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Bild: GEP

Bye bye Jana

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) verabschiedet sich von „Jana“. Das YouTube-Format mit Jana Highholder wird nicht fortgeführt.

Eines der spannendsten Medien-Experimente der Kirche im digitalen Raum wird beendet, der Produktionsvertrag von „Jana“ läuft aus und wird nicht verlängert. Damit geht das bisher erfolgreichste YouTube-Projekt des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP) zu Ende. „Jana“ sammelte 22 500 Abonnent*innen und knapp 1 850 000 Aufrufe. Laut GEP haben die Umsatzeinbußen während der Corona-Krise dazu geführt, auf eine Vertragsverlängerung zu verzichten.

Für die Produktion des Formats hatte sich das GEP die Unterstützung des YouTube-Produzenten Mediakraft gesichert. In einem Casting wurde mit Jana Highholder ein junges Gesicht für das evangelische Aushängeschild auf YouTube gefunden. Highholder studiert Medizin, stammt aus einer Freikirche und beeindruckte ihre Zuschauer*innen mit ihrer Biografie, die trotz ihrer Jugend einige Schicksalsschläge bereithält.

Die erste „Sinnfluencerin“

Seit dem Start des Projekts im April 2018 begleitete eine Welle der Kritik das Projekt. Neben der Mediakraft-Kooperation wurde vor allem kritisiert, dass ausgerechnet eine bibeltreue und konservative junge Frau das Gesicht der evangelischen Kirche auf YouTube sein sollte.

Auch nachdem sich das Format mit seinen Schwächen und Stärken eingegroovt hatte, lieferte es Anlass zu Kontroversen. Im Nachgang eines Auftritts der Pfarrerin und Christ & Welt-Kolumnistin Hanna Jacobs in einer Sendung zum Frauentag wurde im Frühjahr 2019 innerhalb der digitalen Kirche über das konservative Frauen- und Familienbild Highholders gestritten (wir berichteten).

Aus der Kritik ist seitdem etwas geworden: Das GEP entwickelte aus dem Wunsch nach mehr evangelischer Vielfalt ein eigenes Influencer*innen-Netzwerk. „yeet“ startete im Februar 2020 und führt eine Reihe weiterer Instagram- und YouTube-Formate zusammen, darunter das YouTube-Format „Anders Amen“ des Pfarrerinnen-Ehepaars Steffi und Ellen Radtke. Im Unterschied zu „Jana“ erhalten die anderen „Sinnfluencer*innen“ für ihre Medientätigkeit kein weiteres Honorar. „yeet“ führt vor allem bestehende Medienprojekte aus den Landeskirchen und dem GEP zusammen.

In der nächsten Zeit soll das Netzwerk mit dem neuen Konzept wachsen, in das „Jana“ mit ihrer Sonderstellung nicht mehr so recht passte. Ob das Projekt in veränderter Form innerhalb von „yeet“ fortgesetzt wird, ist noch offen. „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Jana dafür gewinnen könnten, ihre besonderen Gaben auch weiterhin bei yeet einzubringen“, wünscht sich jedenfalls GEP-Direktor Jörg Bollmann.

Doch auch ein Wechsel Highholders zu einem anderen christlichen Medienunternehmen liegt im Bereich des Möglichen. Immerhin hat „Jana“ besonders unter evangelikalen Jugendlichen Resonanz gefunden. Auf zahlreichen Veranstaltungen ist Highholder in dieser Szene als „YouTube-Botschafterin der EKD“ aufgetreten.

„Jana“ wird erwachsen

Bis zum Schluss hat die Debatte um eine differenzierte Betrachtung der „EKD-Influencerin“ das Projekt „Jana“ begleitet. Dass Highholder als prominentes, jugendliches Gesicht des Medienhauses der EKD fungierte, aber nicht als gewählte oder theologisch qualifizierte Sprecherin der evangelischen Kirchen auftrat, hat viele Zuschauer*innen und Kritiker*innen merklich herausgefordert. Seit dem Start von „Jana“ aber hat man sich in den evangelischen Kirchen an das Konzept von „Sinnfluencer*innen“ durchaus gewöhnt.

Kritiker*innen des Kanals werden, so viel ist sicher, das Auslaufen des Projekts erleichtert zur Kenntnis nehmen. Manchen gilt Highholder als Personifikation allen frommen Übels in der eigenen Kirche. Doch der Abschied von „Jana“ ist auch ein Verlust.

Das GEP-Contentnetzwerk „yeet“ verliert mit ihr nicht nur den reichweiten-stärksten Kanal, sondern auch die einzige dezidiert bibeltreue und konservative Stimme. Die viel diskutierte Repräsentanzfrage stellt sich nun also andersherum für die ca. 1,9 Millionen Evangelikalen in Deutschland, die in ihrer Mehrheit Mitglied der evangelischen Landeskirchen sind.

Wer sich die Mühe macht, den „Jana“-Kanal von heute mit dem aus dem April 2018 zu vergleichen, wird auch feststellen, dass das Format und seine Protagonistin in dieser vergleichsweise kurzen Zeit erwachsen geworden sind. Grund zum Fremdschämen besteht kaum mehr. „Jana“ hat für die evangelische Publizistik im Bereich der bewegten Bilder Maßstäbe der professionellen Produktion gesetzt, an denen sich zahlreiche Nachfolgeprojekte orientieren können. Die Bildsprache wirkt nach wie vor frisch und Highholder selbst bleibt das sympathische Gesicht einer jungen und zugleich frommen Kirche.

Vielleicht war es ein Fehler, ausgerechnet mit einer freikirchlich geprägten Evangelikalen den Durchbruch auf YouTube zu versuchen, aber immerhin ist dieser Versuch, anders als viele andere halbgare und wenig professionelle Anläufe, nicht gescheitert. Gemessen an anderen YouTuber*innen hat „Jana“ zwar kein übergroßes Publikum angezogen, rund um den Kanal ist aber eine treue Community gewachsen, die GEP und evangelische Kirchen sicher auch weiterhin im Netz erreichen wollen. Zum Abschied also ein ehrlich gemeintes „Vergelt’s Gott!“

3 Kommentare zum Artikel

zweistein

Jana Highholder war so etwas wie die letzte Hoffnung einer vielleicht doch nicht völlig sinnentleerten Evangelischen Landeskirche. Diese Hoffnung war leider trügerisch. Die Begründung des Endes von JANA ist so entlarvend wie ernüchternd: zu bibeltreu, zu konservativ… Wenn sich die Kirche so ihrer Wurzeln entledigt, kann man den Rest getrost in die Tonne kloppen.

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Dreistein

Da scheint jemand einen Hang zu Verschwörungen zu haben.
Das Ende von Jana ist einzig und allein finanziell zu begründen. Vielleicht sagt dir dieses „Corona“ etwas?

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Rene Goeckel

Diese professionelle Produktion sollte Authentität vorgaukeln. Wie Wilhelm Busch schon sagte: Man bemerkt die Absicht und ist verstimmt. Kann man getrost unter „Lying for Jesus“ abheften.

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