(Keine) Kompromisse? – Die #LaTdH vom 24. März

Der Vatikan und die deutschen Bischöfe sind sich einig: Der Synodale Weg darf weitergehen, aber am Ende entscheidet der Papst. Außerdem: Großes (Kirchen-)Bündnis gegen die AfD und eine Karwoche ohne Judenhass.

Herzlich Willkommen!

Unter dem Motto „Zusammen für Demokratie. Im Bund. Vor Ort. Für Alle.“ ist am Donnerstag ein breites bundesweites Bündnis zur Stärkung der Demokratie ins Leben gerufen worden. Die rund fünfzig teilnehmenden Organisationen, darunter der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die beiden großen christlichen Kirchen, Sozial- und Wohlfahrtsverbände, Menschenrechts- und Umweltorganisationen sowie Kultur- und Sportverbände werden sich durch konkrete Maßnahmen vor Ort für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Denn – so heißt es in dem veröffentlichten Statement – #EsGehtUnsAlleAn:

„Wir treten ein für die unteilbaren Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und eine klimagerechte Zukunft. Wir stehen für eine vielfältige, freie und offene Gesellschaft. Gemeinsam verteidigen wir unsere Demokratie und alle, die hier leben, gegen die Angriffe der extremen Rechten. (…)

Bei den anstehenden Wahlen in Deutschland und Europa droht, dass die AfD und andere extrem rechte Parteien weiter gestärkt werden. Noch können wir diese Entwicklung stoppen. Wir haben die Wahl. Nie wieder ist jetzt!“

Es ist ein gutes Zeichen, dass die Kirchen und ihre Verbände den breiten Schulterschluss mit anderen Akteur:innen der Zivilgesellschaft suchen. Zumal es nicht mehr selbstverständlich ist, dass man den Kirchen die Hand zur Zusammenarbeit reicht. Die Lage ist offenbar so ernst, dass solche Befindlichkeiten keine Rolle spielen.

Gesegnete Tage in der kommenden Karwoche wünscht Ihnen
Ihr Thomas Wystrach

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Debatte

Weltsynode: Neue Strategie ist ein Desaster – Markus Demele (katholisch.de)

Erstaunlich ruhig sei es geblieben, als das Synodensekretariat in Rom vor anderhalb Wochen das weitere Vorgehen der zweiten Hälfte der Weltsynode vorstellte, schreibt Kolping-Generalsekretär Markus Demele in seinem Gastbeitrag bei katholisch.de. Die kurzfristig angesetzte Änderung des Papstes, keine Abstimmung über zentrale Themen zuzulassen, sei ein „Desaster“ …

„weil sie im Ganzen zu einer Entkernung der Synode führt und Synodalität zu einem hohlen Begriff macht, der leidlich spiritualisiert gefüllt wird. Es gleicht dann einem Orchester, das gemeinsam eine Komposition erarbeiten will, dabei aber nicht über Harmonik, Melodie, Rhythmus und Besetzung in den Austausch kommen darf. Es kann und wird nicht gelingen, die Schönheit und Vielfalt der unterschiedlichen Ortskirchen in einer Universalkirche zum Klingen zu bringen, wenn die dafür zentralen Punkte nicht breiten Raum in einem offenen Austausch mit Abstimmungsmöglichkeiten haben.“

„Rom und sein merkwürdiges Verständnis von Synodalität“ stoßen auch Tobias Glenz in seinem „Standpunkt“ vom vergangenen Donnerstag auf:

„Dass der Papst einen weltweiten synodalen Prozess initiiert hat, der ein neues Miteinander in der katholischen Kirche zum Ziel hatte und die Meinungen in der Weltkirche durch Abfragen ernstnehmen wollte, klang auf dem Papier zunächst nach einem neuen Aufbruch. Umso ernüchternder fällt nun das Zwischenfazit aus: Offensichtlich fürchtet sich Rom davor, die vielerorts gewollten Reformen offen diskutieren zu lassen und sich am Ende auch dazu positionieren zu müssen.“

Michael Böhnke beklagt in seinem Gastbeitrag für das Münsteraner Forum für Theologie und Kirche, wie Papst und Bischöfe mit der Frage der „Gewaltenteilung“ ein zentrales Thema des Synodalen Weges „erfolgreich abmoderieren“ würden.

