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Bad Religion? – Die #LaTdH vom 1. November

Naht die Apokalypse oder der Sieg des Heilsbringers? Die Christen in den USA sind sich da nicht einig. Außerdem: Ein erzbischöflicher Widerspruch und Respekt vor der Eucharistie.

Liebe #LaTdH-Leser:innen,

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In den „Links am Tag des Herrn“ stellen unsere Autor:innen die wichtigen Kirchennachrichten der Woche zusammen, kommentieren diese kritisch und ordnen sie in den größeren Zusammenhang ein. Aus vielen positiven Rückmeldungen wissen wir, dass die #LaTdH für viele engagierte Christ:innen zur unverzichtbaren Lektüre geworden sind. Damit die Eule und die „Links am Tag des Herrn“ auch in Zukunft für alle Leser:innen frei zugänglich bleiben, brauchen wir Eure Unterstützung!

Eure Eule-Redaktion
Eva Kramer-Well, Max Melzer und Philipp Greifenstein


Debatte

Am 3. November entscheiden die Wähler:innen in den USA darüber, ob Donald Trump eine zweite Amtszeit erhält oder ob der Demokrat (und Katholik) Joe Biden neuer Präsident wird.

Warum ultrakonservative Christen in den USA einen Mann wie Trump wählen – Gert Pickel (idw)

Für die beiden Kandidaten im US-amerikanischen Wahlkampf um die Präsidentschaft lohne es sich kaum, Wähler:innen umstimmen zu wollen oder neue Wählergruppen zu erschließen, als die bereits potentiell zugeneigten Personen zu mobilisieren. Dr. Alexander Yendell (@AlexYendell) und Prof. Dr. Gert Pickel (@GertPickel) haben in einem ausführlichen Beitrag für den Blog des Research Centre Global Dynamics der Universität Leipzig das Wahlverhalten der US-Amerikaner analysiert.

Im Interview erklärt der Religionssoziologe Pickel, warum ultrakonservative Evangelikale dabei eine wichtige Rolle einnehmen – und tippt, dass Trump knapp verlieren werde:

Und zwar wegen der Wähler, die sich entscheiden, keine Stimme abzugeben. Ich schätze, dass diesmal moderate Republikaner die Entscheidung bringen. Sie werden vielleicht keine Stimme für Joe Biden abgeben, aber ihr Wegbleiben von der Urne könnte den Ausschlag geben. Alle anderen, nach Religionszugehörigkeit und ethnischer Zugehörigkeit unterscheidbaren, Gruppen sind in ihrem Wahlverhalten seit Jahrzehnten festgelegt. Diese Prognose gilt, vorausgesetzt die Demokraten mobilisieren genügend Wähler aus ihrem eigenen Lager.

Evangelikale Front bröckelt – Katja Ridderbusch (DLF)

Das enge Bündnis zwischen weißen Evangelikalen und Präsident Donald Trump gerät kurz vor den Wahlen am 3. November ins Wanken. Immer mehr junge und progressivere Mitglieder dieser christlichen Strömung deuten evangelikal anders oder suchen nach einer neuen religiösen Identität.

Katja Ridderbusch (@K_Ridderbusch) hat für den Deutschlandfunk (@DLF) mit einigen dieser „Post-Evangelikalen“ gesprochen, u.a. mit David Gushee (@dpgushee), Theologe und Religionswissenschaftler an der Mercer University in Atlanta. Eine Prognose für die Wahl gibt der Autor des Buches „After Evangelicalism“ nicht ab. Doch selbst wenn der Demokrat Joe Biden die Wahlen klar für sich entscheiden sollte, werde die Subkultur der weißen, konservativen Evangelikalen so schnell nicht verschwinden:

Es gibt noch immer viele von ihnen und sie sind hochmotiviert. Die meisten weißen konservativen Evangelikalen sind mittlerweile komplett vom Geist des Trumpismus durchsetzt – von Gemeinheit und Bösartigkeit. Das wird noch lange nach Trump zu spüren sein, und es wird dauern, die politische und die religiöse Kultur in den USA zu entgiften.

