Die Die Eule Eule

Weg gehen? – Die #LaTdH vom 11. September

Eindrücke vom Synodalen Weg. Außerdem: Rückblicke auf die ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe und guter Unterricht.

Herzlich Willkommen!

Ein „Reformprozess“ als „letzte Chance“ für die römisch-katholische Kirche oder eine „Beteiligungssimulation“ und „Partizipationsattrappe“ nach altbekanntem Muster? Für beide Einschätzungen wurden bei der 4. Vollversammlung des „Synodalen Weges“ in der vergangenen Woche in Frankfurt wieder reichlich Argumente geliefert.

Das muss sich nicht einmal widersprechen, denn es bleibt weitgehend unklar, wie genau man sich denn einen „synodal reformierten Rom-Katholizismus“ vorzustellen habe, und welche konfessionellen Identitätsmarker und theologischen „Essentials“ unverändert bleiben sollen. Hoffnungsvollen Erwartungen auf langersehnte Kirchenreformen stehen Warnungen vor Preisgabe von Glaubenswahrheiten und die Furcht vor einer Kirchenspaltung gegenüber.

„Es bleibt spannend“, könnte man formulieren – wenn sich noch eine relevante Anzahl von Menschen für solche binnenkirchlichen Diskurse interessieren würde. Selbst unter den bisher hochengagierten Gläubigen und in den „Kernmilieus“ der früheren „Volkskirche“ entscheidet man sich allerdings immer öfter dafür, wegzugehen als weiter auf Fortschritte auf „synodalen Wegen“ zu hoffen …

Einen guten Start in die neue Woche wünscht
Ihr Thomas Wystrach


Debatte

Die 4. Synodalversammlung des Synodalen Weges in Deutschland (@DerSynodaleWeg) ist am Samstag mit einer Reihe von Beschlüssen zu Ende gegangen. Neben dem Auftrag, einen „Synodalen Ausschuss“ zu gründen, der den „Synodalen Rat“ für die römisch-katholische Kirche in Deutschland vorbereiten soll, wurden der Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ sowie die Handlungstexte „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“ und „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ in zweiter Lesung mit großer Mehrheit beschlossen.

In erster Lesung (also zur weiteren Bearbeitung) wurden die Texte „Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt“, „Enttabuisierung und Normalisierung – Voten zur Situation nicht-heterosexueller Priester“ und „Verkündigung des Evangeliums durch Frauen in Wort und Sakrament“ angenommen.

Gestartet war die Versammlung am vergangenen Donnerstag mit einem Eklat: Der Grundtext „Leben in gelingenden Beziehungen – Grundlinien einer erneuerten Sexualethik“ erreichte nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit der Bischöfe.

Weg am Ende? – Ingo Brüggenjürgen (Domradio)

Von einem „echten Paukenschlag“ spricht Ingo Brüggenjürgen, Chefredakteur des Domradio (@domradio). Trotz 33 Ja-Stimmen könne man nicht von einer „Mehrheit der Bischöfe“ sprechen, die hinter dem Dokument stehen, denn von 69 in der Deutschen Bischofskonferenz zusammengeschlossenen Oberhirten hätten 21 dagegen gestimmt, drei enthielten sich, drei beteiligten sich nicht an der Abstimmung, neun Bischöfe waren erst gar nicht angereist:

Bei Thema Sexuallehre können noch so viele bunte Regenbohnenfahnen von Kirchtürmen wehen, die Hälfte der katholischen Bischöfe bleiben in Deutschland bei ihrer ganz eigenen Weltsicht, treu dem Katechismus der Weltkirche. Sie können den Synodalen Weg in diesem Punkt nicht mitgehen.

Das gleich alle Bischöfe aus Köln ihre Zustimmung verweigerten, macht auch den Weg aus der Krise im Erzbistum nicht einfacher. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch die Frage, ob der gemeinsame Weg nicht am Ende ist, wenn die Hälfte der Bischöfe bei wichtigen Grundlagentexten nicht mitgehen kann oder will.

Die große Überraschung darüber, dass die Bischöfe mit ihrer Sperrminorität Änderungen an der kirchlichen Sexualmoral abgelehnt hätten, erklärt der Journalist Philipp Gessler (@PhilippGessler) im Deutschlandfunk-Interview bei Christiane Florin (@ChristianeFlori) mit der besseren internen Organisation der reaktionären bzw. konservativen Kräfte.