Schachmatt für den Synodalen Weg? – Interview mit Massimo Faggioli  (Domradio)

Am vergangenen Freitag wurde eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im Vatikan zum Gespräch über die Zukunft des Synodalen Weges empfangen. Der Kirchenrechtler Heribert Hallermann sieht den Synodalen Ausschuss auf dem „Pfad der Rechtlosigkeit“ und prognostizierte im Vorfeld in der Tagespost, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die deutschen Bischöfe würden die von Rom monierten rechtlichen Hindernisse nicht beseitigen können. Gibt es einen Ausweg aus dem Konflikt? Im Interview mit dem Domradio äußerte sich der Kirchenhistoriker und Publizist Massimo Faggioli  skeptisch:

„Man könnte sagen dieses Treffen zwischen den deutschen Bischöfen und der Kurie hat dadurch an Bedeutung verloren, weil die großen Konfliktthemen eh nicht bei der Weltsynode besprochen werden. (…)

So lange diese großen Konfliktthemen Teil des Prozesses der Weltsynode waren, hatten auch die lokalen synodalen Prozesse bei diesen Fragen eine Legitimität, weil man auf Entscheidungen bei der Synode hoffen konnte. Jetzt ist nicht mehr klar, weshalb auf Ebene der Teilkirchen über solche Fragestellungen noch diskutiert wird, wenn man weiß, dass die Entscheidung nun in einem ganz anderen Gremium liegt.“

In einer „Gemeinsamen Presseerklärung“ des Heiligen Stuhls und der Deutschen Bischofskonferenz ist von einer „positiven und konstruktiven Atmosphäre“ die Rede, in der man „einige der in den Dokumenten des Synodalen Weges (…) aufgeworfenen offenen theologischen Fragen erörtert“ und einen „regelmäßigen Austausch“ vereinbart habe:

„Die deutschen Bischöfe haben zugesagt, dass diese Arbeit dazu dient, konkrete Formen der Synodalität in der Kirche in Deutschland zu entwickeln, die in Übereinstimmung mit der Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils, den Vorgaben des Kirchenrechts und den Ergebnissen der Weltsynode stehen und anschließend dem Heiligen Stuhl zur Approbation vorgelegt werden.“

Gleich mehrfach wurden hier päpstliche Bremsen installiert, besser gesagt: Sie wurden lediglich in Erinnerung gerufen. Ob sich in deutschen Gremien entwickelte Ideen inhaltlich mit Konzil, Kirchenrecht oder Weltsynode vereinbaren lassen, entscheidet der Heilige Stuhl genauso wie die rechtliche Frage, ob man daraus folgende „konkrete Formen“ nach der ortskirchlichen Debatte überhaupt genehmigt.

Zurück in den Strom der Weltkirche – Guido Horst (Tagespost)

Der Vatikan hege den Synodalen Weg ein, könne ihn aber nicht rückgängig machen, deutet Guido Horst das Ergebnis des Treffens in Rom:

„Wenn der Synodale Weg noch zu irgendwelchen Entscheidungen führen sollte, die das Leben der katholischen Kirche in Deutschland beeinflussen könnten, dann werden diese Entscheidungen in Rom gefällt. (…)

Jetzt noch auf eigene Faust die hierarchische Kirchenverfassung zu ändern und entsprechende Strukturen zu schaffen, wäre (…) glatter Wortbruch. Das werden die deutschen Bischöfen denen in der deutschen Heimat erklären müssen, die noch irgendwelche Hoffnungen hatten, dass die Kirchenveränderungen, die auf den Versammlungen des Synodalen Wegs so wortreich beschworen wurden, je das Licht der Welt erblicken werden.“

Rom und die deutschen Bischöfe finden einen Kompromiss – Marc Beise und Annette Zoch (Süddeutsche Zeitung)

Bei ihrem Spitzengespräch im Vatikan seien beide Seiten aufeinander zugegangen, die roten Linien aber bleiben, so Marc Beise und Annette Zoch in ihrer Analyse in der Süddeutschen Zeitung. Die deutschen Bischöfe hätten sich ganz klar dazu bekannt, dass an den Machtstrukturen der Kirche nicht gerüttelt werde:

