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Kreative Identität – Die #LaTdH vom 12. September

Wer darf bestimmen, was katholisch ist? Außerdem: Die Debatte um patrilineare Juden, Dorfkirchen und überflüssiges Werkzeug.

Herzlich Willkommen!

„Ein ‚Nein‘ zu sagen ist einfach, um zu einem ‚Ja‘ zu kommen, muss man kreativ sein.“ Dieser Spruch eines orthodoxen Kollegen ist Rabbiner Andreas Nachama im Gedächtnis geblieben. Unter der Woche habe ich ihn für die Eule zur Diskussion um die Anerkennung patrilinearer Juden interviewt. Gelegentlich wird gefordert, dass es sich bei dieser Debatte um eine innerjüdische Angelegenheit handelt. Das stimmt. Welche Rechte und Pflichten Mitglieder haben, bestimmen hierzulande die Religionsgemeinschaften weitestgehend für sich selbst.

Wenn man die Linse aber für ein größeres Panoromabild einstellt, wird deutlich: In einer säkularen und multireligiösen Gesellschaft sind die Regeln, die sich einzelne Religionsgemeinschaften auferlegen, erklärungsbedürftig. Konflikte darum, was in den Gemeinden zu gelten hat, kennen auch Muslime und Christen. Insofern sind Konflikte um Zugehörigkeit und Diskriminierung einzelner Gruppen niemals nur interne Angelegenheiten. Die Religionsgemeinschaften können von der öffentlichen Diskussion unter Mitwirkung von vielen verschiedenen, auch multireligiösen, Perspektiven nur profitieren.

Eine gute Woche wünscht
Philipp Greifenstein

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Debatte

Vor einem Jahr ergab eine Meinungsumfrage unter 2 036 Erwachsenen im Auftrag der Tagespost, dass sich 53 % der Katholik:innen hierzulande nicht für den Synodalen Weg interessieren. (Bei den Evangelischen waren es gar nur 11 %, die das Geschehen bis dahin mit Interesse verfolgten.) Ich bezweifle stark, dass sich seitdem und durch die Diskussionen der vergangenen Tage daran grundlegend etwas geändert hat.

Vielmehr dürften sich eher noch mehr Katholik:innen desinteressiert oder – noch schlimmer – desillusioniert vom Synodalen Weg abgewandt haben. Das im Hinterkopf zu behalten, während wir eine weitere Woche Streit um den richtigen Weg der Synodalität rekapitulieren, ist wichtig.

Ein „Synodaler Weg“ für die ganze Weltkirche – Matthias Rüb (FAZ)

Seltsam positiv-gleichmütig schreibt Matthias Rüb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den nächsten Startschuss zum weltweiten Synodalen Prozess oder Weg (der Verwechslungsgefahr wegen bleiben wir erst einmal bei Dtl. -> Weg und international -> Prozess), als hätte es gegen den Synodalen Weg und gegen die klerikalen Synodalitätsvorstellungen nicht schon genügend Proteste gegeben, z.B. von Maria 2.0, Betroffenen des Missbrauchs oder prominent vom Theologieprofessor Norbert Lüdecke (im Eule-Interview), und als wären die unterschiedlichen Erwartungshaltungen an die prozessuale Synodalität nicht längst aufgeklärt (z.B. in der Eule-Analyse von Benedikt Heider).

Wie der internationale Synodale Prozess ausschauen wird, wissen wir seit Juni (z.B. hier & hier in der Eule). Es steht zu befürchten, dass wir auch Anfang Oktober, wenn Papst Franziskus ihn in Rom offiziell eröffnet, noch einmal eine Runde im Karussell drehen. Ob das dabei helfen wird, dass sich in Deutschland reichlich Katholik:innen an der ersten Phase des Zuhörens in den Diözesen beteiligen?

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, bezeichnete es als einen „Meilenstein auf dem synodalen Weg – weltweit und für die Kirche in Deutschland“. Papst Franziskus setze damit weiter „konsequent um, was er unter Synodalität versteht“, sagte Bätzing am Dienstag in Bonn. Er hob hervor, dass das Dokument „nun auch offiziell mit Blick auf den weltweiten kirchlichen Prozess ausdrücklich vom ,Synodalen Weg‘ spricht“ und die bereits begonnenen synodalen Prozesse in mehreren Ländern würdige.

