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Foto: Alex Dion (Unsplash)

Abgehört (17): 3 Gesichter des Evangeliums

Jens Stangenberg betreibt mit seinen Podcasts theologische Gemeindebildung. In den „3 Gesichtern des Evangeliums“ stellt er andere Perspektiven auf das Evangelium vor:

Wo und wie?

Wo: Bei iTunes, Spotify, Stitcher und über die Website.
Bisher erschienen: 15 Folgen
Episodenlänge: 10 – 15 Minuten

Der Fragebogen

Worum geht es in deinem Podcast?
In „3 Gesichter des Evangeliums“ werden verschiedene theologische Deutungsmuster der „Guten Nachricht“ erläutert. Seit der Reformation ist unsere Kultur besonders stark von der Grundstruktur “Schuld-Vergebung” geprägt. Das ist aber nicht die einzige Möglichkeit. Auch die Zugänge „Angst-Schutz“ und „Scham-Annahme“ sind wichtig. Wir brauchen die anderen Perspektiven, um das Gute der „Guten Nachricht“ neu verstehen und für uns erleben zu können.

An welche Zuhörerschaft richtest du dich?
Die ersten Podcast-Episoden waren für unsere Gemeinde (Zellgemeinde Bremen) bestimmt. Wir haben nach einem Weg gesucht, über die regelmäßigen Predigten hinaus vertiefende Inhalte anzubieten. Damit reagierten wir auf das Interesse von Leuten, die nicht die Möglichkeit hatten, Theologie zu studieren oder die entsprechende Fachliteratur zu lesen. Im Laufe der Zeit hat sich der Zuhör-Radius dann ausgeweitet.

Verfolgst du ein höheres Ziel?
Mir liegt daran, komplexere theologische Themenfelder auf leicht verständliche Weise kompakt darzustellen, ohne simpel zu werden. Damit möchte ich Zugänge zu weniger bekannten Feldern eröffnen und Lerneffekte ermöglichen. Das Ziel ist, Zuhörer*innen zum Mitdenken anzuregen und auf dem Weg zu einem mündigeren Glaubensverständnis zu begleiten.

Wer spricht deinen Podcast?
Ich. Alles, was ich sage, gründet sich auf meine inzwischen über 50 Jahre Erfahrung mit verschiedenen christlichen Milieus: Baptisten, Pfingstler, FeGs, Evangelischen Theologie, katholische Kontakte und das breite ökumenische Spektrum des Arbeitskreises Christlicher Kirchen. Seit 28 Jahren arbeite ich als Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland und schätze den breiten Strom der verschiedenen christlichen Traditionen.

Und an welchem Tisch findet man dich in der großen Halle?
Panne, da bin ich raus. Dieses ist eine meiner gaaanz wenigen Kultur-Lücken ;). Ich habe weder die Harry Potter-Bücher noch die zugehörigen Filme gesehen… Darf ich trotzdem weiterleben?

Welche ist deine Lieblingsfolge, und warum?
Ich mag besonders die Folge 15: Achtsam leben. Eigentlich müsste man es „8-sam“ schreiben. Die Zahl Acht hatte in der frühen Christenheit eine zentrale Bedeutung. Der achte Tag ist der Tag der Auferstehung und der neuen Schöpfung. Eines der ältesten Kirchengebäude hatte einen achteckigen Grundriss. Im Rahmen der deutschen Sprache bekommt damit das Verb “acht-en” einen völlig neuen Klang. Jemanden zu achten bedeutet dann, ihn oder sie mit den Augen Christi zu sehen. Achtsamkeit bedeutet, im Licht des auf uns zukommenden Reiches Gottes zu leben.

Welchen Themen willst du dich als nächstes widmen?
Nach (1) „Radikale Reformation – Der linke Flügel“, (2) „3 Gesichter des Evangeliums“ und (3) „Fluide Kirche“ läuft aktuell der vierte Podcast: „Bibelkunde Neues Testament“. Darin liefere ich in kompakter Weise Hintergrundinfos zu den biblischen Urdokumenten. Und gleichzeitig möchte ich damit anregen, eigenständig die neutestamentlichen Schriften als Ganzes zu lesen.

Hast du ein Podcast-Vorbild oder einen Podcast außer deinem eigenen, den du unseren Leser*innen ans Herz legen willst?
Yep. Für mich ist Hossa-Talk immer eine gute Adresse.

Hörst du deinen Podcast auch selbst an?
Klar doch. Das, was ich anderen antue, muss ich zunächst beim Nachbearbeiten selbst erleiden. Gefühlt schneide ich bei jeder Folge etwa 100 Ähs raus. Was sich zum Schluss hoffentlich wie ein schöner Text anhört, ist eine Bastelei aus allerlei Einzelschnipseln …

Ein Bibelwort, das deinen Podcast treffend beschreibt:
„… und predigten dort das Evangelium.“ (Apg 14,7)

Abgehört: #05 Zusammenschau

Wahrheit gleich vorweg: Ich hab mich mit diesem Podcast sehr schwer getan. Normalerweise höre ich ja auf dem Arbeitsweg in der S-Bahn oder bei diversen Haushaltstätigkeiten. Das habe ich auch mit den 3 Gesichtern probiert, musste aber jedes Mal feststellen, dass ich den Faden verloren habe oder gar nicht wirklich erfasst hatte, was Jens da versucht hat zu verdeutlichen. Die Folgen sind zwar recht kurz, aber in diese Kürze ist sehr viel reingepackt. Wenn man den Podcast hören will, muss man mit voller Aufmerksamkeit dabei bleiben. Am Ende hat sich für mich der ein oder andere Stau angeboten, den Ausführungen von Jens folgen zu können.

