Die Die Eule Eule

Suchen

Geteilte Hoffnung – Die #LaTdH vom 4. April

Die Juden feiern das Pessach- und viele Christen das Osterfest als Erinnerung an Befreiung und Erlösung mitten in der Corona-Pandemie. Außerdem: Zukunftsfragen und ein Boomerang.

Herzlich Willkommen!

An diesem Wochenende endet das jüdische Pessachfest und begehen viele Christ:innen das Osterfest (nicht alle, die Orthodoxen feiern am ersten Maiwochenende). Es ist das zweite Pessach und Ostern, das hierzulande während der Corona-Pandemie gefeiert wird. Für die jüdischen und christlichen Gemeinden ist das an der Oberfläche eine organisatorische Herausforderung, ob und wie Gottesdienste und Familienfeiern gestaltet werden können.

Aber es geht um mehr: Die Feste verändern nicht plötzlich ihren Gehalt, doch werden sie im Kontext der globalen Krise wahrgenommen. Als Störung, als womöglich un-zeitige Erinnerung an Befreiung und Erlösung, als optimistisches Hoffnungszeichen. „Der Ostermorgen bringt nicht die Erfüllung aller Wünsche, aber einen neuen Anfang“, habe ich in den mit „Geduld“ überschriebenen #LaTdH zum Osterfest 2020 geschrieben. Pessach und Ostern sind leise und laute Trotzdems. Erinnerungen daran, dass eine bessere, eine gute Zukunft möglich ist.

Gesegnete Feiertage wünscht
Philipp Greifenstein


Debatte

Alles hat seine Zeit – Josef Schuster (Jüdische Allgemeine)

Wie fühlt es sich an, das zweite Pessach der Corona-Zeit? Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, stellt in seiner Botschaft zum Fest in der Jüdischen Allgemeinen (@JuedischeOnline) die Corona-Pandemie in den weiten Horizont der Geschichte Gottes mit seinem Volk und der jüdischen Tradition:

Pessach veranlasst uns dazu, in größeren Zusammenhängen zu denken, in viel weiteren Zeiträumen, als es ein Menschenleben umfasst. Es zeigt uns die Relation zu unserer Gegenwart. Und damit relativiert es auch unsere Gegenwart. Es geht nicht darum, die aktuellen Ängste von in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedrohten Menschen, andere Probleme oder gar den Tod vieler Menschen durch Covid-19 kleinzureden. Doch unsere Tradition hilft uns, mit Demut auf die Gegenwart zu schauen. Dann stellt sich Dankbarkeit darüber ein, dass wir medizinisch so gut versorgt sind, dass sehr vielen Covid-Patienten geholfen werden kann. Dankbarkeit dafür, dass so schnell Impfstoffe entwickelt wurden.

Bundespräsident: „Raufen wir uns alle zusammen“ (Deutsche Welle)

In seiner zweiten außerplanmäßigen TV-Ansprache während der Corona-Pandemie wendet sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Bevölkerung und Politik gleichermaßen und fordert eine neue Klarheit der Corona-Maßnahmen sowie eine gemeinsame Kraftanstrengung.

Steinmeier räumte in seiner Ansprache eine „Krise des Vertrauens“ ein und Fehler beim Testen, Impfen und der Digitalisierung. „Nach 13 Monaten helfen Durchhalteparolen nicht weiter. All die Appelle zu Geduld und Vernunft und Disziplin werden stumpf in diesen zermürbenden Zeiten.“

Man kann in diese Reihe der Appelle auch die stumpfgewordene Beschwörung von „Zuversicht“ stellen, die von beiden Kirchen zu den großen christlichen Festen während der Pandemie wiederholt werden. Man wünscht sich mehr, und darf konkretere und zugreifendere Rede von den leitenden Geistlichen erwarten, wie ich zu Karfreitag in den zeitzeichen (@zeitzeichenNET) geschrieben habe. Bundespräsident Steinmeier versucht sich jedenfalls (auch) an einer Osterbotschaft:

Vor einigen Monaten nach der ersten Corona-Welle habe man sich schon „mit Genugtuung als Pandemieweltmeister“ sehen wollen. „Heute überbieten wir uns geradezu in Schwarzmalerei.“ Er frage sich: „Warum muss es in Deutschland eigentlich immer der Superlativ sein – himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt?“ Die Wahrheit sei: Man sei nicht Pandemieweltmeister, aber auch nicht Totalversager. „Wir zweifeln viel, aber wir können auch viel. Und aufs Können, nicht aufs Zweifeln, kommt es jetzt an.“ Der Bundespräsident appellierte: „Haben wir doch Vertrauen in uns, und geben wir acht aufeinander!“

