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Foto: Kardinal Marx mit Landesbischof Bedford-Strohm auf dem Kirchentag, Maik Meid (Flickr), CC BY-SA 2-0

Ein offener Brief an Kardinal Marx

Der Streit um die Zulassung konfessionverbindender Ehepaare zur Eucharistie in der Katholischen Kirche wird heftig geführt. Bei einem Gespräch im Vatikan soll zwischen den Streitparteien vermittelt werden. Gute Wünsche für Kardinal Marx auf den Weg

Sehr geehrter Herr Erzbischof Dr. Marx,

mit Scham und Trauer las ich heute in den Medien: „Offener Richtungsstreit in der katholischen Kirche, Streit um das Abendmahl, sieben deutsche Bischöfe stellen sich gegen den Papst und ihren Vorsitzenden Reinhard Marx.“ Die Eucharistische Gastfreundschaft ist nicht nur ein ungelöstes Problem in unserer Kirche, es ist ein latentes Leid in unseren Gemeinden und ein konkretes Leid in vielen Ehen und Familien.

Bereits 1993 war in den „Verlautbarungen des Apostolischen Stuhles 110 – Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen“ unter den Nr. 129 – 132 (PDF, S. 98 ff.) zu lesen, „dass unter gewissen Umständen und unter gewissen Bedingungen der Zutritt zu diesen Sakramenten Christen anderer Kirchen gewährt oder sogar empfohlen (sic) werden kann“.

Johannes Brosseder, Professor an der Universität zu Köln und einer der führenden katholischen Ökumeniker, hat 2010 eine Untersuchung „Kirchengemeinschaft jetzt“ vorgelegt, in der er nachweist, dass vom theologischen Grundverständnis her das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Protestanten schon jetzt möglich ist, wenn man es nur will.

Bei wem, wenn nicht bei nicht-katholischen Ehepartnern, die treu und brav Sonntag für Sonntag in die katholische Messe mitkommen und ihre Kinder katholisch erziehen, wie sie es versprechen mussten, bei wem, wenn nicht bei ihnen, liegen die „gewissen Umstände“ vor, die der Heilige Stuhl fordert?

In seinem letzten Interview am 8. August 2012 sagte Kardinal Martini: „Die Frage, ob Geschiedene zur Kommunion gehen dürfen, sollte umgedreht werden. Wie kann die Kirche den Menschen, deren Beziehung schwierig oder gescheitert ist, mit der Kraft der Sakramente zur Hilfe kommen?“ Das gilt doch vice versa auch für den evangelischen Ehepartner.

Ich bin gespannt, wie die sieben protestierenden Bischöfe ihre Ablehnung theologisch und pastoral begründen werden.

Ihnen wünsche ich die Kraft und die Ruhe, um standfest und barmherzig zu bleiben.

Eucharistie für konfessionsverbindende Ehepaare

Die römisch-katholischen Kirche diskutiert, ob auch Ehepartner zur Eucharistie eingeladen werden dürfen, die einer anderen Konfession angehören. Nach dem Vorschlag der Deutschen Bischofskonferenz soll das möglich sein, wenn das katholische Abendmahlsverständnis geteilt und eine seelsorgliche Begleitung des Ehepaares gewährleistet wird.

Zum Beschluss der Bischofskonferenz haben sich sieben Bischöfe mit Bedenken an den Vatikan gewandt, ohne dieses Vorgehen mit der Bischofskonferenz und ihrem Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx abzusprechen. Marx und weitere Vertreter der deutschen Bistümer werden im Vatikan zu einem klärenden Gespräch erwartet.

Wir berichteten in den #LaTdH vom 25. Februar, 8. April und 15. April.

Prof. Dr. Peter Stosiek ist Katholik und hat sich als solcher schon mit dem DDR-Regime angelegt. Nach dem Medizinstudium in Halle (Saale) arbeitete er als Pathologe, zuletzt als Chefarzt an der Carl-Thiem-Uniklinik in Cottbus. 1989 gehörte er zu den Begründern des Neuen Forums in Görlitz. Geschichten aus seinem bewegten Leben hat er im Band "Tollwut" im Radius-Verlag vorgelegt.

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