„Wir sind ins offene Messer gelaufen“ – Michael Schrom (Publik-Forum)

Das „Reformprojekt Synodaler Weg steht vor der Selbstauflösung“, prophezeite Michael Schrom in seinem Beitrag auf der Website von Publik-Forum (@publikforum), der erkennbar unter dem Eindruck des Eklats vom Donnerstagabend geschrieben wurde:

Jetzt rächt sich, dass der Vorsitzende der DBK nicht genau wusste oder nicht genau wissen wollte, wie seine Amtsbrüder in dieser entscheidenden Frage denken. Wie konnte er nur so naiv sein? Auch viele Synodale fragen sich das. Bettina Zenner bringt ihre Wut auf den Punkt: „Wir sind ins offene Messer gelaufen“.

Aber der schlimmere Fehler liegt in der Vergangenheit. Es war ein Webfehler bei der Verfassung des Synodalen Wegs, etwaigen Totalverweigerern unter den Bischöfen überproportional viel Macht zuzusprechen.

Abgelehnter Text zur Sexualmoral: Ein bitterer Schlag ins Kontor – Hans-Joachim Sander (katholisch.de)

Die Ablehnung des Textes zur Sexualmoral durch die Bischöfe sei ein bitterer Schlag ins Kontor des Synodalen Wegs, kommentiert Hans-Joachim Sander, Professor für Dogmatik an der Universität Salzburg, auf @katholisch_de. Nach Einschätzung des Theologen ging es dabei nicht um die Inhalte, die eingebracht und kontrovers debattiert wurden, sondern um Macht:

Demonstriert wurde mit der Sperrminorität, die natürlich regelkonform zustande kam, die Macht einer prinzipiellen Ablehnung, so kirchlich nicht weiter machen zu dürfen wie bisher. (…) Daher hilft kein Deuteln: Dieser Text wurde von einer sachlich zu diskursivierenden Auseinandersetzung über ein sehr wichtiges und sehr kontroverses Feld des menschlichen Lebens zu einer Machtdemonstration. Mit dem Ziehen der Sperrminorität wurde deutlich, wer das Sagen hat.

Bischöflicher Gesichtsverlust – Burkhard Hose (Sinn und Gesellschaft)

Der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose (@HoseBurkhard), einer der Initiatoren von #OutInChurch, erinnert in seinem Beitrag für den Blog Sinn und Gesellschaft (@SinnundGes) daran, dass das gemeinsame Coming-Out von kirchlichen Mitarbeitenden im Januar 2022 auch ein Angebot an die Bischöfe gewesen sei.

Die Botschaft war klar: Wir stehen nicht mehr für eure diskriminierende Lehre zur Verfügung, aber wir geben Euch die Möglichkeit umzudenken, Angst und Diskriminierung zu beenden und mit uns gemeinsam wieder den Blick auf die Botschaft freizumachen, die uns so am Herzen liegt. Wir haben die Kraft, aber nur ihr habt die Macht zur Veränderung. Es liegt in eurer Verantwortung. Lob und nette Worte reichen nicht.

Mit dem Abstimmungsverhalten am ersten Tag der vierten Synodalversammlung kam jetzt die eigentliche Antwort auf #OutInChurch. […] Ein Schlag ins Gesicht, das wir euch doch zugewandt hatten.

Die ewige Langmut der Laien rettet die Bischöfe – Markus Nolte (Kirche + Leben)

In seinem Kommentar für Kirche + Leben äußert Chefredakteur Markus Nolte (@MarkusDNolte) sein Unverständnis für die „ewige Langmut der Laien“, die die Bischöfe gerettet habe. Dass wieder einmal „Entschleunigung“ und mehr Zeit reklamiert wurden, sei kaum nachvollziehbar, wo doch zwölf Jahre nach dem Skandal um das Canisius-Kolleg, vier Jahre nach Erscheinen der MHG-Studie und drei Jahre nach Beginn des „Synodalen Weges“ alle wichtigen Texte lange genug zu lesen, zu kommentieren und zu verändern gewesen seien:

Hier aber endet das Hohelied auf die Langmut der Laien. Längst nämlich bleiben Menschen auf der Strecke, werden wieder und wieder verletzt. Wo Langmut zudem falsche Rücksichtnahme oder Feigheit oder falsches Spiel ummäntelt, lässt sie sich ausnutzen. Und die alte Macht gewinnt. Es ist an den Bischöfen, die Langmut der Laien nicht länger zu strapazieren. Wer von einem Lernpozess Synodalität spricht, muss auch seine Hausaufgaben machen.

