Wer wird neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz?
Am Dienstag will die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) sich einen neuen Vorsitzenden wählen. Welche (Erz-)Bischöfe haben Chancen auf den katholischen Spitzenjob? Welches Signal geht von der Wahl aus?
Am kommenden Dienstag, den 24. Februar, will die römisch-katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) einen neuen Vorsitzenden wählen. Nachdem Bischof Georg Bätzing (Limburg) vor genau einem Monat bekannt gegeben hatte, nicht für eine zweite Amtszeit als DBK-Vorsitzender zu kandidieren, wird in der katholischen Gerüchteküche fleißig gerührt und erhitzt. Wer folgt Bätzing als Vorsitzender der Bischofskonferenz nach?
Gewählt wird der neue Vorsitzende auf der Frühjahrsvollversammlung der DBK in Würzburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in geheimer und freier Wahl von allen Mitgliedern der Bischofskonferenz aus dem Kreise der Diözesanbischöfe (Ortsbischöfe). Der DBK gehören qua Satzung die 27 Ortsbischöfe der (Erz-)Bistümer in Deutschland sowie deren insgesamt derzeit 34 Weihbischöfe an. Laut DBK-Pressestelle werden an der Tagung allerdings nur 56 Mitglieder der Bischofskonferenz teilnehmen, unter ihnen die 25 amtierenden Ortsbischöfe (die Bischofsstühle der Bistümer Eichstätt und Münster sind derzeit vakant). Für eine erfolgreiche Wahl wird eine 2/3-Mehrheit der abgegebenen Stimmen benötigt.
Auch wenn nominell jeder der 25 Ortsbischöfe gewählt werden kann, scheiden einige schon aus Altersgründen aus – denn gewählt werden soll (möglichst) ein (Erz-)Bischof, der die gesamte Amtszeit von sechs Jahren ausfüllen kann. Mit ihrem 75. Geburtstag müssen römisch-katholische Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt anbieten, auch wenn sich dieser mit einer Annahme desselben Zeit lassen kann. (Papst Leo XIV. steht im Ruf, Rücktrittsgesuche schnell anzunehmen.)
(K)eine Richtungswahl?
Der neue DBK-Vorsitzende wird mit Sicherheit ein weißer, deutscher Mann Ende 50, Anfang 60 sein. Diversität wird katholisch eben anders buchstabiert als im Rest der Gesellschaft. Sehr wahrscheinlich hat der Neue den Großteil seines Berufslebens vor der Berufung auf einen Bischofsstuhl in anderen herausgehobenen Positionen eines deutschen (Erz-)Bistums verbracht, zum Beispiel als Leiter der Priesterausbildung, Abteilungsleiter oder Generalvikar. Er hat womöglich an einer päpstlichen Hochschule in Rom studiert und wenigstens ein paar Jahre in der gemeindlichen Seelsorge gewirkt.
Das zur Verfügung stehende Personaltableau gibt wenig Anlass zur Hoffnung auf eine wirklich überraschende, hollywoodreife Wahl. Zwar wird die DBK in katholischen Medien immer wieder als zerstritten oder uneins beschrieben, aber es stehen sich keineswegs zwei gleich starke Lager gegenüber. Gut abzulesen ist das an der Menge der Bischöfe, die gemeinsam mit den Lai:innen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) auf dem Synodalen Weg unterwegs sind. Nur eine kleine Minderheit von vier bzw. nach dem Rücktritt von Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt nur mehr drei Ortsbischöfen verweigert (bisher) die Mitwirkung an den synodalen Folgeformaten Synodaler Ausschuss und Synodalkonferenz (Erzbischof Rainer Maria Woelki (Köln), Bischof Stefan Oster (Passau) und Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg)).
Glaubt man nicht zuletzt dem scheidenden DBK-Vorsitzenden Bätzing, ist die Bischofskonferenz sich bei der Mehrzahl der theologischen und politischen Themen ohnehin einig, nicht zuletzt in ihrem Gehorsam gegenüber Rom. Sehr wahrscheinlich wird also ein gemäßigt konservativer (Erz-)Bischof zu Bätzings Nachfolger gewählt, der glaubhaft Dialogfähigkeit in unterschiedliche Richtungen vermitteln kann.