„Trump hat die Kirche gespalten“ – Interview mit Jerushah Duford (Christ & Welt)

Kann der US-Präsident am 3. November auf die Evangelikalen zählen? Jerushah Duford (@jerushahruth), Enkelin des einstigen Star-Predigers Billy Graham (Nachruf in der Eule), ist eine von ihnen. Johanna Roth (@joha_roth) hat mit ihr über den Glauben in der Politik, die Heilige Schrift und Joe Bidens verpasste Chancen bei Christinnen gesprochen – das Interview ist derzeit nur hinter der Bezahlschranke der ZEIT-Beilage Christ & Welt (@christundwelt) zu finden. Duford wirft den Kirchen in den USA Versagen vor:

Tatsächlich habe ich ein größeres Problem mit den Kirchen, die es versäumt haben, Trump zu kritisieren, als mit Trump selbst. Ich erwarte nicht, dass er wie ein Christ handelt, aber ich erwarte von unseren Kirchenoberhäuptern, dass sie es tun. Während der gesamten Amtszeiten von Bill Clinton und Barack Obama hatten gerade die evangelikalen Kirchen plötzlich wahnsinnig viel zu sagen und zu kritisieren.

In Trump we trust? Amerikas Katholik*innen vor der Wahl – Christoph Koller (y-nachten)

Für das Portal @ynachten erkundet Christoph Koller die Rolle des Katholizismus in den USA und sieht im „brüchigen Selbstbild“ eine Erklärung dafür, warum vor vier Jahren auch viele Katholik:innen für Trump stimmten.

Sichtbar werde eine aus deutscher Sicht befremdliche „Ökumene der eigenen Art“. Trumps Slogan „Make America great again“ habe ihnen versprochen, den christlich gefärbten Nationalismus und ihr konservatives Wertegerüst wieder an erste Stelle zu setzen. Ähnlich wie die Evangelikalen stellten aber auch die Katholik:innen keinen monolithischen Block mehr dar:

Die katholische Kirche in den USA ist in den vergangenen Jahren pluraler geworden, nicht zuletzt dank einiger Bischofsernennungen durch Papst Franziskus, der den pointiert konservativen Ernennungen seiner Vorgänger einige liberalere Bischöfe entgegensetzte. Durch die großen Migrationsbewegungen aus Lateinamerika ist die ursprünglich irisch-italienisch geprägte US-Kirche südlicher, hispanischer, vielfältiger geworden.

Sie steht aber so auch unter enormen inneren Spannungen, und auch hier stehen die beiden gesellschaftlichen Hauptstreitfragen Homosexualität und Abtreibung im Zentrum der Auseinandersetzungen.

Bis zum jüngsten Tag – Film von Maya Zinshtein (NDR)

„Bis zum Jüngsten Tag: Trump, die Evangelikalen und Israel“ – Dieser Film (@KingdomCome_Doc) erzählt mit erstaunlichen Zugängen die Geschichte, wie verarmte Christen in Kentucky ihren letzten Penny an eine Wohltätigkeitsorganisation in Israel spenden. Sie hängen in ihrer Kirche den Davidstern über das Kreuz, denn sie erwarten, dass in Israel bald der Erlöser kommt und damit die letzten Tage der Menschheit anbrechen.

Am Beispiel der kleinen Gemeinde in Kentucky erzählt der Film die Verstrickungen von Politik und Religion in den USA. Die preisgekrönte Regisseurin Maya Zinshtein @MayaZinshtein bietet in ihrer Dokumentation, die am 3. November im NDR (@ndr) gesendet wird, exklusive Einblicke in das Weltbild US-amerikanischer Christen und deren apokalyptische Visionen. (Die Endzeitideologie dieser „evangelikalen Zionisten“ spielt auch in Deutschland zunehmend eine Rolle., Anm. d. Red.)

nachgefasst

Missbrauch im Erzbistum Köln

Nachdem das Erzbistum Köln noch am 29. Oktober erklären ließ, Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki würde von seinem Amt zurücktreten, wenn die von ihm in Auftrag gegebene Missbrauchsstudie nachweisen würde, dass er an Vertuschungen beteiligt war, erschien einen Tag später eine „gemeinsame Erklärung des Betroffenenbeirats des Erzbistums Köln und des Erzbistums Köln“, in der angekündigt wurde, der Bericht der unabhängigen Untersuchung zum Umgang mit sexualisierter Gewalt werde bis zum 18. März 2021 fertiggestellt und veröffentlicht werden – eine „vollständige Neufassung „der Untersuchung verantworte ab sofort der Kölner Strafrechtsexperte Prof. Dr. Björn Gercke. Die Zusammenarbeit mit der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl werde beendet, das Gutachten nicht veröffentlicht.