Die „3 Gesichter des Evangeliums“ sind ein abgeschlossener Podcast aus 15 Folgen in dem Jens drei Arten das Evangelium zu lesen darlegt. In den Folgen 1 bis 4 erklärt er die jeweiligen Muster, oder Gesichter: Schuld-Vergebung, Angst-Schutz und Scham-Annahme.

In den darauffolgenden Folgen führt er die verschiedenen Muster anhand theologischer Debatten und auch im Alltag aus. Deshalb ist die 5. Folge dafür entscheidend, den Folgen 6 bis 15 aufmerksam folgen zu können. In dieser Folge stellt Jens die drei Muster nebeneinander, ordnet sie in den dogmen- und kirchengeschichtlichen Hintergrund ein und erläutert die weitergehende Nummerierung und Platzierung der drei Muster.

(1) Schuld-Vergebung: eine Wahrheit, eine Ordnung, ein göttl. Recht. Sünde ist Abweichung von dem EINEN. Gott ist als EINER Richter und Erlöser.
(2) Angst-Schutz als dualistisches Weltbild: Als Christ ist man im Kampfmodus zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis.
(3) Scham-Annahme als Beziehungsgeschehen in Gemeinschaft.

Nun ja, ich hab mich schwer getan, dem Podcast zu folgen. Er wirkt wie ein Referat über eine geschriebene Arbeit. Nicht ohne Grund wird wiederholt darauf hingewiesen, dass man für Referate und Vorträge Anschauungsbeispiele bzw. irgendwas Visuelles zur Verfügung stellen soll und das fehlt hier ganz entscheidend. Oft bin ich zurückgesprungen: Um welchen Punkt ging es gerade? So dauert eine Folge doch länger als 12 Minuten. Insgesamt habe ich mich allzu oft darin zurückversetzt gefühlt, „Die Hütte“ nochmal lesen zu müssen. Aber Jens hat mir auch Denkanstöße mitgeben können – vor allem in den Folgen zum Schluss hin.

Für die einen mag der Inhalt des Podcast ein Aha-Erlebnis sein, für die anderen #Deepshittalk ziemlich verkompliziert. Allen wäre im Nachvollzug mit Visualisierungen geholfen. Außer natürlich man hört den Podcast am stillen Ort ohne eine weitere Ablenkung oder halt im Stau stehend. Jens hat selbst viel Aufmerksamkeit in den Podcast gesteckt. Er spricht deutlich, manchmal ein klein bisschen zu pointiert. Die Folgen sind gut struktuiert und enden stets mit Anstößen zum selbst drüber nachdenken.

Denjenigen, die in der Gemeindearbeit tätig sind, lege ich besonders die letzten beiden Folgen ans Herz.

Ein guter Satz

„Weise Konfliktlösung zielt darauf, dass beide Seiten gewinnen und keiner dabei entwürdigt wird oder das Gesicht verliert.“

Folge 14: Praktische Konsequenzen

#abgehört – Die Podcast-Kritik in der Eule

Die 2. Staffel unserer monatlichen Podcast-Kritiken neigt sich langsam dem Ende entgegen. Im April und Mai stellen wir euch die letzten Podcasts der Staffel vor. Doch es gibt gute Nachrichten: #abgehört geht in eine 3. Staffel!

Seit dem Herbst 2019 sind einige neue christliche Podcasts an den Start gegangen, die wir euch ab Herbst 2020 vorstellen werden. Ein paar Kandidat*innen drängen sich natürlich auf, aber wir sind weiterhin besonders interessiert an den kleinen, feinen Projekten. Du kannst deinen Podcast auch selbst für die 3. Staffel #abgehört vorschlagen! Eine Email an die Redaktion genügt.

Ein Kommentar zum Artikel

Peter

Einer meiner absoluten Lieblingspodcasts!

Ja, ich stimme Eva zu, dass man den Podcast nicht nebenbei hören kann. Es braucht tatsächlich volle Aufmerksamkeit und unter Umständen muss man die Folgen mehrmals hören, was man auch schon deshalb machen kann, weil m. E. da eine Menge guter Gedanken drin sind, die man beim ersten Mal hören gar nicht recht fassen kann.

Insgesamt hat es mir sehr geholfen, mein eigenes Glaubensleben zu sortieren und bestimmte Vorgänge in der Christenheit an sich, aber auch und gerade in einer Freikirche, in der ich war, besser zu verstehen. Es war wie ein Puzzle – so nach und nach ergibt alles ein Bild und der Podcast von Jens Stangenberg hat mir geholfen, das Bild zusammenzusetzen. Seitdem empfehle ich den Podcast allen möglichen Leuten, weil ich die vorgestellten Muster sehr nachvollziehbar finde und damit auch meine eigene Empfindungen einordnen kann.

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