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Auf die harte Tour – Die #LaTdH vom 24. November

Ein Update aus der katholischen Welt zu Reformen und Beschäftigungstherapien. Außerdem: Sterben heute, Pfarrdienst von morgen und ein Bischof von gestern.

Debatte

„Wir brauchen keine Beschäftigungstherapie“ – Interview mit Claudia Lücking-Michel (Deutschlandfunk)

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK, @zdkonline) hat sich an diesem Wochenende dafür entschieden, dass es auch auf dem „Synodalen Weg“ – dem neuerlichen Diskussionsprozess mit den deutschen Bischöfen – wieder mitgeht.

Auf die Frage von Christiane Florin (@ChristianeFlori), ob womöglich nur eine Welle von Kirchenaustritten die Reformen in Gang setzen könne, die bisher mit den diversen Gesprächs- und Dialogprozessen bisher nicht möglich waren, erklärt ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel im @DLF-Interview:

Ja, das ist natürlich die harte Tour. Aber im Blick auf die letzten Jahre muss man ja wirklich sagen, erst die ungeheure Empörung nach der ersten Aufdeckung des großen Missbrauchsskandals 2010 hat zu kleinen Veränderungen geführt, jetzt die noch größere Empörung über die Ergebnisse der MHG-Studie hat dazu geführt, dass der synodale Weg mit all seinen Beschränktheiten überhaupt möglich wurde. Und tatsächlich, wenn es gar nicht anders geht, dann werden rasante Austrittszahlen den Druck so erhöhen, dass sich manches durchsetzen lässt, worauf wir bisher nicht zu hoffen wagen.

Dem „synodalen Weg“ fehlt die Perspektive – Michael Böhnke (katholisch.de)

Damit er dem Schicksal des folgenlos zu Ende gegangenen Dialogprozesses entgeht, brauche der „Synodale Weg“ eine weitergehende Perspektive, fordert der Theologe Michael Böhnke und stellt in seinem Kommentar drei konkrete Forderungen auf:

Erstens muss deutlich werden, dass der Weg ein Weg der Umkehr ist; einer Umkehr, zu der Beschlüsse gefasst werden, mit denen all das aus dem Weg geräumt werden kann, was die Freude am Evangelium derzeit nicht aufkommen lässt. Zweitens muss ein verbindliches Zeitfenster für die Umsetzung der Beschlüsse festgelegt werden. (…) Drittens müssten die diözesanen Räte sich die Beschlüsse des „synodalen Wegs“ zu eigen machen und ihre Umsetzung fordern und fördern. (…) Ziel bei all dem sollte sein, bis 2030 die Kirchen in Deutschland fit für ein gemeinsames evangelisierendes Handeln zu machen […]

Nicht ohne die Opfer! – Patrick Bauer und Ulrich Feeser-Lichterfeld (feinschwarz.net)

In der gerade beschlossenen Satzung des Synodalen Weges werden Opfer und Betroffene sexualisierter Gewalt im Raum der römisch-katholischen Kirche nicht eigens genannt. Gerade ihre Stimmen und ihr Mitwirken bräuchte aber der angestrebte Umkehr- und Erneuerungsprozess, fordern Patrick Bauer und Ulrich Feeser-Lichterfeld bei @feinschwarz_net.

Die angekündigten Themen- und Handlungsfelder („Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“, „Priesterliche Existenz heute“, „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“, „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“) ..

.. lassen wohl lediglich für kirchenkundige Menschen ihre indirekte Herkunft aus dem Kontext der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und der künftigen Präventionsarbeit erkennen. Stattdessen könnte der Eindruck entstehen (und die Auseinandersetzungen der letzten Wochen weisen in diese Richtung), das kirchliche Interesse hätte sich sehr schnell wieder auf die üblichen Grabenkämpfe und Stellungskriege der institutionellen Selbstbeschäftigung zurückgezogen.

