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Foto: David Beale (Unsplash)

Fit für die Weihnachtspredigt

Die Uhr tickt: Zwei Wochen noch, dann muss die Weihnachtspredigt fertig sein. Hier gibt’s einige Hinweise an Prediger*innen und Zuhörer*innen, um häufige Fallstricke zu vermeiden.

Eine Predigt ist eine Predigt ist eine Predigt. Doch zu Weihnachten stellen sich den Prediger*innen andere Herausforderungen. Nichts ist so, wie am gewöhnlichen Sonntagmorgen. Statt ein paar müden Gesichtern finden sich erwartungsfrohe und gestresste Heerscharen ein. Statt Morgenlob leuchten die Lichter, weil es draußen dunkel ist. Und auch der Kirchenraum hat sich verändert: Baum und Krippe verdrängen Altar und Kanzel.

Finde deinen Platz

Zu Weihnachten geht es in den Kirchen hinter den Kulissen nur selten besinnlich zu. Die eine Stunde Christvesper soll unbedingt gelingen, das spüren Vorbereitende wie Teilnehmer*innen. Welches Ereignis kann solche Erwartungen erfüllen, vor allem, weil unterschiedliche Menschen verschiedene Ansprüche und Wünsche an die Gestaltung des Weihnachtsgottesdienstes haben?

Darum gilt für Prediger*innen wie Zuhörer*innen: Finde deinen Platz! Es gibt eine Fülle von Weihnachtsangeboten und keine Pflicht, jedes Jahr dieselbe Christvesper zu besuchen. So schön der Gedanken ist, dass wir Weihnachten alle an der Krippe zusammenkommen: Eltern, Großeltern, Kinder, Alleinstehende, Ältere, Jüngere, Evangeliums- oder Kirchenmusikconnoisseure, Heiden und Kirchenvolk haben unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse.

Wer es also ruhig und besinnlich haben und die Pfarrer*in bei ihrer Predigt verstehen will, der meidet besser die nachmittägliche Christvesper mit Krippenspiel der Konfirmanden. Nachträgliche Beschwerden im Familienkreis über die schlechte Tonqualität („Wir haben früher ja ohne Mikro gespielt!“) sind zwar eine schöne Weihnachtstradition, wer sich aber wirklich grämt, der hält schon jetzt nach einem passenden Angebot für sich Ausschau.

Und für die Prediger*in: In einer vollgestopften Christvesper ist dein Platz zwischen Evangelium, Krippenspiel und „O du fröhliche“ eng begrenzt. Mach deinen Frieden damit! Klar ist es schön, wenn die Kirche rappelvoll ist und du endlich ein Publikum für deine Knallerpredigt hast, aber der Platz im Zentrum der Aufmerksamkeit gehört nicht dir.

Keine*r der Beteiligten wird es perfekt machen, nicht alles kann gelingen. Es wird schon Weihnachten werden, das Licht in der Krippe brennen, der eine gute Satz der Predigt oder des Krippenspiels hängen bleiben, die Lichter und die Musik das Übrige tun. Zu Weihnachten in die Kirche gehen, das heißt darauf zu vertrauen, dass auch ganz ohne unser Zutun Weihnachten wird.

Zumindest einmal im Jahr und im Trubel des Festes geht es nicht darum, was wir zu bringen haben. Alles was wir bis dahin noch schaffen oder liegen lassen, wird geerdet und erhoben durch die Botschaft der Heiligen Nacht: „Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr“.

Kleine Helferlein

Um es gut zu machen, gibt es auch in diesem Jahr ein paar nützliche Hinweise und kleine Helferlein:

Für Pfarrkonvente und Prediger*innen hat Birgit Mattausch (@FrauAuge) eine Anleitung für eine Predigtwerkstatt mit mehreren Arbeitsschritten zusammengestellt. Daraus kann sich auch die einzelne Prediger*in bedienen, wenn der eigenen Kreativität auf die Sprünge geholfen werden muss.

Vor zwei Jahren haben wir hier in der Eule in zwei Artikeln nach der guten und schlechten Weihnachtspredigt gefragt, die wir nicht mehr oder gerne hören wollen. Erik Parker hatte 11 Predigten identifiziert, die er dem Orkus des Vergessens anheim stellen will. Weil es dabei zumeist um negative Bestimmungen geht, habe ich mich im Anschluss daran versucht, 10 gute Weihnachtspredigten zu beschreiben. In beiden Artikeln finden sich reichlich Hinweise für die gute Gestaltung von Gottesdienst und Predigt.

Drei weitere kleine Helferleins stehen Prediger*innen zur Verfügung: In fast jedem Haushalt gibt es einen Spiegel, vor dem die Predigt und vor allem die Begrüßung des Gottesdienstes geübt werden können. Letztere sollte auswendig gelernt werden, damit man gleich zu Beginn des Gottesdienstes die Hände frei hat, um die anwesende Festgemeinde zu umarmen.

Auf jedem Smartphone gibt es die Möglichkeit, eine Stoppuhr einzustellen. Predigt, Gebete und eventuelle Lesungen außer dem Weihnachtsevangelium sollten im Vorfeld des Gottesdienstes geprobt und gestoppt werden. Wenn sich dabei etwas als zu lang herausstellt, muss es gekürzt oder gestrichen werden. Seid ehrlich zu euch selbst! Auch die schönste Idee geht nach hinten los, wenn alles in Verzug gerät und die Beteiligten ungeduldig werden.

Der Versuchung, gerade zu Weihnachten die eigene Brillanz beim Formulieren unter Beweis zu stellen, muss gewehrt werden. Festlich, erhebend und gerade in der richtigen Dosis fremd sollten die Texte des Abends daherkommen. Das ist nicht leicht gemacht. „Mach’s so einfach wie möglich“, ist die Kernbotschaft des KISS-Prinzip, das sich alle Beteiligten der Weihnacht zu Herzen nehmen sollten.

Gott will uns ganz nah kommen

Der Versuch, die Botschaft der Weihnacht auf einen Satz zu bringen, kann schief gehen: Dann produzieren Prediger*innen auf der Kanzel Phrasen. Kein Grund zu verzweifeln! Mit dem Bullshit-Bingo Weihnachtspredigt wird aus jeder Predigt ein Vergnügen. Mehr zu diesem inzwischen acht Jahre alten Spiel / homiletischen Werkzeug habe ich hier aufgeschrieben. Tiefere Gedanken zum Bullshit in der Predigt findet ihr hier.

Ich habe in den letzten Jahren Weihnachtspredigten gehört, die keine einzige Bullshit-Phrase enthielten, und die trotzdem mies waren. Und ich habe Predigten gehört, die sogar an herausgehobener Stelle auf eine der Formulierungen zurückgriffen, die mich glücklich gemacht haben. Es kommt mehr darauf an, wie ich solche Sätze gebrauche, als darauf, sie einfach wegzulassen.

„Eine Aufforderung, wieder wie ein Kind zu sein“, ist eine meiner liebsten Katastrophenphrasen. Ich will nämlich auch zu Weihnachten in der Kirche nicht wie ein Kind behandelt werden, sondern als mündiger Christ. Doch wie immer kommt es darauf an, was unter dem Kindsein verstanden wird. Jedenfalls finde ich diesen Weihnachtsfilm eines kleinen walisischen Ladens einfach herzlich:

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