Ach ja, das Vertrauen! In den vergangenen Tagen haben vor allem jene Bürger:innen an Vertrauen in „die Politik“ eingebüßt, die sich eine konsequente Pandemiebekämpfung, inkl. eines Wellenbrecher-Lockdowns, nicht „wünschen“, aber doch aus Vernunftgründen erhoffen. Sollte das Zögern der Politik ernstlich an der Ehrfurcht vor dem Osterfest mit seinen Gottesdiensten und Familienbesuchen liegen? Obwohl doch damit flächendeckend eben „Hygienegottesdienste“ gemeint sind und sehr viele Familien auf Besuche verzichten, um nicht auf den letzten Metern der Pandemie einzureißen, was mit viel Kraft, Geduld und Verzicht erkauft wurde?

Oder könnte es sein, dass „die Politik“ nach der sog. „Flüchtlingskrise“ 2015 und dem neuerlichen Aufkommen des Rechtsradikalismus seit 2014 ein drittes Mal die Orientierung verloren hat, und das Geschäft der Hetzer miterledigt? Wenn ja, ist das Absicht oder einfach nur bestürzender Inkompetenz und Beratungsresistenz geschuldet? Ein Vorteil des „Superwahljahres“ 2021 ist ganz sicher, dass wir alle ein Wörtchen mitzusprechen haben. Oder wie der Bundespräsident sagt:

Vertrauen beruhe in einer Demokratie „auf einer sehr fragilen Übereinkunft zwischen den Bürgern und ihrem Staat. Du, Staat, tust Deinen Teil; ich Bürger tue meinen“, mahnte der Bundespräsident. Am Ende aber sei „Vertrauen in der Demokratie nichts anderes als dies: uns selbst vertrauen“.

Das Alter, Corona, der Tod. Ach Gott. – Christoph Strack (Deutsche Welle)

Christoph Strack (@Strack_C) hat Thomas Jeutner begleitet. Der evangelische Pfarrer ist in Berlin auch für ein Pflegeheim zuständig, in dem während der Corona-Pandemie mehr als die Hälfte der BewohnerInnen gestorben ist. Die Heimleiterin Ute Goede und Jeutner erzählen von einem besonders schwierigen Jahr und davon, wie es sie und das Leben im Heim verändert hat.

Sie erzählen davon, dass Angehörige ihre Alten und Kranken nicht besuchen konnten. Sie erzählen davon, dass die BewohnerInnen in ihren Zimmern vereinzelt werden mussten, und von der Angst der Mitarbeiter:innen, sich anzustecken und selbst zu erkranken. Und sie berichten davon, dass dank der Impfungen inzwischen etwas Normalität einkehrt.

Dieses Gespräch mit einem erschöpften Mitarbeitenden der Pflegeeinrichtung geht Thomas Jeutner nicht aus dem Kopf. Da ging es um die Bedrohung durch Corona und die dramatische Lage im Heim. „Wissen Sie, ich glaube nicht an Gott, sagte der junge Mann. Und dann: Aber ich bete für jeden, der hier lebt und Corona hat, dass er überlebt.“ Jeutner hält im Erinnern dieses Gesprächs inne. „Das war im Grunde ein Glaubensbekenntnis“, sagt er.

nachgefasst

„Den Menschen Trost und Hoffnung geben“ – Interview mit Heinrich Bedford-Strohm von Benjamin Lassiwe (Weser-Kurier)

Für den Weser-Kurier hat Benjamin Lassiwe (@lassiwe) mit dem EKD-Ratsvorsitzenden und bayerischen @landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gesprochen. Im Ostergespräch der beiden dreht es sich recht bald vor allem um den assistierten Suizid (die ganze Debatte hier in der Eule).

Ich kann mir keine Suizid-Assistenz als Teil der Angebotspalette eines diakonischen Heims vorstellen. Das wäre das falsche Zeichen. Für mich ist aber völlig klar: Menschen müssen begleitet werden, unabhängig davon, was sie tun, denken oder handeln. Einfach, weil sie Menschen sind, die sich in einer Notsituation befinden. Da müssen wir an ihrer Seite stehen. Das heißt aber nicht, dass wir zu allem, was sie sich an Handlungen von uns wünschen, „ja“ sagen werden.

