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Damaskuserlebnis – Die #LaTdH vom 13. März

Streit unter Christen um den Ukraine-Krieg und kleine Hoffnungszeichen. Außerdem: Die EKD beerdigt die Kirchenaustrittszahlen, #digitaleKirche und eine verdiente Auszeichnung.

Herzlich Willkommen …

… in der Multi-Krisen-Zeit. Corona, Krieg in der Ukraine – und nun? Während sich das deutschsprachige Feuilleton – auch aus der Theologie – an einordnenen Rückgriffen auf allerhand krisenhafte Wortspiele versucht, nutzen andere die (temporäre?) Aufmerksamkeitsauslastung „des Westens“:

In Saudi-Arabien – des Westens großer wahhabitischer Friedenspartner – wurde in der vergangenen Woche der Blogger Raif Badawi nach zehnjähriger Haft endlich freigelassen. Er hatte sich für eine Liberalisierung in Staat und Religion eingesetzt. Am Samstag wurde bekannt, dass Saudi-Arabien an einem Tag 81 Menschen enthaupten ließ. Jenseits der Aufmerksamkeits- und Relevanzschwelle unserer europäischen Gesellschaften führt Saudi-Arabien, sehr wahrscheinlich auch mit deutschen Waffen, Krieg gegen Jemen.

Wenn wir in diesen Tagen also besonders in die Ukraine schauen und die humanitäre Krise zu lindern versuchen, dann wohl auch, weil der Ukraine-Krieg uns, seiner relativen Nähe wegen, neben Schock und Trauer auch Möglichkeiten der aktiven Anteilnahme vermittelt. Was hingegen könnte man schon unternehmen gegen die religiöse Diktatur mit Öl-Mafia-Hintergrund auf der arabischen Halbinsel?

Eine gute Woche wünscht
Philipp Greifenstein

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Debatte

Russisch-Orthodoxe Kirche

Apropos Partner: Gerade in ihrer Fremdheit waren die orthodoxen Glaubensgeschwistern den großen Kirchen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten ein verlässlicher Partner auf ökumenischen Pfaden. Wenn z.B. eine Frau zur EKD-Ratsvorsitzenden gewählt wurde, konnte man sich darauf verlassen, dass irgendwer auch nach den Konsequenzen für den Dialog mit den Orthodoxen Kirchen fragte. Dort werden bekanntlich keine Frauen in geistliche Ämter berufen und stehen, auch wenn das im offiziellen Dialog selten so deutlich gesagt wird, ohnehin nicht hoch im Kurs.

Frauen- und Homofeindlichkeit, Autoritarismus und im Falle der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) die Nähe zum Putin-Regime stehen einem fruchtbringenden Austausch entgegen. Wenn gerade Papst Franziskus sich um eine Vertiefung der Beziehungen zum Moskauer Patriarchat bemüht, wird man das im Hinterkopf behalten müssen. Welche liberalen, ja, evangelischen Überzeugungen opfern Katholiken und Protestanten, wenn sie der russischen Orthodoxie entgegenkommen wollen?

Antwortbrief von Seiner Heiligkeit Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland (ÖRK)

In einem Antwortbrief an den Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖKR, @Oikoumene) verteidigt der Moskauer Patriarch Kyrill abermals den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, an dem vielmehr der Westen und die NATO schuld seien. Seine Ausführungen (hier in englischer Übersetzung) sind voller Anklänge an beliebte Verschwörungsmythen. Er schließt mit der Hoffnung:

„Ich hoffe, dass der Ökumenische Rat der Kirchen selbst in diesen herausfordernden Zeiten, wie immer in der Vergangenheit eine Plattform für unvoreingenommenen Dialog ohne politische Präferenzen und einseitigem Vorgehen bleiben wird.“

Ich glaube, dafür ist weder die Zeit noch gibt das Evangelium ein solches Stillschweigen her. Von der kommenden 11. Vollversammlung des ÖRK im August/September in Karlsruhe muss vielmehr ein kraftvolles Zeichen für den Frieden ausgehen. Zuvor müssen sich die Kirchen ehrlich machen, was ihre weltanschaulichen Differenzen angeht.

