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Darf ich? – Die #LaTdH vom 29. Januar

Der Vatikan sagt „Nein“ zum deutschen Verständnis von Synodalität in der römisch-katholischen Kirche – aber alle hören, was sie wollen. Außerdem: Eine Alte-Leute-Predigt und zu viele Top-Down-Ansätze.

Herzlich Willkommen!

„Muss ich am ‚Synodalen Ausschuss‘ teilnehmen, weil die Synodalversammlung dies so beschlossen hat?“ – „Darf ich daran teilnehmen?“

Im Tonfall pubertierender Kinder, die den lästigen Hausaufgaben und schulischen Verpflichtungen mit „Null-Bock-Mentalität“ begegnen, haben fünf deutsche (Erz-)bischöfe bei ihrem Heiligen Vater im Vatikan nachgefragt, ob es mit den vom Synodalen Weg für die Zukunft geplanten Gremien auch seine Richtigkeit habe. „Heiliger Papa, hilf uns“, persiflierte das Christiane Florin (@ChristianeFlori) treffend in ihrem Kommentar im Deutschlandfunk.

Während die Delegierten bei den vergangenen Sitzungen über die erforderliche „Selbstbindung“ der vermeintlich reformwilligen Oberhirten an die gemeinsamen Beschlüsse diskutierten, demonstrierte die konservative Minderheit des deutschen Episkopats die dogmatisch wie kirchenrechtlich verankerte Abhängigkeit vom Papst in Rom mit der kaum verhohlenen Bitte um ein väterliches Machtwort von ultra montes – das auch prompt seinen Weg über die Alpen nach Deutschland fand.

Möglicherweise ist mancher Kollege im Bischofsamt insgeheim froh darum, wenn es wieder einmal Rom ist, das für die allzu reformwilligen Laien Leitplanken und Stoppschilder aufstellt, und er selbst sich damit nicht die Hände schmutzig machen muss. Denn wenn er gefragt wird, wann die jahrzehntelang vergeblich geforderten Reformen endlich umgesetzt werden, kann er auf die „unterschiedlichen Geschwindigkeiten“ verweisen, die eine „weltkirchliche Rücksichtnahme“ erfordere. Oder wie Karl Valentin zu sagen pflegte:

„Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“,
wünscht Ihnen zum Start in die neue Woche
Ihr Thomas Wystrach


Debatte

Wer unter der nichtssagenden Überschrift „Kommunikation mit dem Heiligen Stuhl nach dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe“ eine „Erklärung zu Fragen eines ‚Synodalen Ausschusses‘ und eines ‚Synodalen Rates'“ abgibt, der will den Ball flachhalten. Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, teilte per Pressemitteilung am vergangenen Montag mit, „der nächste Schritt“ im „Dialog“ mit dem Vatikan, sei „ein am 20. Januar 2023 eingegangener Brief von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie weiteren Mitzeichnern, dessen Auslöser ein Schreiben der (Erz-)Bischöfe von Köln, Augsburg, Passau, Regensburg und Eichstätt vom 21. Dezember 2022 an den Heiligen Stuhl“ gewesen sei, „in dem berechtigte und notwendige Fragen zum Synodalen Ausschuss gestellt werden“.

In Wirklichkeit ist mit der von Papst Franziskus „in forma specifica“ approbierten Antwort eine weitere Eskalationsstufe im Streit um die deutsche Kirchenreform-Debatte erreicht. Der Synodale Weg (@DerSynodaleWeg) ist nicht befugt, einen Synodalen Rat einzurichten. Und die Bischöfe müssen sich nicht am diesen vorbereitenden Synodalen Ausschuss beteiligen. Das hat der Vatikan mit seinem Schreiben klargestellt. Lange ließ es Rom bei mahnenden Worten, nun kommt ein klares Verbot. Was es im Einzelnen mit den geplanten Gremien auf sich hat, erklärt Christoph Brüwer (@chrisbruew).