„Die Bischöfe und letztlich der Papst behalten das letzte Wort bei allen Reformschritten. Das kann die Vatikanseite als Erfolg verbuchen und beruhigen. Die Deutschen wiederum können den eingeschlagenen Reformweg jetzt erst einmal weitergehen, man hat Zeit gewonnen.“

Gruppenbild mit Dame – Joachim Heinz (KNA)

Dass der Synodale Ausschuss nun in einem gemeinsamen Dokument der deutschen Bischöfe und des Vatikans erwähnt werde, könnten die Bischöfe durchaus als Punktsieg verbuchen, meint Joachim Heinz, auch wenn das Gremium und alle weiteren „Formen der Synodalität“ der Approbation des Heiligen Stuhls bedürften:

Unter dem Strich wahren beide Seiten zumindest nach außen hin das Gesicht. Für die weitere Arbeit im Synodalen Ausschuss gibt es erst einmal grünes Licht aus dem Vatikan. Der Gründung eines Vereins, der diese Arbeit finanziert, dürfte nicht mehr viel im Wege stehen. Auch nicht der für Mitte April vorgesehenen Verabschiedung der Satzung des Synodalen Ausschusses im Ständigen Rat der Bischöfe.

Am 14. und 15. Juni wird sich der Ausschuss dann wohl wie geplant in Mainz zu seiner zweiten Sitzung treffen. Aber alles, was dort inhaltlich beschlossen wird, steht unter römischem Vorbehalt. Noch vor der Sommerpause ist ein weiteres Treffen zwischen Bischöfen und Vatikanvertretern anberaumt.

Das Ende der Eiszeit? – Renardo Schlegelmilch (Domradio)

„Eigentlich wollen alle das gleiche. (…) Die Ansätze sind nur völlig unterschiedlich“, so beginnt Renardo Schlegelmilch seinen Kommentar im Domradio. Das klingt zunächst wie eine Antwort von Radio Eriwan auf die Frage „Ziehen alle an einem Strang?“ – „Im Prinzip ja, aber jeder an einem Ende“. Doch nach Monaten der Anspannung und Warnungen vor einem „Schisma“ erscheint eine Einigung zwischen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und dem Vatikan als „wichtiger Schritt“, auch wenn nicht alle Konflikte vom Tisch seien.

„Die Einigung der deutschen Bischöfe mit dem Vatikan ist also weder ein Sieg für die eine, noch für die andere Seite. Beide haben es auf diese Weise aber geschafft, ihr Gesicht zu wahren. Ob es im Rahmen der weiteren Reformbemühungen zu neuen Streitigkeiten kommt, bleibt abzuwarten.

Die wichtigste Erkenntnis ist aber: Es wird wieder miteinander geredet und auf beiden Seiten ist man gewillt, auf den anderen zu hören und nach Kompromissen zu suchen. Mit dieser Art der Synodalität können sicher beide Seiten vorerst zufrieden sein.“

nachgefasst

„Völkischer Nationalismus ist mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar“, hatte die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrsvollversammlung vor einem Monat erklärt und explizit festgestellt, in der AfD dominiere „eine völkisch-nationalistische Gesinnung“.

Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation in Rom, davor Bischof von Regensburg, hatte seinen Mitbrüdern daraufhin in einem „Exklusiv-Interview“ mit der Tagespost „einen nicht zu übersehenden Opportunismus“ vorgeworfen und gewarnt, die Bischofskonferenz dürfe nicht „als Wahlhelfer der Ampel auftreten“. Diese Anwürfe hat DBK-Pressesprecher Matthias Kopp postwendend als „absurd“ zurückgewiesen.

Auch die Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) hat zum Abschluss ihrer Klausurtagung in Dresden in der vergangenen Woche eine klare Warnung vor der AfD ausgesprochen:

„Wer die AfD wählt, unterstützt eine Partei, die das christliche Menschenbild mit Füßen tritt, programmatisch mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gegen das Gebot der Nächstenliebe verstößt und mit ihren Hetzparolen den Geist der Gemeinschaft vergiftet.

