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Ein Hoch auf den Weihnachtskitsch!

Jesus und Weihnachtsromantik schließen einander nicht aus, findet unsere Familien-Kolumnistin Daniela Albert. Ein Plädoyer für mehr Weihnachtsglanz trotz allem:

Die theologische Bubble diskutiert auf Twitter seit Wochen über Weihnachten. Nicht ungewöhnlich im Advent, könnte man meinen. Endlich macht sich jemand Gedanken, wie man trotz des Lockdowns Menschen in der Weihnachtszeit für Jesus begeistern kann. Nur leider ist genau das nicht das Thema.

Es geht um etwas ganz anderes, nämlich die Frage, ob wir Christen nicht froh sein sollten, dass so manche weihnachtliche Tradition dieses Jahr Corona zum Opfer fällt. Während Teile der atheistischen Welt nämlich ein ominöses politisches Christentum fürchten, das angeblich für die Lockerungen über die Feiertage verantwortlich sein soll, sehen die anderen ihre Chance, endlich mal zu sagen, was sie schon lange denken:

Die Weihnachtsfeiertage haben demnach schon lange nicht mehr viel mit dem zu tun, an das sie uns eigentlich erinnern sollten. Erst vier Wochen Advent mit grellem Geglitzer, Elfen und Wichteln, scheußlicher Musik und unsäglicher Völlerei; dann noch drei völlig überdrehte Tage, an denen Menschen in Massen in die Kirchen rennen, die Darbietung dort aber nicht vom Weihnachtsmärchen im Staatstheater unterscheiden können und danach ihre immer größer werdende Geschenke aufreißen. Als ob das alles nicht genug wäre, trampelt auch noch ein Mann im roten Mantel durch die Gegend und tut so, als sei die Angelegenheit seine und nicht die eines kleinen Jungen, der später als Wanderprediger durch Galiläa ziehen wird.

Und wissen Sie was? Sie haben völlig recht mit ihrer Kritik. Ich allerdings muss gestehen: Ich bin eine hoffnungslose Weihnachtsromantikerin. Ich liebe (fast) alles, worüber viele Christen gerade schimpfen! Die Lichterketten, Frank Sinatra und die Plätzchenberge – und als ob es damit nicht genug wäre, vererbe ich diese Weihnachtsbegeisterung sogar weiter.

Jesus und Weihnachtsromantik

So wie meine Mutter mir jedes Jahr zum ersten Advent die Geschichte von den Weihnachtsengeln vorgelesen hat, die in der Himmelswerkstatt das Fest vorbereiten, lese auch ich dieses Märchen jedes Jahr aufs Neue meinen Kindern vor. Denn obwohl ich kein besonders großer Fan des Weihnachtsmanns bin, liebe ich die kitschige Art von Wintermärchen, die man nur zur Weihnachtszeit liest.

Doch geht da nicht der Kern des Ganzen verloren? Wo bleibt Jesus zwischen all den Wichteltüren, Elfs on Shelfs und pausbäckigen Engelein, die Printen backen? Ich bin der Meinung, dass sich Jesus und Weihnachtsromantik nicht ausschließen.

Die romantischste Geschichte, die ich um diese Jahreszeit vorlese, ist die, in der ein kleines Baby in einem Stall geboren wird. Keine von all den anderen Geschichten handelt so sehr von Liebe, Wärme und Geborgenheit wie diese. Keine bringt so viel Zauber in die Welt, wie diese eine Botschaft. Doch ihr Zauber strahlt auch in all die Märchen, die wir im Advent neben die wahre Geschichte stellen.

Wenn das einsame Waisenmädchen Ivy an Heiligabend fest an die Kraft des Wünschens glaubt und am Weihnachtsmorgen nicht nur die Puppe bekommt, die sie sich so gewünscht hat, sondern auch eine Familie, dann sitzt der Geschichte die Kraft des wahren Weihnachten auf jeder Buchseite. Wenn das freche Weihnachtsenglein im Himmel nur aneckt, aber auf der Erde das gütige Christkind trifft und helfen darf, die Kinder zu beschenken, ist Jesus der I-Punkt, auch wenn dieses seltsame goldene Riesenbaby in der Geschichte wenig mit ihm gemeinsam hat.

Verstaubte Krippenfiguren, lebendiger Christus

Manche Eltern haben Angst, dass die Grenzen zwischen Märchen und Glaube verschwimmen, wenn sie allzu viel anderen Zauber in die Weihnachtszeit bringen, und vielleicht fürchten sie auch die Frage danach, ob es Gott vielleicht auch gar nicht gibt, wenn doch der Weihnachtsmann nur ein Märchen ist.

Abgesehen davon, dass ich glaube, dass wir uns der Frage nach Gott als Eltern früher oder später sowieso stellen müssen und vorbereitet sein sollten, muss der Weihnachtsmann das Gottvertrauen unserer Kinder nicht erschüttern. Denn: Unser Glaube wird eben nicht unterm Weihnachtsbaum entschieden. Ob unsere Kinder zwischen zauberhaft-winterlichen Märchen und der Frohen Botschaft unterscheiden können, das hängt davon ab, wie wir die anderen 362 Tage des Jahres mit Jesus leben.

Staubt Jesus zusammen mit dem Christkind aus der Weihnachtskrippe irgendwo ein oder liegt er in Zeitungspapier verpackt auf dem Dachboden? Oder sitzt er auch im Frühling, Sommer oder an einem grauen Montagmorgen im Spätwinter mit am Tisch? Und wirkt er da nicht nur als strenger Mahner, der aufpasst, dass wir das Beten nicht vergessen, sondern bringt er auch dort ein bisschen Lametta in jeden Tag?

Weihnachtsglanz für Jesus

Damit wir uns den Weihnachtsglanz in den Augen erhalten können, müssen wir einen gesunden Mix aus Liebe zum Kind in der Krippe, einem Ja zum Weltlichen und den Spaß an Märchen, die gut enden, bewahren. Und natürlich ist es pädagogisch klug und aufgrund der Lage der Welt auch absolut notwendig, völlig enthemmten Vorweihnachtskonsum auf den Prüfstand zu stellen.

Aber das bedeutet ja nicht, dass wir mit verkniffenem Gesicht dasitzen und das Fest und all sein Klimmbimm zum Teufelszeug erklären müssen. Abgesehen davon, dass ich der Ansicht bin, dass es kaum eine sicherere Methode gibt, um Kindern den Glauben an Jesus zu vergällen, als sie in seinem Namen von weltlichen Freuden fern zu halten, hat das noch einen anderen Grund:

Zu keiner Zeit im Jahr brennen so viele Menschen für das Kind in der Krippe wie an Weihnachten – und ich glaube, jedes innere Kind, das mal wieder lacht, statt die Welt mit dem nächsten zynischen Tweet zu überziehen, ist ein Geschenk an Jesus. Wenn dafür Jingel Bells und Lebkuchen verantwortlich sind, dann sei es so.