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Dead on Arrival? – Die #LaTdH vom 15. September

Kann der „Synodale Weg“ beginnen? Und was geschieht dereinst mit seinen Ergebnissen? Außerdem: Ein Schiff wird fahren, Geistliche mit einem Faible für Waffen & interreligiöse Hoffnungen.

Debatte

Heiße Tage für den „Synodalen Weg“, den die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) im Anschluss an die MHG-Studie vom letzten Herbst gehen will. Nachdem im Frühjahr in Lingen ein gemeinsamer Aufbruch gelang, wurden in den vergangenen Monaten die Rahmenbedingungen für die Beratungen festgelegt, die ab dem 1. Advent diesen Jahres starten.

Unterbrochen – oder bereichert? – wurden diese Vorarbeiten durch ein Schreiben des Papstes „an das pilgernde Volk Gottes“ hierzulande, das sowohl von Befürwortern wie auch Gegnern der in Rede stehenden Kirchenreformen vereinnahmt wurde (s. #LaTdH vom 7. Juli). Was vor allem an seiner Schwammigkeit und blumigen Sprache lag (s. mein Kommentar vom Juli). Freitag und Samstag traf sich nun die „Erweiterte Gemeinsame Konferenz von DBK und ZdK“ in Fulda, um die Ergebnisse der vier Vorbereitungsforen und die Satzung des „Synodalen Weges“ zu beraten.

Doch zuvor ..

Der Papst gegen die deutschen Bischöfe – Daniel Deckers (FAZ)

.. ereilte die Bischofskonferenz in Gestalt ihres Vorsitzenden, des Erzbischofs von München und Freising Kardinal Reinhard Marx, ein doppeltes Schreiben aus dem Vatikan. In den vergleichsweise kurzen und verständlichen Briefen des Chefs der Kongregation für die Bischöfe, Marc Ouellet, und des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte wird heftig der Kopf geschüttelt über die deutschen Bischöfe, die sich mit Laien zu Beratungen zusammensetzen und gemeinsam entscheiden woll(t)en.

In einem Schreiben an […] Marx […] rief Ouellet unverblümt die Mahnungen des Papstes in Erinnerung und warnte die Bischöfe vor Schritten, die nicht in Übereinstimmung (sintonia) mit der Weltkirche stünden. […] Der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte, der von der Bischofskongregation eingeschaltet worden war, kam in einem Gutachten über die kirchenrechtliche Zulässigkeit einzelner Regelungen zu einem vernichtenden Ergebnis. Nicht nur drohten die Laien die Bischöfe zu majorisieren. Gemeinsam wollten die Deutschen auch Beschlüsse über Fragen herbeiführen, die nicht in die Kompetenz einer Ortskirche fielen.

Auch wenn an den Statuten, die in Rom auf Missfallen getroffen sind, ohnehin noch gefeilt wurde, ist doch eines überdeutlich geworden: Dass in Deutschland nicht allein die Bischöfe, sondern auch Laien mitbestimmen soll(t)en und die heißen Eisen Macht, Sexualität, Zölibat und Frauenordination nicht ausgeklammert werden, triggert in Rom Reflexe der autoritären Amtskirche.

Marx weist römischen Kardinal in die Schranken – Daniel Deckers (FAZ)

Die Antwort Marxens an Ouellet hat sich ebenso gewaschen wie die Intervention aus Rom:

„Wir hoffen, […] dass Ergebnisse einer Meinungsbildung in unserem Land auch für die Weltkirche und für andere Bischofskonferenzen im Einzelfall hilfreich sind. Jedenfalls kann ich nicht erkennen, dass und wieso Fragen, zu denen das Lehramt Festlegungen getroffen hat, jeder Debatte entzogen werden sollen, wie Ihre Schreiben suggerieren“.

Es soll also geredet werden und ein – aufgrund der Kürze der Zeit seit Veröffentlichung – flüchtiger Blick in die Abschluss-/Start-Dokumente der vorbereitenden Foren, die von der DBK ebenfalls veröffentlicht wurden, zeigt: Dabei werden die heißen Eisen nicht ausgespart.

In wie weit der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte mit seinem an Walter Ulbricht erinnernden Anspruch („Es muss demokratisch synodal aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“) noch durchdringt, haben die deutschen Bischöfe in der Hand. Im Moment schaut es so aus, als ob eine Mehrheit von ihnen sich auf den „Synodalen Weg“ machen will. Aller Winkelzüge und Einschränkungen aus Köln zum Trotz.

Doch die Frage danach, was mit den Ergebnissen des „Synodalen Weges“ geschehen soll, ist auch aus Sicht der Reformkräfte akut. Laut Marx ist der „Synodale Weg“ mit Absicht ein Prozess „sui generis“ und eben kein Partikularkonzil, wie in den römischen Briefen unterstellt. Die kirchenrechtlichen Schranken, die damit verbunden wären, sollen umgangen werden. Doch stellt sich eben darum die Frage, was mit den Ergebnissen eines solchen Sonderweges sinnvoller Weise im Gefüge der röm.-kath. Weltkirche geschehen soll, wenn sie dereinst (Ende 2021) vorliegen sollten.