„Man tritt die eigene Position mit Füßen“ – Interview mit Johann Schneider von Benjamin Lassiwe (Glaube + Heimat)

Johann Schneider, Regionalbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM, @EKMnews), gilt als einer der besten Kenner der Orthodoxie im deutschen Protestantismus. Im Interview von Benjamin Lassiwe (@lassiwe) in der Glaube + Heimat (@glaubeundheimat) nennt er das Verhalten der ROK eine „Katastrophe“ und zeigt sich sehr skeptisch, was zukünftigte Fortschritte in der Ökumene angeht:

Für die Ökumene bedeutet das eine Fortsetzung der Entfremdung der ROK, die wir schon länger beobachten. Ökumenisch gesehen begibt sich die ROK in die Bedeutungs- und Belanglosigkeit. Wobei das nicht nur an der Russisch-orthodoxen Kirche liegt: Seit dem Ende der Amtszeit von Wolfgang Huber als EKD-Ratsvorsitzendem erlahmte das Interesse daran, mit der ROK inhaltlich strittige Themen wie Menschenrechte und Menschenwürde zu diskutieren. […]

Innerhalb der Orthodoxie in Deutschland isoliert sich die ROK ja auch: durch die Auseinandersetzungen zwischen dem Patriarchat in Moskau und dem Patriarchat in Konstantinopel und dadurch, dass Metropolit Augoustinos der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland ist, nehmen die Moskauer ja an keinen offiziellen Sitzungen mehr teil. Als Co-Vorsitzender der Internationalen Dialogkommission des Lutherischen Weltbundes mit allen orthodoxen Kirchen stelle ich fest: auch an diesen Treffen nimmt die Russisch-Orthodoxe Kirche nicht teil. […]

Die Zusammenarbeit der ROK mit dem ÖRK ist schon lange auf ein Minimum reduziert. Natürlich war die ROK immer politisch denkend: Wenn es politisch opportun wäre, seine Stimme zu erheben, würde man sicher jemanden schicken.

Friedensethik

In Mitten der Diskussionen um eine „Neuorientierung“ der Friedensethik befinden sich vor allem die evangelischen Kirchen in Deutschland, auch in der katholischen Kirche hat die Debatte inzwischen Fahrt aufgenommen. Im Zentrum steht die Frage nach der Legitimität von militärischer Gewalt.

Wie die Diskussion zu begreifen ist, erläutert der Theologe und Friedensethiker Michael Haspel im Anschluss an seinen Eule-Artikel von vorvergangener Woche bei „Tag für Tag“ im Deutschlandfunk (9 Minuten). Demnach zeichnet sich die evangelische Friedensethik durch zwei Pole aus, nämlich den Vorrang ziviler Konfliktlösung vor militärischer Intervention und die Legitimität der Anwendung rechtserhaltender Gewalt, wenn es anders nicht mehr geht. Daher stellt sich die Frage: Geht es wirklich nicht anders?

In der Eule erklärte der Mennoniten-Pastor und Vorstand der Community Peacemaker Teams Benjamin Isaak-Krauß am Donnerstag, welche Rolle ziviler, gewaltloser Widerstand auch jetzt (noch) spielen kann. Ja, welche historischen Chancen er birgt. Das alles, ohne die russische Aggression zu beschweigen und zu verharmlosen, was dieser Tage weiß Gott nicht allen Debattenteilnehmern gelingt.

Wer die Kriegstreiberei von Putins Russland zutreffend beschreibt und die Waffenlieferungen Deutschlands an die Ukraine befürwortet, redet noch nicht einer Militarisierung das Wort oder spricht sich ausschließlich für militärische Konfliktlösung aus. Und wer Gewaltlosigkeit und zivile Konfliktbewältigung präferiert, reiht sich nicht in die 5. Kolonne Moskaus ein.