Der DBK-Vorsitzende ist schließlich kein deutscher „Oberbischof“, sondern schlicht Sitzungsleiter und Sprecher der Bischofskonferenz – und vollständig an ihre Beschlüsse gebunden. Nach katholischem Kirchenrecht kommt ihm keine besondere Stellung unter seinen Brüdern im bischöflichen Amt zu. Gleichwohl wird er im (religions-)politischen Gefüge des Landes als der Sprecher der katholischen Kirche in Deutschland wahrgenommen. Gesucht wird unter den angegrauten Bischofshäuptern also nach einer Person, die in der (Medien-)Öffentlichkeit bestehen und pointiert formulieren kann, aber nicht zu eigensinnig ist.
Angesichts der zahlreichen Verstimmungen zwischen der Kirche in Deutschland und dem Vatikan in den vergangenen Jahren wird explizit nach einem Vorsitzenden verlangt, der „einen guten Draht nach Rom hat“, sehr gut Italienisch spricht und ein eigenes Netzwerk im Vatikan pflegt. Nach Bischof Bätzing aus dem beschaulichen Bistum Limburg wünschen sich nicht wenige Akteure zudem einen (Erz-)Bischof aus einem bedeutsameren (Erz-)Bistum: Jemanden, der innerkatholisch „was her macht“. „Seinen kirchlichen und gesellschaftlichen Einfluss muss sich der Vorsitzende“, so katholisch.de-Hauptstadtkorrespondent Steffen Zimmermann, „durch Führungs- und Vermittlungsfähigkeiten in der Konferenz, gute Kontakte in den Vatikan und eine überzeugende Präsenz auf den Bühnen der Öffentlichkeit erwerben“.

Die Deutsche Bischofskonferenz mit Generalsekretärin Beate Gilles im Herbst 2025 (Foto: DBK / Ralph Sondermann)
Habemus DBK-Vorsitzender!
Wie auch in der evangelischen Kirche gibt es um Spitzenämter in der römisch-katholischen Kirche offiziell keine Wahlkämpfe. Im Unterschied zu den evangelischen Geschwistern gibt es bei der Wahl zum DBK-Vorsitz nicht einmal öffentliche Wahlvorschläge und Kandidatenvorstellungen. Läuft alles nach Plan, wird sich der neue Vorsitzende am Dienstagmittag einer bis dahin ahnungslosen Öffentlichkeit präsentieren. Habemus Bischofskonferenzvorsitzender!
Gleichwohl wurde auf katholischen Fluren in den vergangenen Wochen über wenig anderes so intensiv diskutiert und gemunkelt wie über die Bätzing-Nachfolge. Wer kommt überhaupt infrage? Wer hat gute Chancen? Und welche Signale gehen von der Wahl aus?
Das passende Alter für das Amt bringen 18 Ortsbischöfe mit. Der bisherige Vorsitzende Bischof Bätzing hat sich selbst aus dem Spiel genommen, eine Reihe weiterer Bischöfe kommt wegen (vormaliger) Verwicklungen in Missbrauchs- und Aufarbeitungsskandale oder aufgrund von Erkrankungen oder anderen Beeinträchtigungen nicht infrage. Eine Wahl des rechtsoffenen Rudolf Voderholzer (Regensburg) durch die gemäßigt konservative Mehrheit der Bischofskonferenz kann ausgeschlossen werden. Auch wird das „Fallbeil“ des DBK-Vorsitzes wohl kaum auf einen Bischof herniedersausen, der mit dem Dienst als Ortsordinarius vollends ausgelastet oder gar überfordert ist.
Es verbleiben also im „Kandidatenkreis“: Erzbischof Herwig Gössl (Bamberg), Bischof Franz Jung (Würzburg), Erzbischof Stefan Burger (Freiburg), Bischof Peter Kohlgraf (Mainz), Bischof Heiner Wilmer (Hildesheim), Bischof Franz-Josef Overbeck (Essen), Bischof Bertram Meier (Augsburg) und Erzbischof Udo Bentz (Paderborn). Selbst viele Katholik:innen werden sich schwer damit tun, in einem Bischofsmemory alle Namen mit den passenden Gesichtern und (Erz-)Bistümern zusammenzubringen.