Dieser Schritt wurde notwendig, weil die Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl, die im Dezember 2018 mit der unabhängigen Untersuchung beauftragt wurde, die Anforderungen an die unabhängige Untersuchung nach wie vor nicht erfüllt. Die Münchener Kanzlei ist wiederholt an ihrem Versprechen und am Anspruch der Betroffenen sowie des Erzbistums gescheitert, eine umfassende Aufarbeitung der Ereignisse und persönlichen Verantwortlichkeiten in Form eines rechtssicheren und belastbaren Gutachtens zu erreichen und einen zur Veröffentlichung geeigneten Bericht zu erstellen. Alle Bitten um konstruktive und methodische Nachbesserungen wurden vonseiten Westpfahl Spilker Wastl entweder nicht umgesetzt oder blieben deutlich hinter den notwendigen Maßnahmen zurück.

Dies sei auch durch eine „wissenschaftliche Einschätzung zur Qualität des Gutachtens“  durch zwei namhafte Juristen bestätigt worden.

„Schallende Ohrfeige für die Opfer“ – Bernd Eyermann, Christoph Driessen und Andreas Otto (Bonner General-Anzeiger)

Es scheint eine nicht enden wollende Geschichte zu werden: Ursprünglich sollte die Studie über den Umgang der Bistumsleitung mit Missbrauchsfällen am 12. März vorgestellt werden. Dann hieß es, die Benennung von Fehlverhalten ehemaliger oder aktiver Entscheidungsträger müsse noch rechtlich abgesichert werden. Jetzt wird die Studie gar nicht mehr veröffentlicht und der Auftrag neu vergeben.

Der Bonner General-Anzeiger (@gabonn) hat Hintergründe und weitere Perspektiven beleuchtet und auch den Kirchenrechtler Thomas Schüller (@tschueller61) um eine Einschätzung gebeten:

Die unendliche Geschichte der vollmundig erklärten Aufklärung der Verantwortlichkeit für den Umgang mit sexueller Gewalt im Erzbistum Köln wird eine klaffende Wunde der Amtszeit von Kardinal Woelki bleiben. Die Verzögerung ist aus Sicht der Opfer eine schallende Ohrfeige und missachtet ihre körperlichen und seelischen Verwundungen. Es ist einer der dunkelsten Momente in der Geschichte des Erzbistums Köln.

Die jüngste Entscheidung des Erzbistums Köln könnte auch in anderen Diözesen für erhebliche Unruhe sorgen: im Erzbistum München-Freising sowie im Bistum Aachen ist die Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl ebenfalls mit Studien zum Umgang mit Missbrauch in der Kirche beauftragt.

Are women involved in a toxic relationship with the church? – Phyllis Zagano (National Catholic Reporter, englisch)

In ihrem aktuellen Beitrag im National Catholic Reporter (@NCRonline) geht Phyllis Zagano (@PhyllisZagano) der Frage nach, ob römisch-katholische Frauen in eine toxische Beziehung mit ihrer Kirche verwickelt seien. Immer wieder würden sie mit „subtilen kognitive Dissonanzen“ in päpstlichen Dokumenten und anderen kirchlichen Verlautbarungen konfrontiert. So werde auch in der jüngsten Enzyklika „Fratelli tutti“ wortreich die Diskriminierung von Frauen kritisiert, ohne dass dies zu Konsequenzen in der Kirche führe:

It has to stop. It has to stop because the small pinpricks of language collect until the entire conversation dies, and people who may listen no longer hear what is said.

It has to stop because the people needing aid, the hungry poor hugging this ailing planet, the migrants and the homeless, the ill and the frail, these all hear one less voice raised on their behalf.

It’s not just about women, but it mainly is.

Buntes

Die Mär von der Internationalisierung des Kardinalskollegiums – Lucas Wiegelmann (katholisch.de)

Medienkritisch weist Lucas Wiegelmann (@wiegelmann) in seinem „Standpunkt“ bei @katholisch_de den „journalistischen Reflex“ zurück, bei jeder Kardinalsernennung von einer „Internationalisierung“ dieses Gremiums zu reden. Papst Franziskus habe die geographischen Machtverhältnisse im Kardinalskollegium deutlich weniger verschoben als gemeinhin angenommen:

Mindestens ebenso so sehr wie die Internationalisierung schreitet unter dem Papst „vom Ende der Welt“ (Franziskus über Franziskus) somit die Italianisierung des Kardinalskollegiums voran. Es ist ein Trend, der sich auch bei der Vergabe von Spitzenpositionen in der Kurie zeigt. Er passt zu diesem Pontifikat der Revolutionsrhetorik, das mit zunehmender Dauer immer deutlicher auch restaurative Züge hervorbringt.