Glücklich die gründliche Leser:in! Dass Franziskus mit dem Synodalen Prozess umsetzen will, was er für Synodalität hält, hat a) niemand in Abrede gestellt und b) führt direkt zum eigentlichen Problem auch des deutschen Synodalen Weges: Damit ist mitnichen eine Mitsprache der Laien bei Reformen gemeint. Über das „spezifisch römische Verständnis von Synodalität“ schreibt auch der Moraltheologe Daniel Bogner (@BognerDaniel) in seinem Kommentar bei kath.ch:

Setzt die römische Position wirklich tief genug an, wenn auf eine kritische Diskussion der hierarchisch begründeten und monarchisch realisierten Verfassungsstruktur der Kirche verzichtet wird? Die Kirche soll nur «konstitutiv synodal» sein, wie das zentrale Schlüsselwort der Stellungnahme lautet. Aber sollte sie sich nicht aufmachen, um auch «konstitutionell synodal» zu werden?

An gleicher Stelle erinnert der Kirchenrechtler Wolfgang Rothe (@WolfgangFRothe) daran, dass auch die Kritik an den Synodalen Wegen sich in Legalismus zu verlieren droht, wenn sie nicht hinreichend zur Kenntnis nimmt, dass das Christentum „faith in progress“ sei und sich auch dann etwas bewege, wenn die groß proklamierten Ziele nicht erreicht würden:

Man könnte das Christentum also auch als «faith in progress» bezeichnen. Insofern werden alle enttäuscht werden, die auf den Synodalen Weg der Kirche in Deutschland und den weltweiten synodalen Prozess allzu grosse Hoffnungen setzen. Denn danach wird vordergründig alles beim Alten geblieben sein – und zugleich nicht. Denn Gespräche, Diskussionen und Debatten bewirken, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht, Veränderung.

Doch selbst in Rothes Verteidigung des Synodalen Wanderns hat sich der Verdacht, wenngleich nur in Frageform, hineingeschlichen:

Wird von Seiten derjenigen, die in der Kirche das Sagen haben, einmal mehr versucht, alle Reformbestrebungen dadurch auszubremsen, dass man zu ausufernden Gesprächen einlädt, deren einziges Ergebnis am Ende darin besteht, dass sich alle freuen, miteinander gesprochen zu haben?

Was den internationalen Synodalen Prozess angeht, werden wir erst 2024 schlauer sein. In Deutschland hingegen schon Ende des Monats:

Synodal, aber wie? – Stephan Langer (Christ in der Gegenwart)

In der Christ in der Gegenwart kommentiert Chefredakteur Stephan Langer die Entwicklungen der vergangenen Tage, also insbesondere die Veröffentlichung zweier Dokumente von konservativen TeilnehmerInnen des Synodalen Weges auf der Website synodale-beitraege.de:

Der Ton wird rauer, die Spannungen nehmen zu. Das zeigt, dass der Synodale Weg in eine entscheidende Phase kommt. […] Gerade deshalb sollten die Schärfen in der Debatte vermieden werden. Wenn man sich gegenseitig schwache Theologie und schlechten Stil vorwirft, einander der Polemik und des Populismus bezichtigt, dann ist das gerade kein Streit in der Sache, keine Suche nach der Wahrheit. Apropos: „Was wahr ist, bleibt wahr“, hat Bischof Voderholzer gesagt, um seinen Vorstoß zu begründen. Solche Gewissheit in Ehren. Aber muss man Gott nicht zutrauen, dass er auch anderen Anteil an der Wahrheit gibt?

Den Vorschlägen der Herren Voderholzer, Oster, Picken & Co. schlägt von Seiten der den Synodalen Weg mittragenden Laien-Vertreter:innen harrsche Ablehnung entgegen (s. #LaTdH von letzter Woche). Die restlichen Bischöfe schweigen beredt, wie Kirche + Leben-Chefredakteur Markus Nolte in seiner Verteidigung des Synodalen Weges hervorhebt. Wie den #LaTdH von vor genau einem Jahr zu entnehmen ist, gehört der Streit um die richtige Wegführung sowieso dazu. Auch die Protagonisten sind dieselben.

Um was geht’s eigentlich?

Stephan Langer ist sich sicher, dass die Erregung sich dem Umstand verdankt, dass es „wirklich um etwas geht“. Ja, aber um was? Warum die Aufregung über Dokumentenentwürfe, denen nach der Satzung des Synodalen Weges am Ende die Bischöfe keineswegs zustimmen müssen – geschweige denn zur Umsetzung der in ihnen am Ende noch befindlichen Forderungen verpflichtet sind?