Die Eule hat sich in den vergangenen Wochen bei katholischen Akteur:innen umgehört und eine Vielzahl von jüngeren Auftritten der deutschen Bischöfe begutachtet. Ernsthafte Chancen haben demnach drei der (Erz-)Bischöfe.
Erzbischof Udo Bentz (Erzbistum Paderborn)
Kaum hatte Bischof Bätzing erklärt, er wolle nicht für eine zweite Amtszeit als DBK-Vorsitzender kandidieren, wurde Erzbischof Udo Bentz (58) als heißester Kandidat für seine Nachfolge gehandelt. Seit 2024 ist er Erzbischof von Paderborn, der (wohl) reichsten Diözese Deutschlands. Zuvor war er seit 2017 Generalvikar im Bistum Mainz. Wie es für römisch-katholische Bischöfe typisch ist, war Bentz einige wenige Jahre auch in der Seelsorge im Gemeindedienst tätig, bevor er ab 2007 zehn Jahre lang das Mainzer Priesterseminar leitete.

Erzbischof Udo Bentz (Foto: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn)
In Mainz war Bentz an der Beauftragung einer Missbrauchssstudie beteiligt, die seinem ehemaligen Mentor Kardinal Karl Lehmann massives Fehlverhalten bei der Bearbeitung von Missbrauchsvorwürfen nachwies. Bentz distanzierte sich vom inzwischen verstorbenen Lehmann, dessen persönlicher Sekretär er vier Jahre lang gewesen war: „Mein Bild von ihm ist zerbrochen … […] heute sehe ich Vieles kritisch“. Ansonsten wurde Bentz‘ Laufbahn, trotz herausgehobener Positionen als Regens und Generalvikar, vergleichsweise wenig durch den Missbrauchsskandal der Kirche überschattet.
Bentz werden sehr gute Verbindungen zur Christdemokratie nachgesagt, er sei ein „perfect fit“ für die derzeitige Bundesregierung. Die scharf-ablehnende Haltung der Bischofskonferenz gegenüber der AfD und einer Mitwirkung von AfD-Funktionären in den Bistümern teilt er ausdrücklich. Im Herbst 2025 war er bereits bei Papst Leo zur Audienz, Rom ist ihm nicht so fremd wie dem scheidenden DBK-Vorsitzenden Bätzing.
Angesichts der Missbrauchskrise seiner Kirche will er für eine „lernende Kirche, für Professionalisierung, für good Governance“ eintreten. Eine Abkehr vom eingeschlagenen Weg der Synodalität würde es mit Bentz also nicht geben. Auf dem Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland engagierte sich Bentz zeitweise als Moderator der Synodaltagungen, fiel aber ansonsten nicht mit programmatischen Positionierungen auf. Allerdings wird Bentz nicht, wie Bätzing, allein mit dem Reformerlager des Synodalen Weges assoziiert. Ausgiebige Solidaritätsgesten mit Kirchenreformgruppen sind von ihm nicht bekannt, allerdings gibt es in seinem Erzbistum eine queersensible Pastoral.
Unter Beobachter:innen der katholischen Kirche gilt Bentz als pragmatisch und dialogorientiert, sogar die rechtskatholische Tagespost lobt ihn als „maßhaltenden Kommunikator“. Gegen Bentz als neuen DBK-Vorsitzenden spräche allein, so der katholische Flurfunk, dass er den Posten vielleicht zu sehr wolle. Bentz könnte passieren, was bezüglich des römischen Konklaves gerne behauptet wird: „Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus.“
Bischof Franz-Josef Overbeck (Bistum Essen)
Bischof Franz-Josef Overbeck (61) gilt unter den deutschen Bischöfen als Intellektueller und „Linker“. Auch wenn man die typisch katholisch Sinnverschiebung solcher Begriffe mitbedenken muss, ist Overbeck ein prononcierter Vertreter des Lagers der Reformwilligen in der Bischofskonferenz. Dass die Synodalkonferenz als ein Ergebnis des Synodalen Weges inzwischen zumindest auf vatikanische Zustimmung hoffen darf, wird der ausgiebigen Vermittlungsarbeit Overbecks in den Vatikan-Büros zugeschrieben. Allerdings war am Rande der synodalen Weggemeinschaft auch zu hören, dass er sich damit in Rom nicht nur Freunde gemacht hat.

