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Radikale – Die #LaTdH vom 29. August

Nach dem gescheiterten Afghanistan-Einsatz stellt sich die Frage: Was muss der Westen lernen? Außerdem: Muslimische Taliban-Debatte, Kritik an der Kritik des Synodalen Weges und #ZweiPiekseFürEinHalleluja.

Herzlich Willkommen!

„Ich habe in meinem Leben nichts gelesen, das so radikal ist wie die katholische Soziallehre“, bekennt Peter Dennebaum, der Pfarrer aus dem Wahlwerbespot der Grünen, gegenüber der Eule. Unter der Woche hat sein parteipolitisches Engagement im Wahlkampf für Aufregung gesorgt.

Hinter ästhetischen und strategischen Fragen zum Video „Ein schöner Land“, indem die Grünen dem Volkslied „Kein schöner Land“ einen neuen Text verpassen, blieb die Frage danach, was eigentlich die Verantwortung von Christ:innen bei dieser Wahl ist, seltsam unbesprochen. Dennebaum und die liberale Imamin Rabeah Müller singen in ihrer Liedzeile von der Bewahrung der Schöpfung. Doch gibt es natürlich noch mehr und andere Anliegen, nach denen Christ:innen die Parteien befragen können.

Eine Kurzanalyse der Grundpositionen der sechs im Bundestag vertretenen Parteien zur Bundestagswahl 2021 (PDF) auf Basis der katholischen Soziallehre und anhand ausgewählter Politikfelder hat die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (KSZ) erstellt. Es sind dann doch 32 Seiten geworden – und so richtig radikal wird es leider auch nur selten.

Eine gute Woche wünscht
Philipp Greifenstein

Debatte

Wahlkampfspots und Lastenradl-Diskussion zum Trotz: Das Thema der zurückliegenden Woche war erneut das katastrophale Ende des Afghanistan-Krieges. Dabei entpuppt sich die Beschäftigung mit „dem Land am Hindukusch“ und seiner jüngsten Geschichte als eine veritable Ent-Täuschung. Momente der Erkenntnis, dies oder jenes über Afghanistan doch schon einmal gewusst gehabt und zwischenzeitlich vergessen zu haben, wechseln sich mit – nach 20 Jahren Krieg mit deutscher Beteiligung – beschämenden „Lernerfolgen“ ab: Warum nur ist so ziemlich alles am Afghanistan-Einsatz des Westens gescheitert, wo es so viele Menschen doch besser wissen?

„Evakuierte aus Afghanistan sind völlig erschöpft“ – Dieter Schneberger (evangelisch.de, epd)

Flughafenpfarrerin Bettina Klünemann und ihr Team kümmern sich am Frankfurter Flughafen um die Evakuierten aus Afghanistan. Von ihrer Arbeit erzählt sie Dieter Schneberger vom @epd_news:

Großes Augenmerk liege auf der Betreuung der vielen Kinder, sagte die Flughafenpfarrerin. „Wir versorgen die Familien mit Windeln, Feuchttüchern und Stramplern und spielen mit den größeren Kindern, die oft Schreckliches erlebt haben.“ Auch die Erwachsenen seien sehr dankbar für saubere Kleidung, „denn sie steckten oft acht Tage oder mehr in den selben Klamotten“. Solange die Evakuierungsflüge andauerten, seien sie und ihr Team acht Stunden am Tag vor Ort, sagte Klünemann.

Vom Abschluss der Evakuierungs-Mission der Bundeswehr berichtet auf seinem hervorragenden Bundeswehr- und Sicherheitspolitik-Blog Thomas Wiegold (@thomas_wiegold) – und vergisst auch nicht, die bemerkenswerten Umstände der Rückkehr der SoldatInnen, inkl. Presseauftritt von Kommandeur und Ministerin, kurz einzuordnen.

In den gut neun Tagen ihrer Luftbrücke von Kabul nach Taschkent flogen die A400M-Transporter der Luftwaffe insgesamt mehr als 5.300 Menschen aus. Rund 500 davon waren deutsche Staatsbürger, etwa 4.000 Afghanen. Die übrigen Ausgeflogenen verteilten sich auf rund 45 Nationen. Am Donnerstag hatte die Bundeswehr ihre Evakuierungsmission auf dem Kabuler Flughafen eingestellt, weil die USA, die den Flugbetrieb sicherstellen, auch ihr eigenes Personal und Gerät bis zum kommenden Dienstag abziehen werden und dafür Flugzeiten benötigen.

