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Frauenkampftag – Die #LaTdH vom 7. März

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März übernimmt Antje Schrupp die #LaTdH: Weltgebetstag, anführende Pfarrerinnen und innovative Theologinnen.

Am 8. März ist Internationaler Frauen(kampf)tag. Zu diesem Anlass haben wir Antje Schrupp (@antjeschrupp) eingeladen, die #LaTdH für diesen Sonntag als Gastautorin zu gestalten. Wir freuen uns, dass Sie unserer Bitte nachgekommen ist.

Einen guten Start in die Woche und einen kämpferischen Frauentag wünscht
Die Eule-Redaktion

Debatte: „Die Kirche und die Frauen, die Frauen und die Kirche“

Powerfrauen in Männerkirchen – Margot Käßmann feat. Anders Amen (YouTube)

Während die Katholischen weiter darüber diskutieren, wie sie aus der Sackgasse wieder herauskommen, in die sie sich bei der Frauenordination manövriert haben, können in der evangelischen Kirche inzwischen schon mehrere Generationen von Pfarrerinnen und Bischöfinnen Bilanz ziehen:

Was genau hat die Emanzipation gebracht und was liegt noch im Argen? An die Bar ihres reichweitenstarken YouTube-Kanals „Anders Amen“ hat das queere Pfarrerinnen-Ehepaar Steffi und Ellen Radtke (@medycki) diese Woche Margot Käßmann eingeladen, laut Ellen „die einzige Person aus der evangelischen Kirche, außer mir, die meine Mutter kennt und schätzt“. Eine halbe Stunde lang plaudern die drei über das Leben evangelischer Theologinnen, das – zumal, wenn sie prominent in der Öffentlichkeit stehen – nicht immer nur lustig ist. Denn sie müssen auch ganz schön viel Hass und Häme einstecken.

Eine Kirche, die solche Gespräche gar nicht führen kann, weil ihr geistliches Personal nur aus Männern besteht – ja, die ist ganz schön arm dran und muss über Dinge nachdenken, die der Rest der Welt nur noch bizarr findet.

Die Kirche ist ermächtigt, Frauen die Priesterweihe zu spenden – Bernd Jochen Hilberath (feinschwarz.net)

In diesem Text im Theologischen Feuilleton @feinschwarz_net zählt Bernd Jochen Hilberath, emeritierter Professor für katholische Dogmatik, noch einmal die Argumente auf, warum aus theologischer Sicht die katholische Kirche durchaus Frauen ordinieren könnte und dürfte, wenn sie es denn wollte. Das ist interessant, man fragt sich beim Lesen nur irgendwie, wer diese Denkanstrengung überhaupt noch aufbringen mag.

Gott hat kein Geschlecht – Gregor Maria Hoff (Christ und Welt, €)

Aus feministischer Sicht ist dieser Text spannender, in dem der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff nicht nur Pro- sondern auch Contra-Begründungen für die Priesterinnenweihe erläutert. Besonders interessant ist ein, nun ja, „Argument“, das sich die Befürworter eines exklusiven Männerpriestertums offenbar erst vor kurzem neu ausgedacht haben:

„Wer das männliche Geschlecht des Erlösers als letztlich nebensächlich ansehe, drohe auch die Bedeutung der jüdischen Identität des Messias aus dem Auge zu verlieren“.

Damit hätte sich dann wohl auch hier „Godwins Gesetz“ erfüllt, wonach bekanntlich jede Diskussion, wenn sie nur lange genug geführt wird, irgendwann bei Hitler und dem Holocaust landet.

Die Polen haben sich verloren – Roman Fillinger (SRF)

Auch dies gehört leider zum Thema Kirche und Frauen: Der Katholizismus hat nicht nur für den Ausschluss der halben Menschheit aus geistlichen Ämtern gesorgt, sondern maßgeblich zum gegenwärtigen rechtspopulistischen „Kulturkampf“ gegen alles, was auch nur entfernt feministisch klingt, beigetragen. Welche gravierenden gesellschaftlichen Folgen das zum Beispiel für ein traditionell katholisches Land wie Polen hat, und wie sehr es demokratische Prozesse erschwert, wird in dieser Reportage deutlich.

nachgefasst

Worauf bauen wir? Gottesdienst zum Weltgebetstag aus der St. Martini-Kirche in Münster (Weltgebetstag der Frauen Deutsches Komitee e.V.)

Der von Frauen gegründete Weltgebetstag ist die größte ökumenische Veranstaltung der Welt. Er wird jedes Jahr am ersten Freitag im März gefeiert, inzwischen in über 120 Ländern rund um den Globus. Dieses Jahr haben Christinnen aus dem südpazifischen Inselstaat Vanuatu die Liturgie dafür geschrieben.