Die Münsteraner Theologin Dorothea Sattler, die gemeinsam mit Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) das Synodalforum zur „Frauenfrage“ leitet, gibt über die Zielsetzung so Auskunft:

Ziel sei, Bischofskonferenzen weltweit ins Nachdenken zu bringen und Prozesse anzustoßen, die die Debatte öffnen: „Wir werden in der Synodalversammlung nicht darüber abstimmen können: Frauenordination – Ja oder Nein?“, ergänzte sie. Dennoch sei schon viel erreicht, „wenn wir in Rom signalisieren, es gibt eine Zwei-Drittel-Mehrheit der deutschen Bischöfe, die das Thema noch einmal im weltweiten Kontext auf die Tagesordnung rücken wollen“.

Mal ganz abgesehen vom erheblichen Selbstvertrauen, das sich in der Erwartung dokumentiert, in anderen Ländern würde man auf die deutschen Ergebnisse sehnsüchtig warten, sind damit die Grenzen des ganzen Unterfangens realistisch beschrieben. Mit Ausnahme einiger Fragen nach Accountability und Verwaltungsgerichtsbarkeit (Forum „Macht“) wird es so auch bei den anderen Diskussionsgegenständen laufen.

Dass „Team Voderholzer“ so angegriffen auf seine Marginalisierung auf dem Synodalen Weg reagiert, hat wohl Gründe, die jenseits des Dialogprozesses liegen: Man fürchtet die Marginalisierung der Konservativen innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Doch so weit ist es noch lange nicht!

Ja, mit ihren Veröffentlichungen sind die Konservativen vom gemeinsamen Weg abgewichen, aber sie haben ihn nicht verlassen. Und auch die „Gegenöffentlichkeit“ (Langer), die sie adressieren, gibt es schon längst und weiterhin, inkl. einer separaten Medienlandschaft. Ob Markus Noltes Erinnerung daran, warum es den Synodalen Weg eigentlich gibt, bis dahin vordringt, darf bezweifelt werden:

Den Synodalen Weg gibt es nicht, damit der Zölibat abgeschafft wird, Frauen Pries­terinnen werden und die katholische Sexualmoral modern wird. Den Synodalen Weg gibt es, weil tausende Menschen von Verantwortlichen der Kirche missbraucht wurden. […] Den Synodalen Weg gibt es auch, weil die katholische Kirche Menschen verletzt hat und weiter verletzt, weil sie Menschen krank gemacht hat und weiter krank macht: Frauen, wiederverheiratete Geschiedene, homosexuelle Menschen etwa.

Den Synodalen Weg gibt es zudem, weil eine Kirche, die verletzt und verwundet, das Gegenteil von dem ist, was sie zu sein hat: eine Gemeinschaft und ein Ort, die heilen und Heil erfahren lassen. Dass sie so ihre Glaubwürdigkeit verliert, ist die logische Konsequenz. Dass damit das Evangelium, die Botschaft vom Heil, immer weniger Chancen hat, zu den Menschen zu kommen, zu denen die Kirche gesandt ist, ist ein Skandal. Anders gesagt: eine Sünde.

nachgefasst

Wer ist Jude – und wer nicht? – Interview mit Josef Schuster und Meron Mendel (ZEITonline)

Seit einer aufsehenerregenden Kolumne von Maxim Biller wird innerhalb der jüdischen Communities über die Anerkennung von Juden mit patrilinearer Herkunft gestritten (s. #LaTdH vom 22. August). Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hatte im Verlauf der Debatte in einem Gastbeitrag in der (hauseigenen) Jüdischen Allgemeinen die geltenden religionsrechtlichen Regeln gemäß der Halacha verteidigt. Ihm widersprach Meron Mendel (@MeronMendel), Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, in der Onlineausgabe der ZEIT. Im Interview bei Hannes Leitlein (@hannesleitlein) und Johannes Schneider (@joausdo) diskutieren die beiden nun miteinander.

ZEIT ONLINE: Trotzdem kann doch nicht jeder einfach für sich selbst entscheiden: Ab heute bin ich Jude.

Mendel: Das ist richtig, zugleich würde ich sagen, dass das keine binäre Entscheidung ist, ob man Jude ist oder nicht. In Zeiten, wo wir von hybriden Identitäten sprechen, wo Menschen sich nicht mehr in Schubladen stecken lassen, können wir durchaus unterschiedliche Definitionen ermöglichen und gleichberechtigt nebeneinander stellen.