Diese Partei will uns die Mitmenschlichkeit, unseren Nächsten die Menschenwürde und Gott die Ehre entreißen. Wir bitten Christ*innen und Nicht-Christ*innen, mit ihrer Stimme bei den zwölf anstehenden Wahlen in diesem Jahr die Demokratie zu stärken und nicht zu schwächen.“

Nach AfD-Erklärung der Bischöfe braucht es konkrete Schritte – Claudia Pfrang (katholisch.de)

Das klare und eindeutige Zeichen der deutschen Bischöfe gegen die AfD sei äußerst wichtig gewesen, meint Claudia Pfrang. In ihrem „Standpunkt“ bei katholisch.de fordert die Direktorin der Domberg-Akademie der Erzdiözese München und Freising weitere Schritte in den Diözesen – vor allem was die Satzungen und Wahlordnungen der kirchlichen Gremien angeht:

„Zum einen gilt es, die Gemeinden zu einem Ort zu machen, in denen angstfrei über kontroverse Themen, auch darüber, was das Katholisch-Sein ausmacht, gesprochen werden kann. Zugleich braucht es mehr denn je den Mut von Christ:innen, sich diskriminierenden und menschenfeindlichen Äußerungen entgegenzustellen. Hier müssen auch bei kontroversen Auseinandersetzungen die roten Linien gezogen werden.

Und dann stellt sich die Herausforderung, die Kirchen zu einem Ort zu machen, an denen sich auch jene Gruppen eingeladen und unterstützt fühlen, die von radikal Rechten als feindlich markiert werden.“

Was das für den konkreten Umgang und das Miteinander an der Basis bedeutet, beleuchten Karin Wollschläger und Matthias J. Berntsen in einem KNA-Beitrag.

Brauchen wir einen katholischen Radikalenerlass? – Interview mit Thomas Schüller (Kölnische Rundschau)

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller weist im Interview mit Raimund Neuss darauf hin, die „politische Erklärung“ der Bischofskonferenz alleine sei nicht normativ bindend:

„Dagegen haben das Erzbistum Berlin und das Bistum Würzburg in ihren bischöflichen Gesetzen zur Arbeit der Pfarrgemeinderäte einen Passus, dass der Bischof einem Mitglied das Mandat entziehen kann, wenn es sich rassistisch äußert. (…)

Es wäre sehr wünschenswert, dass das überall so geregelt wäre: Extremistische, fremdenfeindliche, antisemitische Positionen sind nicht mit der Lehre von der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen vereinbar. Und zwar, das ist mir wichtig, von rechts wie von links. Wer sie vertritt, darf kein kirchliches Ehrenamt ausüben. Aber hier sehe ich ein großes Zaudern bei den Bischöfen. (…) Wir müssten zu einer Art katholischem Radikalenerlass kommen.“

„Es ist gut zu wissen, auf welcher Seite die Kirche steht“ – Interview mit Joachim Frank (Das Parlament)

Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) unterstützt die bischöfliche Abgrenzung von der AfD, auch mit Blick auf die Pressefreiheit. Im Interview mit Stephan Balling unterstreicht der gerade wiedergewählte GKP-Vorsitzende Joachim Frank, die Erklärung der DBK unterscheide sich von den früheren „Wahlhirtenbriefen“, in denen die Bischöfe die Gläubigen mehr oder weniger deutlich dazu anhielten, die Unionsparteien zu wählen:

„Heute geht es vor allem darum, die Menschen aufzurufen, ihr Bürgerrecht wahrzunehmen, zur Wahl zu gehen und für eine demokratische Partei zu stimmen. Das Wort der Bischöfe verurteilt nicht eine bestimmte Partei. Es zielt zunächst auf eine unchristliche, menschenfeindliche Ideologie – und erst dann auf die politische Kraft, die sie propagiert.“

In einem weiteren Beitrag über „das Kreuz mit der AfD“ hat Stephan Balling weitere Stellungnahmen hochrangiger Vertreter:innen der römisch-katholischen, evangelischen und alt-katholischen Kirche versammelt.