Wahn! Wahn! Überall Wahn! – Mechthild Klein (DLF)

Genderforschung gilt als Irrsinn, Homosexualität wird bekämpft, mehr als zwei Geschlechter gibt es nicht: Solche Thesen werden im Namen des Christentums vertreten, oft verbunden mit dem Vorwurf, aufrechte konservative Gläubige würden unterdrückt. Dabei finden sie stets neue Verbreitungswege, zeigt Mechthild Klein (@mechthild_klein) in ihrem Beitrag für den Deutschlandfunk.

Die EKD hat jetzt 12 Leitsätze, immer noch kompliziert – Hanno Terbuyken (dailybug.medium)

Nachdem die 11 Leitsätze des „Z-Teams“ der @EKD intensiv öffentlich diskutiert wurden, hat das Team zur kommenden EKD-Synode eine überarbeitete Fassung vorgelegt. Es sind jetzt 12 Leitsätze, aber sie haben nicht an Klarheit gewonnen, meint Hanno Terbuyken (@dailybug), Head of Communications von @ChurchDesk und bis Anfang des Jahres Portalleiter von @evangelisch_de:

Wie sich die Evangelische Kirche dadurch verändern könnte, steht in den Leitsätzen zwar drin. Wer möchte, kann da sehr viel rauslesen. Allerdings gut protestantisch auch in (fast) jede Richtung.

Deshalb ist die anschließende Diskussion eigentlich falsch herum. Denn es wird darum gehen, aus den Nuancen in der Vorlage eine klare Aussage zu destillieren. Diskussionen sind meine Erfahrung nach aber konstruktiver, wenn sie erst über eine Grundaussage geführt werden und sich die Nuancierung zum gemeinsamen Verständnis daraus ergibt.

Welche Diskussionen und Entscheidungen auf die EKD mit ihrer Synode zukommen, hat Philipp Greifenstein (@rockToamna) am Freitag hier in der Eule zusammengefasst.

Gegen die Krise – Ralf Meister (zeitzeichen)

1520 veröffentlichte Martin Luther drei Schriften, die für die Reformation entscheidend waren. In seinem Beitrag in @zeitzeichenNET erläutert Ralf Meister, Leitender Bischof der VELKD in Hannover, warum er in den 500 Jahren alten Texten auch für die heute anstehende Kirchenreform noch Potenzial sieht:

Binnenkirchliche Debatten verlaufen tendenziell immer strukturkonservativ, das sollte, nein, das muss diesmal anders sein. Diese Krise wird positive Zeichen setzen, wenn sich die kommenden Maßnahmen nicht an zahllosen Vorbedingungen und alten Erwartungen abmühen. In evolutionären Entwicklungen sind wir perfekt. Dem Sprung ins Neue allerdings verweigern wir uns zu oft.

Der reformatorische Impuls wirkte auch durch seine Rücksichtslosigkeit gegen bestehende Ordnungen. Er war keine therapeutische Maßnahme, sondern ein radikaler Eingriff ins bestehende System. In dialogischer, lernender, risikofreudiger Manier die Zukunft zu eröffnen, wird immer auch dem Vorläufigen und Gewagten vertrauen.

Theologie

Gegen die religiöse Legasthenie – Interview mit Susanne Talabardon und Jürgen Bründl (DLF)

Der neue Masterstudiengang „Religionen verstehen / Religious Literacy“ an der Universität Bamberg will zur „religiösen Alphabetisierung“ beitragen. Denn in einer Gesellschaft mit verschiedenen Traditionen sei es wichtig, auch andere Religionen zu verstehen, um Konflikten vorzubeugen und miteinander ins Gespräch kommen zu können. Christian Röther (@c_roether) hat für den Deutschlandfunk mit zwei Verantwortlichen gesprochen.

Es gehe um „eine Fähigkeit, Religion lesen zu können“, sagt Susanne Talabardon, Professorin für Judaistik an der Universität Bamberg. Diese „Religious Literacy“ sei ein lebenslanger Prozess, weil man im Laufe des Lebens immer wieder mit neuen Dingen konfrontiert sei. Jürgen Bründl, Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik an der Universität Bamberg, beschreibt „Religious Literacy“ als „grundlegende Kompetenzbildung in Sachen Religion“. Diese sei heute erforderlich, weil Menschen mit vielen verschiedenen Religionen in Berührung kommen würden.