Nicht nur bleibt es den Diözesanbischöfen vorbehalten, Ergebnisse soweit kirchenrechtlich möglich in ihren Bistümern zur Anwendung zu bringen, der Brief aus Deutschland mit Reformvorschlägen, der dann an den Vatikan gesendet wird, könnte dort auch einfach liegen bleiben. Marx und die Reformer verlassen sich darauf, dass die Not der Kirche und der Druck des „pilgernden Volkes“ genau das verhindern. Die römischen Briefe zeigen: Eingebunkert in die eigenen Überzeugungen ist der Vatikan dafür immer noch nicht sensibel.

Deutungskampf

Angesichts des Konflikts mit Rom tritt der Deutungskampf um den „Synodalen Weg“ in den Hintergrund, der in Deutschland selbst geführt wird. Auf die Absage an den ehrlichen Austausch durch Kardinal Woelki (Köln), antwortete der Bund der Deutschen Katholischen Jugend in seinem Erzbistum sehr deutlich:

Kardinal Woelki muss sich an den eigenen Zielen für den pastoralen Zukunftsweg im Erzbistum Köln messen lassenundeine echte Veränderung wagen. Die Kirche von heute muss die Zeichen der Zeit und damit auch die gesellschaftlichen und kulturellen Realitäten wahr-und ernst-nehmen. Der Einsatz für Gerechtigkeit, was auch die Geschlechtergerechtigkeit einschließt, ist ein wesentlicher Bestandteil der Botschaft Jesu und daher notwendigerweise auch seiner Kirche.

Die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen äußerte sich ebenso wie die katholischen Hochschulseelsorger*innen, die obendrein eine Frau zur Vorsitzenden ihrer Vereinigung wählten. Und dann wäre da noch der Präsident des deutschen Caritasverbandes. Es ist soviel ins Rutschen gekommen bei den röm.-kath. Geschwistern, dass man durchaus von einer Zeit der (Selbst-)Ermächtigung der Gläubigen sprechen kann. Insbesondere die Heerscharen der hauptamtlichen Kirchenmitarbeiter*innen will nicht weiter schweigen.

Schämst du dich noch? – Doris Reisinger (Christ & Welt)

In der Christ & Welt fundiert Doris Reisinger (@ReisingerWagner) diesen Eindruck am Beispiel der Frauenfrage biblisch und theologisch. Die Frauen glichen Eva, die sich, nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen habe, nicht ohne Scham, aber doch befreit auf den Weg macht.

Es sind Frauen, die weder einen Drang zurück zum Glück bedingungsloser Unterordnung verspüren noch den, sich auf ewig zu verstecken. Es sind Frauen, die Gottes Auftrag, ihr Umfeld gerechter und friedlicher zu machen, ernst nehmen, und die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten dafür einsetzen. Dabei sind sie wesentlich weiter als jene, die auf eine große Revolution wütender Katholikinnen warten. Denn sie bedienen nicht die romantischen (oft männlichen) Erwartungen eines revolutionären Umsturzes. Sie haben längst verstanden, dass Revolutionen eher nicht in die Freiheit führen, sondern häufig in Diktaturen enden.

Frauen wissen, dass sie echte Gleichberechtigung nur in nüchterner, kleinteiliger Arbeit erreichen, in kooperativer Forschung, im sorgfältigen Knüpfen von Netzwerken, im geduldigen Bohren dicker Bretter und nicht zuletzt im mutigen, reflektierten öffentlichen Sprechen in strategisch klug gewählten Momenten. Und das tun sie.

Es sind solche Gedanken und es ist die kundige und kraftvolle Sprache, in der sie vorgebracht werden, die wohl am meisten zur Beunruhigung des reaktionären Establishments beitragen. Gut so.

nachgefasst

#WirkaufeneinSchiff

Die Kirchenmeldung der Woche, die hoffnungsfroh stimmt, kommt aus dem Rat der EKD und der Kirchenkonferenz der evangelischen Landeskirchen. Gemeinsam mit Partnern aus der Zivilgesellschaft kauft die EKD ein Schiff, das 2020 in der Seenotrettung auf dem tödlichsten Meer der Welt zum Einsatz kommen soll (s. #LaTdH von letzter Woche).

Das verkündete der EKD-Ratsvorsitzende, @landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am Donnerstag in der Bundespressekonferenz. Der Termin sollte erneut ein Scheinwerferlicht auf das Engagement von Flüchtlingshelfern und Seenotrettern werfen. Mit dem Ratsvorsitzenden saßen Vertreter*innen von Ärzte ohne Grenzen, der Seebrücke und dem Bündnis Städte Sicherer Häfen auf dem Podium und beschrieben je aus ihrer Perspektive das Problem (s. Verlinkungen der Organisationen).