Synodaler Weg in der Sackgasse? – Jürgen Erbacher (Papstgeflüster, ZDF)

„Deutlicher hätte das Stoppschild nicht ausfallen können“, so Jürgen Erbacher (@JuergenErbacher) in seinem Beitrag im ZDF-Blog „Papstgeflüster“. Mit Verweis auf den Primat des Papstes untersage der Vatikan den deutschen Bischöfen die Umsetzung eines der zentralen Beschlüsse des Synodalen Wegs. Ob durch das „Nein“ Irritationen in Deutschland entstehen, dürfte dem Vatikan ziemlich gleichgültig sein:

Denn in Rom sieht man in dem Drängen der deutschen Reformer eine Gefahr für den weltweiten synodalen Prozess und versucht deshalb noch vor der kontinentalen Versammlung Anfang Februar in Prag ein klares Signal zu senden.

Die trotzige Reaktion von Bischof Georg Bätzing (Limburg), man bewege sich „im Rahmen des Kirchenrechts“ zeige, dass die deutschen Bischöfe ihren Reformkurs nicht kampflos aufgeben wollen, so die Analyse von KNA-Chefreporter Ludwig Ring-Eifel (@LudwigRingEifel). Für den Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke (@norbertluedecke) handelt es sich hingegen um

die inzwischen kaum noch nachvollziehbare Methode, unerwünschte Mahnungen und Einbremsungen des Apostolischen Stuhls als Unterstützung umzudeuten. Mit seinen Entgegnungen bestätigt Bischof Bätzing kirchenrechtswissenschaftliche Einschätzungen zum Synodalen Weg, die bislang immer überspielt wurden:

Wenn alles im Rahmen des Kirchenrechts bleibt, warum ist dann permanent von Entscheidung und Verbindlichkeit gesprochen worden? Genau hier setzt das Schreiben aus dem vatikanischen Staatssekretariat an, indem es kein Gremium akzeptiert, das Entscheidungsvollmachten gegenüber den Bischöfen haben soll.

Quatschbude – Daniel Deckers (FAZ)

Daniel Deckers nennt in seinem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den vatikanischen Einspruch ein „verstörendes Dokument“,

weil ganz nebenbei erkennbar sichtbar wird, warum Papst Franziskus allen Katastrophenmeldungen aus dem Erzbistum Köln zum Trotz an Erzbischof Woelki festhält. Denn was wäre eine innerbischöfliche Fronde ohne einen veritablen Kardinal an der Spitze? (…)

Am verstörendsten aber ist der Umstand, dass der Papst und drei Kardinäle ihre ganze Autorität aufbieten, um auf die Einhaltung eines Kirchenrechts zu dringen, das in ihren Händen so flexibel ist wie ein Gummischlauch, sich hierzulande aber als Korsett zu erweisen hat.

Vatikan-Brief zu Synodalrat zeigt kirchliche Autorität im Widerspruch – Gregor Maria Hoff (katholisch.de)

Der Salzburger Theologe Gregor Maria Hoff sieht durch die Erklärung des Vatikans zum Synodalen Weg neuen Schaden für die Glaubwürdigkeit der Kirche: Wenn Synodalität von Rom eingehegt und beschnitten wird, weil sie vatikanischen Dikasterien zu weit geht, schadet das letztlich auch Franziskus‘ Projekt der Synodalität. Möglicherweise müsse man mit Bertolt Brecht einen Schritt weitergehen:

Das Volk Gottes in Deutschland hat das Vertrauen der römischen Kirchenleitung verspielt. Wäre es da doch nicht einfacher, die Kirchenleitung löste das Volk auf und wählte ein anderes? Das freilich geschieht kirchenstatistisch längst.

25 Jahre nach dem Basta-Brief aus Rom – Monika Dittrich (DLF)

Die heftigen Auseinandersetzungen dieser Woche wecken Erinnerungen: Im Jahr 1998 lieferten sich die deutschen Bischöfe eine beispiellose Machtprobe mit dem Vatikan. Damals ging es darum, ob römisch-katholische Beratungsstellen den „Schein“ ausstellen dürfen: Den Beratungsschein am Ende einer Schwangerschaftskonfliktberatung, der eine straffreie Abtreibung innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen ermöglicht.