Kommentar: Böses Erwachen – Die Kirche und der Krieg – Tilmann Kleinjung (BR)

Tilmann Kleinjung (@TilmannKk) vom Bayerischen Runfunk kommentiert die Debatte um die Friedensethik mit großem Realitätssinn, z.B. im Blick auf die katholisch-orthodoxe Ökumene. Zum Schluss gibt er den Kirchen einen sinnstiftenden Arbeitsauftrag mit:

Alle Versuche, dem Krieg eine „religiöse Legitimation“ zu geben, seien „unannehmbar“, heißt es in der Erklärung der Bischofskonferenz. Die Kirche hat nicht nur die Macht des Wortes. Sie hilft den Opfern dieses Krieges. Die katholische Caritas ist in der Ukraine gut vernetzt. Sie kann dafür sorgen, dass die Hilfe bei den Menschen ankommt. Organisierte Nächstenliebe.

Die Kirche ist eine der größten Immobilienbesitzerinnen im Land. Sie kann nicht genutzte Tagungshäuser, leerstehende Pfarrhäuser und Wohnungen Kriegsflüchtlingen zur Verfügung stellen. Das ist gelebte Nächstenliebe. Und die ist vor allem dann gefragt, wenn die Hilfsbereitschaft an ihre Grenzen kommt.

Jüdische Gemeinde

Es sind nicht allein Christen, die über den Ukraine-Krieg streiten und zugleich die Wunden derer verbinden helfen wollen, die vom Krieg unmittelbar betroffen sind. Über „Putin-Versteher und Flüchtlingshelfer“ (wichtig scheint mir hier das „und“) und einen Riss durch die Potsdamer Jüdische Gemeinde berichtet Christoph Richter im Deutschlandfunk (7 Minuten). Was er für Potsdam beschreibt, scheint in vielen christlichen und jüdischen Gemeinden der Fall zu sein.

Und bei der Deutschen Welle (auf Englisch) berichtet der polnische Chefrabbi Michael Schudrich von der Flüchtlingshilfe:

We have set up a day center for refugees. Many people have taken in refugees, but most of us have small homes. And if you take in another three people, it becomes even smaller. So we wanted to give the refugees a place to go during the day — where they can meet and talk, use the internet, find toys for the kids.

It was unbelievable to see the faces of these kids — how they start smiling again after what they have been through in the last week or so. It shows us that somehow there is human hope no matter what.

nachgefasst

Evangelische Kirche veröffentlicht Kirchenmitgliedschaftszahlen für 2021

Hö, ist denn etwa schon Sommer?! Traditionell veröffentlichen die beiden großen Kirchen im Juni gemeinsam ihre Mitgliedschaftszahlen für das vergangene Jahr. Es sind die Tage im Juni daher voll Heulen und Zähneklappern und in den Redaktionsstuben des Landes werden neben pfiffigen Deutungen des Kirchenschwundes auch alte Vorurteile herausgekramt. Beidem wollte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in diesem Jahr wohl durch die überraschende Neuterminierung wehren.

„Diesmal zogen die Protestanten den Termin vor – und gaben ihre vorläufigen Zahlen ausgerechnet während der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe im fränkischen Vierzehnheiligen bekannt“,

berichtet Benjamin Lassiwe. Nicht nur revanchierte sich die EKD so für das in Kirchenleitungskreisen als Foulspiel erinnerte ins Spiel bringen von Kirchensteuermitteln für die „Entschädigung“ von Missbrauchsbetroffenen durch den DBK-Missbrauchs-Beauftragten Bischof Stephan Ackermann (Trier) während der EKD-Synode 2019, sondern beerdigte erfolgreich die abermals ernüchternden Zahlen (-2,5 % im Vergleich zum Vorjahr, 360 000 Sterbefälle, 280 000 Kirchenaustritte). Neben der Berichterstattung von der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz und den Religions- und Kirchennachrichten vom Ukraine-Krieg blieb für die Evangelische Kirche wenig Resonanzraum übrig.