Bedford-Strohm sprach von der Schiffsentsendung als einem diakonischem, nicht politischem Projekt. Und diese Dimension ist doch zuallererst wichtig, weshalb wenig Zeit vergehen darf, bevor das EKD-Vereins-Kooperations-Schiff tatsächlich ausläuft. Die Aktion selbst aber bleibt ein Symbol dafür, dass es nach dem vorläufigen Scheitern einer menschenwürdigen Migrationspolitik in der EU solcher „Privat“-Inititativen bedarf. Das ist der eigentliche Skandal!

Bedford-Strohm berichtete davon, dass er und die anderen Ratsmitglieder noch nie mit so vielen Briefen, Emails und Nachrichten zu einem Anliegen konfrontiert waren wie bei #WirschickeneinSchiff. Eine großartige Kampagnenleistung von der Kirchentags-Petition angefangen bis zum erfolgreichen Lobbying der letzten Wochen. Allein: Der Rat der EKD reicht halt nur so weit. Warum eigentlich nicht eine ähnliche Kampagne an die Bundesregierung oder die neue EU-Kommission richten? Die Chefinnen sind beide übrigens kirchensteuerzahlende Mitglieder evangelischer Landeskirchen.

Buntes

Rabbiner und Imame gemeinsam: „Weltweit ziemlich einmalig“ – Christoph Strack (Deutsche Welle)

Für die Deutsche Welle berichtet Christoph Strack (@Strack_C) von einem „ziemlich einmaligen“ Treffen europäischer Imame und Rabbiner in Italien. Eine Kooperation, die – angefochten und angegriffen wie sie ist – doch Hoffnung weckt auf einen gelingenden interreligiösen Dialog in Europa, der dem Frieden dient.

Bemerkenswert sei, sagt Baghajati, „dass Imame und Rabbis direkt zueinander finden, ohne Vermittlung Dritter. Und zwar in Europa, jenseits des Nahostkonflikts. Und dass sie sagen: Wir wollen uns nicht diktieren lassen, wie der Kontakt zwischen Muslimen und Juden sein sollte. Wer sollte das machen, wenn es nicht Intellektuelle auf beiden Seiten machen oder wenn es nicht religiöse Würdenträger, Imame und Rabbiner, angehen?“

Oman: Neue Kirche in Arabien in 18 Monaten gebaut (fides, Vatican News)

Im Februar besuchte Papst Franziskus die Vereinigten Arabischen Emirate. Im Nachbarland Oman wurde nun nach kurzer Bauzeit eine neue katholische Kirche geweiht.

Im autoritär regierten Sultanat Oman leben fides zufolge rund 60.000 Katholiken. Die Seelsorgearbeit findet in fünf Pfarreien statt, zwei in Maskat, zwei in Salalah und eine in Sohar. Oman liegt im Südosten der arabischen Halbinsel und grenzt an die Vereinigten Arabischen Emirate, an Saudi-Arabien sowie an den Jemen.

Landesbischof Dr. Rentzing äußert sich zu seiner Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung (EVLKS)

Am Samstag berichtete die Sächsische Zeitung, der Sächsische Landesbischof Carsten Rentzing sei während seiner Studienzeit in Frankfurt anfang der 1990er-Jahre Mitglied in einer schlagenden Stundentenverbindung, also „Waffenstudent“ geworden. In der akademischen Landsmannschaft hat er seinerzeit vier Pflichtmensuren geschlagen, heute ist er nach eigener Aussage nur noch mit einzelnen Verbindungsbrüdern von einst befreundet und habe „inzwischen eine innerliche Distanz zu manchen Dingen gewonnen“.

Nur am Rande des Artikels der Sächsischen Zeitung wird auch erwähnt, dass Rentzing 2013 als Referent in der Bibliothek des Konservatismus sprach:

„Ich war damals Vizepräsident der Generalsynode [der VELKD] und der Bibliotheksleiter, den ich aus dem Theologiestudium kannte, hatte mich eingeladen.“

Einbrecher plündern Waffenlager im Pfarrhaus – Eric Hofmann (TAG24)

Eine skurrile Geschichte hat sich in der Oberlausitz (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, EKBO) zugetragen. Dem dortigen Pfarrer wurden seine Sportschützengewehre geklaut:

Über Nacht stiegen [die Diebe] ins Pfarramt direkt am Marktplatz in Rothenburg (Oberlausitz) ein, knackten den Schrank. Doch statt Geld oder Kirchenschmuck steckte da ein ganzes Waffenlager drin. Tatsächlich ist Pfarrer Daniel Schmidt (40) Sportschütze und vermisst nun einige seiner Trainingsgeräte. „Ja, ich schieße ein bisschen“, sagt der Pfarrer. „Rein hobbymäßig. Bevor ich Pfarrer wurde, habe ich bei der Armee bemerkt, dass ich das ganz gut kann.“

Diakonie-Präsident Lilie für zweite Amtszeit berufen (diakonie.de)

Der bloggende Präsident der Diakonie, Ulrich Lilie, ist für eine zweite Amtszeit berufen worden. Damit bleibt der Diakonie ein engagierter Präsident und der digitalen Kirche hoffentlich ein engagierter Blogger erhalten.

Ein guter Satz

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