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Foto: Casey Horner (Unsplash)

Wir bekräftigen

#AllefürsKlima: Weltweit streiken heute Jugendliche und Erwachsene für eine ernsthafte Klimapolitik. Zahlreiche Kirchen und Gemeinden haben sich angeschlossen.

#FridaysforFuture, die von Schüler*innen weltweit geführte Klimastreikbewegung, ruft für heute zum globalen Klimastreik auf. Zahlreiche christliche Kirchen und Gemeinden haben sich angeschlossen und nehmen heute an Demonstrationen und kreativen Aktionen teil. In vielen Städten wird der Klimastreik vom Geläut der Kirchenglocken unterstützt.

Im Zuge des konziliaren Prozesses „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ sind vor 30 Jahren Texte entstanden und ökumenische Beschlüsse gefasst worden. Die 10 auf der Ökumenischen Weltversammlung von Seoul im Jahre 1990 verabschiedeten Grundüberzeugungen sind heute nicht minder radikal, klar und konstruktiv als damals. Sie bilden einen Konsens der christlichen Ökumene, der heute zum Handeln verpflichtet.

Zum globalen Klimastreik dokumentieren wir die Grundüberzeugungen Nr. 7 & 8, die sich mit der Bewahrung der Schöpfung befassen:


Wir bekräftigen, daß Gott die Schöpfung liebt.

Gott, der Schöpfer, ist der Ursprung und der Er­halter des ganzen Kosmos. Gott liebt die Schöp­fung. Die ge­heimnisvolle Ordnung der Schöpfung, ihr Leben und ihre Lebendigkeit spiegeln die Herrlichkeit ihres Schöp­fers. Gottes Erlö­sungswerk in Jesus Christus versöhnt alle Dinge miteinander und ruft uns auf, am Werk der Heilung durch den Geist Gottes in der ganzen Schöpfung teilzunehmen.

Da die Schöpfung von Gott ist und seine Güte die ganze Schöpfung durchdringt, sollen wir alles Leben heilig­ halten. Heute ist auf der Welt alles Leben bedroht, sowohl für die jetzt lebende als auch für die kom­mende Ge­neration, weil sich die Menschheit als unfähig erweist, die lebendige Erde zu lieben, insbesondere die Reichen und Mächtigen haben die Erde ausgeplündert, als wäre sie für ihre egoistischen Zwec­ke geschaffen.

Die Zerstö­rung hat möglicherweise bereits heute ein solches Ausmaß erreicht, daß sie nicht mehr rückgängig gemacht wer­den kann. Dies zwingt uns dringend zum Handeln.

Biblische Aussagen wie „macht euch die Erde untertan“ und „herrscht über sie“ sind jahrhundertelang zur Rechtfertigung zerstörerischen Verhaltens gegenüber der geschaffenen Ordnung mißbraucht worden. Indem wir diese Vergewaltigung bereuen, nehmen wir die biblische Lehre an, daß die nach Gottes Bild geschaffenen Men­schen als Diener Gottes und als Abbild seiner erschaffenden und erhaltenden Liebe eine besondere Verantwor­tung dafür haben, daß sie für die Schöpfung Sorge tragen und in Harmonie mit ihr leben.

Wir bekräftigen, daß die Welt als Gottes Werk eine eigene Ganzheit besitzt und daß Land, Wasser, Luft, Wäl­der, Berge und alle Geschöpfe, einschließlich der Menschen, in Gottes Augen „gut“ sind. Die Bewah­rung der Ganzheit der Schöpfung hat einen sozialen Aspekt, nämlich Frieden auf der Grundlage von Gerechtigkeit, und einen ökologischen Aspekt, nämlich die Regenerierbarkeit und Überlebensfähigkeit natür­licher Ökosysteme.

Wir werden dem Anspruch widerstehen, alle geschaffenen Dinge dienten lediglich dazu, vom Menschen aus­gebeutet zu werden. Wir widersetzen uns darüber hinaus der Vernichtung der Arten um des von Menschen er­zielten Gewinns willen, dem Konsumdenken und der schädlichen Massenproduktion, der Verschmutzung von Land, Luft und Wasser, allen menschlichen Aktivitäten, die jetzt zu wahrschein­lich raschen Klimaveränderun­gen führen, sowie politischen Vorhaben und Plänen, die zur Zerstörung der Schöpfung beitragen.

Deshalb verpflichten wir uns, einerseits als Mitglieder der lebendigen Schöpfungsgemeinschaft, in der wir eine unter vielen Arten sind, an­dererseits als Mitglieder der Gemeinschaft des Bundes in Christus, Mitarbeiter Gottes zu sein mit der moralischen Verantwortung, die Rechte kommender Generationen zu achten und die Ganzheit der Schöpfung zu bewahren; dafür sollen wir uns einsetzen um des eige­nen Wertes willen, die die Schöpfung von Gott hat und damit Gerech­tigkeit geschaffen und erhalten werden kann.

Wir bekräftigen, daß die Erde Gott gehört.

Das Land und die Gewässer bedeuten Leben für die Menschen, ja für alles, was lebt, heute und in Zukunft. Doch Millionen sind ihres Land­es beraubt und leiden unter der Verschmutzung des Wassers; ihre Kultur, ihre Spiri­tualität und ihr Leben werden zerstört.

Ureinwohner eines Landes, die im Laufe der Geschichte für das Land ge­sorgt haben, haben besonders darunter ge­litten und leiden weiterhin darunter, daß sie in unterdrückerischer Weise von ihrem Land getrennt worden sind. Dies geschah entweder durch die Politik einer Regierung und mit Ge­walt, durch Raub und Betrug oder durch kulturellen und physischen Völkermord.

Diese Menschen warten auf die Erfüllung der Verhei­ßung, daß die Armen das Land besitzen werden. Wenn auf der Erde Gerechtigkeit herrscht, werden die Fluren und alle Bäume des Waldes und alles, was lebt, jauchzen und frohlocken, (Psalm 96,11-12),

Wir bekräftigen deshalb, daß das Land Gott gehört. Der Mensch soll Boden und Gewässer so nutzen, daß die Erde regelmäßig ihre lebens­spendende Kraft wiederherstellen kann, daß ihre Unversehrtheit ge­schützt wird und daß die Tiere und Lebewesen den Raum zum Leben haben, den sie brauchen. Wir werden jeder Politik widerstehen, die Land als bloße Ware be­handelt, die Bodenspekulation auf Kosten der Armen treibt, die Gift­müll auf das Land und ins Wasser entlädt, die Ausbeutung, ungleiche Verteilung und Vergiftung des Bodens und seiner Erzeugnisse fördert und die jenen, die unmittelbar von der Nutzung des Lan­des leben, die Verfügungsgewalt darüber vorenthält.

Wir verpflichten uns zur Solidarität mit Urvölkern, die um ihre Kul­tur, ihre Spiritualität und ihre Rechte auf Grund und Boden sowie auf Gewässer kämpfen. Wir verpflichten uns zur Solidarität mit Landar­beitern und ar­men Bauern, die sich für eine Bodenreform einsetzen, sowie mit den Saisonlandarbeitern. Wir verpflichten uns außerdem, den ökologisch notwendigen Lebensraum anderer Lebewesen zu ach­ten.

Quelle: Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 151, [Teil II, Affirmationen – Nr. VII & VIII]


Nicht nur Glockenläuten

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