Ein neues Leitungsgremium aus Laien und Bischöfen soll künftig über zentrale Fragen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland beraten. Der Frankfurter Theologieprofessor Bernhard Emunds (@EmundsFfm) sprach von einer „kleinen kulturellen Revolution“ – ohne dass die „bischöfliche Verfassung“ dadurch gefährdet sei …

Synodaler Weg schwankt zwischen Bangen und Hoffen – Ludwig Ring-Eifel (KNA)

Emotionale Debatten, verbale Angriffe gegen die konservative Minderheit und Jubel nach Abstimmungen – es ging hoch her bei der Vollversammlung des Synodalen Wegs, stellt Ludwig Ring-Eifel (@LudwigRingEifel), langjähriger Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (@KNA_Redaktion) in seiner Bilanz fest.

Hinzu kam ein überraschendes Manöver, das der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, einführte: Vor jeder heiklen Abstimmung rief er die Bischöfe zu einer separaten 20-minütigen Beratung hinter verschlossenen Türen zusammen. Nach dieser von einem Teilnehmer ironisch als „Trainer-Ansprache in der Kabine“ bezeichneten Unterbrechung kehrten die Bischöfe ins Plenum zurück – und in keinem Fall gab es danach eine blockadefähige Zahl von bischöflichen Nein-Stimmen.

Damit und durch einige grundsätzliche Redebeiträge im Plenum beeinflusste der bischöfliche Ko-Präsident des Synodalen Wegs den Verlauf der Versammlung entscheidend. Es gelang ihm, die nach dem Eklat des ersten Tages aufgebrochenen Animositäten zu besänftigen und nahm auch konservative Mitbrüder gegen polemische Kritik in Schutz.

Der Prozess hält, was er verspricht – Philipp Greifenstein (Die Eule) 

Nicht mehr, aber auch nicht weniger als der Synodale Weg versprochen hat, haben die Synodalen während der vierten Synodalversammlung in Frankfurt geliefert, so das Fazit von Philipp Greifenstein (@rockToamna) hier in der Eule. Die Ablehnung des Grundtextes durch die Bischöfe allein auf die Missachtung queerer Lebensformen zurückzuführen, hält er für zu kurz gesprungen:

Auch die Qualität des Textes, die Präsentation vor der Versammlung und vor allem die Gleichrangigkeit so unterschiedlicher und unterschiedlich kontroverser Themen im Dokument haben eine Rolle gespielt. Hinzu kommen Formalia der Sitzungsgestaltung, über die im Nachgang dieses Wochenendes auch zu reden sein wird. (…)

Es geht, so sieht es die Satzung des Synodalen Weges vor, nicht ohne die Bischöfe. Außenstehenden und nicht-katholischen Beobachter:innen ist es schwer begreiflich zu machen, warum ein kleiner Kreis älterer, weißer, zölibatär lebender Herren eine solche Machtfülle genießt, aber es ist nun einmal so.

Das ZdK hat diesem Verfahren 2019 zugestimmt, das neben einer 2/3-Mehrheit der gesamten Versammlung auch eine 2/3-Mehrheit der anwesenden Bischöfe für die Verabschiedung eines Antrages vorsieht. So ungerecht das alles klingen mag: Es entspricht dem verabredeten Prozess.

Synodaler Weg fasst wieder Tritt – Jürgen Erbacher (ZDF)

Mit der Verabschiedung des Textes zur „Rolle der Frau“ in der Kirche habe der Synodale Weg wieder in die Spur zurückgefunden, kommentiert Jürgen Erbacher (@JuergenErbacher) im ZDF-Blog „Papstgeflüster“:

Am Freitagabend war den Synodalen die Erleichterung anzumerken, dass nach dem Desaster vom ersten Tag, der Synodale Weg wieder Tritt gefasst hat. Doch überwunden ist die Krise noch lange nicht. Der Schock vom Auftakt der vierten Synodalversammlung sitzt tief, ebenso der Vertrauensverlust gegenüber den Bischöfen.