Anhand der Zahlen kann die deutsche Evakuierungsmission unter den schwierigen Umständen als Erfolg gelten. Das ändert jedoch nichts an der verzweifelten Lage, in der sich viele ausreisewillige Afghan:innen weiterhin befinden. Was haben die Taliban mit ihnen vor? Sollen sie sich in das neue Regime integrieren? Gelten sie als Faustpfand gegenüber dem Westen?

Noch mehr und andere Menschen als die vielbeschworenen „Ortskräfte“ hätte man, so viel ist klar, aus Afghanistan rausholen können, wenn man mit den Evakuierungen bei Abzug der Bundeswehr begonnen hätte. Immerhin können flüchtende Afghan:innen wohl (bald) in den deutschen Konsulaten und Botschaften der benachbarten Staaten Asyl beantragen, was zumindest eine gefährliche Flucht über Land und Meer verhindern würde.

Die afghanische Parlamentsabgeordnete Farzana Kochai klagt im Interview mit „Gesichter des Friedens“ (hier in der Eule):

Zurück bleiben wir und die Taliban, die tun und lassen, was sie wollen. Wir beten jeden Tag zu Gott, wir beten zu Allah, denn wir haben niemanden, der uns hilft – weder in Kabul noch sonst wo auf der Welt. Wir beten für unsere Zukunft, die Zukunft unserer Kinder und die Zukunft unseres Landes.

Afghanistan verstehen

Wer sind die Taliban? Was haben sie vor? Was ist eigentlich los in Afghanistan? Was sind die Gründe für das Scheitern und wer ist verantwortlich? Zu diesen Fragen sind in den vergangenen Tagen zahlreiche Analysen erschienen. Antworten muss man sich aus einem Vielklang von Perspektiven herausarbeiten:

Im Guardian versucht sich Jonathan Steele daran, 10 Mythen über Afghanistan auszuräumen (auf Englisch), ganz anders sehen Nancy Lindisfarne und Jonathan Neale die Lage in ihrem Artikel über die Rückkehr der Taliban und das Ende der Besatzung, den das Magazin für internationalen Sozialismus marx 21 auf Deutsch übersetzt hat. Spannend ist, worin beide Perspektiven übereinstimmen.

Warum scheiterte das Nation Building in Afghanistan, fragt Daron Acemoglu bei Project Syndicate (auf Englisch) und legt den Finger tief in die Wunden des Westens: Die zahlreichen schönfärberischen Vor-Urteile des Westens – und vieler Christen – gegenüber dem Engagement des Westens bedürfen einer Korrektur.

Flucht aus dem Eldorado der Entwicklungspolitik – Tillmann Elliesen (welt-sichten)

Das meint auch auch Tillmann Elliesen, Redakteur des entwicklungspolitischen Magazins welt-sichten (@weltsichten). Die westliche Entwicklungshilfe habe zur grassierenden Korruption im Land beigetragen, während – so viel wird man auch sagen können – das erhebliche finanzielle Engagement in den Geberländern das wohlige Gefühl verbreiten half, man kümmere sich ja.

Doch Elliesen weist auch auf die (zeitweiligen) Erfolge der Entwicklungshilfe in Afghanistan hin und damit darauf, was nun binnen weniger Wochen verloren geht. Zum Schluss formuliert er Mindestforderungen an den Westen, der sich aus seiner Verantwortung nicht herausstehlen kann.

[Die an der Intervention beteiligten Staaten] müssen die Afghaninnen und Afghanen, die in ihrem Land bleiben wollen oder müssen, weiter unterstützen. Den anderen, die nicht unter den Taliban leben wollen oder können und in der Region keine Zukunft sehen, müssen sie legale Wege zur Auswanderung Richtung Westen öffnen.