Wie politisch darf die Kirche sein? – Nikta Vahid-Moghtada (MDR aktuell)

Die klaren Stellungnahmen gegen Rechtsextremismus und die AfD haben eine Debatte über die Rolle der Kirchen in der Demokratie in Gang gesetzt. Schnell wurden Vorwürfe auch aus den Reihen der AfD laut, die Kirche habe sich nicht in Politik einzumischen. Aber inwiefern ist das korrekt oder, betrachtet man Kirchen als Orte im öffentlichen Raum, überhaupt möglich? Dieser Frage ist Nikta Vahid-Moghtada nachgegangen und hat mit verschiedenen Expert:innen gesprochen. Quintessenz: Die Kirchen müssten sich positionieren und dürften dem Konflikt nicht aus dem Weg gehen, sondern sollten ihren Wertekompass verteidigen.

Die Kirchen positionieren sich mit ihren Warnungen vor AfD und Rechtsextremismus in den Wahlkämpfen dieses Jahres. Hier in der Eule hatte Philipp Greifenstein darauf hingewiesen, dass sie damit auch in den Konflikt mit den eigenen Leuten gehen. Und im ausführlichen Eule-Interview mit Sonja Angelika Strube vom November 2023 verbinden sich die Themen Einsatz für die Demokratie und gegen Rechtsradikalismus in und um die katholische Kirche.

Buntes

Auszeichnung für digitales Angebot aus dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik – Moritz (religionen-entdecken.de)

Die Website religionen-entdecken.de wurde beim Kinder-Online-Preis des MDR-Rundfunkrates 2024 auf den zweiten Platz gewählt. Der Preis wird heute im Rahmen der Leipziger Buchmesse verliehen. Auf der Website können Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte Informationen rund um Bräuche, Feiertage und Feste abrufen. Durch zielgruppengerechte Sprache wird es Kindern ermöglicht, sich unabhängig von Erwachsenen zu informieren. Im Anschluss können sie ihr Wissen mit einem Quiz festigen. Das breite Angebot enthält außerdem Büchertipps, Umfragen und religiöse Kalender.

Hunger nach Geschichten vom möglichen Leben – Fulbert Steffensky (Herder-Korrespondenz)

In den Kartagen 1924 sendete der Hörfunk das erste Mal eine Morgenandacht. Seitdem gehört diese Verkündigungsform zum festen Repertoire der öffentlich-rechtlichen Radiosender. Fulbert Steffensky schildert seine ambivalenten Erfahrungen damit und äußert zwei Wünsche an diejenigen, die religiöse Traditionen in einer weitgehend säkularisierten Öffentlichkeit auslegen:

„Sie sollen sich nicht abendfüllend über den Verrat der Kirche am Evangelium auslassen. Gut! Was gesagt werden muss, muss gesagt werden. Aber wir alle haben Hunger. Die manchmal nicht endende Kritik an der eigenen Tradition macht niemanden satt.

Brot wäre es, die Traditionen des Evangeliums als Texte der Freiheit, des Trostes und der Schönheit auszulegen. Schön ist die Bergpredigt mit ihrer dreisten Umwertung aller Werte. Charmant ist das Versprechen, dass das Große nicht groß bleibt und klein nicht das Kleine. Und charmant ist vor allem jener Gott, der für den Umsturz im eigenen Haus verantwortlich ist, der klein geworden ist wie das Lächeln eines Kindes und wie der Seufzer einer Sterbenden.“

Theologie

Wie die Kirche mit Beichtzetteln die Gläubigen kontrollierte – André Perler (SRF)

Römisch-katholische Gläubige sollen ihre „Sünden jährlich wenigstens einmal beichten“. Dieses zweite Kirchengebot „sichert die Vorbereitung auf die Eucharistie durch den Empfang des Sakramentes der Versöhnung, das die in der Taufe erfolgte Umkehr und Vergebung weiterführt“, erklärt dazu Nr. 2042 im Katechismus der Katholischen Kirche. Die geltende Lehre wird gestützt durch die Vorschrift des Kirchenrechts, nach der „jeder Gläubige (.) nach Erreichen des Unterscheidungsalters verpflichtet (ist), seine schweren Sünden wenigstens einmal im Jahr aufrichtig zu bekennen“ (can. 989 CIC).