Der zentrale Gottesdienst in Deutschland wurde aus der St. Martini-Kirche auf YouTube gestreamt und kann nun dort angeschaut werden. Über Sinn und Unsinn dieses Formats hat Carlotta Israel (@carli_is) am Freitag in der Eule geschrieben. Besonders ans Herz gelegt sei allen Leser:innen in diesem Jahr aber auch der Spendenaufruf:

Denn wegen der Corona-Pandemie finden viel weniger analoge Gottesdienste statt als sonst, bei denen in normalen Jahren in Deutschland 2,6 Millionen Euro zusammenkommen – Geld, auf das hunderte Frauenprojekte in aller Welt angewiesen sind: Spendenkonto Weltgebetstag der Frauen e.V., IBAN: DE60 5206 0410 0004 0045 40.

„Aufarbeitungssimulation“ – Annette Zoch (Süddeutsche Zeitung)

Nicht nur die katholische, auch die evangelische Kirche steht wegen der zögerlichen und schleppenden Aufklärung von sexuellem Missbrauch in der Kritik (dazu hier, hier & hier in der Eule). Der Stand der Aufarbeitung hänge sogar Jahre hinter dem in der katholischen Kirche hinterher, meint Katharina Kracht (@KraaaankyKa) vom Betroffenenbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Bislang seien sie als Betroffene zu keinem einzigen Treffen des Beauftragtenrats zum Schutz vor sexualisierter Gewalt, dem zuständigen Gremium in der EKD, eingeladen worden, sagt Kracht. „Wir wurden noch nicht in einer einzigen Frage um Stellungnahme gebeten.“ […] „Es fehlt der Transmissionsriemen“, sagt indes Henning Stein aus dem Betroffenenbeirat. „Unser Input wird nicht übertragen auf die Kirche, so habe ich mir das nicht vorgestellt.“

Buntes

Sozialethische Stellungnahme zur Weigerung der Caritas, einem einheitlichen Tarifvertrag Altenpflege zuzustimmen – Michelle Becka, Monika Bobbert et al. (PDF)

Eine schlechte Figur machte vergangene Woche auch die Arbeitsrechtliche Kommission der Caritas, die einen bundesweit einheitlichen Tarifvertrag Pflege verhindert hat. Dass sich die Diakonie ein paar Tage später gleich gar nicht mehr dazu äußerte, macht das Ganze zu einem überkonfessionellen Desaster der christlichen Außenwirkung.

Das Argument der konfessionellen Arbeitgeber, man wolle die in der Regel besser bezahlten Pflegekräfte kirchlicher Einrichtungen auf diese Weise schützen, bezeichnen 17 Professor:innen für Christliche Sozialethik und/oder Moraltheologie in einer Stellungnahme unumwunden als „scheinheilig“.

Auch sonst nehmen sie das Abstimmungsverhalten der Caritas, wegen dem nun zigtausende Pflegkräfte keine höheren Löhne bekommen werden, nach Strich und Faden auseinander. Der Vollständigkeit halber seien hier auch die Argumente der Caritas-Mitarbeiter:innen verlinkt, ihr Sprecher Thomas Rühl erläutert sie im Interview auf katholisch.de (@katholisch_de).*

Moderner Katholizismus wird verboten: Das progressive katholische Zentrum St. Merry in Paris muss schließen – Christian Modehn (Religionsphilosophischer Salon)

In Paris ist das 1974 gegründete progressive „Pastorale Zentrum St. Merry“ in der Nachbarschaft des Zentrums Pompidou geschlossen worden, verboten vom Erzbischof. Am 28. Februar war der letzte Gottesdienst. Hintergrund sind offenbar fortgesetzte Meinungsverschiedenheiten zwischen den von oben eingesetzten Priestern und den aktiven Gläubigen, denen der Erzbischof einen „Mangel an Liebe“ vorwirft. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Papst und Großajatollah werben für Frieden (ZEITonline)

Papst Franziskus ist in den Irak gereist, und so wichtig diese Geste sicherlich ist: Dieses Treffen hinter verschlossenen Türen und das dazu inszenierte Foto, das alles wirkt doch aus der Zeit gefallen. Ob das tatsächlich die Akteure sind, von denen wir Weltfrieden und Sicherheit für die Verfolgten dieser Erde erhoffen können?

Franziskus war am Freitag zu einem viertägigen Besuch im Irak eingetroffen. Ein weiteres Treffen mit religiösen Führern ist an diesem Samstag in der antiken Stadt Ur geplant. Die Stadt im Süden des Landes gilt als Heimat der biblischen Gestalt Abraham, auf die sich Juden, Christen und Muslime gleichermaßen als Stammvater berufen.

Zusammen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt wollen sich Vertreter der unterschiedlichen Religionen an der geschichtsträchtigen Stätte versammeln, um für Frieden und Verständigung zu werben.

Theologie

Konfessionelle Kleingartenvereine wollen das Essen regulieren – Thomas Hirsch-Hüffell (Ungläubiges Staunen)

Das Abendmahl ist ein besonders eindrückliches Beispiel dafür, dass innerkirchlich mit großem Eifer über Fragen gestritten wird, die außerhalb schon längst niemanden mehr interessieren. Seit Corona ist zu dem Streit darüber, wer wen dazu einladen darf und mit wem man sich an den Tisch setzen darf und mit wem nicht, noch die Frage dazu gekommen, ob man auch via Videokonferenz gemeinsam essen darf, oder ob ein richtiges Abendmahl nur analog geht.