Dabei geht Elliesen auch mit der Entwicklungshilfe-Branche selbst hart ins Gericht:

Eine derartige Flucht aus der Verantwortung passt nicht zu einer Branche, die sich nicht nur dem Profit und dem eigenen Wachstum, sondern der Verbesserung von Lebensverhältnissen in anderen Ländern verschrieben hat. In den Hauptstädten der Geberländer muss darüber nachgedacht werden, ob die in Afghanistan praktizierte Entwicklungsarbeit von oben herab sinnvoll war – oder ob die Zukunft der Zusammenarbeit gerade in instabilen Regionen nicht besser in kleineren, dezentralen Vorhaben auf nichtstaatlicher Ebene liegt.

In der Islamischen Zeitung diskutiert derweil Abu Bakr Rieger die „realpolitischen Herausforderungen“ und fragt: „Wer mäßigt die Taliban?“ Während Tobias Schulze (@tschlze) in der taz zu dem Schluss kommt, dass die Bundesregierung ausweislich der Afghanistan-Debatte im Bundestag nichts dazugelernt habe.

Die Frage nach der Verantwortung der Muslime

Das bemerkenswerte Schweigen der deutschen Islam- bzw. Moscheeverbände zum Auftrumpfen der Taliban findet immer mehr Gehör: Im Handelsblatt kritisieren Cem Özdemir (Grüne) und Eren Güvercin (@erenguevercin), freier Journalist und Mitarbeiter der muslimischen Alhambra Gesellschaft, die Verbände scharf. Ein Grund der Zurückhaltung liegt in der Nähe der größeren Islamverbände zur Türkei, wo man sich über die „Brüder im Glauben“ in Afghanistan unverhohlen freut.

Hintergründe und Fragen an die deutschen muslimischen Religionsgemeinschaften dazu hat der Blogger Murat Kayman (@KaymanMurat) auf seinem Blog formuliert. Währenddessen fordern Ibrahim Quraishi in der taz und Ahmad Milad Karimi bei Deutschlandfunk Kultur, dass sich Muslime klar gegenüber den Taliban positionieren und sparen nicht mit Kritik an „den Gläubigen des Islams und ihren linken, politisch-korrekten Freun­d:in­nen“. Quraishi schreibt:

Wo sind die mutigen muslimischen, die wütenden arabischen Stimmen, die Gerechtigkeit fordern gegen die Talibanisierung der gesamten muslimischen Welt? Wann ist es endlich erlaubt, sich gegen die ständige Instrumentalisierung des Islams zur Aufrechterhaltung von Hass und messianischer Gewalt zu wehren? Warum wird weiterhin endlos geschwiegen? Wann werden wir aufhören, im Namen der Religion zu töten? Schluss, aus, es reicht!

Nicht nur ist die Lage in Afghanistan komplex, so sind es auch die vielfältigen Stimmen, die nicht ohne eigene Interessen an der Debatte um Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Landes und ihrer Implikationen für die deutsche (Religions-)Politik teilnehmen. Ein Fortschritt gegenüber vergangenen Zeiten jedoch ist deutlich: Endlich finden auch muslimische Stimmen Gehör, so unbequem sie für die säkulare bzw. christliche Mehrheitsgesellschaft auch sind.

nachgefasst

Wer den Synodalen Weg kaputtredet, greift die Engagierten an – Annette Saal (Kirche + Leben)

Annette Saal, Chefredakteurin der Print-Ausgabe der Kirche + Leben, nimmt in einem Kommentar die Teilnehmer:innen des Synodalen Weges gegen die Anklagen insbesondere des Bonner Kirchenrechtlers Norbert Lüdecke in Schutz (beispielhaft vorgebracht im Eule-Interview bei Thomas Wystrach (@wystrach)) – schreibt allerdings formschön am eigentlichen Punkt vorbei:

Wie auch immer: Die Basis erwartet konkrete Ergebnisse, keine Vertröstungen auf den Sankt-Nimmerleinstag. Deswegen brauchen die Delegierten des Synodalen Wegs alle Unterstützung. Auch deshalb, weil sie nur zu gut um zurückliegende Gesprächs- und Beratungsprozesse wissen, deren Ergebnisse unbeachtet in Regalen verstauben. Wer den Reformprozess tot­redet, greift damit auch den Elan an, den die Engagierten jetzt noch haben. Um im Fußball-Bild zu bleiben: Anfeuern, damit sie motiviert am Ball bleiben!