Da im dritten Kirchengebot der Empfang der heiligen Kommunion „wenigstens zur österlichen Zeit“ vorgeschrieben wird, ergab sich praktischerweise eine Art „Osterpflicht“ zur Beichte. Bis ins 20. Jahrhundert hinein kontrollierte die Kirche streng das Einhalten dieser Pflicht – zunächst durch das Führen von „Beichtregistern“, später mittels sogenannter „Beichtzettel“, einer Art Beleg, den der Pfarrer nach der Osterzeit bei einem Rundgang durch seine Gemeinde einsammelte. Doch wer nicht beichten wollte? Findige Leute beichteten mehrfach – und verkauften die begehrten Bescheinigungen an beichtfaule Zeitgenossen.

Weitergehende Gedanken über die Missbräuchlichkeit eines Sakraments machte man sich damals offenbar nicht. Am Mittwoch forderte die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Freiburg in ihren Empfehlungen den Verzicht auf die verpflichtende Beichte vor der Erstkommunion. Eine Studie habe gezeigt, dass die Kinderbeichte zu einem „Anbahnungsort von sexuellem Missbrauch“ werden kann.

Karwoche ohne Judenhass – Christiane Faschon (forumKirche)

Die Texte in der Liturgie der Karwoche enthalten teils massive Attacken gegen Jüdinnen und Juden. Dazu transportieren die Bach-Passionen ebenfalls diese Botschaft. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bemüht sich die römisch-katholische Kirche um ein Umdenken. Dies sei heute umso wichtiger, als der Antisemitismus in Europa zurzeit massiv steigt, schreibt Christiane Faschon im Schweizer forumKirche.

Die Journalistin und Religionspädagogin erinnert daran, dass die 1974 publizierten „Vatikanischen Richtlinien und Hinweise für die Durchführung der Konzilserklärung ‚Nostra aetate'“, die eine sachgerechte Auslegung der Bibeltexte forderten, besonders dort, wo scheinbar das jüdische Volk in ein schlechtes Licht gesetzt werde, selbst Liturgiewissenschaftler*innen kaum bekannt seien. Helfen könnten daher die „zehn Tipps gegen (unabsichtlichen) Antisemitismus in der Karwoche“, die Elena Procario-Foley, Expertin in Jüdisch-Katholischen Studien, im letzten Jahr auf feinschwarz.net veröffentlicht hat.

Predigt

Warum Palmsonntag ein Plädoyer für Demokratie ist – Thomas Söding (Kirche + Leben)

Ob Schlachtross oder Luxuslimousine – die Putins, Trumps und Xi Jinpings heutiger und früherer Zeiten wissen, Menschen mit Bildern an ihre Macht zu binden. Jesus macht das anders – er reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Für den Bochumer Neutestamentler Thomas Söding ist der Palmsonntag daher ein „Fest der politischen Theologie“, die Teilnahme an einer Palmprozession gar ein „Marsch für die Demokratie – auf die geistliche Art“:

„Genau dieser Kontrast zeigt, wie machtvoll die Demut Jesu ist. Er bringt Gottes Segen in die Stadt; er kommt im Namen des Herrn, wie Gott sein Reich nahekommen lässt; er bekräftigt die Hoffnung Israels, die sich in der Erinnerung an den König David heften. Die Menge jubelt ihm zu.

Ja, dem „Hosianna“ wird das „Kreuzige ihn“ folgen. Aber Jesus selbst wird denen Recht geben, die ihn jetzt feiern: den Befreier, den Erlöser, den Messias. Der Einzug nach Jerusalem führt auf den Kreuzweg – und das volle Grab von Golgotha wird zum leeren Zeichen der Auferstehung, gefüllt von Gottes Gegenwart. Der Reiter auf dem Esel wird ans Kreuz geschlagen werden – aber der Titel „König der Juden“, der ihn verhöhnen soll, ist ein paradoxes Bekenntnis.“

Ein guter Satz

„Wer Palmsonntag feiert, glaubt an das Reich Gottes, das keinen Gottesstaat, keine Taliban, keine Sittenwächter braucht, sondern Menschen, die an Jesus glauben und für die Freiheit einstehen.“

– Thomas Söding

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