. Er kann gar nicht aus anderen Kategorien heraus denken und verstanden werden.

Gläubig mit Gegenwartssinn – Friedrich Wilhelm Graf (FAZ)

In der FAZ ruft Friedrich Wilhelm Graf (diese Woche außerdem im großen SZ-Rundumschlag-Interview (€)) dem Theologen Martin Schloemann nach, der „der erste Divinalexperte“ gewesen sei, „der über die Ökokrise nachdachte“. Ebenfalls empfehlenswert ist Reinhard Bingeners (@RBingener) Schloemann-Interview von 2017, in dem dieser die Mär von Luthers Apfelbäumchen-Spruch dekonstruiert – und nebenbei die Mentalitätsgeschichte des Protestantismus seit dem 19. Jahrhundert nachzeichnet.

Woher rührte Ihre Skepsis?

Nun ja, das fängt schon mit dem „Apfelbäumchen“ an. Der Begriff schmeckt weniger nach dem historischen Luther, sondern eher nach dem bürgerlichen Lutherbild des 19. Jahrhunderts, wo er als frommer Hausvater den Familiengarten hegt und pflegt. Der entscheidende Punkt ist aber eine inhaltliche Frage: Luther fürchtete den Weltuntergang nicht. Er freute sich darauf. […]

Nach dem [2. Welt-]Krieg ging es richtig los. Wichtige Multiplikatoren waren Landesbischof Hanns Lilje und der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann. Ich hatte noch die Gelegenheit, beide dazu zu befragen. Lilje sagte, er hat’s von Heinemann. Und Heinemann sagte, er hat’s von Lilje.

Ein guter Satz

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