Es geht nicht darum, den Teilnehmer:innen bösen Willen zu unterstellen oder gar ihren „Elan“ in Abrede zu stellen. Viele Teilnehmer:innen und noch mehr katholische Beobachter:innen schauen gespannt, was sich für die Reformziele auf dem Synodalen Weg erreichen lässt, ganz ohne sich Illusionen über das Gesprächsformat und die rahmende katholische Kirchenpolitik hinzugeben.

Wie ich in der Sommer-Edition des „WTF?!“-Podcasts mit Michael Greder (@HerrVikarin) gestern formulierte: Grundsätzliche Sympathie mit den Zielen der Reformer:innen bedeutet nicht, dass man Organisation und Durchführung des Synodalen Weges kritiklos akzeptieren müsste.

Saal bestärkt in ihrem Kirchenzeitungs-Kommentar hingegen die Illusion, die Teilnehmer:innen des Synodalen Weges wären auf einem gemeinsamen Weg. Damit hat sie das katholisch-kirchenamtliche Verständnis von Synodalität vollständig antizipiert. Von einem „Duell und Zuspiel“ verschiedener Perspektiven „auf Augenhöhe“ auch nur hinter den Kulissen kann keine Rede sein.

Protest Richtung Rom – Michael Althaus (KNA, Domradio)

Der Hamburger Generalvikar Ansgar Thim kritisiert außergewöhnlich scharf Papst Franziskus für sein Zögern im Fall des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße, der im Zuge des Kölner Mißbrauchskandals im März sein Rücktrittsgesuch beim Pontifex eingereicht hatte (wir berichteten).

Obwohl sich bislang keine Reaktion aus Rom andeutet, geht das Erzbistum Hamburg nach eigenem Bekunden davon aus, dass der Rücktritt Heßes angenommen wird. Sollte dem so sein, könnte jedoch noch locker ein Jahr vergehen, bis ein Nachfolger verkündet wird. Für Generalvikar Thim ginge die Geduldsprobe dann in eine neue Runde.

Buntes

12-Punkte-Liste für die Überprüfung oder Planung des datenschutzkonformen Einsatzes eines Videokonferenzsystems – Pierre Große (dsbkd.de)

Der Datenschutzbeauftragte für Kirche und Diakonie hat eine 12-Punkte-Liste für die Überprüfung oder Planung von datenschutzkonformen Videokonferenzen vorgelegt. katholisch.de-Redakteur und Datenschutz-Aficionado Felix Neumann (@fxneumann) kommentiert die Liste im Newsletter seines Datenschutz-Blogs „Artikel 91“ (hier) zutreffend:

Sicherlich eine nützliche Grundlage für die Einführung, wenn auch zur vierten Welle [der Corona-Pandemie] doch etwas spät: Wer hat jetzt noch kein Videokonferenzsystem? Rechtlich ist an der Handreichung nichts zu beanstanden und für Menschen, die mit Datenschutz vertraut sind, auch ohne Überraschungen. Für alle anderen muss sie aber befremdlich wirken. Sicher hat eine Videokonferenz eine höhere Eingriffsintensität als andere Kommunikationsmittel. Aber gibt es auch nur vergleichbare Checklisten für Telefon, E-Mail und Fax?

Ärztepräsident fordert Einbindung von Sport und Religion beim Impfen (epd, evangelisch.de)

Wie können sich die Kirchen in der Corona-Pandemie nützlich machen? Diese Frage bewegt seit 20 Monaten Ehren- und Hauptamtliche. Immer mehr Kirchgemeinden laden zum Impftermin in ihre Räumlichkeiten ein. Eine gute Idee, findet der Präsident der Bundesärztekammer:

Wenn jetzt die meisten Impfzentren schließen würden, sollten als Ersatz mehr mobile Impfstellen geschaffen werden – etwa vor Kirchen und Moscheen oder auch Freizeiteinrichtungen, […]. „Wir sollten auch Sportvereine, Kulturvereine und die unterschiedlichen Glaubenseinrichtungen bei der Impfkampagne mit ins Boot holen“, erklärte er. Ausreichend Impfstoff, Personal und Logistik stünden zur Verfügung, […]. Bei denjenigen, die den Gang zum Arzt oder in das Impfzentrum möglicherweise aus profanen Gründen aufgeschoben hätten, könnten solche unkomplizierten Impfangebote helfen.