Bedford-Strohm kommt im Interview selbst auf sein Buch mit Argumenten gegen die Sterbehilfe von 2015 zu sprechen. Leider ist er seitdem in der Sache härter, in der Sprache aber unverständlicher geworden (s. #LaTdH vom 17. Januar 2021). So richtig klar ist mir jedenfalls nicht, wie er sich die gesetzliche Neuregelung und den zukünftigen Umgang damit in der Diakonie vorstellt.

Kölner Missbrauchs-Gutachen

Seit zwei Wochen liegt das Gercke-Gutachten zur Missbrauchs-Vertuschung im Erzbistum Köln vor (wir berichteten hier und in den #LaTdH vom 21. März). Seit vergangener Woche kann nun auch das ursprünglich zur Veröffentlichung vorgesehene, dann verschobene, dann zurückgehaltene Gutachten der Münchner Kanzlei WSW eingesehen werden. Ein seltsames Vorgehen, dass für das Erzbistum zum Boomerang wird.

Einsicht genommen hat u.a. Christian Linker und seine Eindrücke von beiden Gutachten im Theosalon aufgeschrieben:

Beides sind natürlich juristische Texte, sogar Meta-Texte gewissermaßen, denn sie handeln nicht von Personen, sondern von Personalakten, die über jene Personen geführt wurden, welche wiederum an anderen Personen Verbrechen verübt haben. Von den Betroffenen aus gesehen ist das die Meta-meta-meta-Ebene. Und wer das beim Studium der dicken Ringordner nicht vergessen will, muss sich den Schmutz und das Blut, das Sperma der Täter und die Tränen der Betroffenen hinzudenken, um sich nochmals klar zu machen, was hier überhaupt verhandelt wird.

Und auch Christiane Florin (@christianeflori) beschäftigt sich auf ihrem Blog erneut mit dem Erzbistum, dem dazugehörigen Erzbischof Rainer Maria Woelki und den Gutachten. Sie zeichnet ein größeres Bild, das einbezieht, was der jetzige Erzbischof über seinen Mentor bei dessen Beerdigung zu sagen hatte. Ihr Zwischenfazit:

Mir graut schon vor den Karfreitags- und Osterpredigten, die das Gutachtengeschehen, sei nach dem Gercke- oder nach dem WSW-Evangelium, theologisch ausschlachten, für Kardinalshuldigungs- oder Opfer-Mitfühl-Kitsch. Lassen Sie uns bitte sachlich bleiben! Es gibt noch viel in der Sache zu recherchieren. Es sind viele Fragen nach Mitwisserschaft, ethischer Hilfspflicht und Gewissensaufstand offen.

„Die Kirchen stehen erst am Anfang“ – Interview mit Samuel Salzborn (Jüdische Allgemeine)

Im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen übt der Sozialwissenschaftler und Rechtsextremismus-Experte sowie Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn (@ProfSalzborn) Kritik an den Kirchen: Sie stünden bei der Auseinandersetzung mit antijüdischen Einstellungen erst am Anfang. Als zwei Problemfelder benennt Salzborn Antijudaismen in der Lutherübersetzung und das Festhalten am ehrenden Gedenken für Personen der Zeitgeschichte wie Papst Pius XII. – nach dem in Berlin eine Straße benannt ist.

Wenn man bei solchen Knackpunkten nicht bereit ist, sich auf eine selbstkritische, schmerzende Debatte einzulassen, wie viel ist dann sonst dran an Toleranz und Akzeptanz, am interreligiösen Dialog? Mein Eindruck ist, dass solche Signale der verfassten Kirchen erhebliche Resonanz auslösen, die antijüdische und antisemitische Ressentiments bestärken.

Namhafte Wissenschaftler:innen und Autor:innen haben derweil mit der „Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus“ eine neue Antisemitismus-Definition vorgelegt, die intensiv debattiert wird. In diese Debatte können wir in den #LaTdH diese Woche aus Platzgründen leider nicht tiefer einsteigen. Hingewiesen sei auf die umfassende Lektüreliste von Serdar Güneş (@serdarguenes), der auf seinem Blog nicht nur den Weg zu den wichtigen Dokumenten, sondern auch zu den Debattenbeiträgen in der Presse weist.