Einige Landeskirchen konnten bisher nur vorläufige Zahlen zur Statistik beisteuern und auch die Studie zum Kirchenaustritt, die das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (SI-EKD) zur Erklärung der Misere veröffentlichte, liegt noch nicht als gedruckte Fassung vor. Dabei lohnt sich ein Blick in die Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativbefragung, die in die Studie (hier als kostenloses PDF) eingegangen sind.

Die Studie zeigt, dass nur selten ein konkreter Anlass die Entscheidung zum Kirchenaustritt begründet, sondern dass die Entfremdung zur Kirche einem Prozess gleichkommt.

Buntes

3/2021 Digitalität (euangel – magazin für missionarische pastoral)

Die bisher letzte und damit noch aktuelle Ausgabe von euangel – magazin für missionarische pastoral der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP e.V.) beschäftigt sich mit dem Thema Digitalität und versammelt eine Reihe lesenswerter Beiträge zur Kirche im Netz und in der Digitalität. Influencerin Lisa Quarch (@Lisa_Q_) stellt die Frage: „Community oder Gemeinde?“ Louisa Gallander (@Louisa93Lw) von der evangelischen Arbeitsstelle midi stellt bestehende Online-Gemeinden/Communities vor, Angela Reinders (@AMTReinders) schreibt im Anschluss an die CONTOC-Studie über „Digitalisierung und pastorales Personal“ und Dorothee Janssen und Michael Geisberger denken über Barrierefreiheit nach. Lesenswert!

Herbert Haag Preis 2022: Gerechtigkeit für die Betroffenen – Gerechtigkeit innerhalb der Kirche (Herbert-Haag-Stiftung)

Mit dem Herbert Haag Preis 2022 und je 10 000 Euro / Franken werden in diesem Jahr „Menschen, die Opfer sexuellen und geistlichen Missbrauchs geworden sind, die ihre traumatischen Erfahrungen öffentlich gemacht haben und die sich persönlich für die Aufarbeitung dieses Jahrtausend-Skandals einsetzen“, ausgezeichnet.

Unter den PreisträgerInnen sind der Gründer der Initiative Eckiger Tisch Matthias Katsch (@KaMaZhe) und die DBK-Betroffenenbeiräte Johanna Beck (@MmeSurvivante), Kai Christian Moritz und Johannes Norpoth sowie die Theologin und Autorin Doris Reisinger (@ReisingerWagner).

Das Leid, das den Opfern des Missbrauchs durch die Kirche zugefügt wurde, kann kein Preis aufwiegen. Die Preisverleihung formuliert jedoch ein klares kirchenpolitisches und theologisches Statement: Im Zentrum stehen die Opfer und die Überlebenden kirchlichen Missbrauchs, nicht die Interessen der Institution.

Grundordnung im Ausnahmezustand – Flickenteppich kirchliches Arbeitsrecht? – Felix Neumann (katholisch.de)

Die Online-Nachrichtenplattform der römisch-katholischen Kirche in Deutschland katholisch.de hat in dieser Woche einen ordentlichen Facelift erhalten, so soll es auch der Grundordnung für den kirchlichen Dienst gehen. Den entscheidenden Impuls dazu setzte vor kurzem die Aktion #OutInChurch (wir berichteten). Felix Neumann (@fxneumann) fasst in einem verdienstvollen Überblick zusammen, was in den einzelnen (Erz-)Bistümern gilt und zu erwarten ist.

Der Überblick über alle 27 Diözesen zeigt: Einen Flickenteppich gibt es nicht. Dem Buchstaben des Gesetzes nach gilt überall nach wie vor einheitlich die Grundordnung des kirchlichen Dienstes mit ihren harten Regeln vor allem für katholische Beschäftigte. De facto wird sie aber selbst dort, wo es keinen großen Reform-Enthusiasmus gibt, dem Vernehmen nach so flexibel angewandt, dass es unwahrscheinlich scheint, dass noch jemand nur aufgrund der persönlichen Lebensführung gekündigt wird.