Evangelisierung: Kirche muss auf Besserwisserei verzichten! – Peter Otten (katholisch.de)

Der Kölner Pastoralreferent Peter Otten (@PeterOtten) erinnert daran, dass es „Inseln der Echtheit“ gibt, an denen das Heil schon am Werk ist – jenseits von kirchlicher Besserwisserei:

In der Krise der Kirche sprechen ihre Verantwortlichen wieder häufig von Evangelisierung, sogar von Neuevangelisierung. Damit ist mal ein „Aufbruch zu Christus“ gemeint, mal eine „pastorale Bekehrung“, mal will man die Menschen „neu für Christus begeistern“. (Neu-)Evangelisierung scheint als verführerisches Konzept: Gottes Heil zu heilsbedürftigen Menschen tragen. Der jesuanische Blick ist ein anderer: Er rechnet mit dem Reich Gottes gerade dort, wo ich es nicht vermute.

Glaubwürdig Kirche sein? Das Subsidiaritätsprinzip in der Kirche – Ursula Nothelle-Wildfeuer (feinschwarz.net)

Das Subsidiaritätsprinzip ist im Sozialkatholizismus entstanden und im säkularen Umfeld kaum noch wegzudenken. Innerhalb der römisch-katholischen Kirche wird es dagegen wenig rezipiert. Ursula Nothelle-Wildfeuer fordert, die Kirche solle das von ihr hoch gehaltene Prinzip auch auf ihre eigenen Strukturen anwenden:

Solche Strukturen sind nicht einfach Nebensache, denn „form follows function“. Ekklesiologisch rekurriert dies auf den sakramentalen Charakter der Kirche. Das von der Kirche als Heilsanspruch für alle Menschen verkündigte Reich Gottes ist eine unsichtbare Wirklichkeit, die eine spezifische sichtbare Wirklichkeit erfordert, die wiederum die unsichtbare durchscheinen lässt. (…)

Christliche Verlagsgruppe gründet neues Magazin „Maria 2.0“ – Steffen Zimmermann (katholisch.de)

Während es der „Zeitung kritischer Christen“ Publik-Forum (@publikforum) 1995 noch gelang, sich als bevorzugter „Medienpartner“ und erfahrener Organisator von Kampagnen für die neu gegründete KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ (@WirSindKirche_) in Stellung zu bringen, bekommt die Protestbewegung „Maria 2.0“ jetzt ein eigenes, gleichnamiges Print-Magazin, das in der kirchennahen, aber unabhängigen Liborius-Verlagsgruppe erscheint.

Wir greifen die reformerischen Aktivitäten der Bewegung ebenso auf wie ihre zustimmende Grundhaltung zur Kirche. Wir analysieren und bewerten die Reaktion auf ihre Forderungen. Mit „Maria 2.0“ geben wir den Handelnden der Initiative eine Möglichkeit zum Austausch, zur Vernetzung und Koordination der Kommunikationsmittel.

Man darf gespannt sein, ob mit einem zielgruppenadäquat analogen Medium der „Weiberaufstand“ weiter angefeuert werden kann, oder ob die Zeitschrift die bekannte „Ventilfunktion“ erfüllt und dabei hilft, Kirchenkritik zu absorbieren und systemstabilisierend zu kanalisieren (vgl. dazu auch meinen Beitrag „Beziehungsstatus: Es ist kompliziert“ hier in der Eule).

nachgefasst

Der Bekenntnisfall – Wolfram Nagel (Deutschlandfunk)

Carsten Rentzing ist nun offiziell nicht mehr sächsischer Landesbischof (vgl. die umfassende Berichterstattung in der Eule). Ein Konservativer sei aus dem Amt gejagt worden, glauben seine Unterstützer, befeuert von Rentzings Abschiedsrede. Fast vergessen ist: 2012 hatte das konservative Lager gegen Rentzings liberalen Vorgänger Bohl opponiert.

Wolfram Nagel erinnert daran, dass sich damals etwa ein Fünftel aller Kirchgemeinden dem Protest gegen das neue Pfarrerdienstrecht angeschlossen habe, nach dem gleichgeschlechtliche Paare gemeinsam im Pfarrhaus leben dürfen:

Undenkbar in den meisten Gemeinden im Erzgebirge und Vogtland. Auch nicht in Markneukirchen, wo Carsten Rentzing vor seiner Wahl zum Bischof Pfarrer war. Er gehörte zu den Unterstützern der Sächsischen Bekenntnisinitiative. Eine homosexuelle Lebensweise entspreche nicht dem Schöpfungswillen Gottes, sagte er 2012.

Doch suchte er dann zusammen mit anderen Synodalen und der Kirchenleitung nach einem Kompromiss, der den Gemeindevorständen erlaubt, dafür oder dagegen zu entscheiden. Persönlich lehnte er dann auch als Bischof selbst eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in Kirchenräumen ab.