Bischof Franz-Josef Overbeck (Foto: Nicole Cronauge / Bistum Essen)
Nicht nur ist Overbeck an das Pendeln zwischen Deutschland und Rom gewöhnt, mit der Hauptstadt des Katholizismus verbindet ihn viel: Er hat in Rom studiert und dort von Kardinal Josef Ratzinger die Priesterweihe empfangen. Als Priester widmete sich Overbeck vor allem theologischen Studien, er wurde mit einer Arbeit über den evangelischen Theologen Wolfhart Pannenberg promoviert. Anschließend war er als Leiter des Instituts für Diakonat und pastorale Dienste und später als Weihbischof im Bistum Münster tätig.
Seit 2009 steht Overbeck dem Bistum Essen vor, das erst 1958 eingerichtet wurde und die kleinste Diözese Deutschlands ist. Das „Ruhrbistum“ liegt außerdem im Sterben, Dutzende von Kirchen wurden bereits geschlossen, in zehn Jahren wird es kaum mehr 50 Priester im Bistum geben. Seit 2011 ist Overbeck zudem katholischer Militärbischof. In dieser Funktion hat er sich, vor allem seit der Vollinvasion Russlands in der Ukraine 2022, als Unterstützer der „Zeitenwende“, Fürsprecher der militärischen Hilfen für die Ukraine und der Aufrüstung hervorgetan. Die neueren friedensethischen Stellungnahmen der Bischofskonferenz tragen seine Handschrift (s. hier, hier & hier in der Eule).
Overbeck steht für den AfD-kritischen Kurs der katholischen Kirche in Deutschland und hat sich in den vergangenen Jahren für zahlreiche liberale Anliegen wie den Frauendiakonat, die Anerkennung von LGBTQI+ und die Lockerung des Pflichtzölibats ausgesprochen. Eine Wahl Overbecks zum DBK-Vorsitzenden würde also maximale Kontinuität zu Bätzing bedeuten. Allerdings müsste sich die katholische Kirche in Deutschland dann nach einem neuen Militärbischof umschauen. In diesem Amt hat sich Overbeck in der Truppe und in der Politik hohes Ansehen erworben.
Gegen eine Wahl Overbecks zum DBK-Vorsitzenden spricht neben seiner einseitigen Verortung im „Reformer“-Lager, die ihn für konservativere Akteure zur persona non grata machen, allein sein dem Vernehmen nach gelegentlich arrogantes Auftreten: Overbeck sei in den meisten Gesprächsrunden der schlauste Teilnehmer, sich dessen aber leider auch sehr sicher, beklagen auch solche Akteur:innen, die ihm kirchenpolitisch nahe stehen.
Bischof Heiner Wilmer (Bistum Hildesheim)
Es ist noch nicht lange her, da war Bischof Heiner Wilmer (64) der Darling der liberal gesinnten Katholik:innen. Der frische Bischof von Hildesheim machte 2018 mit seinem Diktum, der Machtmissbrauch liege „in der DNA der Kirche“, den Reformer:innen in seiner Kirche gehörig Hoffnung. Allerdings bescherte der Satz ihm auch die nachhaltige Ablehnung durch das traditionalistisch gesinnte Lager. Geschickt, geradezu charmant bewegte sich Wilmer in jenen katholischen Milieus, die seit der Missbrauchskrise mit ihrer Kirche fremdeln.

Bischof Heiner Wilmer (Foto: Gossmann / bph)
In den Jahren seither ist es um den ehemaligen Generaloberen der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester ruhiger geworden. In den Mühen der Ebene zwischen Strukturreformen und Kürzungsdebatten in seinem Bistum ist Wilmers Charme ein wenig erloschen. Das Bistum Hildesheim zählt gut eine halbe Million Katholik:innen und ist eine der ältesten Diözesen in Deutschland. Lai:innen-Vertreter seines Bistums bezeichnen ihn als „Brückenbauer“. Zuletzt öffnete Wilmer sein Herz jedenfalls ein wenig auch gegenüber rechtskatholischen Akteuren (wir berichteten).