Der Streit wirkt bis heute fort, zeigt Monika Dittrich in ihrem Beitrag im Deutschlandfunk. Auch Kirchenrechtler Norbert Lüdecke erkennt in der Debatte über die Schwangerschaftskonfliktberatung vor 25 Jahren eine Parallele zur Gegenwart: Wie damals hoffen die Laien auch heute wieder auf die Unterstützung ihrer Bischöfe und das Entgegenkommen des Vatikans – nämlich beim Synodalen Weg. Lüdeckes nüchterne Empfehlung:

Laien sollten sich nicht auf Bischöfe verlassen. Im Zweifel wird ihre Loyalität fast immer dem System und ihren männerbündischen ständischen Mitbrüdern gehören.

„Die Kirche macht derzeit alles falsch“ – Interview mit Michael N. Ebertz (Domradio)

In einer aktuellen Umfrage zum Vertrauen in Institutionen hat die römisch-katholische Kirche mit 8 Prozent einen neuen Tiefstand erreicht. Dem Papst bringen nur 16 Prozent großes Vertrauen entgegen, der evangelischen Kirche hingegen 31 Prozent. Der Religionssoziologe Michael N. Ebertz (@n_ebertz) nennt im Interview mit dem Domradio (@domradio) mehrere Gründe für die anhaltende Krise der Institution Kirche:

Die katholische Kirche hat ein dauerndes Frauenproblem und sie enttäuscht permanent Erwartungen. Zum Beispiel, dass die Pfarreien immer größer werden, weil die Zahl der Priester immer kleiner wird. Oder damit, dass die Erreichbarkeit des Personals schlechter wird. Es wächst die Anonymität.

Dann streiten sich die deutschen Bischöfe öffentlich untereinander. Sie tricksen sich regelrecht aus. Es gibt auch keine gute Verständigung, keine vernünftige Verständigung zwischen den deutschen Bischöfen und Rom. Kardinal Kasper kritisiert die Führung der deutschen Kirche – alles öffentlich – und Bischof Bätzing umgekehrt den Führungsstil des Papstes. Die Bischöfe benehmen sich öffentlich nicht so, wie man eigentlich erwarten kann, dass erwachsene Menschen vernünftig miteinander umgehen.

nachgefasst

Emeritus: eine gescheiterte Konstruktion – Fabian Brand (feinschwarz.net)

In seinem Beitrag im Theologischen Feuilleton feinschwarz (@feinschwarz_net) geht Fabian Brand (@FabianBrand102) der Frage nach,  ob der von Papst Benedikt XVI. nach seinem Rücktritt selbstgewählte Titel „Papa emeritus“ wirklich die beste Wahl war. Für das Amt eines „Papstes im Ruhestand“ gab es keine Vorlage, die „Angst des Anfangs“ habe sich im Laufe der letzten zehn Jahre erfüllt.

Besonders in den Tagen um den Tod von Joseph Ratzinger sei deutlich geworden, dass die Unsicherheit in der Ausgestaltung dieser Rolle kein einmaliges Problem darstelle, sondern Regelungsbedarf auch für die Zukunft aufwerfe:

Es braucht eine klare Ordnung, wie ein solcher Rücktritt abläuft und welche Konsequenzen mit ihm verbunden sind. Diese Folgen müssen einen offensichtlichen Bruch mit dem Papstamt darstellen und ausschließen, dass ein zurückgetretener Papst wie ein „Schattenpapst“ ständig im Leben der Kirche präsent bleibt.

Im Interview mit Eule-Redakteur Philipp Greifenstein (@rockToamna) sowie im WTF?-Podcast deutet auch der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann den Rücktritt von Benedikt XVI. als „Politikum“:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Theologe wie Joseph Ratzinger nicht reflektiert hat, wie sich damit das Papstamt verändern würde. Der Papst beendet selbstgewählt seine Amtszeit und zieht sich zurück. Wie immer man die Zeit der Abgeschiedenheit auch bewerten will, damit hat sich die Aura des Amtes verändert.