Manche Evangelischen scheinen in ihrer Skepsis gegenüber allem Digitalen endlich ein Betätigungsfeld gefunden zu haben, wo sie mit den Katholischen in Punkto Strenge gleichziehen können. Dazu schreibt Thomas Hirsch-Hüffell in seinem Blog „Ungläubiges Staunen“:

Natürlich muss man über virtuelle und analoge Realität reden. Aber unser gesamter Glaube ist unbeweisbar und virtuell, 90 % der Bibel-Stoffe sind virtuell, geschichtlich irrelevant, unser Gott ist nicht zu sehen. Wir hantieren seit Urzeiten mit Zuständen und Resonanzen. Fast nichts ist faktisch. Und doch wirkt es. Da kann man doch froh sein über jeden spirituellen Menschen, der Gott im Garten, am Nordpol, vor dem Rechner auffindet und feiert im Wein, im Gras, in den Händen und auf den Lippen.

Transformation der Religion: Wie sich Religion, Glaube, Kirche durch und mit Corona verändern – Friederike Weede (Theo.Logik – Religion inside, BR)

Eine hörenswerte knappe Stunde bietet diese Folge des „Theo.Logik“-Podcasts des Bayerischen Rundfunks, die Friederike Weede zusammengestellt und moderiert hat. Neben der Frage, welche kirchlichen Transformationsprozesse die Corona-Pandemie angestoßen hat – zum Guten, wie zum Schlechten – geht es um alte Rituale und spirituelle Formen, die Dauerhaftigkeit des Sonntags (aus Anlass seines 1700-jährigen Bestehens), um die Theodizee-Frage und anderes interessante Themen.

Wie verspielt darf Kirche sein? – Sandra Bils, Birgit Mattausch, Tobias Sauer (Windhauch, midi, ruach.jetzt*)

Noch etwas grundsätzlicher diskutieren die evangelischen Pfarrerinnen Sandra Bils (@PastorSandy) und Birgit Mattausch (@FrauAuge) in der neuen Folge des „Windhauch“-Podcasts im Gespräch mit ihrem katholischen Gastgeber Tobias Sauer (@sigmahlm) die Möglichkeit, die Formen der Kirche so zu verändern, dass Gottesbegegnungen auch wieder für Menschen plausibel und möglich werden, die sich nicht dem engen und schrumpfenden Kirchen-Milieu traditioneller Ortsgemeinden zugehörig fühlen.

So verplauscht das Gespräch daher kommt, Bils und Mattausch sind vielleicht die derzeit innovativsten und frömmsten (sic!) Köpfe und Hände und Herzen einer zukunftsträchtigen Kirchenentwicklung in Deutschland.

„Der Koran will kein Rezept fürs Leben sein“ – Ahmad Milad Karimi im Gespräch mit Andreas Main (Deutschlandfunk)

Ahmad Milad Karimi wurde 1979 in Afghanistan geboren, kam im Alter von 13 Jahren als Flüchtling nach Deutschland und ist heute Professor für islamische Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Im Deutschlandfunk spricht er über seinen Glauben und sein Denken, erklärt, warum Gott nicht da ist und warum Religion überall im Spiel ist. Warum er sich über die Oberflächlichkeit ärgert, mit der hierzulande über Religion gesprochen wird.

Und warum es beim Glauben nicht darauf ankommt, alles zu verstehen. Ein auch für Angehörige anderer Religionen inspirierendes Nachdenken über die Verbindung von Rationalität und Spiritualität.

„Wir können einer Operninszenierung beiwohnen, aber nicht alles verstehen. Und gerade dieses Nichtverstehen … Nehmen Sie eine italienische Operninszenierung. Wenn man nicht des Italienischen mächtig ist und das Ganze mit Untertiteln verfolgt und nicht alles mitbekommt, ist die Inszenierung nicht weniger angekommen. Wir sind da, und wir sind erfüllt von einer bestimmten Stimmung und Atmosphäre. Und wir wissen darum, dass wir nicht alles, buchstäblich alles verstanden haben. Und doch: Die Botschaft ist angekommen.“

Ein guter Satz

„Wer mir sagen will, was Gott von mir will, vor dem muss man fliehen.“

Ahmad Milad Karimi


* Offenlegung: Das ruach.jetzt-Netzwerk wirbt gelegentlich in der Eule für Produkte und Veranstaltungen.

* Korrektur, Sonntag, 7. März 2021, 12:30 Uhr: Thomas Rühl wurde hier zunächst als Caritas-Sprecher genannt, tatsächlich ist er Sprecher der Mitarbeiterseite der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbands und schildert im verlinkten katholisch.de-Artikel die Perspektive der Arbeitnehmer:innen im Gremium.

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