Wie das Naturrecht zur moralischen Allzweckwaffe der Kirche wurde – Moritz Findeisen (katholisch.de)

Die Vorstellung eines natürlichen Gesetzes, das alle Menschen bindet, reicht bis in die Antike zurück. Für die Lehre der römisch-katholischen Kirche ist sie bis heute prägend – vor allem in Fragen der Sexualmoral. Doch inzwischen rege sich auch in den eigenen Reihen Widerspruch, zeigt Moritz Findeisen in seinem ausführlichen Beitrag bei katholisch.de.

Je nach inhaltlicher Positionierung würden dem Naturrecht dabei unterschiedlich weite Grenzen gesetzt – oder es werde ihm jegliche Geltung abgesprochen. Erst jüngst entfachten die Äußerungen von Papst Franziskus, homosexuelle Paare hätten ein Recht auf staatliche Absicherung und kirchliche Anerkennung, erneut die Diskussion darüber, was der Natur des Menschen entspreche (vgl. die #LaTdH vom 25. Oktober).

„Dogmatische und kirchenrechtliche Mauern werden höher gezogen“ – Interview mit Bischof Gerhard Feige (KNA)

Zur Frage der Gemeinschaft von Katholiken und Protestanten bei Eucharistie oder Abendmahl gibt es jetzt drei aktuelle Texte: Ein „Votum“ des Ökumenischen Arbeitskreises (ÖAK), eine „Stellungnahme“ der Vatikanischen Glaubenskongregation und eine (vorher verfasste, aber später veröffentlichte) „Würdigung“ durch den Kontaktgesprächskreis von Deutscher Bischofskonferenz und EKD.

Der römisch-katholische „Ökumene-Bischof“ Gerhard Feige weist im Interview mit Norbert Zonker den Einspruch aus Rom gegen das Votum „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ zurück:

Auf jeden Fall zeigt die Glaubenskongregation nur auf, was angeblich nicht katholischen Wahrheiten entspricht. Dass es auch Anfragen an die katholische Seite gibt – zum Beispiel hinsichtlich der nicht ganz stiftungsgemäßen Kommunionpraxis unter nur einer Gestalt oder weiterhin missverständlicher Formulierungen zur Opferproblematik – wird mit keiner Silbe erwähnt.

Selbstkritik ist kein Thema, genau so wenig wie auch nur ein kleines anerkennendes Wort für die Überlegungen des ÖAK. Stattdessen werden wieder einmal dogmatische und kirchenrechtliche Mauern höher gezogen. Wie lange will man eigentlich noch so verfahren, ohne dass Ökumene zum folgenlosen Glasperlenspiel verkommt? Viele haben schon lange keinerlei Verständnis mehr für solche Manöver und gehen sowieso ihre eigenen Wege.

Die Mähler und das Mahl – Werner Kleine (Dei Verbum)

Seit über vierzig Jahren wird gerungen und gestritten, werden Papiere beschrieben und gegenseitige Vereinbarungen unterzeichnet, stellt Werner Kleine (@WernerKleine) in seinem Beitrag bei Dei Verbum (@Verbum_Dei) fest, mit dem er neutestamentliche Aspekte in die Diskussion um die eucharistische Gastfreundschaft bringen will.

Rennen und doch nicht von der Stelle kommen – wer so träumt, dessen Unterbewusstsein verarbeitet möglicherweise die Erfahrung von Erfolglosigkeit. Der ökumenische Traum eines gemeinsamen Mahles oder wenigstens einer gegenseitigen eucharistischen Gastfreundschaft teilt offenkundig dieses Schicksal.

Statt aber vorschnell eine Einheit im Verschiedenen zu konstatieren, die letztlich fragil bleiben müsse, weil die Fundamente im Verständnis eben nicht auf sicherem Grund stehen, sollte zuallererst das gegenseitige Verurteilen aufhören. Kleine(s) Schritte für den weiteren Weg:

Wenn schon kein gemeinsames Abendmahl möglich ist – auch aus Gründen des gegenseitigen Respektes der verschiedenen Identitäten, aber auch, weil das Herrenmahl auch in der biblischen Tradition soziale, rituelle und theologische Einheit voraussetzt – dann wäre das gemeinsame Brotbrechen ein erster wichtiger Lernort, um die volle Einheit praktisch anzugehen. Die orthodoxen Kirchen könnten hierfür mit dem traditionellen Ritus der Artoklasia einen wichtigen Beitrag leisten.

Ein guter Satz

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