„Wir passen oft nicht in diese Blase“ – Interview mit Johannes Norpoth (Domradio)

Johannes Norpoth, Sprecher des Betroffenenbeirates der Deutschen Bischofskonferenz, kritisiert im Interview mit dem Domradio, von Missbrauch in der Kirche Betroffene sähen viel Ergriffenheit und wenig Mitarbeit, sowohl in der DBK als auch beim ZdK:

Wenn es aber in die klassische Sitzungsarbeit geht, dann fehlen tatsächlich die Betroffenen, weil wir nicht in diese Blase passen. Wir bringen das System zum Schwingen. Wir heben regelmäßig den Spiegel auf und halten ihn vor, denn das, muss man ehrlicherweise sagen, hat auch Professor Großbölting in Münster festgestellt. Es gibt diesen Klerikalismus der Basis. Also, die Frage der Verantwortung der Laien ist noch nicht ganz angekommen. Aber wir sind uns bewusst, dass das einerseits noch ordentlich viel Arbeit ist.

Unmittelbar vor Beginn der Synodalversammlung hatte Norpoth in einem Gastbeitrag (€) für die Zeitschrift Publik-Forum (@publikforum) darauf hingewiesen, dass ausgerechnet die Gruppe der Betroffenen sexualisierter Gewalt, der Opfer und Überlebenden des Missbrauchs in der Kirche, nicht mitstimmen dürfe:

Jetzt, in einer Phase, in der zunehmend die Beschlusstexte vor der endgültigen Verabschiedung stehen, sieht sich das Reformprojekt regelmäßig dem Vorwurf ausgesetzt, der Missbrauch würde missbraucht. Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf nicht. Betrachtet man nur singulär die Themensetzungen und deren Historie im innerkatholischen Diskurs, dann kann sich solch ein Eindruck tatsächlich verfestigen, auch wenn er sachlich falsch ist.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (@bdkj) begrüßt in einem Statement die Entscheidungen der 4. Synodalversammlung als „kleine aber wichtige Schritte“ und bemängelt die „Verweigerungshaltung“ einiger Bischöfe, die ihre Amtsmacht ausnutzten, um weiter zu blockieren. Dies bestärke den BDKJ darin, sein Engagement für die dringend benötigten Reformen zu intensivieren und nicht mehr auf „Zustimmung aus Rom“ zu warten.

nachgefasst

Karlsruher Kirchendiplomatie – Stephan Kosch (zeitzeichen)

Die 11. Vollversammlung des Weltkirchenrates (@Oikoumene) ist mit zahlreichen Abschlusserklärungen zu Ende gegangen. Auch zu den beiden politisch besonders aufgeladenen Themen Ukraine und Israel fand die Kirchendiplomatie konsensfähige Formulierungen, die mit Blick auf den Nahen Osten aber auch den weiter bestehenden Dissens beschrieben.

„Grauenhaftes Dokument“ – Jehoschua Ahrens (Jüdische Allgemeine)

In der Jüdischen Allgemeinen kritisiert Rabbiner Jehoschua Ahrens den Nahost-Beschlüss der Vollversammlung scharf. Dabei geht es ihm nicht allein um die Verwendung des Apartheid-Begriffs, der im Dokument eingeschränkt wurde und den sich der ÖRK ausdrücklich nicht offiziell zu eigen machte. Ahrens entsetzt, dass das Dokument den Eindruck erwecke, „Israel [sei] alleine Schuld an der Misere der Christen in Nahost“. Er sieht auch Herausforderungen für den jüdisch-christlichen Dialog:

Die Debatte hat offengelegt, wie belastend das Thema für den christlich-jüdischen Dialog in Deutschland geworden ist. Jüdische Kritiker des Dialogs werden sich einmal mehr in ihrer Ablehnung bestätigt fühlen: Warum sollten wir Jüdinnen und Juden mit Kirchen im Dialog sein, die Israel mit Apartheid und Kolonialismus gleichsetzen? Wenn es die Kirchen mit einem Dialog auf Augenhöhe ernst meinen, dann müssen sie sich hier klar und unmissverständlich positionieren. Sie werden sich mit diesem »heißen Eisen« auch theologisch beschäftigen müssen.