Mit Rabbiner Andreas Nachama aus Berlin habe ich unter der Woche ebenfalls über das Thema gesprochen. Allerdings ging es in unserem Gespräch weniger um die laufende (Autoren-)Debatte und die Vielfalt jüdischer Identitäten, sondern um die Gemeinderealität und die Frage der Legitimität religiöser Regeln in einer säkularen Gesellschaft.

Fall Olaf Latzel

Auch im Falle des wegen Volksverhetzung erstinstanzlich verurteilten Bremer Pastors Olaf Latzel hat sich in dieser Woche etwas getan: Darüber, dass das Landgericht Bremen ein theologisches Gutachten in Auftrag gegeben hat, berichtete ich ausführlich hier in der Eule. Der vom Gericht bestellte Gutachter hatte sich durch eigene Einlassungen zum Thema Homosexualität in der Kirche hervorgetan (s. #LaTdH von letzter Woche).

In dieser Woche distanzierte sich nun zuerst die Methodistische Kirche, der Gutachter Christoph Raedel angehört, von dessen Aussagen, dann fiel auch der Staatsanwaltschaft zu Bremen auf, dass das mit ihm als Gutachter vielleicht nicht so eine knorke Idee ist. Sie beantragte bei Gericht seine Abberufung. Eine Entscheidung steht noch aus, vielleicht kommt sie ja schon diese Woche. Bleiben Sie dran!

Bericht vorgestellt: Schwere Gewalt in Kinderheimen im Bistum Augsburg (KNA / katholisch.de)

Eine Projektgruppe, die seit 2019 Missbrauchsfälle in zwei katholischen Kinderheimen im Bistum Augsburg aufarbeiten sollte, hat in dieser Woche ihren Schlussbericht vorgelegt. Die geschilderten Gewalttaten erinnern frappierend an diejenigen in den Einrichtungen der Regensburger Domspatzen, dort wurden sie von einer umfassenden historischen Aufarbeitungsstudie dokumentiert (wir berichteten).

Solche Untersuchungen sind auch deshalb besonders wichtig, weil sie nicht nur den Betroffenen vor Ort endlich „Genugtuung“ verschaffen, wie ein Betroffener bei der Vorstellung des Augsburger Berichts sagte, sondern weil sie stellvertretend für alle anderen kirchlichen Erziehungseinrichtungen Licht in die dunkle Vergangenheit bringen.

Buntes

Rechtspopulismus fordert die Eine-Welt-Arbeit heraus – Claudia Mende (welt-sichten)

Im entwicklungspolitischen Magazin welt-sichten schreibt Claudia Mende (@ClaudiaMende2) über die schwierige Lage der Eine-Welt-Bewegung im Osten Deutschlands, wo man sich gegen Rechtspopulisten und rechtsradikale Angriffe verteidigen muss. „Wir haben es in Teilen Ostdeutschlands mit einer Bedrohungslage zu tun“, sagt Andreas Rosen von der Stiftung Nord-Süd-Brücken.

„Wir brauchen mehr Interesse und mehr Solidarität“, sagt [Rosen]. Im Westen hätten viele immer noch keine Vorstellung davon, unter welch schwierigen und teils bedrohlichen Bedingungen ihre ostdeutschen Kollegen entwicklungspolitische Inlands- und solidarische Partnerschaftsarbeit machten.

Köln zeigt Kaiser Konstantins Edikt von 321 – Andreas Otto (Jüdische Gemeinde)

Für fünf Wochen ist im Kunstmuseum Kolumba des Erzbistums Köln ein außergewöhnliches Dokument zu besichtigen, informiert Andreas Otto in der Jüdischen Allgemeinen.

Am späten Mittwochabend nun kam das historische Schriftstück […] in Köln an. […] Das Dokument liefert den Grund für das laufende Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. […]

Gerichtet war es an die Mitglieder des Stadtrates der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, so der römische Name Kölns. Und darin legte der Kaiser fest, dass Juden städtische Ämter in den Kurien, also den römischen Stadträten, bekleiden durften und sollten. Die Abschrift gilt als die früheste Quelle über die Existenz von Juden in den nördlichen Provinzen des römischen Reiches und damit der heutigen deutschsprachigen Länder.