Buntes

Pfarrerspflicht zu Social Media: wie zum Pfarrhaus? – Hanno Terbuyken (evangelisch.de)

Für evangelische Pfarrer*innen gilt im Regelfall noch immer die so genannte „Residenzpflicht“, auch wenn diese Verpflichtung, in der Gemeinde und/oder nahe der Kirche zu wohnen, in manchen Landeskirchen in Einzelfällen aufgeweicht wird.

Sollte es aber auch eine Pflicht geben, dass Pfarrer*innen in einem oder mehreren Social-Media-Kanälen präsent sind? Diese Frage hat Hanno Terbuyken (@dailybug) in der Vollversammlung des Studierendenrates Evangelische Theologie (@InterSETh) in Münster gestellt.

Bach ist halt schick – Hanna Jacobs (Christ & Welt)

In ihrer Kolumne bei @christundwelt macht sich Hanna Jacobs (@hannagelb) Gedanken darüber, wie sich Kirchengemeinden ein „Profil“ geben: Kirchenmusik, aktive Jugendarbeit, anspruchsvolle Erwachsenenbildung. Übersieht die „Kulturfixiertheit“ der Kirche die Armen? Sehr selten orientiere sich kirchliche Arbeit aktiv an den Bedürfnissen von Menschen in prekären Lebensverhältnissen:

Es wäre wichtig, dass Kirche ehrlich damit umgeht, dass manche Zielgruppen und Profile als attraktiver gelten als andere. Die Aufführung des Weihnachtsoratoriums wirft mehr Glanz ab als eine Suppenküche. Das muss man offen benennen, um die verschiedenen Spielarten von Kirche wertschätzen zu können und zu verhindern, dass alle das Gleiche machen, und zwar das allgemein Angesehene.

Wer spricht noch von Ökumene? – Interview mit Dorothea Sattler (KirchenZeitung der Diözese Linz)

Vor 20 Jahren haben der Lutherische Weltbund und die römisch-katholische Kirche die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ unterzeichnet. Doch seither ist es um die Ökumene immer stiller geworden. Woran das liegt, erfährt man im Interview mit Dorothea Sattler, Professorin für Ökumenische Theologie und Dogmatik in Münster und Leiterin des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen, der kürzlich sein Votum „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ veröffentlichte.

Wo ist die prophetische Stimme in unserer Zeit? – Till Magnus Steiner (Dei Verbum)

„Gott hat zu mir gesprochen!“ – dieser Satz sei ein sicherer und schneller Weg in die psychiatrische Klinik oder zumindest in die Isolation von der aufgeklärten Gesellschaft, schreibt Till Magnus Steiner (@TillMSteiner) im Blog Dei Verbum (@Verbum_Dei). Im Christentum verschwanden im 3. Jahrhundert die Propheten und Prophetinnen. Sie hatten ein Ohr für das Wort Gottes und waren anfangs noch ein wichtiges Element in der Kirche:

In unserer Zeit gibt es scheinbar keine Propheten mehr, die eine direkte Botschaft Gottes an die Welt übermitteln. […] Oder sind die psychiatrischen Kliniken vielleicht voll von Propheten? […] Es wird wieder Zeit für Propheten und Prophetinnen, die Gottes Stimme hören, die aufbauen, ermutigen und Trost spenden.

Bibel

Mehr als Broterwerb – Interview mit Bernhard Emunds (Kirchenbote)

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“ – das Zitat aus 2 Thess 3, 6-13 gilt vielen als entscheidender Satz aus der Bibel für eine christliche Arbeitsethik. Bernhard Emunds vom Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik an der PTH Sankt-Georgen (@NBI_ffm) warnt jedoch davor, den antiken Text eins zu eins auf unsere Zeit zu übertragen:

Dieser Text ist dazu benutzt worden, Arbeitslose zu kritisieren und unter Druck zu setzen, sie auch in Erwerbsarbeit zu miserablen Bedingungen zu zwingen. Das ist nicht die biblische Intention, sondern etwas Neuzeitliches. Geschichtlich hat das mit dem protestantischen Arbeitsethos zu tun. (…)

Da, wo Gott uns in den Alltag gestellt hat, da üben wir durch unsere Tätigkeiten Dienst am Nächsten und damit an Gott. Luther nannte das „Beruf“. Das Wort wurde dann später auf die Erwerbsarbeit verengt und diese damit massiv aufgewertet. (…) Wir können die steigende Produktivität aber auch dazu nutzen, Arbeitszeiten zu verkürzen. Wir können und müssen dazu kommen, dass die Menschen weniger arbeiten.