Versöhnung vom Rande her – Kerstin Söderblom (evangelisch.de)

Queere Christ:innen aus der ganzen Welt haben aktiv an der Vollversammlung des ÖRK teilgenommen, Gesicht gezeigt und sich für Respekt, Gleichberechtigung und Versöhnung eingesetzt. Kerstin Söderblom (@KSoederblom) stellt im Blog „kreuz & queer“ auf @evangelisch_de die Gruppe der Rainbow Pilgrims (@PilgrimsKA2022) vor, die eine Art „Miniatur-Weltkirchenrat“ mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, Glaubenstraditionen und Konfessionen abbilden:

Die Rainbow Pilgrims werden sich auch weiterhin im Rahmen des ÖRK dafür einsetzen, dass Konflikte, Diskriminierungen und spirituelle Gewalt gegenüber queeren Gläubigen und gegenüber anderen Minderheiten benannt, theologisch reflektiert und beendet werden. Denn Versöhnung kann nur gelingen, wenn sich alle für Gerechtigkeit einsetzen, ohne Minderheiten auszulassen.

Wo bleibt die Glaubwürdigkeit? – Christian Wolff (Blog)

Während auf der Vollversammlung des Weltkirchenrats die dramatischen Folgen des Klimawandels, der Nahost-Konflikt und die Grundrechte von indigenen Bevölkerungen ebenso zur Sprache kamen wie der Ukraine-Krieg, sei es in Karlsruhe zu keinem Gespräch zwischen Vertretern der russisch-orthodoxen Kirche und der orthodoxen Kirche der Ukraine gekommen, „auch nicht den Hauch einer Friedensgeste“, kritisiert Christian Wolff (@Chriwo49) in seinem Blog-Beitrag:

So bitter es ist: Die christlichen Kirchen haben es bis jetzt nicht vermocht, den biblischen Auftrag zum Frieden wenigstens zeichenhaft zu verdeutlichen. (…) Solange dies so bleibt und solange die Kirchen ihr Reden und Handeln nicht an ihrem eigenen Glaubensgut ausrichten, werden sie sich weiter in der Spirale eines dramatischen Glaubwürdigkeitsverlustes verheddern und der „säkularen Welt“ wenig zu sagen haben.

Buntes

Nach 70-jähriger Regierungszeit ist Königin Elisabeth II. am vergangenen Donnerstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Unzählige Kirchen- und Religionsvertreter aus aller Welt würdigten die britische Monarchin .

Verteidigerin des Glaubens – Philipp Greifenstein (Die Eule)

Die verstorbene Königin war auch Oberhaupt der Church of England (@churchofengland) mit dem Ehrentitel „Verteidigerin des Glaubens“ – und eine öffentlich glaubende Christin, wie Philipp Greifenstein in seinem Nachruf in der Eule betont:

Die weltweite Trauer um die Queen ist vielleicht auch deshalb so herzlich, weil mit ihr nicht allein ein Staats- und Kirchenoberhaupt gestorben ist, sondern in der Tat eine spiritual grandmother für viele Menschen.

Gesicht und Stimme der Gedächtniskirche – Ulrike Bieritz im Gespräch mit Martin Germer (rbbKultur)

17 Jahre hat der evangelische Pfarrer Martin Germer die Geschicke der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (@KWGBerlin) in Berlin mitbestimmt, jetzt ist er in den „Ruhestand“ getreten. Er hat die Kirche und damit auch die City West geprägt, sich in aktuelle Debatten eingemischt und war immer für die Menschen da – die Gemeindemitglieder genauso wie die Touristen, die Fußballfans und Feuerwehrleute, mit denen er besondere Gottesdienste feierte (vgl. auch die #LaTdH vom 8. Mai 2022). Ein langes, lohnenswertes Interview, das Ulrike Bieritz von rbbKultur (@rbbKultur) mit ihm geführt hat, ist in der ARD-Audiothek nachzuhören.