Im aktuellen Eule-Interview bei Benedikt Heider (@_DerHeidi_) erklärte die Co-Sprecherin des Katholischen LSBT+ Komitees, Veronika Gräwe (@VeroGraewe):

Wir brauchen eine Kirche, die ihr Potential nutzt und sich für Diversität und gegen Diskriminierung einsetzt. Wir brauchen Rechtsverbindlichkeit für kirchliche Mitarbeitenden – sowohl mit Blick auf die sexuelle Orientierung und gleichgeschlechtliche, zivile Ehen als auch mit Blick auf trans und nichtbinäre-Personen. Und es ist wichtig eine kompetente LSBT-Pastoral aufzubauen. […] Noch habe ich die Hoffnung, aber wir wissen wohl alle, dass die Kirche sehr langsam sein kann – vielleicht zu langsam.

Im sowieso lesenswerten Interview berichtet Gräwe auch von ihrer Zeit im Noviziat und einem „Plan B“ für Kirchenenttäuschte.

Theologie

Exodus – Friedrich Wilhelm Graf (Rotary Magazin)

Der protestantische Theologe und Professor emeritus Friedrich Wilhelm Graf ist ein streitbarer Geist. In einem Beitrag für das Forum des Rotary Magazins lobt er nicht nur die von ihm vor ein paar Jahre harrsch kritisierte „Feminisierung des Pfarrberufs“, die „der evangelischen Kirche nur gutgetan hat“, sondern macht sich für eine „Ökumene der Profile“ a’la Wolfgang Huber stark, denn ..

[wer] auf eine Weichzeichnerökumene setzt, in der man Differenzen pathetisch leugnet, darf sich nicht wundern, wenn er für Missstände in der anderen Kirche in Mithaftung genommen wird. Nun sollen keine neuen Konfessionskämpfe inszeniert werden. Aber man muss Differenzen ernst nehmen.

Wie der Titel des Grafschen Gedankenstücks andeutet, geht es Graf um die „grundlegende Situation“ und die „religionskulturellen Unterschiede zwischen Katholizismus und Protestantismus“. Allein, dass die Kirchen wechselseitig füreinander haftbar gemacht werden, liegt womöglich nicht daran, dass die Christentums-internen Unterschiede zu wenig thematisiert würden, sondern schlicht daran, dass sie – allzumal der inhaltlich-distanzierten jüngeren Gewohnheitsmitgliedschaftsgeneration – wenig relevant erscheinen. Wer mit Mitte 20 / Anfang 30 der Kirche den Rücken kehrt, tut das nicht, weil er zu wenig konfessionelle Klarstellungen vernommen hat. An entscheidender Stelle rutscht Graf denn auch in den Plural der Kirchen zurück:

Im deutschen Sozialstaatskorporatismus haben beide großen Kirchen mit Caritas und Diakonie zahlreiche Funktionen übernommen. So sind sie zu den nach dem Staat größten Arbeitgebern im Lande geworden. Das macht sie einerseits stark. Aber es erlaubt ihnen andererseits auch, elementare Defizite ihrer religiösen Kommunikationskompetenz zu überdecken. Erfolgreich gute Sozialdienstleistungen anzubieten verbürgt noch keine geistliche Strahlkraft. Und wer immer nur mit sich und seinen Problemen beschäftigt ist, wirkt auch nicht besonders attraktiv.

Ein guter Satz

„Da hat auch eine gewisse Blauäugigkeit geherrscht. Oder wie Lenin einmal gesagt hat: Nur die Kapitalisten sind so blöd, dass sie den Strick, an dem sie aufgehängt werden, auch vorher verkaufen.“

– Georg Milbradt, Ministerpräsident a.D. des Freistaates Sachsen und Berater der Ukraine beim Aufbau einer effektiven Verwaltung, spricht im Podcast bei Annette Binninger (@abireport) von der Sächsischen Zeitung über den russischen Feldzug und die deutsch-russischen Beziehungen auch über Erkenntnisse aus der Bibel und sein „Damaskuserlebnis“

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