Warum geben Sie nie auf, Matthias Katsch? (Podcast einbiszwei)

Vor inzwischen dreizehn Jahren, im Januar 2010, wandte sich Matthias Katsch (@KaMaZhe) zusammen mit zwei ehemaligen Mitschülern an Pater Klaus Mertes SJ, den Leiter des Canisius-Kollegs, einem römisch-katholischen Gymnasium der Jesuiten in Berlin. Katsch berichtete, dass er in seiner Schulzeit in den 70er Jahren vom damaligen Schulleiter und einem Lehrer sexuell missbraucht wurde. Mertes schickte daraufhin ein Schreiben an etwa 600 ehemalige Schüler aus den 1970er und 1980er Jahren, um weitere Betroffene zu ermutigen, sich zu melden. Damit begann der von den Medien sogenannte „Missbrauchsskandal“.

Im Podcast #einbiszwei der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (@ubskm_de) erklärt Katsch, warum die bislang von der römisch-katholischen Kirche gewährten „Anerkennungsleistungen für das erlittene Leid“ nicht genug sind (vgl. dazu auch sein Interview mit der Eule) und warum die von ihm mitgegründete Betroffeneninitiative Eckiger Tisch (@EckigerTisch) weiterhin Aufklärung, Hilfe und Genugtuung fordert – womit auch eine angemessene finanzielle Entschädigung gemeint ist.

Ein Jahr nach #OutInChurch: Die Angst überwinden – Moritz Findeisen (Christ in der Gegenwart)

Es war das größte Coming-Out in der römisch-katholischen Kirche: Mit ihrem öffentlichen Auftreten am 24. Januar 2022 forderten queere Mitarbeitende eine Kirche ohne Angst. Was sich seitdem bewegt hat (etwa beim kirchlichen Arbeitsrecht) – und wo es noch hakt (Kirchenrecht und Sexualmoral), erklärt Moritz Findeisen (@PhindyMoe) in seinem Beitrag in Christ in der Gegenwart (@ChristGegenwart).

Rund 600 Mitglieder hat die Initiative inzwischen, aus allen kirchlichen Berufsgruppen. Das bisher lose Netzwerk kommt also mittlerweile an seine Grenzen. Deswegen will sich #OutInChurch eine neue Struktur geben. Anlässlich des Jahrestags gab es an diesem Wochenende ein Treffen in Köln, bei dem ein Verein gegründet wurde, der fortan für die dringendsten Anliegen seiner Mitglieder einstehen will.

Auch Pfarrer Bernd Mönkebüscher, Mitinitiator der Kampagnen #mehrSegen, #Liebegewinnt und #OutInChurch (vgl. dazu hier und hier in der Eule), schaut in seinem feinschwarz-Gastbeitrag auf mögliche und ausstehende Veränderungen, die sich mit der Bewegung queerer Mitarbeiter*innen in der römisch-katholischen Kirche ergeben könnten:

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist ein geflügeltes Wort geworden. Und es gibt die Anhänglichkeit an Vertrautes: An Menschen, mit denen man in den Gemeinden unterwegs ist. An guten Erfahrungen in der Kirche. Manche reden vom Ehrgeiz, „ihre“ Kirche nicht zur fundamentalistischen Sekte werden lassen zu wollen. Andere warten auf die Rente. Oder sagen: Augen zu und durch. Eigentlich Voraussetzungen für völlige Neuanfänge.

Buntes

Wer sind wir und wenn ja, wie viele? – Katharina Scholl (zeitzeichen)

Die „Sucht der Kirche nach Selbstbeschäftigung“ sei ein „natürlicher Reflex niedergehender Institutionen“, meint die evangelische Pfarrerin Katharina Scholl in ihrem Beitrag in den zeitzeichen (@zeitzeichenNET). Die ständige Frage nach der eigenen Daseinsberechtigung in immer neuen Gremien führe jedoch in die Enge. Der Versuch, mit Kirchendistanzierten (wieder) in Kontakt zu treten oder gar sich gesellschaftlich besser zu vernetzen, sei meist erfolglos. Statt des „16. Ausschusses zum Ventilieren kirchlicher Zukunftsfragen“ sei ein Perspektivwechsel erforderlich:

Wir müssen innerhalb der laufenden Transformationsprozesse neu lernen zu unterscheiden, was wohin gehört. Der Schatz spiritueller Ressourcen des Wandels liegen nicht in der Selbstbeschäftigung, sondern in heiligen Augenblicken institutioneller Selbstvergessenheit. Die spirituellen Ressourcen liegen dort verborgen, wo wir ins Risiko gehen.