Trotzdem er sich zuletzt aus den Niederungen der römisch-katholischen Reformdebatten merklich herausgehalten hat, wird man Wilmer nach wie vor zur reformwilligen Mehrheit der Bischofskonferenz zählen können. Als Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax (2019-2024) und seit 2022 als Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Bischofskonferenz prägt er deren Positionen gegenwärtig eher im Hintergrund. Engagiert hat er sich dem Vernehmen nach für die überaus kritische Stellungnahme der Bischofskonferenz zur AfD von 2024, die er ausführlich verteidigt. Gleichwohl schreckt er auch vor Debatten mit der politischen Rechten nicht zurück.
Anders als die überbordende Mehrheit seiner Brüder im Bischofsamt und Mitbewerber hat Wilmer in seiner Karriere nur wenig Erfahrung mit der Kirchenverwaltung oder in diözesanen Leitungsämtern gesammelt. Als Theologe, Lehrer und Buchautor bewegte er sich zumeist auf der Grenze zwischen Kirche und der übrigen Gesellschaft. Einige Jahre lebte er in Rom und arbeitete zudem auch in Kanada und den USA. Gerne zieht er, wie hier im Deutschlandfunk-Interview, große Linien. Er gilt als Talkshow-tauglich und außergewöhnlich sprachfähig in gesellschaftlichen und theologischen Fragen.
Für „höhere“ Aufgaben war Wilmer in der Franziskus-Zeit immer wieder im Gespräch, sei es eine Ernennung zum Kardinal oder eine Verwendung in Rom als Chef eines der vatikanischen Dikasterien (z.B. für das Glaubensdikasterium, ehem. Glaubenskongregation). Eine große Personal-Rochade im Vatikan, während der er zum Zuge hätten kommen, ist nach der Wahl des neuen Papstes bisher ausgeblieben. Allein seinen ehemaligen Posten als Leiter des mächtigen Bischofsdikasteriums hat Robert F. Prevost / Leo XIV. mit dem Karmeliten Filippo Iannone besetzt. Der Augustiner Leo hat, laut zahlreichen Vaticanista, eine Vorliebe für Ordensgeistliche, wenn es um die Besetzung von wichtigen Posten geht.
Der „Wilmer-Buzz“ fällt vor der diesjährigen Wahl des DBK-Vorsitzenden im Vergleich zu früheren Zeiten und vermeintlichen Karrierechancen geringer aus. Das könnte Wilmer allerdings zum Vorteil gereichen. Nichts ist innerkirchlich schädlicher, als den Eindruck zu erwecken, man strecke sich allzu sehr nach einem Amt (s. Bentz). Ein katholischer Bischof, so entspricht es nach wie vor der Selbstdarstellung der Oberhirten, sei vor allem Diener oder – wie es im Bischofswahlspruch Wilmers heißt – „Gehilfe zu eurer Freude“.
Sie wär’n gern Gewinner, statt ständig zu verlier′n
Die Bischofskonferenz will raus aus der Selbstbeschäftigung à la Synodaler Weg, die schlechten Schlagzeilen der Missbrauchsskandale hinter sich lassen und versöhnter auftreten als in den vergangenen Jahren. Der Fokus soll auf der fröhlicheren Kommunikation des Glaubens, der Einheit der Kirche und der Wahrung des noch bestehenden gesellschaftlichen und politischen Einflusses der Kirche liegen. Gesucht wird also eine Person, die sich im Fernsehen, im Vatikan und auf dem Parkett der Hauptstadt zu bewegen weiß.
Rein alterstechnisch hat jene Generation von Ü55-jährigen (Erz-)Bischöfen, die nun „zur Wahl steht“, nur noch wenig mit den Hochzeiten von Vertuschung und Vernebelung vor 2010 zu tun, wenngleich es natürlich weiterhin Kontinuitäten gibt und der Kritik aus bischöflichem Munde an den systemischen Ursachen des Missbrauchs nur zögerlich Taten folgen. Die Reform-Bilanz aller (Erz-)Bischöfe in ihren (Erz-)Bistümern fällt bestenfalls gemischt aus. Gesucht wird darum nicht zuletzt ein DBK-Vorsitzender, der Stillstand fischelant als Fortschritt verkaufen kann.
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