Theologie

Leben in Krisenzeiten: Was kann der Religionsunterricht beitragen? – Claudia Gärtner (rpp-katholisch.de)

Klimawandel, Ukraine-Krieg, Corona-Pandemie: Gerade junge Menschen sind heute mit vielfältigen Krisen konfrontiert. Claudia Gärtner (@ClaudiaGartner2), Professorin für Praktische Theologie an der TU Dortmund, beschäftigt sich mit religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung. Im Interview mit dem Religionspädagogischen Portal @rpp_katholisch macht sie sich für einen stärker politisch ausgerichteten Religionsunterricht stark und zeigt, welche Ressourcen das Fach für ein Leben in und mit Krisen birgt:

Bei dem einen geht es vielleicht um die Teilhabe an politischen Prozessen und selbstgewählten Verzicht. Bei dem anderen steht eher die Frage im Raum, welche Ressourcen er oder sie braucht, um einigermaßen gesund und gut leben zu können. Wir müssen also verstärkt die Diversität der Schüler:innen in den Blick nehmen. (…)

Wie für die Schüler:innen gelte auch für die Lehrer:innen, es sei wichtig, sich gemeinsam als potenziell politische Akteure zu verstehen:

Denn auf einer individualisierten Ebene funktioniert die sozial-ökologische Transformation nicht. Das sehen wir jetzt auch gerade wieder: Wir sollen alle individuell in unseren Wohnungen Energie sparen. Das ist auch gut und richtig. Aber es bedarf eben auch einer kollektiven Anstrengung, es braucht gesellschaftliche und ökonomische Regelungen und Veränderungen.

Zweck ohne Sinn: Woran unser Bildungssystem krankt und was die Kirchen dagegen tun könnten – Ingo Reuter (zeitzeichen)

Deutschland, das einstige „Land der Dichter und Denker“ sei mittlerweile zu einem bildungsfeindlichen Staat mutiert, kritisiert Ingo Reuter (@ReuterIngo), der seit 27 Jahren Religion an Gymnasien unterrichtet, in seinem Beitrag in zeitzeichen (@zeitzeichenNET). Der Professor für Religionspädagogik und Praktische Theologie fordert von den Kirchen, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen, beispielhaft mit eigenen Schulen und gleichzeitig mit Interventionen bei der Politik:

Schön also, dass es exemplarische Gegenentwürfe der Praxis gibt, christliche Schulen, die mehr Sinn in der Bildung erkennen können, als neoliberales Zweckdenken zu bedienen. Allerdings: Eine immer weiter gehende Aufspaltung des Schulsystems in private Schulen mit humaneren Konzepten und besserer Ausstattung und auf der anderen Seite durchökonomisierten staatlichen Schulen ohne zureichende Basisausstattung kann eigentlich keine wünschenswerte gesellschaftliche Entwicklung sein. (…)

Nur wenn gesellschaftliches Leben neu gedacht wird, als Sinngesellschaft und nicht als kapitalistische Produktionsmaschine, dann kann sich auch für öffentliche Schulen etwas ändern.

Predigt

Jesus geht den verlorenen Menschen nach – Ulrike Soegtrop (Kirche + Leben)

Dass Jesus mit Zöllnern und Sündern Tischgemeinschaft hat und sie auf diese Weise aufwertet, erscheint den Pharisäern und Schriftgelehrten als Skandal. Ihnen erzählt Jesus im heutigen Tagesevangelium (Lk 15, 1–32) drei Gleichnisse: das vom verlorenen und wiedergefundenen Schaf, das von der verlorenen und wiedergefundenen Drachme und das vom barmherzigen Vater.

Täter und Opfer sitzen am selben Tisch – das ist oft kaum auszuhalten, sagt Schwester Ulrike Soegtrop OSB in ihrer Auslegung des Schrifttextes:

Wie mag es demjenigen gehen, der vom Zöllner ausgenommen worden ist und nun neben ihm sitzt? Wie mag es all jenen Opfern von Ausbeutung und Missbrauch gehen, die bei Jesus Zuflucht und Schutz, Verständnis und Heilung gesucht haben und erleben müssen, dass seine Zuwendung nicht nur ihnen gehört, sondern auch den Tätern? (…)

Wir merken: Es ist nicht so einfach, nach jesuanischen Maßstäben von Sündern, Tätern und Opfern zu reden. Genau das ist gut so. Nicht umsonst gibt es dafür eine staatliche Gerichtsbarkeit. Nichts spricht dagegen, dass Jesus genau diese gewollt hätte. Denn auch das lehrt die Geschichte: Erst muss das goldene Kalb zu Staub werden, bevor das Volk Israel mit seinem Gott einen neuen Anfang machen kann.

Ein guter Satz

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