Buntes

„Es war masochistisch von mir, Theologie zu studieren“ – Interview mit Chiara Battaglia von Sara Tomšić (ZEIT Campus)

Für ZEIT Campus interviewt Sara Tomšić (@Sara_Tomsic) Chiara Battaglia (@chiarabatt_), die katholisch aufgewachsen ist, katholische Theologie studierte und bei einem katholischen Bistum in der Flüchtlingshilfe beschäftigt ist – und trotzdem ihren Glauben eingebüßt hat.

[D]ie Kirche vergrault, verletzt und diskriminiert diejenigen wie mich, die eigentlich glauben und ein Teil der Gemeinschaft sein wollen. Aber gleichzeitig hat die Kirche für die meisten jungen Menschen längst keine Bedeutung mehr. Wir sind so pluralisiert in unseren Lebensentwürfen, wir haben die Möglichkeit uns patchworkmäßig das Beste aus vielen Religionen zusammenzusuchen, wir erleben Spiritualität ganz ohne Kirche. Clubs und Konzerte sind für uns die neuen Gottesdienste, Social Media spendet uns Gemeinschaft, wir finden Sinn in der Welt. Viele brauchen die Kirche nicht mehr.

Gott ist online – aber sind wir dafür bereit? – Christian Schnaubelt (explizit.net)

Christian Schnaubelt (@cschnaubelt) hält zugeleich Rückschau auf ein Jahr Kirche im Netz während der Corona-Pandemie und auf die Tagung „Kirche im Web“ Mitte März. Seine Überlegungen, in die er u.a. auch Wolfgang Beck (@wolfgang_beck) von der PTH Sankt-Georgen einbindet, der an der CONTOC-Studie für Deutschland beteiligt ist, fallen um einiges optimistischer aus, als meine Überlegungen zu den Missverständnissen der Kirche im Netz von dieser Woche.

Selten habe ich in der (kath.) Kirche eine so intensive Debatte unter Haupt und Ehrenamtlichen darüber erlebt, wie die Kirchen den Menschen trotz der Covid19 eine Teilhabe am (Gemeinde-) Leben ermöglichen können. Selten habe ich „meine“ kath. Kirche so einladend und innovativ erlebt. Auch wenn (gestaltungs-)technisch sicherlich bei dem ein oder anderen Digitalangebot noch „Luft nach oben“ (Prof. Andreas Büsch) ist, ist das Wichtigste: Die Richtung stimmt!

Die entscheidende Fragen, die mit stärkeren Fokus auf das Analoge auch Reinhard Bingener (@RBingener) und Thomas Jansen in der FAZ stellen, ist: Wer wird die Kirche von heute und morgen gestalten, die zugleich von Rückbau oder gar Auflösung ihrer traditionellen analogen Strukturen und der Möglichkeit digitaler Aufbrüche geprägt ist? Wie kann ein Neben- und Miteinander dieser Ausdrucksformen des Glaubens gelingen?

Im Magazin für explorative Theologie Cursor_ (@CursorZeth) schlagen Selina Fucker (@selinafui2, hier in der Eule), Hella Blum (@hellablum) und Frederike van Oorschot (@ReligionFESTHD1) dazu passende Thesen zu Amt und Gemeinschaft einer Kirche in der Digitalität vor.

Verliert das Abendmahl an Bedeutung? – Interview mit Dorothea Haspelmath-Finatti (Domradio)

Im Interview mit dem Kölner Domradio spricht Dorothea Haspelmath-Finatti, evangelische Theologin und Lehrbeauftragte am Institut für Praktische Theologie an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, über die Bedeutung des Abendmahls in den evangelischen Kirchen während der Corona-Pandemie.

Was sie da sagt, lässt sich meinem Empfinden nach auch auf die katholische Kirche ausweiten – denn auch dort feiern seit einem Jahr nur sehr wenige Christ:innen (regelmäßig) das Mahl des Herrn. Ganz richtig ist ihre Beobachtung, dass der hohe Stellenwert des Abendmahls, der in den evangelischen Kirchen in den vergangenen Jahrzehnten erst wieder „gegen“ Predigt und Kirchenmusik erstritten werden musste, durch die Corona-Pandemie Schaden nimmt.