Wenn Kirchenmitarbeitende umsetzen müssen, was sie nicht überzeugt – Jan Loffeld (katholisch.de)

In der römisch-katholischen Kirche laufen die Transformationsprozesse hingegen ekklesio-logisch in aller Regel als „Top-Down“-Projekte ab. Nicht nur für die Gläubigen stellen die meist als Fusionen zu „XXL-Gemeinden“ daherkommenden „Strukturreformen“ oft einschneidende Veränderungen dar, sondern auch für die Kirchenmitarbeitenden vor Ort.

Wie dabei die Pfarrer, Pastoral- und Gemeindereferent:innen in die Prozesse eingebunden würden, werde von Diözese zu Diözese unterschiedlich gehandhabt, meint Jan Loffeld (@LoffeldJan), Priester des Bistums Münster und Professor für Praktische Theologie in Utrecht, in einem Interview mit Gabriele Höfling (@EleHoefling) auf dem Portal @katholisch_de. Häufig sei von einem „vertikalen Schisma“ zwischen Bistumsleitung und den Menschen in den Gemeinden die Rede, das sich in mangelndem Vertrauen und dem Gefühl, „denen da oben“ sei man eigentlich egal, äußere.

Aber bei den Hauptamtlichen tun sich auch andere Konflikte auf, die viele als Generalanfrage an ihre Identität erleben: Sie fragen sich mit jeder neuen Enthüllung des Missbrauchsskandals, Teil welches Systems sie da eigentlich sind. Das erschüttert sie im Innersten. Und sie merken schmerzlich, dass die Fusionen Ausdruck dessen sind, dass die Kirche schrumpft. (…)

Insgesamt ist die Kirche in Deutschland ihren Transformationsprozess bislang sehr strukturell angegangen. Diese organisational-strukturelle Vorgehensweise steht dann einer identitäts- bzw. traditionsbezogenen gegenüber, wie sie etwa mit dem Begriff der Neuevangelisierung verbunden werden kann. Viele Menschen vor Ort in der Seelsorge merken allerdings: Beides löst das Problem nicht und geht an meinem Alltag vorbei.

Predigt

Fest der Begegnung: Gedanken zu Maria Lichtmess 2023 – Johannes Poiger (Gottsucher und Menschenfischer)

Auf den ersten Blick erinnere das Tagesevangelium zum Fest Darstellung des Herrn, vielerorts auch Mariä Lichtmess genannt, an den Gottesdienst-Besuch heutiger Tage, meint Johannes Poiger, alt-katholischer Geistlicher in den Gemeinden Regensburg (@akregensburg) und Passau: Eine junge Familie, ein Kind – und der Rest sind mehr oder weniger alte Leute.

Doch das in Lukas 2, 22-40 geschilderte Aufeinandertreffen von Maria und Josef, Jesus, Simeon und Hanna sei keine „Versammlung von Auslaufmodellen“, sondern ein „Fest der Begegnung“ gewesen. Zwei altersschwache Menschen erkennen im kleinen Kind das „Licht der Welt“ – das sei eine frohe Botschaft auch für uns:

Keiner ist zu klein, niemand zu alt und kein Mensch zu schwach damit ER nicht doch noch Großes mit ihm vollbringen könnte. Weil Gott uns nicht hängen lässt mit unseren Schwachheiten und Unzulänglichkeiten, weil er uns nicht abschreibt, wenn etwas schiefgelaufen und gescheitert ist, sondern weil er uns liebt, weil er uns haben will in seiner Welt – und weil er uns braucht, braucht, um mit uns und durch uns in irgendeiner Weise SEINE Liebe zu den Menschen zu bringen – und sei es auch noch so unvollkommen und schwach – wenn ER es will, dann wird es uns gelingen.

Ein guter Satz

„Es geht nicht, auf der einen Seite vom Synodalen Weg zu sprechen und auf der anderen dann doch immer wieder Entscheidungen von oben nach unten zu treffen. Synodalität müsste sich gerade darin zeigen, dass man mit den Gemeinden im Gespräch ist.“

– Professor Benedikt Kranemann im Eule-Interview von dieser Woche