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Foto: Daniel Leone (Unsplash)

Sind die Bauern Opfer des Klimawandels?

Durch die sommerliche Dürre sind auch Bauern in Deutschland unter Druck geraten. Reflexartig wird nun Staatshilfe gefordert. Das Problem reicht aber tiefer. Ein Kommentar.

Die Bauern fordern Hilfe vom Staat. Milliarden! Das hat etwas Rührendes. Die Bauern fordern Hilfe. Sie fühlen sich als unschuldige Opfer einer Naturkatastrophe, die über sie unvorhergesehen hereingebrochen ist. Dabei übersehen sie, dass sie nicht Opfer, sondern Täter sind.

Teil des Ursachsengeflechts

Die Dürre wird wiederkommen, vielleicht sogar extremer, denn sie ist Folge des globalen Klimawandels und der wiederum ist Folge des ungebremsten Ausstoßes von Treibhausgasen, an dem die Landwirtschaft maßgeblich beteiligt ist. Die Massentierhaltung erzeugt nämlich mehr Treibhausgase, als der gesamte Verkehr weltweit. So sieht die Kausalität aus.

Natürlich sind die Bauern keine Bösewichte, die mutwillig die größte Naturkatastrophe seit dem Meteoriteneinschlag in der Karibik vor 66 Millionen Jahren herbeiführen wollen. Aber sie sind wesentlicher Teil eines Ursachengeflechtes, an dem wir alle beteiligt sind.

Ursache der Massentierhaltung ist nämlich der ungezügelte Massen-Fleischkonsum der westlichen Länder. 60 bis 70 Kilogramm pro Jahr und Kopf. Rechnet man die Kinder und Omas ab, dann sind das 90 Kilogramm pro Mann in Deutschland. Das waren in meiner Kindheit noch 10 bis 20 Kilogramm, das ist unmäßig und ungesund.

Rinderwahnsinn

Dieser Abusus wird von einer Wirtschaft, die Profit will und nichts sonst, gnadenlos bedient. Gnadenlos vor allem für die Tiere! Da die Tier-Fabriken aus den natürlichen Quellen im Lande nicht annähernd ernährt werden können, werden Massen von Soja und Mais aus Lateinamerika importiert, die dort auf Böden, die zuvor den Ärmsten der Armen genommen wurden, oder auf brandgerodeten Urwaldflächen angebaut werden, was wiederum den Treibhauseffekt verstärkt.

Soja statt Beef – Argentinien krempelt seine Landwirtschaft um

Sarah Münch (@blumensalat) berichtet aus Argentinien, wo die Landwirtschaft im großem Stil von der traditionellen Rinderzucht auf den Anbau von Soja umgestellt wird. Das verändert das Leben in den Dörfern und Gemeinschaften, doch es gibt auch Profiteure. Die Evangelische Kirche versucht, die Menschen in diesem Wandel zu begleiten. Weiterlesen

Diese Kette von Frevel beginnt uns jetzt auf die Füße zu fallen. Und den Bauern zu erst. Wenn wir am Dreieck Massentierhaltung, Massenproduktion von Billigfleisch, Massenimport von Futtermitteln nicht etwas Grundlegendes ändern, wird die Verwüstung unseres Landes fortschreiten.

Hier ist natürlich primär der Gesetzgeber gefordert. Erst in zweiter Linie der Konsument. Wir haben gesehen, was beim Rauchen möglich war. Am Ende sollte ein Steak von Klodeckelgröße so unanständig sein wie Steuerhinterziehung.

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