Die Bibel gehört allen, Gläubigen und Ungläubigen – Bettina Kaps (Deutschlandfunk)

Der Deutsch-Schweizer Thomas Römer, bisher Inhaber des Lehrstuhls für Hebräische Bibel in Lausanne, ist neuer Leiter des renommierten Wissenschaftsinstituts Collège de France (@cdf1530) in Paris.

In einem Land, das auf die Trennung von Staat und Religion Wert legt, ist die Wahl eines Theologen und Bibelwissenschaftlers etwas Besonderes. Wie in den Jahren zuvor, will Römer auch bei seiner letzten Vorlesung in Lausanne die Studienanfänger fragen, wer von ihnen die Bibel gelesen hat:

Vor 20 Jahren war das die große Mehrheit, jetzt ist es eine verschwindende Minderheit. Das ist ein Problem, dass man von der Bibel immer weniger Ahnung hat und das heißt dann auch, dass die Leute alles mögliche erzählen können über die Bibel.

Sie hat so viel die westliche Welt beeinflusst. Manche Leute sagen sogar, die Menschenrechte sind eigentlich eine Konsequenz aus der Bibel, aus der Idee, dass der Mensch Gottes Ebenbild ist. So etwas kann man nicht einfach weglassen.

Predigt

Auch zum Ende des Kirchenjahres verwenden die christlichen Konfessionen verschiedene Bibeltexte als Evangelium für den heutigen Tag des Herrn, dem „Totensonntag“: Im Liturgischen Kalender des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland (@Altkatholisch) findet sich heute der „Sonntag vom wiederkommenden Herrn“ (als einer der wenigen „Eigentexte“ wird hier das Tagesevangelium Lk 21,25-33 gelesen).

Im evangelischen Kirchenkalender steht der „Ewigkeitssonntag“ an (Predigttext: Mt 25,1–13) und für die römisch-katholische Kirche ist heute „Christkönig“ (Evangelium: Lk 23, 35b-43). Daher heute zwei verschiedene Lektüre-Hinweise:

Krone richten, weiter machen – Kristell Köhler (in principio)

Die römisch-katholische Kirche feiert mit dem Christkönigsfest Christus als einen König, der in allem einen Gegenentwurf darstellt zu bekannten und erwartbaren Herrschertypen, erklärt Kristell Köhler auf der Website des Bibel-Projekts @principio_in in ihrer Auslegung des Absschnitts aus dem Lukas-Evangelium, in dem der gekreuzigte Jesus als „König der Juden“ verspottet wird:

Die Szene unter dem Kreuz und das Feiern dieser ganz anderen Königsherrschaft Jesu Christi hinterlässt Fragen: Sind wir bereit uns auf diese Form einer „Herrschaft“ einzulassen und uns Christus als demjenigen anzuvertrauen, der seine Macht in der Ohnmacht des Kreuzes zeigt? Und wie gehen wir selbst mit der Macht um, die uns geschenkt ist und mit der bestimmte Erwartungen verbunden sind?

Letzte Ehre – Heribert Prantl (Christ & Welt)

Der Totensonntag gemahnt uns: Sterben ist mehr als eine Privatsache. Warum wir neue Rituale des Abschieds brauchen, schreibt Heribert Prantl in seinem Gastbeitrag bei @christundwelt:

Der Tod braucht Raum im Alltag. Die alten Familienstrukturen sind zerbrochen, die Menschen leben als Singles oder in Patchwork-Verhältnissen, sie leben mobil und unstet. Die neue Fassungslosigkeit im Umgang mit dem Tod ist das Abbild davon. […]

Manchmal, nach großen Unglücken, findet die Trauer auch schon wieder zurück in die Kirche. Es ist gut, wenn man dort die Rituale des Abschieds noch kennt. Je weniger Raum die Gesellschaft dem Tod gibt, desto schwerer stirbt es sich.

Ein guter Satz

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