Nicht jede Kirche wird gerettet – Benjamin Lassiwe (Der Prignitzer)

1 600 Dorfkirchen gibt es in Brandenburg und ihre Zukunft steht in den Sternen. Benjamin Lassiwe (@lassiwe) berichtet von den Überlegungen, Ideen und Befürchtungen der Handelnden vor Ort, die sich so oder so ähnlich überall in Deutschland finden:

„Wir können die Verantwortung nicht mehr allein den Gemeinden und überalterten Institutionen überlassen“, sagte er. „Der Erhalt der Gebäude muss maßgeblich durch die Kommunen und die Bürgerschaft getragen wird.“

Jüdische Organisationen warnen vor der AfD (Jüdische Allgemeine)

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und viele weitere jüdische Organisationen haben sich in einem gemeinsamen Aufruf gegen die Wahl der AfD bei der Bundestagswahl ausgesprochen. In der Erklärung heißt es u.a.:

Wir, die unterzeichnenden jüdischen Verbände und Organisationen und die Jüdinnen und Juden in Deutschland sind so vielseitig wie dieses Land. Wir haben unterschiedliche Hintergründe, Lebensgeschichten und Muttersprachen. Wir vertreten verschiedene Einstellungen und politische Positionen. Wir sind geprägt von unterschiedlichen Lebensrealitäten. Was uns jedoch alle eint, ist unsere Überzeugung, dass die AfD eine Gefahr für unser Land ist. Sie ist keine Alternative für Deutschland. Daher appellieren wir an Sie: Wählen Sie am 26. September 2021 eine zweifelsfrei demokratische Partei und helfen Sie mit, die AfD aus dem Deutschen Bundestag zu verbannen!

Der Aufruf ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Zentralrat der Juden als anerkannte Religionsgemeinschaft Körperschaftsstatus hat. Wie würde reagiert werden, wenn sich DBK oder EKD derart deutlich im Bundestagswahlkampf positionierten?

Theologie

„Das kann helfen“ – Interview mit Alexander-Kenneth Nagel (der Freitag)

Durchleben wir eine Apokalypse, leben wir gar in der Endzeit? Diese Frage beschäftigt dank Corona-Krise und Klimakatastrophe viele Menschen (s. #LaTdH vom 22. August). Einige christliche Frömmigkeiten tragen endzeitliches Denken seit jeher mit sich. Wie kann man mit diesem Erbe heute konstruktiv umgehen?

Der Religionswissenschaftler Alexander-Kenneth Nagel hat ein Buch über „Corona und andere Weltuntergänge“ geschrieben uns spricht im Interview bei der Freitag über „apokalyptische Krisenhermeneutik in der modernen Gesellschaft“:

Sind wir immer anfälliger für „apokalyptisches Denken“?

Dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen. Eine geht davon aus, dass apokalyptische Deutungen in Situationen der Bedrohung Trost und Orientierung stiften. Hier wird vor allem die Ordnungsfunktion der Apokalypse angesichts der Unübersichtlichkeit moderner Gesellschaften betont. Eine andere Lesart vermutet die Ursache für die Faszination der Apokalyptik eher in einem Zustand der Abstumpfung und Übersättigung: Apokalyptische Erzählungen reißen uns kurz aus unserer Lethargie und eröffnen neue, eskapistische Möglichkeitsräume.

Drop your tools or you will die! – Barbara Staudigl (feinschwarz.net)

Barbara Staudigl, ehemalige Leiterin der Schulabteilung der Diözese Eichstätt, stellt im theologischen Feuilleton feinschwarz.net Erkenntnisse der Organisationspsychologie von Karl Weick vor: Wann ist es Zeit, bisher gebräuchliche und liebgewonnene Werkzeuge aus der Hand zu legen, um das eigene (Über-)Leben zu retten?

Staudigl wendet Weicks Erkenntnisse auf das zölibatere, rein männliche Priesteramt in der römisch-katholischen Kirche an, aber mir fallen noch viele weitere Anwendungsmöglichkeiten in den christlichen Kirchen ein.

Karl Weick hat Situationen analysiert, in denen Menschen starben, weil sie selbstgefährdende „tools“ nicht aufgeben konnten. Natürlich kann man in Frage stellen, dass dies auch für Institutionen gilt. Man kann sich auch dagegen verwehren, dass Erkenntnisse aus der Organisationspsychologie auf ekklesiologische Fragestellungen anwendbar sind. Aber man darf und kann sie auch als Reflexionsanlass und Lernchance nützen.

Ein guter Satz

„Ich bin südafrikanisch-irischer Katholik mit protestantischer sowie jüdischer Verschmelzung! Zu meiner Familie mütterlicherseits gehörte der erste Rabbiner von Potsdam.“

– Daniel Hope, irisch-deutscher Geiger im Interview mit der B.Z.. Als Sonntags-Soundtrack empfohlen: Hope spielt Edward Elgars „Salut d´amour“ mit Mitgliedern des Deutschen Kammerorchesters Berlin.

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