Nele Heise (@neleheise) arbeitet beim Impfteam in Hamburg und war diese Woche u.a. in der Christianskirche in Altona (Kirchengemeinde Ottensen, Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein der @nordkirche_de). Ihren Hashtag #ZweiPiekseFürEinHalleluja würd‘ ich gern häufiger sehen!


Eine andere Idee, die zugleich bestürzend naheliegend und nahezu ausgeschlossen ist, kommt von Ria Schröder, der stellvertretenden Landesvorsitzenden der FDP in Hamburg:

Corona-Notizen Folge 32: Vollbremsung – Petra Bahr (Christ & Welt, A)

Wer sich bei ZEITonline einloggt oder auf den Twitter-Account der Hannoverschen Regionalbischöfin Petra Bahr (@bellabahr) lunst, liest einen gefühlvollen Appell an die Erwachsenen in der Krise. Weise Worte.

Erwachsene mögen unterschiedliche Meinungen zur Sicherheit in Schulen haben, über Infektionen, vor denen Kinder sich nicht durch Impfung schützen können, über die Wirkung von Luftfiltern und die Folgen von Abstandsgeboten für das körperliche Bedürfnis der Kleinen. Doch zwischen Beschwichtigung und Alarmismus zwängt sich nur ab und zu die Sichtweise der Kinder, der Jugendlichen, der jungen Erwachsenen, zur Zukunft. Es ist diese Sichtweise, die viel beunruhigender ist. Sie trauen den Erwachsenen nicht mehr zu, dass ihnen ihre Anliegen wichtig sind.

Schwarze Pädagogik 2.0 – Reinhard Kahl (taz)

An der Oberfläche schreibt Reinhard Kahl in der taz über den Skandal um den Kinderpsychiater Michael Winterhoff (siehe WDR-Doku), in der Tiefe seines Artikels aber geht es auch um das Erwachsensein in dieser Zeit. Welches Bild vom Leben und ihrer Verantwortung haben Erwachsene, die Kinder einfach nur „funktionieren“ sehen wollen?

Erziehung und Bildung sind die DNA-Werkstätten der Gesellschaft. Im Guten wie im Schlechten. Deshalb ist das System Winterhoff und vor allem das Echo auf ihn so irritierend. Sein Erfolg verweist aber auch auf einen blinden Fleck der Gesellschaft in nachautoritären und zugleich postantiautoritären Zeiten: der Mangel an wirklich erwachsen gewordenen Erwachsenen, die – zitieren wir nochmals Hannah Arendt – den Kindern gegenüber die Verantwortung für die Welt auch da übernehmen, wo sie nicht mit ihr einverstanden sind.

Theologie

Gurus und Heiler durchleuchten – Mechthild Klein (DLF)

In einem ausführlichen Beitrag für den Deutschlandfunk erinnert Mechthild Klein (@mechthild_klein) an die Gründung der Apologetischen Centrale der evangelischen Kirche vor 100 Jahren, deren Nachfolgerorganisation, die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), bis heute im Dienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Sondergemeinschaften, Neureligiöse und sonstige Gefahrenherde beobachtet.

„Man muss sich abgrenzen, und man muss natürlich das Eigene, in diesem Fall den evangelisch-christlichen Glauben auch gegenüber anderen alternativen Weltanschauungen – auch wenn man so will verteidigen, was eben vernünftig, womöglich lebensdienlicher ist als an anderen“, sagt der EZW-Referent Martin Fritz.

Der Beitrag geht auf die nicht immer einfache Geschichte und Gegenwart der EZW ein, lässt Kritiker zu Wort kommen und erklärt, warum gerade in Zeiten von Verschwörungsglauben und Extremismen Expert:innen in Sachen Weltanschauungen für die Kirche wichtig sind.

Ein guter Satz

„In seiner Güten
uns zu behüten
ist er bedacht.“

– aus der 4. Strophe von „Kein Schöner Land“ von Anton Wilhelm von Zuccalmaglio, Dank für den Hinweis an @thomaskowtsch

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