Mit offenem Ausgang -Hans Michael Heinig (FAZ)

Hans Michael Heinig (@hmheinig) lehrt üblicherweise Öffentliches Recht und Kirchenrecht an der Universität Göttingen und ist der evangelischen Kirche durch Ehrenämter und als Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD verbunden. In der FAZ wird er grundsätzlich und beschreibt in einem lesenswerten Aufsatz die Herausforderungen für die bisherige religionskulturelle und -politische Ordnung in Deutschland durch Traditionsabbruch und die Europäisierung des Religionsrechts.

Dabei unternimmt Heinig eine veritable Tour de force durch Themen wie die Ablösung der Staatsleistungen, die Körperschaftsstatus von Kirchen und muslimischen Religionsgemeinschaften sowie kirchliche Handlungsfelder wie Kindergärten, Religionsunterricht und Sterbebegleitung. Weil dabei so vieles offen und ungeklärt ist, handelt es sich bei dem Aufsatz eigentlich um eine Karsamstags-Lektüre, die man aber auch mit der Auferstehung im Rücken nachholen kann.

Theologie

Wie nahe sind sich Pessach und Ostern wirklich? – Alfred Bodenheimer (Jüdische Allgemeine)

Landläufig hält sich die Überzeugung, das christliche Osterfest verdanke sich der Tradition des jüdischen Pessachfestes. Tatsächlich sind beide Feste aufeinander bezogen, jedoch nicht einfach nur durch die im Zweiten Testament erzählten Überschneidungen von Termin und Festpraxis. Alfred Bodenheimer berichtet in der Jüdischen Allgemeinen von der wissenschaftlichen Arbeit des israelischen Judaisten Israel Yuval:

Yuvals zentrale Forschungsthese lautet, dass grosse Teile der Pessach-Haggada, also der Befreiungserzählung, die das Zentrum des Sederabends bildet, als unmittelbare Reaktion auf christliche Diskurse zu lesen sei, die das Judentum disqualifizieren wollten. […] Die älteren jüdischen Forscher gingen, so Yuval, instinktiv immer davon aus, die Schriften der jüdischen, älteren Religion, seien notwendigerweise früher entstanden als die christlichen. Yuval bestreitet dies mit guten Argumenten, was der Haggada teilweise den Charakter einer Verteidungsschrift gegen christliche Angriffe verleiht.

»Die Haggada«, folgert der Judaist, »repräsentiert den jüdischen Dialog mit der christlichen Interpretation von Pessach. Dieser Dialog kreist um eine geteilte Hoffnung von Erlösung, ist aber in seiner Natur polemisch, da er gemeinsame Inhalte enthält, die von jeder Gruppe verwendet werden und die andere Gruppe verneint.«

Gleichwohl stellt Yuval fest, dass die Polemik der Haggada gegen die christliche Interpretation ohne die Vorkenntnis ihrer Entstehungsgeschichte nicht wahrnehmbar ist, während der Antijudaismus, z.B. der katholischen Karfreitagsfürbitte nach altem Ritus, für jede:n evident ist.

Predigt

Eine riesige Menge Video- und Online-Gottesdienste und -Streams zu Ostern und den vorausgegangenen Feiertagen findet man auf Selina Fuckers „Kirche während Corona“-YouTube-Playlist.

#StationsOfTheCross – Richard Coles (Twitter)

Seit 2013 twittert Richard Coles (@RevRichardColes) an Karfreitag einen Bilderkreuzweg auf Twitter (auch für Nicht-Twitter-Nutzer:innen zugänglich). Es sind Bilder des Jahres, die er den 14 Stationen des Kreuzwegs von der Verurteilung Jesu bis zu seiner Grablege zuordnet. Jedes Bild, manche davon aus den Nachrichten bereits bekannt, aktualisiert die Passionsgeschichte.

Es sind Bilder voller Gewalt, kein Wort mehr schreibt Coles dazu. Einige Verknüpfungen sind überraschend, andere liegen in diesem Corona-Jahr auf der Hand. Coles‘ Kreuzweg gibt also Anlass zum Nachdenken, zur Diskussion und vor allem zur stillen Meditation.

Ein guter Satz

„In the creed we say that after “he was suffered and was buried”, Jesus “descended into hell (to the dead).” I always thought he went looking for Judas.“

– Reverend Daniel Brereton (@RevDaniel)

Mitdiskutieren